Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums
Workshop: Left Hand Training (13)

Patrick Metzger Drum-Workshop: Left Hand Ghostings

LEFT HAND TRAINING: Ghostings Pull Out & Control Stroke

Patrick Metzger(Bild: Christian Weber)

Willkommen zur 13. Folge der „Left Hand Training“-Workshop-Reihe! Auch wenn es sich hier um die berühmt-berüchtigte „13“ und dazu auch noch um „Geisternoten“ handelt, so wird es hier keineswegs mysteriös. Im Gegenteil. Ich werde in diesem ersten Teil zum Thema „Ghostings“ auf ein paar grundlegende Details eingehen.

Anzeige

Die ersten Basics dazu konnten wir in den letzten Workshop-Folgen (Stichwort: Moeller Whip, etc.) bereits erarbeiten. Natürlich geht es nicht einfach nur um ein paar zusätzliche Schläge, die wir in Form von Ghostings auf der Snaredrum in unseren Grooves dazu spielen. Das wäre ja zu einfach und nichts Besonderes. Ich habe mich bewusst für die beiden Bewegungsabläufe „Pull-Out und Control Strokes entschieden, da es hierbei schon etwas anspruchsvoller ist, was die linke Hand da leisten muss. In diesem Sinne wünsche ich euch nun viel Spaß mit den „Gespenster-Noten“!

DAS GHOSTING-PHÄNOMEN

In meiner Tätigkeit als Schlagzeuglehrer –oder vielleicht besser gesagt: als „Drum Coach“ – habe ich schon oft erlebt, dass viele Drummer beim Thema Ghostings sehr unbeholfen vor sich hin trommeln. Meistens reden wir hier von leise gespielten Zwischenschlägen auf der Snaredrum. Und hier liegt schon der erste wichtige Aspekt. Sind diese zusätzlich gespielten Noten zu laut und unterscheiden sich nicht mehr genug vom Backbeat („2“ und „4“) oder anderen Snaredrum-Akzenten, dann ist der Groove schon im A…! Mal ganz davon abgesehen, dass natürlich auch der rhythmische Kontext dieser Noten stimmen muss.
Viele Drummer „fuddeln“ mit ihrer linken Hand auf der Snare irgendwelche Ghost-Notes dazu und machen dadurch ihren Groove mehr schlecht als recht. Denn um es richtig zu machen, zählt hier einmal die rhythmische Präzision, also die Noten auch in der jeweiligen Subdivison genau auszuspielen, sowie auch nicht permanent zwischen binär und ternär zu wechseln.
Und zu guter Letzt auch noch der Sound: Spiele ich die Ghostings in der Mitte der Snaredrum, oder spiele ich diese eher am Rand? Bei letzterer Spielposition erhalte ich nämlich viel mehr Obertöne und somit einen völlig anderen Sound. Weiterhin ist die Frage, ob der Snareteppich hier überhaupt noch anspricht. Falls nicht, so ist das für mich immer ein Anzeichen, dass die Kontrolle über die linke Hand fehlt bzw. nicht ausreicht.

ÜBUNGEN

Beispiel 1: Pull Out und Control Stroke Basics

Im ersten Beispiel möchte ich nur auf die Bewegungsabläufe und den Unterschied zwischen Pull Out und Control Stroke eingehen. Das Notenbeispiel 1 soll lediglich zeigen, dass der rhythmische Zusammenhang keine Rolle spielt. Es ist allerdings deutlich zu erkennen, dass beim Pull Out das Ghosting vor dem Akzent liegt. Somit ist es eine schnelle „UP – DOWN“ Bewegung für die Hand bzw. den Unterarm. Beim Control Stroke ist dieser Bewegungsablauf anders. Hier handelt es sich um eine „DOWN – TAP“ Bewegung. Nach dem Akzent, also der Abwärtsbewegung (Downstroke), will der Stock eigentlich durch den Rebound wieder zurückspringen. Dies müssen wir jedoch nun unterbinden und den „TAP“, also unser Ghosting, bewusst ausspielen und den Stock somit unten halten.

BUCHTIPP

Im Buch „It’s Your Move“ von Dom Famularo werden die Bewegungsabläufe von „Pull Out“ und „Control Stroke“ in verschiedenen Zusammenhängen sehr ausführlich erklärt!

Beispiel 2: Pull Out im Groove
Übetempo: Viertel = 76 bpm
Groove-Tempo: Viertel = 98 bpm

Hier gibt es zwei klassische Beispiele in binärer und ternärer Form mit einem Ghosting direkt vor dem Snare-Akzent auf Zählzeit „2“ und „4“. Im ersten Takt fällt das Ghosting auf die Sechzehntel-Subdivison (binär) zwischen die Achtel der Hi-Hat. Im zweiten Takt (Shuffle/ ternär) fällt das Ghosting nun mit dem Hi-Hat-Schlag zusammen. Die „Pull Out“-Bewegung bleibt allerdings in beiden Takten gleich!
Dies ist eine sehr gute Übung zum Erlernen einer schnellen Bewegung in der linken Hand. Achtet darauf, dass die Akzente und auch die Ghostings in der Mitte der Snaredrum gespielt werden. Die Bassdrum spielt hier „Four on the Floor“, ihr könnt allerdings auch andere Figuren nehmen.

Beispiel 3: Control Stroke im Groove
Übetempo: Viertel = 76 bpm
Groove-Tempo: Viertel = 98 bpm

Nun wird das Ghosting direkt nach dem Backbeat gespielt. In der Regel will der Stock nach einer großen Bewegung mit etwas Power durch den Rebound wieder zurück. Wir müssen jedoch den Stock nun bremsen und tief halten, um das Ghosting oder auch „TAP“ direkt danach leise spielen zu können. In Takt 1 (binär) ist es das jeweilige Sechzehntel nach der „2“ und der „4“. In Takt 2 (ternär) ist es das mittlere Triolen-Achtel bei Zählzeit „2“ und „4“. Auch hier spielt ihr mit der Bassdrum erst mal nur „Four on the Floor“, was ich übrigens immer als stabile Time empfinde.

Beispiel 4: Pull Out und Control Stroke im Groove
Übetempo: Viertel = 76 bpm
Groove-Tempo: Viertel = 98 bpm

Hier nun die Kombination von beiden Bewegungsabläufen, jedoch kommen ein paar zusätzliche Ghostings hinzu, wie wir es oft auch in unserem Groove-Alltag vorfinden. Im ersten Takt spielt die linke Hand durchgehend den Sechzehntel-Offbeat zwischen der Achtel-Hi-Hat (rechte Hand). Durch den zusätzlichen Backbeat-Akzent entsteht links somit die direkte Kombination von Pull Out und Control Stroke. Im zweiten Takt habe ich eine typische Ghosting-Figur für einen Shuffle notiert, bei dem die linke Hand immer den Schlag zwischen der Shuffle-Hi-Hat ausfüllt (mittleres Triolen-Achtel). Somit entfällt zwar die „Pull Out“-Bewegung vor dem Snare-Akzent, jedoch bleibt der Control Stroke nach dem Snaredrum-Akzent bestehen.

Abschließend möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass solche einfachen Ghosting-Übungen sehr gut für die Präzision, Ausdauer und auch Geschwindigkeit der linken Hand sind. In der nächsten Workshop-Folge werden wir uns dann ein paar Grooves anschauen, bei denen es von Ghostings nur so wimmelt. Bis dahin wünsche ich viel Erfolg beim Trainieren der linken Hand. Alles Gute, euer Patrick!

Patrick Metzger Patrick Metzger ist Live- und Studio-Drummer, Schlagzeuglehrer, Dozent, Buchautor und Networker für Percussion Creativ e. V. Seit 2013 ist er Tour-Drummer für Schlagersängerin Beatrice Egli. Seine stilis – tische Vielfalt stellt er außerdem mit vielen musikalischen Projekten und Bands unter Beweis. Patrick ist seit 2014 ständiger redaktioneller Mitarbeiter und Workshop-Autor für STICKS. Kontakt: mail@drumsolo.de // [1934]

Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren