Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
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CLASSIC DRUMMERS

Papa Jo Jones: Drum Grooves

Willkommen zum ersten praktischen Teil über „Papa“ Jo Jones, dem fantastischen Drummer der Count Basie Band. Jo Jones ist ja besonders für sein damals neues und bis dahin einzigartiges Spiel auf der Hi-Hat bekannt und berühmt geworden. Den theoretischen Teil findest du übrigens hier

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* 07. 10. 1911, Chicago, Illinois † 03. 09. 1985, New York, New York (Bild: Timo Ickenroth)

Generationen nach ihm imitierten seinen fließenden, geschmackvollen und getragenen Hi-Hat-Sound. Und hier kommen wir leider wieder an die Grenzen unseres zweidimensionalen Notensystems, denn den für „Papa“ Jo Jones typischen Klang kann man leider nicht in einem Notenbild adäquat darstellen, man muss ihn einfach gehört haben. Schreiten wir dennoch zur Tat, denn mit den hier transkribierten Notenbeispielen von „Papa“ Jo Jones lassen sich zumindest einige spieltechnische Feinheiten entschlüsseln.

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Das Beispiel 1 stammt aus dem Jahre 1936. Jo Jones spielt hier gegen Ende des Songs „Shoe Shine Boy“ ein kurzes Solo. Zuvor beschränkt er sich auf eine zurückhaltende Begleitung, durchgehend gespielt auf der Hi-Hat. Jo Jones war im Übrigen einer der ersten Drummer, welcher gegenüber den damaligen Gewohnheiten größere Cymbals bevorzugte. Die Angabe „Stick Beats, strike R on L“ meint eine Technik, bei der die Stockspitze des linken Stick in die Snaredrum gedrückt wird und der rechte Stock dabei auf den Schaft des linken Stocks schlägt. Ebenso findet ihr die Anweisung „9 str.“. Dies meint einen „Nine Stroke Roll“, also den Handsatz „RRLLRRLLR“, gespielt als 1/16-Noten. Diese Bezeichnungen habe ich aus dem Standardwerk „150 Rudimental Solos“ von Charlie Wilcoxon übernommen.

Die folgenden Transkriptionen sind alle dem Song „Bugle Blues“ aus dem Jahre 1937 entnommen. Count Basie und sein Orchester waren zu diesen Aufnahmen in New York und Jo Jones ist hier mit der legendären „All American Rhythm Section“ zu hören. Jo Jones bezieht in diesem Stück sein gesamtes Drumset in sein Spiel mit ein, aber sein unikates Spiel auf der Hi-Hat bleibt stets der Mittelpunkt seiner Begleitung.

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(Bild: Timo Ickenroth)

Das Beispiel 2 ist einem Trompetenbreak entnommen. Jo Jones gibt die Time hier mit einer geschlossenen Hi-Hat vor, betont im zweiten Takt die „4“ und leitet mit einem Drum-Fill auf Snaredrum und Tom in den nächsten Part über.

Die folgenden Noten des Beispiel 3 sind ein Solospot von Jo Jones mit mehreren Klangfarben wie Snaredrum, Cowbell, tiefem Tom und abgestopptem Cymbal.

Beispiel 4 ist ein Trompeten-Feauture, bei dem Jo Jones zwei Woodblocks (einen tieferen und einen höheren), Rims (Spannreifen) und Hi-Hat spielt. Etwas ungewöhnlich ist, dass die Woodblocks auf den starken Zählzeiten, also der „1“ und „3“ gespielt werden. In einer Swing-Komposition klingt das fast so, als würde das Pattern gegen den Beat laufen. Sehr interessant zu hören.

Die nächsten vier Takte des Beispiels 5 sind das Begleitpattern im Trompeten-Solo. „Papa“ Jo Jones variiert hier stark seinen auf der Hi-Hat gespielten Swingrhythmus. Und auch das Beispiel 6 (das letzte dieser Workshop-Folge) zeigt einen Begleitrhythmus von „Papa“ Jo Jones während eines Trompeten-Feautures. In der nächsten STICKS-Ausgabe gibt es weitere Transkriptionen des musikalisch innovativen, so delikaten wie treibenden und vor allem charakterstarken Schlagzeugspiels des legendären „Papa“ Jo Jones.bsp-1-4bsp-4-6

Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
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