Kolumne

Drums & Business: Versicherungen

Patrick Metzger(Bild: Christian Weber)

Willkommen zu einer weiteren Ausgabe meiner „Drums & Business“-Kolumne in STICKS. Ein weiteres wichtiges und oft diskutiertes Thema sind Versicherungen für uns Freiberufler, Künstler und Musiker. Beim Schreiben dieser neuen Kolumne musste ich schnell feststellen, dass es doch ziemlich viel Inhalt ist, was ich euch an Tipps und meinen Erfahrungen mit auf den Weg geben möchte. Daher habe ich mich entschlossen, das Thema Versicherungen in zwei Folgen aufzuteilen.

So kann ich besser ins Detail gehen, möchte aber in erste Linie aufzeigen, welche Möglichkeiten es prinzipiell gibt. Jeder sollte und muss jedoch für sich individuell entscheiden, was für ihn sinnvoll ist, und sich mit einem Versicherungsmarkler oder der Versicherung seines Vertrauens austauschen. Beginnen möchte ich mit der Standard-Versicherung für freiberufliche Musiker der sog. „Künstlersozialkasse“, bevor wir dann in Folge 2 beim nächsten Mal auf die freiwilligen und privaten Zusatzversicherungen zu sprechen kommen.

Anzeige

Künstlersozialkasse (KSK)

Hierzu zunächst einmal ein paar Grundlegende Informationen. Die KSK ist Teil der gesetzlichen Sozialversicherungen und wurde speziell für freischaffende Künstler und Publizisten ab Januar 1983 eingerichtet. Sie übernimmt den gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherungs- Arbeitgeberanteil. Den Arbeitnehmeranteil tragen wir selber, in dem wir monatlich unsere errechneten Beiträge an die KSK zahlen. Diese verteilt unsere Beiträge an die jeweilige Krankenkasse, deutsche Renten- und Pflege-Versicherung. Für viele Musiker ist die KSK die beste und günstigste Lösung im Vergleich zu einer privaten Krankenversicherung. Immer wieder fachen auch Diskussionen auf, dass die KSK abgeschafft werden soll, jedoch wären hier die sozialen Folgen schwer auszugleichen und bei knapp 187.000 Versicherten (Stand 2017) nicht so einfach umzusetzen.

Beiträge & Kosten

Was bedeutet es nun für uns Musiker? Wir bleiben Mitglied bei unserer gesetzlichen Krankenversicherung und richten unsere Beiträge an die KSK. Diese fordert hierzu immer zum Jahresende (01. 12.) eine Einschätzung für das Folgejahr, woraus sich dann der zukünftige Beitrag errechnet.

Dies ist leider ein typisches Beispiel der Bürokratie, denn kaum einer von uns weiß schließlich, was er im nächsten Jahr verdient und wie viele Aufträge er bekommt. Trotzdem sollte man hier immer realistische Angaben machen, denn eine Nachzahlung kann sehr teuer werden und sogar mit einem Rauswurf aus dem Versicherungsverhältnis enden. Es ist immer gut, freiwillig eine Kopie des Steuerbescheids an die KSK zu senden, damit diese den neuen Beitrag sofort berechnen, prüfen und ggf. anpassen kann, sollten doch gravierende Unterschiede vorliegen. Und noch eine Anmerkung sei gestattet: Da hier auch Rentenbeiträge abgeführt werden, die auch irgendwann wieder an uns ausgezahlt werden, ist es durchaus sinnvoll, hier nicht unbedingt ein bisschen sparen zu wollen.

Die Alternative zur KSK für uns freiberuflichen Künstler ist leider nur eine private Kranken-/Pflegeversicherung. Diese sind jedoch sehr teuer und leisten oft Zahlungen erst viel später, so dass wir in Vorkasse treten müssten. Viele haben sogar einen Selbstanteil, der nicht erstattet wird, ähnlich wie bei einer Autoversicherung mit einem Selbstanteil. Vor einem eventuellen Abschluss einer privaten Kranken-/ Pflege-Versicherung gilt es, sich auf jeden Fall genauestens zu Informieren und nach einem ärztlichen Gutachten mehrere Angebote von Versicherungen einzuholen.

Achtung: Diese Beiträge steigern sich nach Lebensalter, und eine Rentenversicherung muss dann noch zusätzlich abgeschlossen werden!

Krankenzusatzversicherung

Viele gesetzliche Krankenversicherungen bieten eine Zusatzversicherung im Krankheitsfall an. Hier gibt es die Möglichkeit, Krankengeld bereits ab dem 15. Krankheitstag zu bekommen. Ab Tag 42 zahlt die gesetzliche Kasse den üblichen Tarif, wie bei Arbeitnehmern. Dies kostet monatlich nur ein paar Euro und kann sich im Krankheitsfall wirklich auszahlen, wenn plötzlich Einnahmen ausbleiben.

Wichtiger Hinweis: Hierzu muss bei der KSK im Vorfeld ein Antrag auf Pflichtversicherung gestellt werden. Auch die Beiträge bei einer ärztlichen Bescheinigung im Krankheitsfall setzen aus. Also immer einen „gelben“ Schein vom Doktor holen und an die KSK und die Krankenkasse senden, genau wie ein normaler Arbeitnehmer.

KSK-Abgaben

Achtung bei der Funktion als Bandleader, Veranstalter, Agentur oder Auftraggeber: Als Bandleader oder Auftraggeber für deine Kollegen trittst du in dem Moment in die Rolle des Arbeitgebers und musst für deine Mitmusiker die KSK-Beiträge abführen! Prinzipiell ist dies natürlich eine gute und sinnvolle Idee, jedoch gibt es hier immer wieder Probleme und Streitfälle, die sogar teilweise vor Gericht enden.

Ein Beispiel: Natürlich bin ich als Bandleader der „Arbeitgeber“ für meinen Kollegen, jedoch tue ich dies im Auftrag für einen Veranstalter. Also ist dieser der eigentliche „Arbeitgeber“. Spielen dann zum Beispiel auch Kollegen mit, die nicht über die KSK versichert sind, oder vielleicht sogar Hobby-Musiker, die einen anderen Arbeitgeber haben, muss für diese ebenfalls der KSK-Beitrag abgeführt werden – meines Erachtens nach ein leider ein etwas unfaires Verteilungssystem. Es gibt zumindest teilweise Möglichkeiten, diese Zahlungen an den eigentlichen Veranstalter umzuleiten. Dies ist jedoch immer in einem Vertrag oder der Rechnungsstellung extra zu formulieren und individuell unterschiedlich. Übrigens müssen auch KSK-Abgaben für von euch beschäftigte Grafiker, Fotografen, Webdesigner etc. geleistet werden.

Das war der erste Teil zum Thema Versicherungen und KSK. Im zweiten Teil kommen wir, wie schon erwähnt, zu den Bereichen der freiwilligen und privaten Zusatzversicherungen wie zum Beispiel eine private Altersvorsorge, Unfallversicherungen, Instrumenten-Versicherungen etc.

Weitere Infos gibt es in meiner Broschüre zum Thema „Drums & Business“.

Und wie immer gehe ich auch gerne auf eure individuelle Fragen und Wünsche ein. Dazu eine E-Mail an mail@drumsolo.de senden. Ich wünsche Euch viel Erfolg, bis zum nächsten Mal, euer Patrick.


(aus STICKS 11/2018)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: