Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
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Kolumne

Drums & Business: Steuererklärung

Patrick Metzger(Bild: Christian Weber)

Willkommen zu einer weiteren Folge meiner „Business“-Kolumne. Nachdem wir zuletzt über das Thema der persönlichen Buchhaltung gesprochen haben, um den Überblick und die Kontrolle über unsere Einnahmen und Ausgaben nicht zu verlieren, möchte ich mich dieses Mal dem mitunter doch recht heiklen Thema der Steuern widmen – denn diese sind für viele freiberufliche Musiker oftmals ein rotes Tuch.

Da ich weder Steuerberater noch Finanzbeamter bin, darf ich natürlich keine Rechtsberatung in diesem Bereich geben. Ich möchte allerdings ganz allgemein einmal auf ein paar Punkte hinweisen, die man vielleicht beachten sollte. Gerade beim Thema Umsatzsteuer gibt es oft Aufklärungsbedarf, und daher werden wir dem sogar noch eine weitere, eigene Folge der „Drums & Business“-Kolumne widmen. Hier zunächst einmal einige allgemeine Betrachtungen zum Thema Steuern.

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Einkommenssteuer

Zu diesem Thema gibt es für unseren Berufszweig gar nicht viel Spezielles zu sagen, da jeder von uns nach dem Einkommensteuergesetz (EStG) auch steuerpflichtig ist. Nach Abzug aller Ausgaben, die wir als Selbstständige so haben (Gewinn/Verlust-Rechnung), müssen wir diesen Betrag beim zuständigen Finanzamt als Gewinn bzw. Einkommen angeben. Es gilt lediglich zu beachten, ob diese „Summe X“ dann über oder unter dem zu versteuernden Steuerfreibetrag liegt. Nach aktuellen Recherchen und der letzten Änderung des EStG im Januar 2019 liegt dieser Steuerfreibetrag bei € 8.820,– im Jahr.

Umsatzsteuer

Bei der Umsatzsteuer sieht es hier schon etwas anders aus. Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten.

  1. Eine Umsatzsteuerbefreiung nach §19 UStG für Kleinunternehmer
  2. Die Umsatzsteuerpflicht nach §12 UStg mit 19% bzw. 7%
  3. Eine Umsatzsteuerbefreiung nach §4 UStG Abs. 20 und 21.

Hier in Kurzform ein paar Informationen zu Punkt 1 und 2, was diese Paragraphen, für uns freiberufliche Musiker bedeuten. Punkt 3, die Umsatzsteuerbefreiung, möchte ich in der nächsten Ausgabe dieser Kolumne etwas ausführlicher behandeln.

§19 USTGG

Belaufen sich meine Umsätze innerhalb eines Jahres unter € 17.500,– so greift hier die so genannte Kleinunternehmerregelung. Unterhalb dieses Betrags muss ich keine Umsatzsteuer abführen und sollte dies auch auf meinen Rechnungen so vermerken. Dies führt jedoch oftmals zu Missverständnissen, da dieser Betrag nicht für unsere Gewinnermittlung bei der Einkommenssteuer gilt. Sollte also mein Gewinn in einem Jahr die € 17.500,– nicht überschreiten, jedoch mein gesamter Umsatz, so greift hier die Kleinunternehmerreglung nicht mehr. Für die Einkommenssteuer gilt eine Grenze von € 9.000,– wie oben bereits erwähnt. In diesem Zusammenhang sind also auch die Ausgaben sehr relevant.

Sehen wir es doch mal realistisch. Wer als Selbstständiger nicht mehr als € 17.500,– verdient und durch seine Versicherungen und die laufenden Fixkosten sowieso viele Ausgaben hat, wird hier höchstwahrscheinlich als Kleinunternehmer von der Umsatzsteuer befreit sein, sowie auch unter den Steuerfreibetrag bei der Einkommenssteuer fallen.

§12 USTG

Unter diesem Paragraph ist die Umsatzsteuer in Höhe von 19 % klar geregelt. Es gibt jedoch hier auch die Regelung für musikalische und künstlerische Darbietungen unter Abs. 2 Nr.7 UStgG mit 7 %. In diesem Punkt gibt es die meisten Unstimmigkeiten und mitunter sogar eine Unwissenheit bei Mitarbeitern des Finanzamts selbst, da sich Finanzbeamte in unserer Branche auch nicht so wirklich auskennen.

Wann schreibe ich 7 %, wann schreibe ich 19 % auf meine Rechnung? Manchmal so und manchmal so? Hier habe ich schon die tollsten Geschichten von Kollegen und sogar Steuerberatern gehört. Am schönsten sind dann Argumentationen wie: „Sie sind ja nicht künstlerisch tätig, sie spielen ja Musik nur nach …“ Oder: Bei Privatveranstaltungen sind es 19 % und bei offiziellen Veranstaltungen sind es 7%? Meine Arbeit, meine Dienstleistung und meine künstlerische Tätigkeit ist aber doch die Gleiche, oder?

Tipp: An dieser Stelle möchte ich übrigens dringend empfehlen, einen Steuerberater zu Rate zu ziehen, der sich in unserer Branche und mit freiberuflichen Künstlern auch auskennt! Also keinen Steuerberater, der sich in das Thema erst einmal einlesen muss und dann diese Zeit in Rechnung stellt. Gegenüber dem Finanzamt sollte man in jedem Fall gut argumentieren können.

Meine persönliche Meinung geht hier mit der vieler Steuerberater und Fachleute aus der Musikbranche konform. Es versteht sich von selbst, dass das Finanzamt am liebsten immer 19 % kassieren würde. Egal was, wo und wie wir etwas spielen und tun, so bleibt es eine künstlerische Tätigkeit. Auch beim „Covern“. Wir bringen unsere eigene Kreativität und künstlerische Freiheit immer mit ein, und spielen die Musik, nach unserem eigenen Level und Ermessen. Wir orientieren uns an einem Original, interpretieren es aber auf unserer Art und Weise. So wie das Original können wir es sowieso nicht spielen. Musiker mit eigenen Songs wären hier ja automatisch auch bevorzugt. Wir wissen das, viele Nichtmusiker jedoch nicht. Anders als bei einem DJ. Dieser bringt vielleicht auch seine Kreativität mit ein wenn er seinen eigenen Remix baut, jedoch nutzt er oftmals das Original oder einen anderen Track als Vorlage. Er reproduziert in diesem Falle nichts von Grund auf, was wir jedoch (auch) bei einem Cover-Gig tun. Auch wenn wir eine Dienstleistung anbieten, egal für welche Art der Veranstaltung (öffentlich, Firmen-Event, Privat, Konzert, etc.), so ist und bleibt es eine künstlerische Tätigkeit und Interpretation, welche laut §12 Abs.2 UStG mit 7% zu versteuern ist.

Ihr merkt sicherlich, wie heikel dieses Thema ist. Ich gebe hier nochmals nachdrücklich den Tipp, sich mit einem kompetenten Steuerberater und Fachmann zu unterhalten. Ich persönlich finde dieses Thema sehr interessant und würde mich über eure Rückmeldungen freuen, wie ihr das Thema „Steuern“ so handhabt.


(aus STICKS 05-06/2019)

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