Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums
Kolumne Drums & Business

Drums & Business: Finanzen und Buchhaltung

Patrick Metzger(Bild: Christian Weber)

Willkommen zu einer weiteren Ausgabe meiner „Drums und Business“-Kolumne. Und in dieser Folge geht es „ans Eingemachte“, denn wir wollen mal ein bisschen über das liebe Geld reden.

Als selbstständige Einzelunternehmer in der Musikbranche sind wir für unsere Buchhaltung und Finanzen selbst verantwortlich. Somit ist es sehr, sehr wichtig hier stets einen guten Überblick zu behalten. Bevor wir jedoch weiter ins Detail gehen, möchte ich dringend darauf hinweisen, dass ich weder Finanzberater noch Bankkaufmann bin. Ich möchte hier allerdings gerne ein paar Tipps aus meiner täglichen Praxis als Berufsmusiker geben und kann in dieser Hinsicht sicherlich etwas „aus dem Nähkästchen plaudern“.

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Wie schon oft in dieser Kolumne erwähnt, sind wir ja nicht nur Musiker, Künstler, Lehrer etc., sondern auch unser eigener Manager, Booker, Buchhalter und Finanzberater. Gerade beim Jahres- oder Quartalswechsel oder wann auch immer eine Steuererklärung ansteht, ist es wichtig eine Bilanz zu ziehen und somit einen guten Überblick über seine Finanzlage zu erhalten. Hier also ein paar Tipps in Kurzform, die euch vielleicht etwas helfen können.

Fixkosten & Ausgaben

Erstellt euch eine Liste (z. B. eine Excel-Tabelle) mit euren monatlichen Fixkosten wie zum Beispiel: Miete (Wohnung, Proberaum, Lager), Auto, Lebensunterhalt allgemein, Versicherungsbeiträge und die weiteren üblichen monatlichen Rechnungen. Behaltet diese Zahlen immer im Überblick und überlegt euch, wie viel ihr monatlich verdienen müsst, um diese Kosten zu decken.

Einkünfte & Rechnungen

Erstellt euch ähnlich wie im Falle der monatlichen Ausgaben eine Tabelle mit euren monatlichen Einkünften durch Konzerte, Unterricht, Workshops etc. Listet alle Posten auf, aus denen ihr regelmäßig Einkünfte generiert. Hierzu gehören auch GEMA, GVL, Online-Verkäufe (Bücher, CDs, DVDs, kostenpflichtige Downloads, Merchandise) etc. Durch das Unterrichten, feste Engagements und steady Gigs kann natürlich ein monatliches Grundgehalt gesichert sein. Es versteht sich wohl von selbst, dass diese Summe immer etwas höher ausfallen sollte, als die der monatlichen Ausgaben. Natürlich sind viele dieser Einkünfte immer saisonal bedingt und können je nach Auftragslage selbstverständlich auch variieren. Daher empfehle ich dringend, so gut wie es geht, immer einen kleinen finanziellen Puffer zu haben.

Rechnungen

Nicht nur für die Steuererklärung, sondern auch für euch selbst ist es wichtig, die Rechnungen, die ihr euren Auftraggebern stellt, auch genau zu kontrollieren. Welche Rechnung wurde zu welchem Zweck, wann geschrieben und gezahlt? Immer wieder treffe ich auf Kollegen, die gerade hier den Überblick verlieren und nicht mehr wissen, dass sie noch seit Monaten eine offene Rechnung ausstehen haben. Auch kann es problematisch werden, wenn Rechnungen nicht richtig geschrieben sind. Hier ein paar Infos, was auf einer amtlich ausgestellten Rechnung stehen muss:

  • Adresse des Rechnungsempfängers bzw. Auftraggebers (ggf. Ansprechpartner der Band oder Musikschule)
  • die eigene Postanschrift
  • Rechnungsdatum
  • Steuernummer
  • euer zuständiges Finanzamt
  • Welche Dienstleistungen wurden vollbracht?
  • Datum der Dienstleistung/Veranstaltung
  • Ort der Dienstleistung/Veranstaltung
  • Rechnungsbetrag in Euro
  • Fahrtkosten und Reisekosten müssen extra aufgelistet werden!
  • Umsatzsteuer (7 %, 19 % oder umsatzsteuerfrei). Hier empfehle ich, immer den jeweilig entsprechenden steuerlich relevanten Paragraphen zu erwähnen.
  • Zahlungsart (Bar/Überweisung)
  • Zahlungsziel
  • Bankverbindung inkl. Name der Bank

Das Thema Umsatzsteuer werden wir uns in der Kolumne der nächsten STICKS-Ausgabe gesondert anschauen, da es hier verschiedenste Möglichkeiten und leider oft auch Missverständnisse gibt.

Finanzen und Buchhaltung

Gewinn & Verlust

Stellt beide Tabellen in einer Gewinn/Verlust-Rechnung gegenüber, um einen guten Überblick über eure aktuellen Finanzen zu haben. Grundsätzlich sollte man monatlich immer den „Break Even“ erreichen. Das bedeutet, eure Einnahmen sollten mindestens so hoch sein wie eure Ausgaben, im besten Falle natürlich höher. Diese Differenz ist dann euer Gewinn.

Habt ihr hier zudem immer einen guten Puffer eingeplant, dann könnt ihr einen schlechten Monat auch mal ohne großes Risiko ausgleichen. Ich persönlich empfehle immer, einen finanziellen Puffer für Sonderkosten zu haben, den ihr zum Beispiel durch die Gagen einer Tour, Einkünfte aus Recording Sessions etc. – also aus Einnahmen, die nicht regelmäßig sind, aber dennoch einen relativ hohen Betrag ergeben – aufbauen könnt. Dieses daraus geschaffene Budget kann einem dann schon mal eine kleine Sicherheit geben, zum Beispiel für eine unerwartete Autoreparatur-Rechnung, eine unvorhergesehene Steuernachzahlung, oder auch für positivere Angelegenheiten wie Urlaub, neue Instrumente oder wenn ihr ganz einfach mal in euch investiert, wie beispielsweise spezielle Promotion-Aktivitäten. Letzteres ist ebenfalls wichtig zur Förderung eurer Karriere – und kann wieder als Ausgabe abgerechnet werden.

Fazit

Eine sorgfältige und übersichtliche Buchhaltung erspart euch Zeit bei eurer Steuererklärung oder auch zumindest einen Teil der Kosten, wenn der Steuerberater diese für euch macht, denn ihr zahlt schließlich seine Arbeitszeit. Wichtiger: Ihr habt so immer einen guten Überblick über eure aktuellen Einnahmen und laufenden Fixkosten. Eine gut sortierte Buchhaltung – klassisch analog in einem Ordner oder auch digital in übersichtlichen Excel- Tabellen – kann auf jeden Fall viel Zeit sparen und gegebenenfalls zur Vorlage beim Steuerberater oder gar beim zuständigen Finanzamt viel Stress ersparen.

Abschließend möchte ich nochmals erwähnen, dass alles was ich hier schreibe auf meinen persönlichen Erfahrungen beruht und Beispiele meiner persönlichen Vorgehensweisen sind. In meiner „Drums & Business“-Broschüre gibt es zu diesem und weiteren Business-Themen viele weitere ausführliche Informationen und auch Beispiel-Tabellen. Wie immer gehe ich natürlich auch sehr gerne auf eure Fragen und Wünsche ein. Bitte hierzu eine E-Mail an mail@drumsolo.de senden! Bis zum nächsten Mal wünsche ich euch geschäftlich alles Gute und viel Spaß beim Musikmachen!

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(aus STICKS 03-04/2019)

Produkt: Sticks 05-06/2019
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