Produkt: Sticks Digital 05-06/2019
Sticks Digital 05-06/2019
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Fit for Drums Workshop

Fit For Drums: Die richtige Sitzhaltung am Schlagzeug

ff

Um eine gute und vor allem eine natürliche, belastungsarme Bewegung zu erreichen, ist die richtige Sitz- bzw. Körperhaltung zwingend erforderlich. In vielen Alltagssituationen heißt es, man solle eine richtige Haltung einnehmen, um Belastungen zu reduzieren.

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Dies ist auch am Schlagzeug der Fall. Zudem sind die Auswirkungen auf musikalische Ergebnisse hier sehr hoch. Das richtige Sitzen am Schlagzeug ist in der Literatur und in der Ausbildung häufig leider nur ein Randthema. Wir gehen deshalb in dieser Workshop-Folge auf konkrete Kriterien der Haltung und deren Auswirkungen auf eure musikalischen Ergebnisse ein und führen auch verschiedene Übungen hierzu durch.

AUFRECHTE SITZPOSITION
Der erste Aspekt ist eine aufrechte Sitzposition. Dabei ist der Oberkörper aufgerichtet und die Wirbelsäule liegt lotrecht über der Hüfte. Das Schlagzeugspielen und dementsprechend alle Bewegungen der einzelnen Gliedmaßen sind als ganzheitliches Zusammenspiel zu sehen. Dabei bildet der Oberkörper das Zentrum bzw. die Ausgangsbasis für die Bewegung. Ihr könnt dies mit einem Hampelmann vergleichen, bei dem die Gliedmaßen über Schnüre locker mit dem Oberkörper als Zentrum verbunden sind. Die aufrechte und stabile Sitzposition ist von einer Grundspannung der Muskulatur gekennzeichnet. Eine zu schlaffe Haltung ist dabei genau so ungünstig wie eine krampfhaft angespannte. Nur aus dieser Haltung heraus ist eine natürliche, lockere Bewegung möglich.

POSITION/BEWEGUNG DER ARME
Resultierend aus dieser Grundhaltung befindet sich euer Oberkörper in seiner natürlichen Position, so dass die Gelenke ebenfalls ihre optimale Position einnehmen. Somit ist die Bewegungsfreiheit gewährleistet, die ihr zum Spielen benötigt. Dies beginnt bei den Schultergelenken und damit der Bewegung der Arme. Um die Notwendigkeit der Sitzhaltung zu demonstrieren, führt einen kleinen Versuch durch. Setzt euch mit einem Rundrücken und einer nach vorne gebeugten Haltung ans Set. Versucht nun zunächst eure Arme soweit wie möglich anzuheben. Ihr werdet merken, dass ihr die Arme nicht über Schulterhöhe bekommt. Versucht nun in dieser Haltung die CrashCymbals und die Toms zu erreichen. Lockere Bewegungen sind in einer solchen Fehlhaltung nicht durchführbar. Damit sind auch musikalische Aspekte wie Genauigkeit, Timing, Sound oder Groove massiv beeinträchtigt. Ihr seht also, wie groß der Zusammenhang zwischen der Sitzhaltung bzw. der Position des Oberkörpers und der Bewegung der Arme ist.

SCHULTERPOSITION
Die Schulterposition ist ein weiteres wichtiges Merkmal, das ihr beachten müsst. Lasst die Schultern locker nach unten hängen. Zieht ihr sie nach oben, wird euer Spiel direkt angespannt und verkrampft, was sich unmittelbar auf die Spielgenauigkeit und den Sound auswirkt. Um eine lockere, hängende Schulterposition zu erreichen, zieht beide Schultern zunächst nach oben, verharrt ein bis zwei Sekunden in der Position, und lasst die Schultern schließlich locker nach unten hängen. Wiederholt dies immer wieder. Damit entwickelt ihr das richtige Körpergefühl für die richtige Schulterposition und eine gute Bewegung. Spielt in beiden Haltungsformen einen beliebigen Groove, und vergleicht das Spielen. Ihr werdet den Unterschied sofort merken und euer Spiel- und Körper-Gefühl verbessern. Kontrolliert also auch immer wieder eure Schulterposition, während ihr spielt, und korrigiert diese, wenn nötig.

HÜFTPOSITION/AUFRICHTUNG DES BECKENS
Die Position der Hüfte und des Beckens ist ein weiteres Kriterium für ein hohes Fehlerpotenzial. Richtet aus der aufrechten Sitzposition heraus das Becken auf und schiebt die Hüfte nach vorne. Wenn ihr die Handflächen flach unter euer Gesäß schiebt, richtet ihr Hüfte und Oberkörper automatisch richtig aus. Ihr sitzt nun lediglich mit einer kleinen Auflagefläche auf dem Hocker (auf den so genannten Sitzhöckern). Mit einem solch aufgerichteten Becken ist das Hüftgelenk in seiner natürlichen Position, so dass die Beine entspannt sind und die Füße locker auf den Pedalen stehen können. Nehmt ihr hier eine nach vorne geneigte Haltung ein, verlagert sich der Körperschwerpunkt nach vorne und der Druck auf den Füßen und damit den Pedalen nimmt zu.

Die Bewegungsfreiheit wird eingeschränkt. Damit ist genaues Spielen im richtigen Timing nur noch schwer möglich. Ihr seht also, der Oberkörper hat einen großen Einfluss auf euer Bassdrum-Spiel! Während des Spielens sackt man häufig im Bereich der Lendenwirbelsäule etwas ein. Kontrolliert also regelmäßig die Position eures Beckens, richtet die Hüfte in diesem Fall wieder neu auf, und schiebt das Becken nach vorne. Insgesamt sind die Zusammenhänge von Sitz- bzw. Körperhaltung und der Bewegung und damit der musikalischen Aspekte sehr groß. Mit dem richtigen Wissen könnt ihr Bewegungen besser umsetzen und folglich euer Schlagzeugspiel deutlich verbessern. Zusätzlich reduziert ihr Belastungen und damit das Risiko für Beschwerden und Probleme.


Florian Fochs ist Drummer und diplomierter Sportlehrer. Er entwickelte das Fitnessprogramm für Schlagzeuger „Fit for Drums“, mit dem er im Hinblick auf die Bedeutung der körperlichen Voraussetzungen beim Schlagzeugspielen zeigt, wie man Beschwerden und Probleme reduzieren und diesen vorbeugen sowie die spielerischen Fähigkeiten verbessern kann.

Aktuell veröffentlichte Florian mit „Fit for Music“ einen Praxis-Guide mit Tipps und Tricks für Musiker und Bands zum Thema Lautstärkebelastung und deren Reduzierung beim Musikmachen.

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Produkt: Sticks Digital 09-10/2019
Sticks Digital 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Vielen Dank für den Beitrag, das wird viel zu oft vernachlässigt.

    Grüße

    Frank Jones
    Mr. Jones – Bock auf Mukke

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