Gavin Harrison & 05Ric: Drop

Den Sänger, Multi-Instrumentalisten und Bassisten Rick Byer alias „05Ric“ lernte Gavin Harrison über myspace kennen. Die Vorliebe beider Musiker für ungerade Metren und fortschrittliche rhythmische Ideen führte zur Zusammenarbeit, und so entstand Gavin Harrisons neuestes Album unter eigener Regie mit dem Titel „Drop“.

Anzeige

Unter der Mitwirkung von Gitarrist Robert Fripp, Keyboarder Dave Stewart und Pianist Gary Sanctuary wurden insgesamt neun Songs mit sicherlich einzigartigen Grooves und rhythmischen Strukturen live eingespielt und mit mehrfach darüber gelegten Gitarren- und Vocal-Spuren kombiniert.

Zitat Gavin Harrison: „Dieser Kontakt mit Ric gab mir die Möglichkeit, mich mehr mit abenteuerlicheren Rhythmen zu beschäftigen, die einfach nicht bei Porcupine Tree passen. Ich habe daran im vergangenen Jahr zwischen den Porcupine Tree-Tourneen gearbeitet. Es ist ein komplett selbst finanziertes und realisiertes Projekt. Die Musik enthält sicherlich zu viele ungerade Taktarten, als das eine Plattenfirma hier investieren würde!“

Musikalisch kultiviert O5Ric eine frische und hochinteressante Art des Gesangs, zudem hat er ein virtuoses Bassspiel entwickelt, und in Kombination mit Gavins wirklich außergewöhnlicher Art des Schlagzeugspielens, gerade hinsichtlich der Entwicklung und der Umsetzung komplexer rhythmischer Strukturen, bietet „Drop“ eine interessante Mischung mit wirklich eigenständigem musikalischen Ergebnis, das sich nicht ohne weiteres in irgendeine Schublade packen lässt.

Speziell die rhythmischen Strukturen lassen sich als verschachtelt und miteinander verknotet bezeichnen. Das Ganze hat einfach nicht zuletzt einen enormen Schwierigkeitsgrad mit einer Unmenge an verwirrenden Rhythmusstrukturen und Grooves. Insofern bietet „Drop“ weitaus mehr als lediglich einen Hauch von Jazz/Rock/Fusion alter Schule, interessant ist, wie die beiden Musiker entlang der verschiedenen Facetten ihres spieltechnischen Könnens umherwandern und miteinander agieren.

Zu diesem sich stetig entwickelnden instrumentalen Prozess singt Ric eine Reihe seiner Lyrics, und diese Melodien kommen mitunter ziemlich rutschig und sich zwischen Gavins pointierten Akzenten und Grooves sowie Rics vertrackten Bass-Patterns windend daher. Die von Gitarrist Robert Fripp dazu gemischten atmosphärischen Klänge und Gitarren-Patterns auf „Sailing“ und „Where Are You Going“ öffnen das Ganze musikalisch und bereichern das Album ebenso wie die musikalischen Einlagen von Dave Stewart auf „Centered“ und Gary Sanctuarys Pianospiel auf „Where Are You Going“.

„Drop“ bietet sicherlich keine Musik, die man sich so mal nebenbei anhört, denn zu vertrackt und vielschichtig sind die musikalischen und speziell rhythmischen Strukturen. Für jeden jedoch, der sich für diese musikalische Materie interessiert, bietet das Album einen echten Hörgenuss sowie ein Höchstmaß an Inspiration. Ein gelungenes Debut!

Schlagzeugnoten zu Gavin Harrison

UNSETTLED

Notenbeispiel 1: In diesem Song-Part wird der Groove im 3/4-Takt gespielt. Markant sind neben dem Snaredrum-Backbeat auf der Zählzeit „2“ die synkopisch auf den 1/16-Off-Zählzeiten „2a“ und „3e“ gespielten Bassdrum-Akzente, die wie die beiden ersten Bassdrum Akzente auf die „1“/„1und“ ebenso im Achtelnoten-Abstand zueinander platziert sind und diese im Prinzip kopieren, dabei allerdings um eine Sechzehntelnote vorgezogen gespielt werden.

Die Auflösung zur neuen Zählzeit „1“ erfolgt mittels eines Tom-Akzentes auf der „3a“, so entsteht, besonders im Zusammenspiel mit dem Bass-Pattern insgesamt, ein fließender, aber dennoch leicht vertrackt wirkender Rhythmus.

Notenbeispiel 2: Hier findet nun eine metrische Modulation statt, bei dem ein Wechsel vom bis dahin gespielten 3/4-Takt in einen 6/8-Takt erfolgt. Das Tempo der Achtelnoten ändert sich dabei nicht, d. h. während im 3/4 Takt die rhythmischen Schwerpunkte auf den Viertelnoten und damit alle zwei Achtelnoten stehen, sind die Schwerpunkte im 6/8-Takt nun alle drei Achtelnoten platziert, und somit erfolgt nun der Snaredrum-Backbeat jeweils auf der vierten Achtelnote. „LIFE“ Notenbeispiel 3: Der Einstiegs-Groove der Drums wird im 9/8-Takt interpretiert, wobei die rhythmische Aufteilung hinsichtlich der Schwerpunkte in 3/4 und 3/8 untergliedert ist.

Für den rhythmischen Fluss sorgen in diesem Metrum speziell die synkopisch gesetzten Bassdrum-Akzente auf den Zählzeiten „2a“ und „3e“ sowie der Snaredrum-Backbeat auf der zweiten Sechzehntelnote der 3er-Achtelnotengruppe. Die diversen Hi-Hat-Patterns mit 1/16- und 1/32-Noten sowie die Hi-Hat-Öffnungen bestimmen den feinen rhythmischen Charakter des Grooves.

FOR LACK OF

Notenbeispiel 4 zeigt das Intro des Songs, bei der es sich rhythmisch um eine Sequenz in 8/4 handelt: Im ersten Takt wird ein aus einer Hand/Fuß-Kombination bestehendes Fill-in gespielt, dessen Akzentschwerpunkte als 5er-Gruppe alle fünf Sechzehntelnoten auf den Zählzeiten „1“, „2e“, „3und“, „4a“ liegen.

Das Pattern wird demnach über einen Zeitraum von fünf Viertelnoten insgesamt viermal gespielt, der anschließende Abschlag erfolgt auf der Zählzeit „6“. Der nachfolgende 8/4 Groove-Part wird hinsichtlich seiner rhythmischen Aufteilung in zwei 3/4-Takten sowie einem 2/4-Takt umgesetzt.

Drum CHords von Gavin Harrison

 

OKAY

Notenbeispiel 5: Dieser Groove wird im 5/8-Takt mit einer Aufteilung in einen 3/8- sowie einem 2/8- Takt gespielt. Wiederum sorgen die diversen Ghost Notes und dynamische Phrasierungen für den Fluss des Grooves.

CENTERED

Notenbeispiel 6 zeigt mal einen „normal“ im 4/4- Takt gespielten Groove, dessen Fluss vor allem durch die auf der Snaredrum als Ghost Notes mit diversen Rolls interpretierten Sechzehntelnoten bestimmt wird. Markant sind dabei die einzelnen, synkopisch gesetzten Bassdrum-Akzente auf den Zählzeiten „1“, „1a“ und „2und“ sowie die Snaredrum-Backbeats auf der „3“ und „4e“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren