Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
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Problemlösungen: Übungen zur richtigen Kopfhaltung

Fit for Drums: Verspannungen im Nacken

Florian Fochs(Bild: © Corina Schwaab-Wiesel)

Willkommen zu einem neuen „Fit for Drums“-Workshop! In der vorherigen Folge ging es um Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich, was zu den häufigsten Problemen bei uns Drummern zählt.

Genau zu solchen Beschwerden kontaktierte mich kürzlich ein Schlagzeuger, der sehr viel im Orchester- und Musical-Bereich spielt. Er klagte über Verspannungen sowie teils stärkere Schmerzen im Nacken, bereits auftretend nach kurzer Spieldauer sowohl in den Proben als auch bei Auftritten. Daher gingen wir der Sache auf den Grund.

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Notenständer an der falschen Stelle

Viele Drummer spielen nach Noten, wie beispielsweise im Orchester, im Musical oder bei einem Aushilfs-Gig mit einer Cover- Band, für den man Sheets nutzen muss, oder auch einfach nur beim Üben im Proberaum. Wo ist die häufigste Position des Notenständers? Richtig, sehr weit seitlich am Set (siehe Foto 1). Demzufolge wird man automatisch dazu gezwungen, den Kopf sehr weit zu drehen, um die Noten lesen zu können. Diese Kopfdrehung zum Notenständer sorgt immer wieder dafür, dass sich der Kopf in einer ungünstigen Position befindet. Verstärkt wird diese unnatürliche Haltung, wenn der Blick länger und vielleicht sogar krampfhaft auf die Noten fixiert ist. Da diese Haltung immer und immer wieder eingenommen wird, sind Verspannungen und Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich die logische Folge. Ihr müsst also eine Position für den Notenständer finden, die dieses Drehen des Kopfes reduziert!

Drumset
Foto 1: Falsche Position des Notenständers

Der ideale Blick auf den Notenständer wäre natürlich geradeaus. Dort sind allerdings in der Regel Trommeln oder Becken platziert, so dass der Notenständer hier nicht mehr hinpasst. Zudem ist die Entfernung nach vorne dann so groß, dass ein Umblättern oder ein Weiterklicken auf einem Tablet oder Laptop nicht möglich ist. Also bleibt uns nur eine seitliche Position. Diese sollte jedoch so weit wie möglich zentral liegen (siehe Foto 2), so dass ihr den Blick nur leicht zur Seite richten müsst, um zu starke Drehungen mit dem Kopf zu vermeiden. Zudem wäre es so z. B. in einem Orchester mit Dirigenten recht einfach, den Blick zwischen Noten und Dirigent abzuwechseln. Wenn ihr dann auch noch eine gute Haltung von Oberkörper, Hals und Kopf einnehmt, ist es möglich, den Kopf ohne unnötige Anspannungen der Muskulatur zu drehen. Dazu machen wir folgende Übung.

Drumset
Foto 2: Eine gute Position des Notenständers

Spannungen mit der richtigen Haltung vermeiden

Ziel der Übung ist es, den Kopf in eine natürliche Position zu bringen. Setzt euch ans Set und stellt euch vor, eure Gliedmaßen und euer Kopf wären über Schnüre wie bei einer Holzgelenkpuppe mit dem Oberkörper verbunden (siehe Foto 3).

Holzgelenkpuppe
Foto 3: Holzgelenkpuppe

Ihr werdet jetzt virtuell, wie an dem Faden, der durch den Kopf der Puppe geht, nach oben gezogen. Der Oberkörper richtet sich auf und der Kopf balanciert locker auf der Wirbelsäule und ist in alle Richtungen frei beweglich.

Nun spielt ihr die Übungen 1 bis 8 jeweils fünf Minuten lang. Während des Spielens beobachtet ihr die Haltung eures Kopfes. Verliert ihr die natürliche, aufrechte Position, „zieht“ euch erneut mit dem Faden nach oben! Mit dieser Übung schult ihr die Sensibilität und Wahrnehmungsfähigkeit für eine gute Haltung des Kopfes und ihr verbessert das Gefühl für dessen richtige Position. Wenn ihr diese Übung ein paar Mal durchgeführt habt werdet ihr bereits feststellen, dass der Kopf beweglicher ist und die Anspannungen merklich nachlassen. Dies gibt euch insgesamt auch eine mentale Sicherheit. In jeder Situation am Set, beim Üben, bei einer Probe oder selbst während eines Gigs könnt ihr eure Kopfhaltung beobachten und korrigieren und damit Belastungen senken.

NotenNoten

Eine weitere Übung könnt ihr ebenfalls in unterschiedlichen Situationen problemlos durchführen, ohne dass die Konzentration auf das Spielerische verloren geht. Sucht euch beim Spielen einen Punkt, der gegenüber des Sets liegt. Das kann ein Bild an der Wand im Proberaum sein oder ein markanter Punkt wie der FOH-Platz vor der Bühne. Visiert diesen Punkt beim Spielen an und richtet euren Blick hierauf. Um eine zu tiefe, den Kopf senkende Haltung zu vermeiden, muss der Punkt etwa in Augenhöhe sein. Durch das Anpeilen dieses Punktes bringt ihr euren Kopf in eine natürliche Position.

Die Muskulatur hält den Kopf, ohne dabei zu starke Spannungen aufzubauen. Durch solch gezielte Übungsformen könnt ihr die Haltung eures Kopfes und damit auch die gesamte Körperposition ganz einfach und vor allem nachhaltig verbessern. Entscheidend dabei ist vor allem, dass ihr euch der Bedeutung dieser Thematik bewusst seid, um unnötige Spannungen im Schulter- und Nackenbereich beim Spielen zu vermeiden. Berichtet mir gerne von euren Erfahrungen, die ihr mit den Übungen sowie den Tipps und Tricks gemacht habt. Und auch wenn ihr darüber hinaus Fragen oder Themenwünsche habt, schreibt mir bitte eine E-Mail an info@florianfochs.de. Bis zum nächsten Mal, euer Flo.


Florian FochsFlorian Fochs ist Drummer und diplomierter Sportlehrer. Er entwickelte das Fitnessprogramm „Fit for Drums“, mit dem er Drummer im Hinblick auf die Bedeutung der körperlichen Voraussetzungen beim Schlagzeugspielen schult und ihnen Tipps und Tricks gibt, wie man Beschwerden und Probleme reduzieren und diesen vorbeugen sowie die spielerischen Fähigkeiten verbessern kann.


(aus STICKS 07-08/2019)

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Produkt: Sticks 11-12/2019
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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Hallo Leute,

    Vielen Dank für das Thema musikergesundheit im Bereich Schlagzeug. Bitte vertieft diese Thematik und spricht auch die Musiker dystonie an, die kaum bekannt ist. Denn die Folge von Verspannungen und falschem üben kann die musikerdystonie sein.

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