Drum Workshop

drummer @ work: Jeff Porcaro TOTO, LIVE AT MONTREUX 1991

In der STICKS-Workshop-Serie “drummer @ work” präsentieren wir bemerkenswerte aktuelle wie klassische Recordings mit beachtenswerten Drum-Performances. Aus dem STICKS-Archiv stammt dieser Drum-Workshop mit Jeff Porcaro , der mit der Band Toto 1991 beim Monteux-Jazz-Festival auftrat. Die CD/DVD von dieser Performance ist eines der raren Live-Dokumente dieses faszinierenden Schlagzeugers. 

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Die US-amerikanische Rock-Band Toto wurde 1977 in Los Angeles gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten, neben Sänger Bobby Kimball, der Keyboarder David Paich, Bassist David Hungate und Drummer Jeff Porcaro, die bereits als Studiomusiker auf einigen gemeinsamen Produktionen gespielt hatten (z. B. dem Millionenseller „Silk Degrees“ von Boz Scaggs) und in der Live-Band von Sonny & Cher tätig waren. Jeff Porcaro war damals gerade mal 17 Jahre alt und hatte seinen HighschoolAbschluss sausen lassen, um in diese Band einzusteigen. Apropos Highschool: Paich und Porcaro waren schon zu Highschool-Zeiten beste Freunde. In den Klassen unter ihnen waren die Porcaro-Brüder Steve (der als Keyboarder ebenfalls zu den Toto-Gründern zählte) und Mike (der 1982 David Hungate am Bass ablöste) sowie die Gitarristen Mike Landau und Steve Lukather (letzterer ebenfalls Toto-Gründungsmitglied). 1977 gingen David Paich, Jeff Porcaro, David Hungate und Steve Lukather übrigens mit Boz Scaggs auch auf Europatournee.
Seither haben Toto 19 Alben veröffentlicht und wurde zudem mit sechs Grammys ausgezeichnet, allein vier davon für das legendäre Hit-Album „Toto IV“.

Ein schwerer Schlag traf die Band, als Drummer Jeff Porcaro am 5. August 1992 überraschend an Herzversagen starb. Sein Nach – folger wurde Simon Phillips, der für zwei Jahrzehnte Band-Mitglied war. Auf ihn folgten die Drummer Keith Carlock und Shannon Forrest.

In ihrer langen Band-Geschichte spielten Toto in unterschiedlichen Band-Besetzungen. 1991/92 gab es nach Meinung vieler eine kurze Zeit, in dem die Band in einer ihrer besten Besetzungen spielte: mit Steve Lukather (Gitarre & Gesang), David Paich (Keyboard & Gesang), Mike Porcaro (Bass) und Jeff Porcaro (Drums). Mit diesem Kern sowie einigen weiteren Live-Musikern für Perkussion und Gesang spielte Toto im Juli 1991 ein Konzert auf dem renommierten Montreux-Festival. Dieses Live-Konzert wurde nun erstmalig als Video-Mitschnitt veröffentlicht und stellt eines der seltenen Zeitdokumente von Jeff Porcaro als Live-Drummer dar. Ein willkommener Anlass für uns, sich einmal einigen Groove-Variationen des fantastischen und einzigartigen Drummers Jeffrey Thomas Porcaro in dieser Workshop-Folge zu widmen.

ROSANNA
Notenbeispiel 1 zeigt den während des Intro gespielten, geradezu legendären Groove dieses Song-Klassikers. Bei dieser Live-Version lassen sich leider einige Hi-Hat-Anschläge sowie Snaredrum-Ghost-Notes nicht eindeutig verifizieren. Auffällig ist, dass der hier gespielte Bassdrum-Akzent auf der sechsten Sechzehntel-Triole der Zählzeit „3“ in der Original Studiofassung des Titels nicht gespielt wird. Neben der ebenfalls alternativen Version aus dem „Star Licks“-Tutorial-Video (mit gelegentlichem Bassdrum-Beat auf der Zählzeit „4“ parallel zum Snaredrum-Backbeat) ist dies allerdings ein weiterer Beweis dafür, dass Jeff Porcaro seine Beats auch gerne mal variiert hat und keinesfalls sklavisch an seinen eigenen Vorgaben hing.

AFRICA
Notenbeispiel 2: Nach dem kurzen IntroFill zeigt dieses Notenbeispiel den bei diesem Mega-Hit gespielten Groove, der im Prinzip unverändert – mit Ausnahme eines Wechsels auf den Zählzeiten „2“ und „4“ von einem Cross-Stick-Anschlag zu einem normalen Snaredrum-Akzent – während des kompletten Titels durchläuft. Markant sind die Bassdrum-Anschläge auf allen ViertelZählzeiten sowie jeweils auf der vierten Sechzehntelnote aller Viertel-Zählzeiten, wobei diese etwas leiser gespielt werden. Notenbeispiel 3: Bei dem Übergang nach dem Keyboard-Solo zum Refrain des Songs spielt Jeff Porcaro in dieser Live-Version dieses hier notierte Fill-Pattern. Auf den Zählzeiten „1“ und „2“ kommt eine 6er-GruppenHand/Fuß-Kombination mit dem Sticking R-L-R-L-BD-BD zum Einsatz. In der zweiten Takthälfte spielt Jeff das für ihn typische synkopische Fill-Pattern mit Anschlägen auf den Zählzeiten „3“, „3a“ sowie „4und“.

ON THE RUN
Notenbeispiel 4 zeigt den während des Songs gespielten Basis-Beat, ein ShuffleGroove mit Snaredrum-Akzenten auf den Backbeat-Zählzeiten „2“ und „4“. Auffällig ist die mit Ausnahme der Backbeat-Zählzeiten basismäßig ebenfalls in der Shuffle-Rhythmik gespielte Bassdrum.
Notenbeispiel 5: Im weiteren Song-Verlauf kommt der hier notierte Beat in einem Zwischenteil bzw. während des Gitarrensolos zum Einsatz. Auch dieser Rhythmus basiert auf der ternären Rhythmik der Achteltriolen. Allerdings liegt der Snaredrum-Backbeat nun lediglich auf der Zählzeit „3“, das Ganze läuft demnach in Relation zum zuvor in Beispiel 4 gezeigten Groove im Halftime-Feel. Zudem kommt basismäßig mit dem sogenannten Double Paradiddle ein StandardRudiment Sticking zum Einsatz: R-L-R-L-RR/L-R-L-R-L-L. Die rechte Hand spielt Jeff dabei auf dem Ride-Cymbal, während er mit der linken Hand die Snaredrum spielt. Auffällig ist, dass die letzte Achteltriole der Zählzeit „4“ akzentuiert wird. Ob dabei die zweite Achteltriole der Zählzeit „4“ (wie hier notiert) als Ghost Note umgesetzt wird, lässt sich bei diesem Live-Mitschnitt leider nicht hundertprozentig ausmachen, dürfte allerdings dem Feel dieses Grooves entsprechen.

I’LL BE OVER YOU
Notenbeispiel 6 zeigt nach einem für Jeff Porcaro typischen, synkopischen Fill mit Tom-Akzenten auf den Zählzeiten „3“, „3a“ sowie „4und“ den während des Song-Intro gespielten Beat. Der Snaredrum-Backbeat liegt hier auf der Zählzeit „4“, wodurch ein spezielles Halftime-Feel erzeugt wird. Die Hi-Hat läuft hier nicht in Sechzehntelnoten durch, sondern pro Viertelnoten-Zählzeit als ein Pattern, das aus einer Achtelnote und zwei Sechzehntelnoten besteht. Die synko – pischen Bassdrum-Akzente auf den Zählzeiten „1“, „1a“ sowie „2und“ sorgen für den Flow und die Charakteristik. Notenbeispiel 7: In diesem Beispiel ist in Takt 1 das Fill-Pattern notiert, das im Takt vor dem Beginn des Refrains gespielt wird. Auch diese Figur lebt speziell ab der Zählzeit „3“ von der synkopischen Phrasierung und fügt sich somit nahtlos in die charakteristische Song-Rhythmik ein. Einfach klasse! //

In der STICKS-Ausgabe 01/02:2017, aus der dieser Drum-Workshop stammt, finden sich viele weitere interessante Artikel für Drummer und Percussionisten, z. B. ein umfangreiches Interview mit den drei Drummern von King Crimson (Gavin Harrison, Pat Mastelotto und Jeremy Stacey), Testberichte von Drums (u. a. DW, Gretsch, Pearl) und Percussion (LP, Meinl) sowie weitere Drum-Workshops wie z. B. “Turnaround Workouts am Set” aus der Reihe “Left Hand Training”.

 

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