Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
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Problemlösungen

Fit for Drums: Verspannungen im Nacken

Florian Fochs(Bild: © Corina Schwaab-Wiesel)

Willkommen zu einer weiteren Workshop-Folge von „Fit for Drums“. Diese Mal widmen wir uns einem Thema, von dem sicherlich viele Drummer irgendwann einmal betroffen sind: den Verspannungen im Nackenbereich. An diesem leidigen Problem erkennen wir dann auch die Bedeutung der Haltung des Kopfes.

Zum Einstieg machen wir ein kleines Experiment. Spielt den Groove Nr. 3 der Notenbeispiele zunächst „normal“ und anschließend mit geschlossenen Augen! Macht zusätzlich eine Videoaufnahme (z. B. mit eurem Handy) von dieser Übung. Beobachtet sowohl während des Spielens als auch anhand der Videos, was ihr mit eurem Kopf macht.

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Bei vielen von euch wird auffallen, dass beim „normalen“ Spielen der Kopf gesenkt und der Blick in Richtung des Sets gerichtet ist, während der Kopf bei geschlossenen Augen locker auf der Wirbelsäule liegt und nach oben gerichtet ist. Das Phänomen, dass Schlagzeuger ihren Blick beim Spielen nach unten zum Set hin richten, fällt immer wieder auf. Doch woran liegt das?

Typische Fehlhaltungen des Kopfes

Wenn man Drummer auf dieses Phänomen anspricht, bekommt man als häufigste Antwort, dass sie kontrollieren wollen, wie sie spielen. Dieses Argument hat zweifelsfrei seine Berechtigung. Jedoch kann es sehr leicht passieren, dass man eine ungünstige und verkrampfte Kopfhaltung einnimmt. Die Fotos 1 und 2 zeigen typische Beispiele, die man immer wieder beobachten kann.

Auf Foto 1 erkennt ihr einen krampfhaften, starren Blick nach unten auf das Set. Häufig zieht man dabei noch zusätzlich die Schultern nach oben. Gerade wenn man in höherem Tempo spielt, verfällt man in eine solche krampfhafte Haltung.

Foto 1: Krampfhafter, starrer Blick nach unten (Bild: Florian Fochs)

Foto 2 zeigt einen angespannten seitlichen Blick in Richtung der Hi-Hat, was oftmals bei komplexen Grooves bzw. Hi-Hat-Figuren festzustellen ist. Nicht selten klagen Schlagzeuger daher über Verspannungen oder Schmerzen im Nackenbereich.

Foto 2: Angespannter Blick zur Hi-Hat (Bild: Florian Fochs)

Kopf, Hals & Nacken – ein sensibles System

Kopf, Hals und Nacken bilden ein eng zusammenhängendes System, dem für die gesamte Haltung eine besondere Bedeutung zukommt. Dazu schauen wir uns die Anatomie dieser Körperregion mal etwas genauer an: Der Kopf ist in alle Richtungen sehr beweglich, was durch die entsprechenden Gelenkformen ermöglicht wird (siehe Foto 3).

Foto 3: Gelenksysteme (Bild: eigene Bearbeitung nach Weineck, J. (2000) Sportanatomie, S. 101)

Atlas und Axis sind die beiden obersten Halswirbel, welche gelenkig miteinander verbunden sind und die seitlichen Drehbewegungen des Kopfes ermöglichen. Der Kopf balanciert auf dem Atlas und kann über diese Gelenkform nach vorne bzw. hinten geneigt werden. Verschiedene Muskeln, Sehnen und Bänder stabilisieren die Position des Kopfes, sorgen gleichzeitig aber dafür, dass der Kopf beweglich bleibt (siehe Foto 4).

Foto 4: Muskeln und Bänder im Nacken (Bild: eigene Bearbeitung nach Weineck, J. (2000) Sportanatomie, S. 102)

In bestimmten Situationen sorgt das Anspannen der Muskeln und Bänder für eine Fixierung des Kopfes. Dies geschieht, um Schäden vorzubeugen, wenn besondere Kräfte auf den Kopf einwirken (z. B. bei einem Kopfball beim Fußball).

Schaut man jetzt beim Schlagzeugspielen, wie eingangs beschrieben, starr nach unten oder extrem zur Seite (zum Beispiel bei einer falschen Position des Notenständers), bringt man den Kopf in eine unnatürliche Position und die Muskeln und Bänder werden angespannt, so dass falsche Formen bzw. Zeitpunkte der Anspannung vorliegen. Diese werden zudem oftmals über relativ lange Zeiträume aufrechterhalten und haben massive Konsequenzen.

Folgen falscher Kopfhaltung

Zunächst kann diese Fehlhaltung zu einer eingeschränkten Beweglichkeit des Kopfes führen. Dieser ist dann nicht mehr so leicht in die unterschiedlichen Richtungen drehbar. Die Muskeln und Bänder stehen teils unter einer solch starken Spannung, dass man sie durch Druck von außen spüren kann. Dies kann Schmerzen im Nackenbereich zur Folge haben, welche sogar in andere Körperregionen ausstrahlen können.

Ein gesamtes Unwohlsein kann sich einstellen, was bis hin zu starken Kopfschmerzen führen kann. Zudem können Durchblutungsstörungen Konzentrationsstörungen hervorrufen. Letztlich können auch Wirbelblockaden entstehen, die die genannten Folgen noch verstärken.

Viele Bewegungen werden vom Kopf angeführt, denen der Oberkörper folgt. Das heißt, wenn man den Kopf nach vorne neigt oder zur Seite dreht, beugt bzw. dreht sich der Rumpf ebenfalls. Die Folge einer falschen Kopfhaltung ist also eine ungünstige Oberkörperhaltung, so dass hier ebenfalls Probleme entstehen können. Eine falsche Gesamthaltung kann also von der Kopf-Position her ausgelöst werden. Unser Ziel muss es also sein, den Kopf in seine natürliche Position zu bringen, so dass er locker auf der Wirbelsäule balanciert (siehe Foto 5). In dieser Position liegen keine unnötigen Anspannungen der Muskulatur vor und der Kopf ist in alle Richtungen frei beweglich. In dieser Haltung ist natürlich auch der Blick zum Set möglich.

Foto 5: Die richtige Kopfhaltung (Bild: Florian Fochs)

Um ein Gefühl für diese Kopfhaltung zu bekommen, ein Tipp: Setzt euch ans Set und schließt die Augen! Atmet gleichmäßig ein und aus und versucht so ein Gefühl der Größe zu erreichen! Dreht nun den Kopf nach links und nach rechts bzw. neigt ihn nach vorne und nach hinten. Wiederholt dies mehrfach! Ihr bekommt dadurch ein Gefühl für die natürliche Haltung und Position des Kopfes und welche Bewegungen spannungsfrei möglich sind.

Übungen

Das Spielen mit geschlossenen Augen fördert diese Wahrnehmungsfähigkeit zusätzlich. Die Notenbeispiele 1 – 4 zeigen einfache Beispiele, die ihr mit geschlossenen Augen spielen könnt. Spielt diese jeweils vier bis fünf Minuten lang und beobachtet dabei erneut die Position eures Kopfes und achtet besonders auf eine lockere Haltung.

Wichtig: Beobachtet auch im Alltag die Position eures Kopfes! Kontrolliert im Stehen, im Sitzen oder beim Gehen, wie ihr den Kopf haltet und korrigiert dies wenn nötig. Bereits durch solche kleinen Übungen und Maßnahmen könnt ihr Schmerzen, Verspannungen oder Probleme im Nackenbereich merklich reduzieren.

Weitere Übungsformen für das Erreichen einer guten Kopfposition gibt es in der nächsten Folge dieses Workshops. Schickt mir eure Fragen, Anregungen und Kritik oder Themenwünsche bitte direkt per E-Mail an info@florianfochs.de. Viel Erfolg beim Üben und viel Spaß beim Spielen wünscht euch euer Flo.


(aus STICKS 05-06/2019)

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