Produkt: Do Your Worst – Rival Sons
Do Your Worst – Rival Sons
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Workshop

Groove-Special mit Patrick Metzger

Patrick Meztger(Bild: Simon Engelbert)

Ende 2018 war unser STICKS Workshop-Autor Patrick Metzger wieder für 24 Termine mit der Schlagersängerin Beatrice Egli auf Tournee. Ein guter Anlass, einige seiner ausgecheckten und wohl auch nicht unbedingt „Schlager-typischen“ Grooves aus dem Live-Programm mal unter die Lupe zu nehmen. Auch die Videos dazu hat Patrick live am Tour-Set während der laufenden Tournee für uns aufgenommen.

Seit 2013 ist die sympathische Schweizerin Beatrice Egli eine feste Größe in der deutschsprachigen Schlagerszene. Seit Gründung ihrer Live-Band sitzt Patrick bei allen ihren Auftritten an den Drums. Bereits zur ersten Tour im Herbst 2013 gab es in STICKS 01/2014 ein Interview und ein Groove-Special mit Patrick. Ein weiteres großes Interview mit dem Schwerpunkt „drums on Stage“ gab es dann in STICKS 06/2017. Da Patrick immer wieder neue Groove-Ideen für das Live-Programm entwickelt, war dies ein guter Anlass, ihn für STICKS mal wieder ein paar seiner Grooves und Ideen analysieren zu lassen. So haben wir Patrick gebeten, fünf Grooves bzw. Songparts zu notieren und kurz zu erklären. Los geht’s!

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Patrick Metzger: Wir haben uns diesmal die Messlatte mit der Band sehr hoch gelegt und wirklich in jedem Song ein „Special“ drin: einen Break, einen Stopp, vorgezogene Akzente im Groove, usw. Egal was es ist, in jedem Song ist irgendetwas musikalisch Spezielles drin. Außerdem habe ich mir wieder für jeden Groove ein paar Details überlegt, damit ich für jeden Song etwa Besonderes habe, also nicht einfach nur einen „House-Disco-Party-Groove“ und ein paar Fills dazu. Jeder Song hat einen ganz bestimmten Groove, den ich für die Live- Show entwickelt habe und auch die Fills kommen nur in diesem einen Song genau so vor.

>>Hier geht’s zu den Video- und Soundfiles!<<

Beispiel 1

Song: „Traumpilot“

Tempo: Viertel = 128 bpm

Notenbeispiel

Dieser Groove ist im Refrain des Songs zu hören und es kommen zwei Snaredrums zum Einsatz. Deshalb spiele ich auch die Hi- Hat-Figur auf einer Second Hi-Hat rechts um mit der linken Hand zwischen beiden Snares wechseln zu können. Die zweite, hochgestimmte Side Snare ist in den Noten mit einem Strich durch den Notenkopf auf der Mittellinie notiert.

Die Bassdrum spielt hier einen typischen „Four on the floor“-Beat. Der Fill in Sechzehntelnoten beginnt auf dem tiefen Tom, und geht gegen den Uhrzeigersinn gespielt über die hohen Toms und endet auf der Snare auf Zählzeit „4“. Im Original-Song ist immer vor dem Refrain ein Sound zu hören (programmiert), der von tief nach hoch geht, also wollte ich dieses Phänomen durch einen „Rückwärts-Fill“ etwas imitieren. Mein Sticking für den Fill habe ich über den Noten notiert.

Beispiel 2

Song: „Wahrheit oder Pflicht“

Tempo: Viertel = 122 bpm

Notenbeispiel

Dieser Song basiert auf einer markanten Rhythmik von Bass, Gitarre und Keyboard-Riff (Tresillo-Figur). Im Hi-Hat-Pattern wird diese Figur aufgegriffen und mit Ghostings und Backbeat auf der Snare gefüllt. Dies ist ein etwas untypischer Groove für einen „Four on the floor“-Beat, doch der Song hat auch kein typisches „Offbeat-House-Feel“, sondern läuft eher locker und lässig vor sich hin. Der Fill (Singles RLRL) wird auf zwei Snaredrums verteilt und ist wieder eine Adaption einer Soundfläche aus dem Original. Diese beginnt langsam und tief, wird rhythmisch immer schneller und im Sound höher. Also wie bei einer LP, bei der sich, wenn sie schneller abgespielt wird, auch die Tonhöhe verändert.

Beispiel 3

Song: „Ich denke nur noch an mich“

Tempo: Viertel = 128 bpm

Notenbeispiel

Dieser Song ist aus dem Rock-Part der Show. Hier geht es ordentlich ab, weshalb auch hier die Grooves ohne viel Firlefanz „auf die Mütze“ gespielt werden. Der erste Takt ist der Refrain-Groove des Songs mit einer „4er“ Bassdrum, einem lauten Backbeat und einer „Offbeat“-Glocke auf dem Ride-Cymbal (inkl. Variation bei Zählzeit „3de“). Die Hi-Hat trete ich hier in Achtelnoten durch. Dies gibt mir immer ein sicheres Gefühl fürs Timing. Der Fill erinnert etwas an diejenigen, wie sie von Kollegen wie Gavin Harrison oder Todd Sucherman gespielt werden. Hier wird eine 3er Gruppe (beginnend auf „1und“) mit Akzenten auf der Snare und einem Flam auf einem Tom gespielt. Achtet hier besonders auf das notierte Sticking. Der letzte Akzent (4und) kommt dann als Abschlag zusammen mit der Snare auf einem Crash-Cymbal. Bassdrum und Hi-Hat laufen hier wie im Groove vorher weiter, und der Fill „pusht“ somit noch mehr.

Beispiel 4

Song: „Sie“

Tempo: Viertel = 115 bpm

Notenbeispiel

Einer der etwas langsameren Songs aus unserem Programm, bei dem mit „Sie“, die wertvolle Zeit des Lebens beschrieben wird. Hier nutze ich für den Backbeat im zweiten Takt einen tiefen Snare-Sound (Big Fat Snare). Im ersten Takt wird keine Snare gespielt, stattdessen jedoch die Hi-Hat. Das Sticking ist somit in beiden Teilen identisch, nur einmal links auf der Hi-Hat und einmal links die Snare. Hier habe ich eine ursprünglich programmierte Shaker-Figur auf zwei Hi-Hats übertragen. Deshalb auch die Notation der Hi-Hat über und auf der oberen Notenlinie. Die Bassdrum läuft auch hier als „Four on the floor“-Beat durch.

Beispiel 5

Song: „Verliebt, Verlobt, Verflixt nochmal“

Tempo: Viertel = 130 bpm

Notenbeispiel

Die zur Zeit der Tour 2018 aktuelle Single und auch der Abschluss-Song der Show besteht eigentlich aus einem einfachen und typischen „Four on the floor“ Bassdrum-Beat und Offbeat-Groove der Hi-Hat mit der ein oder anderen Variation. Diese streue ich immer mal hier und da ganz spontan ein. Im Beispiel habe ich eine solche Sechzehntel-Variation mal bei Zählzeit „3“ in der Hi-Hat notiert. Warum hier nicht mehr passiert, hat auch den Grund, dass ich teilweise den Groove nur mit rechts spiele und mit der linken Hand auf dem E-Drum noch ein paar Handclap-Sounds dazwischen spiele. Der Fill übrigens kommt immer identisch vor jedem Refrain und hat durch die Snare-Akzente zwischen den ganzen Toms einen Backbeat-Charakter.

Wie ihr seht und hört, kann man auch im Schlagerbereich bzw. in der Popmusik aus einfachen Straight-Ahead-Grooves mit ein wenig Fantasie und Kreativität etwas Originelles zaubern, das sich auch leicht vom Mainstream abzusetzen vermag. Ich hoffe, dass ich euch mal wieder ein paar Anregungen für eigene Groove-Experimente geben konnte. Viel Spaß beim (Nach-)Spielen wünscht euer Patrick!


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