Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
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Drum-Fitness mit Florian Fochs

Fit for Drums Workshop: Warm-up (1)

(Bild: Corinna Schwab-Wiesel)

Willkommen zu einer Reihe von „Fit for Drums“-Workshops zum Thema „Aufwärmen“! Viele von euch werden es selbst schon einmal erlebt haben: Man setzt sich ans Set zum Üben oder geht auf die Bühne zum Gig – und los geht’s. Aber schon nach kurzer Zeit spürt man im Schulter- und Armbereich Anspannungen oder gar leichte Schmerzen. Und ein weiteres, euch allen sicher auch bekanntes Phänomen dürfte sein, dass bestimmte Abläufe und Figuren beim Spielen oder Üben erst nach einiger Zeit locker und sauber kommen, während die ersten Minuten am Set eher holprig verlaufen. Wie aber kommt es zu diesen Phänomenen bzw. Problemen?

In beiden Fällen setzt man sich ans Set und legt umgehend los, ohne seinen Körper auf die anstehenden Belastungen vorzubereiten. Ein Sportler dagegen käme kaum auf die Idee, ein Training oder einen Wettkampf ohne ein Aufwärmen zu beginnen. Doch Drummer sehen hier häufig keine Notwendigkeit. Deshalb widmen wir uns in diesen Workshop-Folgen ausgiebig dem Thema „Aufwärmen“.

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Doch was ist eigentlich Aufwärmen bzw. ein Warm-up, und welcher Sinn steckt wirklich dahinter?

Unter einem gezielten Aufwärmen versteht man allgemein alle Tätigkeiten (aktiv/passiv/mental), um eine optimale Verfassung des Körpers für die anstehende Belastung herzustellen. Das klingt jetzt auf den ersten Blick sehr wissenschaftlich. Doch wenn ihr euch die eingangs geschilderten Phänomene anschaut und euch die Belastungen, die beim Schlagzeugspielen auf den Körper einwirken, vor Augen führt, werdet ihr feststellen, dass der Körper definitiv auf die Belastungen vorbereitet werden muss.

Schlagzeug spielen ist wie Leistungssport! Nass geschwitzt, das T-Shirt vom Leib gerissen und außer Atem – so kommen Schlagzeuger nicht selten von der Bühne. Das allein zeigt schon, dass die Anstrengungen und Belastungen für den Körper sehr hoch sind. Die Ausdauerleistungen, die hier gebracht werden müssen, sind mit denen von Leistungssportlern vergleichbar. Auch langes Sitzen am Set, die hohe Bewegungsintensität bzw. -geschwindigkeit oder auch der Koordinationsaufwand, aber auch der hohe Konzentrationsaufwand sowie mentale Belastungen wie Erwartungsdruck oder Stress sind Formen der hohen körperlichen Anforderungen. Zudem muss der Körper Kräfte und Energien, die beim Spielen entstehen, aushalten. Und darauf muss der Körper vorbereitet werden.

Ein intensives Aufwärmen vor einer Probe bzw. einem Gig hilft, dass der Körper mit diesen Anforderungen und Belastungen besser umgehen kann. Man liest ja immer wieder von entsprechenden Übungen zum Aufwärmen. Doch welche Ziele werden hierdurch verfolgt? Wir unterscheiden in körperlichen sowie mentalen Auswirkungen, die durch das Aufwärmen erreicht werden.

• Ein Aspekt der körperlichen Seite ist der Schutz vor Schädigungen bzw. Verletzungen der Muskulatur. Zwar ist beim Schlagzeug spielen das Risiko nicht so hoch wie im Sport, jedoch besteht immer die Gefahr von Verspannungen, Zerrungen oder auch Muskelfaserrissen, wenn man direkt in eine hohe Belastung kommt.
• Der Organismus und das Herz-Kreislauf-System stellen sich auf die kommenden Anforderungen ein. Die im Körper beanspruchten Bereiche werden stärker durchblutet, so dass der Energiestoffwechsel gesteigert und die Muskulatur mit Nährstoffen, Energie und Sauerstoff versorgt wird.
• Die Leistungsbereitschaft des Körpers ist höher, so dass alle muskulär ablaufenden Tätigkeiten in einer höheren Qualität ablaufen – Reaktionen und Handlungen am Set können schneller, gezielter, effektiver und ökonomischer ausgeführt werden.
• In diesem aufgewärmten, aktiven Zustand kann der Körper die Belastungen leichter wegstecken und verarbeiten, so dass sich das Risiko von Verspannungen, Verkrampfungen oder Verletzungen der Muskulatur verringert und gleichzeitig der Bewegungsfluss und die Bewegungsqualität steigern.

• Gleichzeitig sind die mentalen Effekte ebenfalls sehr hoch.
• Die Konzentration(sfähigkeit) nimmt zu – ihr seid stärker auf die Aufgaben am Schlagzeug fokussiert.
• Nervosität und mentale Anspannungen (z. B. Leistungsdruck, Auftrittsangst) werden abgebaut.
• Die Motivation wird gesteigert.   Auch wenn einige Aspekte hier jetzt sehr „wissenschaftlich“ dargestellt klingen mögen, zeigt sich doch die hohe Bedeutung des Aufwärmens vor dem Üben bzw. der Probe oder dem Gig.

Generell unterscheiden wir zwischen allgemeinem und speziellem Aufwärmen.
• Das allgemeine Warm-up dient dazu, den Körper auf die anstehende Belastung vorzubereiten und eine höhere Leistungsbereitschaft zu erreichen. Die Muskulatur wird aktiviert und auf die speziellen Anforderungen vorbereitet. Dabei werden die Beweglichkeit und Handlungsschnelligkeit der Gelenke und Sehnen gesteigert.
• Das nachfolgende, speziell schlagzeugspezifische Warm-up orientiert sich dann an den spezifischen Anforderungen beim Spielen. Hier werden vor allem die Muskel- und Körperregionen aktiviert, die am Set eingesetzt werden.

Somit erreicht ihr die optimalen Voraussetzungen für das Schlagzeugspielen, die notwendige Bewegungskoordination und die optimale Beweglichkeit. Nach dieser (notwendigen) theoretischen Einführung beschäftigen wir uns in den nächsten Workshop-Folgen mit der Praxis, und ich zeige euch verschiedene Übungen zum speziellen und allgemeinen Aufwärmen.

Florian Fochs ist Drummer und diplomierter Sportlehrer. Er entwickelte das Fitnessprogramm für Schlagzeuger „Fit for Drums“, mit dem er Drummer im Hinblick auf die Bedeutung der körperlichen Voraussetzungen beim Schlagzeugspielen schult und ihnen Tipps und Tricks gibt, wie man Beschwerden und Probleme reduzieren und diesen vorbeugen sowie die spielerischen Fähigkeiten verbessern kann. //

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Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums

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