Snare stimmen

Snare Drum stimmen: Tuning-Tipps der besonderen Klasse!

do-Masshoff-Drum-Tuning

Du willst deine Snare stimmen? Um sich im Wald der Möglichkeiten nicht zu verlaufen, hier zunächst einige allgemeine Betrachtungen zum Thema Snare Drum Sound.

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Kesseldimensionen:

Snare Drums mit großer Kesseltiefe (6 ½“, 7“, 8“ und 10“) werden immer einen satten und voluminösen Klang produzieren. Sie nehmen ein breiteres Frequenzspektrum ein als Snare Drums mit geringerer Kesseltiefe (5“, 4“, 3 ½“). Diese überzeugen leichter mit einem konkreten und schlankem Snare Drum Sound sowie einer etwas schnelleren Snareteppich-Ansprache.

Selbstverständlich lassen sich auch mit einer 6,5“ tiefen Snare Drum sehr knackige Sounds erzielen, genauso wie sich einer 3,5“ tiefen Snare Drum durchaus auch recht satte Klänge entlocken lassen. Dazu bedarf es aber immer einer speziellen Stimmung plus eventueller Dämpfung, die in der entgegengesetzten Richtung zum eigentlichen Grundklangcharakter dieser Drums arbeiten. Durch spezielles Snare Drum stimmen und dämpfen ergeben sich allerdings auch noch weitere Möglichkeiten, sehr individuelle Klangcharakteristiken zu schaffen.

Snare Drums mit „konventionellem“ Durchmesser von 14“ werden sicherlich bassiger und tiefer klingen als solche mit geringerem Durchmesser (13“, 12“ und 10“), die naturgemäß von der optimalen Tonhöhe her höher liegen werden – wohlgemerkt bei jeweils gleicher Kesseltiefe.

Kesselmaterial:

Eine grobe Unterscheidung lässt sich zwischen Metallkesseln und Holzkesseln treffen. Metallkessel-Snare Drums verfügen über ein anderes Obertonspektrum als Holzkessel-Snare Drums, sie klingen meist heller und schärfer. Stahl und Edelstahl verfügen über den schärfsten Klang, während Messing und Kupfer die wärmsten Obertöne bei den Metallkessel-Trommeln produzieren und Aluminium den trockensten und am wenigsten obertonreichen Klang der Metallkessel bietet. Bei den Holzkesseln überzeugt Birke durch einen insgesamt satten Klang mit einem ausgeprägten Bass-Anteil und kernigen Höhen, während Ahorn den ausgewogensten Klang mit präsenter Abbildung der charakteristischen Mitten produziert. Dies sind wohlgemerkt nur die gebräuchlichsten Kesselmaterialien für Snare Drums; es werden auch andere Holz- und Metallarten sowie auch grundsätzlich andere Materialien, wie Fiberglas, Carbon-fiber, Kunststoffe etc. verwendet.

Snareteppich und Snarebed

Weiterer wichtiger Faktor beim Snare Drum stimmen für guten Sound ist die saubere Ansprache des Snareteppichs. Dieser sollte mittig auf dem Resonanzfell aufliegen. Seine Blechenden dürfen nicht durch das Befestigungsmaterial vom Resonanzfell weggedrückt werden, da sonst eine einwandfreie Funktion nicht gewährleistet ist. Wichtig ist ein sorgfältig gearbeitetes Snarebed – dies sind auf der Resonanzfellseite der Snare Drum eingearbeitete Vertiefungen an den Stellen, wo das Befestigungsmaterial des Snareteppichs über die Kesselgratung geführt wird. Diese Snarebeds ermöglichen eine bessere Auflage und somit Ansprache des Snareteppichs.

Ein Snareteppich mit fehlenden und/oder geknickten Spiralen wird niemals exakt arbeiten können und sollte umgehend ausgetauscht werden.

Snare stimmen: Soundbeispiele

Für alle folgenden Beispiele sollte ein ca. 0,03 Millimeter starkes Resonanzfell verwendet werden
(z. B. Remo „Ambassador Snare“, Evans „Hazy Resonant“), da diese Ausführung sehr gebräuchlich ist und dem üblichen Standard entspricht.

 

  1. Crispe Attacks und brillante Obertöne

Die Snareteppich-Ansprache soll schnell und direkt sein. Denkbare Einsatzgebiete für einen solchen Sound sind generell moderne Pop-Styles, HipHop, Funk, R&B, Fusion und Electric-Jazz. Dazu kann z. B. eine 14“ x 5,5“ Snare Drum mit Metallkessel verwendet werden, da diese bereits über einen entsprechen – den Grundklangcharakter verfügt.

Das Resonanzfell wird recht hart gespannt, so dass es sich mit leichtem Daumendruck im Center kaum noch eindrücken lässt. Der Snareteppich wird ebenfalls recht straff gespannt, so dass er bei einem Anschlag satt und ohne weiteres Nachrascheln gegen das Resonanzfell schlägt.

Als Schlagfell wird ein einlagiges, beschichtetes Fell eingesetzt (z. B. Remo „Ambassador“, Evans „Genera G1 coated“) oder aber ein einlagiges, weiß/beschichtetes, leicht gedämpftes Fell (z. B. Remo „CS Snare“, Evans „Genera Batter“). Letztere verfügen über einen etwas geringeren Oberton-Anteil und müssen daher, wenn überhaupt, nur sehr wenig gedämpft werden. Das Schlagfell wird straff gespannt, sollte sich aber bei leichtem Daumendruck im Center noch ein wenig eindrücken lassen und so einen guten Rebound liefern.

So eine Snare Drum zu stimmen bedeutet meistens, dass sie nicht oder nur wenig gedämpft werden muss. Eine Dämpfung mit einem Gaffer-Tape-Streifen sollte genügen. Der Streifen wird zu einer Rolle gedreht, so dass sich die Klebeschicht auf der Außenseite befindet. Diese Dämpfung wird dann ca. 2,5 cm vom Rand, direkt vor der Stimmschraube in der Position „12 Uhr“ angebracht (siehe Foto oben links). Wer etwas mehr Dämpfung mag, kann entweder mit zwei Röllchen Gaffer-Tape an zwei Positionen (z. B. 11 und 1 Uhr) aufbringen oder ein bzw. zwei selbsthaftende „Moon-Gel“ oder „Oberton Killer“-Pads einsetzen. Diese sind schwerer als die Gaffer-Tape-Röllchen und bringen daher einen größeren Dämpfungseffekt.

  1. Satter Sound mit ausgeprägtem Obertonspektrum

Ein solcher Sound mit genügend Volumen aber ohne übermäßigen Bassanteil eignet sich besonders gut für das weite Feld der etwas lauteren Pop/Rock-Musik, da er sich schon durch geringe Variationen bei Stimmung und Dämpfung in den jeweiligen musikalischen Kontext einpassen lässt. Durch geschickte Auswahl des Kesselmaterials lässt sich der Obertoncharakter vorbestimmen.

Das Resonanzfell wird nicht ganz so hoch gestimmt wie im vorherigen Beispiel; Es sollte sich noch ein bis zwei Millimeter mit leichtem Daumendruck im Center eindrücken lassen. Für die Schlagfellseite wird ein vorgedämpftes Fell wie z. B. ein Remo „CS Snare“ oder „Ambassador X14“, Evans „Genera Batter“ bzw. „Genera Dry Batter“ verwendet.

Das Fell wird so weit hoch gestimmt, bis es sich mit leichtem Daumendruck im Center um zwei bis drei Millimeter eindrücken lässt; es ist also etwas tiefer gestimmt als das Resonanzfell. Die Snare Drum kann nach dem im vorherigen Beispiel beschriebenen Methoden je nach Geschmack gedämpft werden.

Der Snareteppich wird auch hier recht straff, aber nicht zu stark gespannt. Kontrolliert die Ansprache, indem ihr den Stick in einer Distanz von ca. 2,5 cm vom Spannreifen entfernt prallen lasst. Der Snareteppich sollte auch bei diesen leisen Anschlägen direkt reagieren. Wenn ihr die Snare Drum im Center anschlagt, sollte ein trockener Attack-Sound entstehen und der Snareteppich mit einem satten Geräusch gegen das Resonanzfell schlagen und nicht lange nachrascheln. Gegebenenfalls ist der Snareteppich etwas straffer zu spannen und/oder die Spannung des Resonanzfells nur an den Stimmschrauben links und rechts des Snareteppichs leicht zu erhöhen.

  1. Satter Sound mit warmen Obertönen

Für die Realisierung prädestiniert sind Snare Drums in den Dimensionen 14“ x 6,5“ (mit Messing-, Aluminium oder Holzkessel) sowie 14“ x 7“ oder 14“ x 8“ Holzkessel-Snare-Drums.

Die Spannung des Resonanzfells und die Einstellung des Snareteppichs kann wie in Beispiel 2 angelegt werden. Damit ist dann trotz der größeren Tiefe der Snare Drum immer noch eine relativ sensible Ansprache gewährleistet. Als Schlagfell sollte ein stärker vorgedämpftes Fell wie z. B. Remo „CS Snare“, Evans „Genera Dry Batter“ oder doppellagige, weiß-beschichtete Felle wie z. B. Remo „Emperor“ oder Evans „HD Batter“ eingesetzt werden. Doppellagige Felle benötigen etwas weniger externe Dämpfung. Das Schlagfell wird so gespannt, dass es sich mit leichtem Daumendruck im Center durchaus einige Millimeter eindrücken lässt, aber immer noch einen guten Rebound der Sticks liefert. So erlaubt diese Stimmung immer noch das Spielen von schnellen Sechzehntel-Patterns und auch Ghost-Notes.

Wenn gewünscht, kann die Snare Drum nun relativ stark gedämpft werden. Es empfiehlt sich der Einsatz von zwei „Moongel“-oder „Oberton Killer“-Pads in den Positionen „11 Uhr“ und „1 Uhr“ oder bei den einlagigen Fellen eines zusätzlichen, schmalen Dämpfungsrings. Bei doppellagigen Fellen kann ein „Moongel“- oder „Oberton Killer“-Pad in der Position „12 Uhr“ oder ein halber Dämpfungsring schon den gewünschten Effekt bringen. Damit die Dämpfungsringe nicht verrutschen, sollten sie mit etwas Gaffer-Tape an zwei Stellen fixiert werden.

  1. Klassischer Hardrock-Sound

Dieser wird durch dominante Tiefmitten sowie stark ausgeprägte Obertöne bestimmt. Die Ansprache des Snare-Teppichs soll schnell und kontrolliert sein, aber auch sensibel genug, um in
verschiedenen Dynamikstufen einwandfrei zu arbeiten. Grundsätzlich eignen sich dafür sehr gut
14“ x 6,5“ Snare Drums, vorzugsweise mit Metallkessel (Stahl, Bronze).

Das Resonanz- und Schlagfell werden für einen solchen Sound beim Snare stimmen sehr hoch gestimmt, so dass sie sich bei leichtem Daumendruck im Center kaum noch eindrücken lassen. Auch der Snareteppich wird sehr hart angespannt. Empfehlenswert ist die Verwendung eines Remo „CS Black Dot clear“- oder Ludwig „Silver Dot“-Schlagfells, alternativ auch eines Remo „CS Snare“. Sollte die Snare Drum bei dieser hohen Stimmung immer noch zu viele Obertöne haben, sollte man diese maximal mit einer Gaffer-Tape-Rolle in „12 Uhr“-Position eliminieren. Ein solch extremer Sound erfordert zudem eine ausgesprochen harte Spielweise.

  1. Und was ist mit Metal?

Nun ganz einfach: Je nach Geschmack, Lust und Laune können kleine Variationen eines der ersten drei genannte Sound-Beispiele prima eingesetzt werden. Je trashiger der Style, desto eher wäre Sound-Beispiel 1 zu bevorzugen, je mehr die Sache sinfonisch oder „balladesker“ der Style wird, desto eher wird Sound-Beispiel 3 der Sache gerecht. Bei beiden Beispielen sollte man sich zudem an etwas höheren bzw. obertonreicheren Varianten dieser Stimmungen orientieren. Und wer beim Highspeed-Drumming mehr Präsenz braucht.

Hilfe, der Snareteppich raschelt!

Na, das soll er doch eigentlich auch! Dieser Sound gehört zu einem guten Drumset-Klang einfach dazu. Ein häufig auftretendes Problem ist allerdings das unerwünschte (!) Nachrascheln des Snareteppichs bei Schlägen auf ein bestimmtes Tom oder durch Schwingungsanregung durch andere Instrumente – vorzugsweise hervorgerufen durch Bass-Gitarren und Keyboard-Bässe.

Dieses Rascheln lässt sich allerdings meist relativ einfach beheben: Die Stimmschrauben links und rechts des Snareteppichs um eine Viertelumdrehung höher oder tiefer stimmen. Damit stimmt ihr die Snare Drum aus dem kritischen Resonanz-Bereich heraus, und euer persönlicher Snare Drum-Sound sowie der Spielkomfort bzw. das gewisse Spielgefühl bleibt bei dieser geringfügigen „Verstimmung“ meist erhalten.

Sind dann beim Snare stimmen noch Korrekturen nötig, wenn ihr beispielsweise auf ein Tom schlagt, dann solltet ihr euch diesem Tom widmen und bei diesem zunächst das Resonanzfell geringfügig höher oder
tiefer stimmen.

3 Kommentare zu “Snare Drum stimmen: Tuning-Tipps der besonderen Klasse!”
  1. Kurt Petermann

    Alles schon ausprobiert, und Ihr ganz offensichtlich auch. Sehr gute Tipps für Leute, die es schnell schaffen wollen und noch nicht lange genug probieren konnten. Echt super zusammengefasst – die Materialien, die Felle und die Effekte.

    Antworten
  2. drummerwali

    Wie kann ich am besten eine Jazz-Snare stimmen. Bei mir sind leider immer noch viele Obertöne vorhanden.. Möchte aber einen alter Dixie Ton erreichen.
    Wie soll ich das Schlagfell anziehen ehre stark, und das Resonanzfell eher leicht.
    Werr kann mir einen Tipp geben.

    Antworten
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