Drum Essentials

Phil Collins: In The Air Tonight

Zu Phil Collins muss man keine Worte mehr verlieren. Er hat als Sänger und Komponist Popmusikgeschichte geschrieben und auch als Schlagzeuger Maßstäbe gesetzt.

Phil Collins
(Bild: www.tomschaefer.com)

Für diesen „Drum Essentials“-Workshop habe ich das legendäre Fill-in ausgesucht, das Phil Collins im Song „In The Air Tonight“ spielt. Zum besseren Verständnis und zur Nachvollziehbarkeit könnt ihr euch die Beispiele 1 und 3 dieser Workshop-Folge hier als Noten-pdf sowie als Audio-File herunterladen und in verschiedenen Tempi anhören.

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Notenbeispiel 1 zeigt die rhythmische Basis des Patterns. Auf den ersten drei Viertelnoten werden 3er-Gruppen von Sechzehntel-Noten gespielt, von denen jeweils die ersten beiden mit den Händen und die jeweils dritte mit der Bassdrum angeschlagen werden. Auf der Zählzeit „4“ kommen dagegen drei zwischen Händen und Bassdrum aufgeteilte Sechzehntel-Noten Single-Strokes zum Einsatz. Auf diese Weise entsteht auf den ersten drei Viertelnoten des Taktes eine spannende polyrhythmische Überlagerung zum eigentlich Puls der Viertelnoten.

In Notenbeispiel 2 ist die Legende für die insgesamt sechs Toms notiert, die Phil Collins bei diesem Fill-in bei Live-Konzerten verwendet.

Ab 05:30:

Notenbeispiel 3 zeigt in Takt 1 das komplette Fill-in mit der Verteilung auf den diversen Toms. Der Clou dabei ist, dass Phil Collins jeden Anschlag der Hände der in Notenbeispiel 1 gezeigten rhythmischen Figur nun jeweils mit beiden Händen gleichzeitig als sogenannte „Flat Flams“ ausführt und dass dabei die jeweils ersten beiden Anschläge jeder 3er-Gruppe auf jeweils einander benachbarte Toms angeschlagen werden, wobei das Pattern sozusagen vom höchsten bis zum tiefsten Tom herunter – wandert. Durch das Anschlagen der rhythmischen Figur als „Flat Flams“ auf zwei benachbarten Toms, wobei die Anschläge beider Hände nicht immer völlig gleichzeitig erfolgen, entsteht neben der Polyrhythmik sowie dem tonalen Klangabfall von der am höchsten bis zur am tiefsten gestimmten Tom ein cooler Sound-Effekt – ein wirklich spannendes Fill-in mit dem bekannt hohen Wiedererkennungswert.

Beim Nachspielen dieses Fill-Patterns werden sich die meisten Drummer sicher dem Problem zu stellen müssen, dass sie in der Regel keine sechs Toms haben, was bedeutet, dass der Soundeffekt durch sechs unterschiedlich gestimmte Toms nicht zum Tragen kommen kann. Bei einem Standard-Set mit Snaredrum, zwei Toms, einem Floor-Tom sowie einer Bassdrum muss man demnach beim Verteilen des rhythmischen Patterns improvisieren.

Man könnte z. B. die Abfolge der Hände wie folgt spielen: Snaredrum/Tom 1 – Toms 1/Tom 2 – Tom 2/Floor-Tom – Snaredrum/ Floor-Tom – Snaredrum/Tom 2 – Snaredrum/ Floor-Tom. Ihr könnt solche Variationen an eurem Drumset einfach mal ausprobieren und entscheiden, was in der jeweiligen Konstellation am besten klingt.

Ab Takt 2 in Notenbeispiel 3 habe ich außerdem den nachfolgenden Beat notiert, den Collins auf einer auf YouTube findbaren Liveversion des Titels spielt.

Ab 05:32:

Der Groove wird wie auf dem Studio-Album „Face Value“ als viertaktiges Pattern ausgeführt, das sich wiederholt. Dabei wird der Beat in der Studio-Version anfangs so wie in den Takten zwei bis fünf des Notenbeispiels 3 notiert gespielt, wobei die beiden Tom- Akzente in Takt 5 auf den Zählzeiten „4und“/ „4a“ entfallen und durch eine Snaredrum-Ghost-Note auf der Zählzeit „4a“ ersetzt werden. Die ersten neun Takte des in der LiveVersion gespielten Beats habe ich in den Takten 2 bis 10 in Notenbeispiel 3 transkribiert.

Das Interessante dabei sind die coolen Fill-Patterns, die jeweils im vierten Takt eines jeden Groove-Durchgangs ab der Zählzeit „4und“ bis einschließlich der Zählzeit „2und“ des darauffolgenden Taktes in den Beat eingebaut werden. Diese Figuren sind ebenfalls synkopisch und verleihen dem Rhythmus viel Spannung und Bewegung, ohne dabei den Fluss des Pulses zu stören. Interessant ist bei diesem Rhythmus auch die Tatsache, dass alle Snaredrum-Backbeats auf den Zählzeiten „2“ und „4“ in diesem Abschnitt als „Flat Flams“ mit beiden Händen gleichzeitig ausgeführt werden, wodurch wiederum ein besonderer Soundcharakter  entsteht.

 

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080003Diethard Stein hat als vielbeschäftigter Musiker mit zahlreichen nationalen und internationalen Top-Musikern gespielt. Er arbeitet als Schlagzeug-Dozent an der Musik & Kunstschule Velbert. Seine Lehrbücher unter dem Titel „Modern Drumming“ sind europaweit als Standardlehrwerke für den Schlagzeugunterricht etabliert. Diethard Stein ist seit der ersten Ausgabe von 1988 STICKS-Autor.

mail@diethard-stein.de

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Der Rhythmik nach dem Fill fehlen in der Transkription leider die Ghostnotes auf der Snare, die dem Ganzen erst die Würze und den Groove verleihen!

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  2. Leider funktioniert der download der Noten nicht. Firefox meldet fehler in der Seitenprogrammierung.
    Was kann man tun?

    Auf diesen Kommentar antworten

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