Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums
Drum Essentials

Gavin Harrison & 05Ric: Circles

Gavin Harrison spielte in seiner langen Karriere mit Bands und Künstlern wie Incognito, Level 42, Lisa Stansfield, Paul Young, Iggy Pop u.v.a. Derzeit ist Gavin der Drummer der kultigen englischen Progressive-Rock-Bands Porcupine Tree und King Crimson und gehört somit mittlerweile sicherlich zu den herausragenden Schlagzeugern unserer Zeit.

Zudem hat Gavin Harrison mehrere ausgezeichnete Lehrbücher und DVDs zum Thema „Rhythmic Design“ veröffentlicht, und die Arbeit mit so genannten „rhythmischen Illusionen“ zieht sich markant durch sein innovatives Schlagzeugspiel. Wie das heutzutage schon des Öfteren passiert, so lernten sich auch Gavin Harrison und der Sänger, Multi-Instrumentalist und Bassist Rick Byer (mit dem Künstlernamen „05Ric“) im Internet über MySpace kennen.

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Die Vorliebe beider Musiker für ungerade Metren und fortschrittliche rhythmische Ideen führte zu ihrer musikalischen Zusammenarbeit, und so entstand 2007 das Album „Drop“ in eigener Regie.

Zitat Gavin Harrison: „Dieser Kontakt mit Ric gab mir die Möglichkeit, mich mehr mit den abenteuerlicheren Rhythmen zu beschäftigen, die einfach nicht zur Musik von Porcupine Tree passen. Es ist ein selbst finanziertes Projekt, die Musik enthält sicherlich zu viele ungerade Taktarten und ist somit zu ungewöhnlich, als dass eine Plattenfirma hier investieren würde.“

Das gemeinsame Album beider Musiker mit dem Titel „Circles“ führt die musikalischen Ideen von „Drop“ konsequent fort, Gavin spielt nun neben Drums auch Bass und Gitarre, und in Kombination mit dem speziellem Gesang von 05Ric und seinen diversen „extended range“ Bässen entsteht wiederum eine eigenwillige musikalische Produktion mit äußerst komplexen rhythmischen Strukturen.

Schubladendenken ist nicht wirklich angesagt, neben einem enormen Schwierigkeitsgrad mit einer Unmenge an verzweigten und verschachtelten Rhythmusstrukturen und Grooves gibt es zudem wieder jede Menge atmosphärische Klänge und exotische Sounds – und durchweg einen äußerst gelungenen, differenzierten und wohlklingenden Drumsound, der auch die komplexesten Passagen zum absoluten Hörgenuss macht.

Die auf „Circles“ präsentierte Art von Musik muss man mögen, und aufgrund ihrer vor allen Dingen rhythmischen Komplexität kann man ihr sicherlich nicht einfach mal so nebenbei zuhören. Für Freunde dieser Materie bietet auch das neue Album sicherlich ein hohes Maß an vor allem rhythmischer Inspiration.

Drumnotes von Gavin harris

CRISIS

Notenbeispiel 1: Hier sind richtige RhythmusBastler Werk und produzieren rhythmische Illusionen pur. Damit nur ja keiner mitbekommt, was abgeht, oder? In diesem Beispiel habe ich euch das Intro des Songs notiert, der Groove steht in einem 5/4-Takt mit einem Snaredrum-Backbeat auf der Zählzeit „5“. Wenn man den 5/4-Puls durchzählt wird das Ganze erst ab der CD-Zeit 00:42 richtig deutlich, hier beginnt auf der „1“ einer neuer Song-Part.

Die Figuren sind hinsichtlich der Snaredrum- und Bassdrum-Akzente sehr tricky ausgetüftelt und werden mit vielerlei Raffinessen verfeinert. So ist z. B. der Flam vor der Zählzeit „1“ in Takt 2 rhythmisch eher als „Nachschlag“ zu den letzten beiden Bassdrum-Akzenten in Takt 1 zu betrachten. Rhythmisch schon eine äußerst anspruchsvolle Angelegenheit und sicherlich etwas für Spezialisten.

EYE

Notenbeispiel 2: Der hier im Song-Intro verwendete Groove ist im Gegensatz zum ersten Beispiel dann doch schon wesentlich überschaubarer. Der Rhythmus steht im 3/4-Takt, markant sind die synkopischen Bassdrum-Akzente auf den Zählzeiten „2a“ sowie „3e“. Für viel Bewegung im Groove sorgt hier das filigrane Hi-Hat-Spiel.

Circles von gavin harris

CIRCLES

Notenbeispiel 3: Auch hier finden wir im Intro wieder einen recht ausgetüftelten Rhythmus, der aus einer Sequenz von zwei 9/8- sowie einem 5/8- Takt besteht. Die 9/8-Takte sind hinsichtlich ihrer rhythmischen Schwerpunkte in einen 3/4- und einen 3/8-Takt untergliedert, der 5/8-Takt in 2/8 sowie 3/8. Verwirrend sind das Platzieren der Snaredrum-Backbeats auf den Zählzeiten „2und“ sowie „4e“ bzw. die Bassdrum-Betonungen auf der „3e“ sowie „3a“ (wenn man die ersten acht 1/8-Noten im 4/4-Takt denkt). Nicht genug damit, das Weglassen des ersten Bassdrum-Akzents auf der „1“ im ersten Takt sorgt hier für weitere Verwirrung.

BREAK

Notenbeispiel 4: Zur Abwechslung mal was Leichtes im 12/8-Takt. Hier habe ich die ersten sechs Takte des Intro notiert. Hier ist der Puls der Rhythmik nicht vertrackt, sondern ganz klar und deutlich erkennbar. Der Reiz des Grooves liegt vielmehr im ungemein filigranen Spiel zwischen den rhythmischen Hauptakzenten.

Durch den Einsatz der diversen Stilmittel wie Hi-Hat-Öffnungen, Ghost Notes, kurzen Buzz Rolls und vor allen Dingen in diesem Tempo sehr schnell gespielten 1/32-Noten entsteht ein wirklich spannender und musikalischer Groove, der trotz aller Komplexität im Gegensatz zu vielen anderen „Frickel“-Grooves nicht nervt

Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
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