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Jost Nickel: Trinity Experiment

Acht Jahre seit der Veröffentlichung des ersten experimentellen „Trinity“- Albums „Honeymoon On Mars“ hat sich Gitarrist Franz Holtmann Zeit gelassen, bis er nun mit „Anaesthesia“ ein Nachfolgewerk seines Bandprojekts vorstellt.

Jost Nickel
FOTO: sonor drums

Musikalisch ist das Material dem instrumentalen Prog Rock zuzuordnen, und wie schon beim ersten Album lebt die Musik auf „Anaesthesia“ von der Improvisationskunst der beteiligten Musiker. Neben Franz Holtmann wirken Bassist Gudze (H-Blocx), Keyboarder Matthias Krauss und auf einigen Titeln als Gäste der Violinist Neyveli S. Radhakrishna sowie Drummer Jost Nickel mit, der mit seinen Beats und kreativen Ideen die Musik von vier der acht Kompositionen entscheidend mitgestaltet.

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Insgesamt ist die Musik sehr komplex und sphärisch und bindet auch Jazz-, Funk- und Art-Rock-Elemente in ihren Sound ein. Das Ganze ist keine leichte Kost und verlangt dem Zuhörer schon einiges ab, „nebenbei hören“ ist sicherlich keine Option. Aber genau in diesem musikalischen Konzept des Zusammenspiels der einzelnen Musiker liegt auch die Stärke des Albums.

Drummer Jost Nickel feiert hier ein Wiedersehen mit Keyboarder Mat, mit dem er bereits in der Jazz-Grunge-Band Matalex in den 90er-Jahren spielte. Außerdem hat er hier die Gelegenheit, sich mal so richtig schön auszutoben und weitere neue Facetten seines Schlagzeugspiels zu präsentieren. Zwei interessante Song-Parts mit coolen Beats von Jost Nickel habe ich für diese Workshop-Folge transkribiert.

Anaesthesia Suite

Notenbeispiel 1: Der hier gespielte Beat entwickelt seine rhythmische Charakteristik durch ein markantes Bassdrum/ Snaredrum-Pattern. Dabei werden die Snaredrum-Akzente auf den ersten beiden Viertelnoten-Zählzeiten der ersten Takthälfte, den Zählzeiten „1und“ sowie „2e“, in jedem Takt platziert. Dagegen kommen in der zweiten Takthälfte hauptsächlich Backbeats auf den Zählzeiten „4“ und „4und“ zum Einsatz. Die synkopische Platzierung des Snaredrum/ Bassdrum-Patterns verleiht dem Beat viel Dynamik und Bewegung und damit rhythmische Spannung. Im Gesamtmix sind die mit kleineren Notenköpfen notierten bzw. in Klammern gesetzten Achtelnoten-Hi- Hat-Anschläge nicht wirklich zu hören, ich gehe jedoch davon aus, dass das Ganze so wie notiert gespielt wird, zumal durchlaufend auf der Hi-Hat gespielte Achtelnoten das rhythmisch genaue Spielen der Bassdrum/ Bassdrum-Patterns erleichtern.

„Madras featuring Radha“

Notenbeispiel 2: In diesem Song-Part spielt Jost einen äußerst feinen Ethno- Groove à la „Stewart Copeland meets India!“. Als Basis werden dabei auf der geschlossenen Hi-Hat durchlaufende Sechzehntel- Noten mit leichter Akzentuierung der „und“-Zählzeiten gespielt. Dazu wird die Bassdrum auf den Zählzeiten „1“ und „3“ angeschlagen. Für eine schöne Klangfarbe sorgen nun die über dieses Basis-Pattern gelegten Snaredrum-Rimclicks auf den Zählzeiten „1“ und „3“ sowie im ersten und dritten Takt des notierten Beispiels auf der Zählzeit „2e“. Spannend sind zudem die diversen als Zweiunddreißigstel-Noten ausgeführten Hi-Hat-Anschläge in den Takten 2 bis 4, die dem Beat hintergründig viel Drive sowie eine feine rhythmische Spannung verleihen.


Diethard Stein hat als vielbeschäftigter Musiker mit zahlreichen nationalen und internationalen Top-Musikern gespielt. Er arbeitet als Schlagzeug- Dozent an der Musik & Kunstschule Velbert. Seine Lehrbücher unter dem Titel „Modern Drumming“ sind europaweit als Standardlehrwerke für den Schlagzeugunterricht etabliert. Band 1 der Reihe ist sowohl in deutscher wie in englischer Sprache erhältlich und eines der meistverkauften Schlagzeuglehrbücher weltweit. Diethard Stein ist seit der ersten Ausgabe von 1988 STICKS-Autor.

mail@diethard-stein.de

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