Fit For Drums Workshop

Falscher Schlagzeug Aufbau als Ursache körperlicher Beschwerden

Welcher Schlagzeuger hat es nicht selbst schon einmal erlebt: Nach einigen Stunden üben am Set schmerzt der Rücken, und die Unterarme brennen. Bestimmte Bewegungen laufen zudem nicht so ab, wie man es sich selbst vorstellt, man erreicht Toms oder Cymbals nicht optimal, so dass man mit dem Sound oder dem Timing gar nicht zufrieden ist.

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Sitzposition zu tief
Sitzt man zu niedrig, so neigt man sich beim Spielen nach hinten und geht teilweise ins Hohlkreuz. Der Körperschwerpunkt verschiebt sich nach hinten, so dass man die Balance verliert. Dadurch wird die Hüfte nach hinten gekippt, und die Beine bzw. Füße werden fest auf den Pedalen aufgesetzt, um das Gleichgewicht zu halten. Die Belastungen auf die Lendenwirbelsäule sind in dieser Haltung sehr hoch, so dass es zu Verspannungen und Rückenschmerzen kommen kann. Außerdem müssen die Beine mit einem hohen Kraftaufwand zum Spielen angehoben werden.

Durch die Neigung in der Hüfte kann dies zu Problemen im unteren Rückenbereich führen. In dieser Position werden die Fußgelenke ebenfalls einer Spannung ausgesetzt, um ausreichend Druck auf den Fuß zum Spielen zu bekommen. So können einerseits Gelenkschmerzen und andererseits auch Beschwerden in den Unterschenkeln entstehen. Weiterhin entstehen durch die Oberkörperposition Spannungen in Schulterbereich. Der gesamte Körper ist in einer unnatürlichen Position, so dass Bewegungsabläufe krampfhaft und unökonomisch ablaufen.

 Sitzposition zu hoch
Auch eine zu hohe Sitzposition hat massive negative körperliche Auswirkungen. Der Kopf ist nach vorne geneigt, und die Schultern werden nach vorne unten gezogen, so dass Spannungen und z. T. Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich entstehen können. Der Oberkörper folgt dieser Bewegung, und man sitzt mit einem Rundrücken am Set. Starke Belastungen der Bandscheiben sind die Folge, so dass nicht nur Rückenschmerzen, sondern auch langfristige Erkrankungen (z. B. Bandscheibenvorfall) oder Haltungsschäden entstehen können. Gelenkschmerzen in der Schulter sind ebenfalls eine häufige Folge. Zudem ist die Beweglichkeit der Arme, aber auch der Beine eingeschränkt. Da die Hüfte nach vorne gekippt ist, stützen sich die Füße auf den Pedalen, so dass Spannungen in Füßen, Knien und der Hüfte folgen.

„Nur mit der richtigen Höhe des Drummer Sitzes und der Sitzposition erreicht man ein belastungsfreies Spielen!“

Korrekte Sitzposition
Die Oberschenkel zeigen leicht nach unten, so dass die Knie einen Winkel von etwas mehr als 90 Grad haben. Dabei ist der Oberkörper aufrecht, der Schwerpunkt liegt über der Hüfte. Die Unterschenkel stehen nun fast senkrecht, vor allem auch locker zu bzw. auf den Pedalen. Mit der richtigen Höhe des Drummer-Sitzes lässt sich auch nun problemlos die beste Entfernung zur Bassdrum finden. Sitzt man zu nah, sind die Belastungen auf das Kniegelenk sehr groß, die durch den Krafteinsatz beim Spielen verstärkt werden. Knorpel, Menisken und Bandstrukturen können dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden. Erreicht man einen Kniewinkel zwischen 90 und 100 Grad, hält man die Belastungen auf einem möglichst geringen Level.

Der Fuß steht dabei vor dem Kniegelenk, so dass eine lockere Bewegung des Fußes auf dem Pedal erfolgen kann, mit der man trotzdem noch ausreichend Kraft einsetzen und die gewünschten Geschwindigkeiten erzielen kann. Die optimale Höhe des Sitzes und Entfernung zur Bassdrum findet ihr, indem ihr die Position sucht, in der ihr aufrecht und stabil sitzt und gleichzeitig euren Fuß locker und schnell, dabei dennoch mit ausreichend Kraft bewegen könnt. Dazu probiert verschiedene Höhen des Drummer-Sitzes und verschiedene Entfernungen des Fußes (unterschiedliche Kniewinkel) zunächst ohne Pedal und Bassdrum aus. Wenn ihr mithilfe dieser Trockenübung eine gute und vor allem angenehme Position gefunden habt, nehmt die Bassdrum samt Pedal dazu und testet die Position beim Spielen aus. Fixiert dann die Sitz- und Bassdrum-Position (Höhe mit Memory-Klammer, Distanz mittels Markierungen). Zusätzlich müsst ihr jetzt noch darauf achten, dass die Auflagefläche von Gesäß und Oberschenkel auf dem Sitz nicht zu groß wird. Ansonsten wird die Hüfte nach hinten gekippt, so dass Spannungen und Schmerzen im Rücken entstehen können. Die richtige Entfernung des Drummer-Sitzes ist dann erreicht, wenn ihr auf der vorderen Hälfte der Sitzfläche bei dem vorhin beschriebenen Kniewinkel sitzt. Nun sind natürliche Bewegungen beschwerdefrei möglich.

Beinwinkel
Der nächste zu beachtende Punkt ist der Winkel der Beine nach außen hin. Dieser wird einerseits durch die Pedale und die Snaredrum vorgegeben, andererseits darf man die körperlichen Belange nicht außer Acht lassen. Ist der Winkel zu groß, entstehen Spannungen in der Oberschenkelmuskulatur sowie im Hüftgelenk. Gelenkschmerzen, die sich sogar in den Rücken ausweiten können, sind die Folge. Außerdem sind die Bewegungsabläufe unökonomisch. Eine häufige Ursache ist eine falsche Hi-Hat Position. Hier muss das linke Bein sehr weit nach außen gedreht werden, da Hi-Hat und Doppel-Bassdrum-Pedal sehr weit nach vorne gezogen sind. Bei diesem Aufbau muss man sich sehr weit nach links drehen, wodurch Beschwerden im Oberkörper entstehen.

Bewegungen in Richtung Ride Cymbal und Floor-Toms sind in dieser Position ebenfalls nicht ergonomisch. Eine etwas mehr als schulterbreite Position der Füße (und damit der Pedale) bei einer etwa parallelen Position des Oberkörpers zur Bassdrum sorgt bereits für eine natürliche Position. Wichtig ist auch hier die Entfernung des Drummer-Sitzes zu den Pedalen. Bei einer zu kurzen Entfernung werden der Winkel der Beine und damit die Belastungen automatisch größer. Bestimmte Zusammenhänge und die Bedeutung der einzelnen Teilaspekte werden hierüber nochmals deutlich. In der eben genannten Position schafft man es in der Regel, die Beine an der Snaredrum vorbei zu bringen, ohne dass der Winkel zu groß wird. Feinjustierungen (z. B. wenn man mehrere Pedale auf der linken Seite nutzt) müsst ihr jetzt noch vornehmen. Wichtig ist aber, dass das Spielen von Bassdrum und Hi-Hat einem natürlichen Bewegungsablauf entspricht und dass ihr locker und entspannt am Set sitzen und spielen könnt.

Höhe der Hi-Hat
Neben der Position ist auch die Höhe der Hi-Hat von entscheidender Bedeutung. Bei einer zu hohen Einstellung müssen der Arm und die Schulter angehoben werden. Außerdem verdreht man sich im Oberkörper, wo – durch Spannungen und Schmerzen im gesamten Rücken- und Schulterbereich entstehen können. Eine zu niedrige Hi-Hat sorgt für eine Neigung des Oberkörpers nach vorne unten. Zudem wird der Kopf häufig beim Spielen nach vorne unten geneigt, was sich ungünstig auf den Nacken, die Schultern und den Oberkörper auswirkt.

Es besteht die Gefahr, dass man einen Rundrücken einnimmt. Wichtig ist also, dass ihr die richtige Höhe der Hi-Hat findet. Dazu schließt die Augen und spielt einen Groove, zunächst ohne montierte Cymbals. Stoppt beim „Spielen“ dabei an der Stelle, wo ihr die Hi-Hat locker und entspannt spielen könnt und stellt diese auf entsprechende Höhe ein. Ihr könnt die Arme beim Spielen nun in einer natürlichen und entspannten Position halten, so dass die Bewegungen ergonomisch und belastungsfrei ablaufen können. In dieser Position und mit dieser Sitzhaltung sowie mit den entsprechenden Einstellungen sind die Belastungen für den Körper am geringsten. Nun könnt ihr die ersten Grooves auf eine natürliche und ergonomische Art spielen. In der nächsten Workshop-Folgen werden wir uns mit der Position der Snaredrum, der Toms und der Cymbals beschäftigen.

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