Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
STEWART COPELAND - Orchester-Rausch! +++ LUIS RIBEIRO (The World of Hans Zimmer) +++ YAMAHA Live Custom Hybrid Oak Drums +++ LP PRO Tambourines +++ K ZILDJIAN Cluster Crash Cymbals
CLASSIC DRUMMER SPECIAL

The World of Duke Ellington WDR Big Band Köln

Herzlich Willkommen zu einem „Classic Drummer Special“. In dieser Folge werde ich unserem Konzept etwas untreu, denn ich widme mich diesmal nicht einem Schlagzeuger vergangener Tage, sondern gleich drei Herrschaften, die ihre aktiven Tage noch lange nicht hinter sich gelassen haben, nämlich Grady Tate, Jeff Hamilton und John Riley.

THE WORLD OF DUKE ELLINGTON Timo Ickenroth WDR BIG BAND KÖLN

Anzeige

Den Anlass dazu hat mir eine Veröffentlichung der in Köln ansässigen WDR Big Band gegeben. Im Oktober 2008 brachte sie eine CD-Box unter dem Titel „The World Of Duke Ellington“ heraus. Die Aufnahmen dieser Trilogie entstanden bei drei ausverkauften Konzerten in der Kölner Philharmonie. An allen drei Veranstaltungen ist die 2007 mit einem Grammy ausgezeichnete Big Band mit unterschiedlichen namhaften Gästen zu hören, darunter auch die oben erwähnte Drummer. Ein Grund, mal genauer hinzuschauen, bzw. zu hören, wie diese Schlagzeuger Duke Ellingtons Musik neu interpretieren und in Szene setzen.

VOLUME 1

Beginnen möchte ich mit dem Anfang der Trilogie, Volume 1, aufgenommen am 16. Mai 1994. Vor allem Klassiker aus der Feder von Ellington und seinem langjährigen Partner Billy Strayhorn wurden hier unter der Leitung von Jerry van Royen eingespielt: „Take The A-Train“, „It Don’t Mean A Thing“ oder „Don’t Get Around Much Anymore“.

Am Schlagzeug saß Grady Tate, geboren 1932 in Durham in North Carolina. Er begleitete schon Künstler wie Quincy Jones, Lionel Hampton, Ella Fitzgerald, Aretha Franklin, Count Basie, Bill Evans, Oscar Peterson, Paul Simon und hat auch schon beim Titelgeber dieser CD-Reihe, nämlich bei Duke Ellington selbst, die Sticks geschwungen.

Notenbeispiel 1 zeigt den Beginn aus „Take The A-Train“, dem ehemaligen Erkennungslied der Duke Ellington Band. Einen besseren Opener konnte sich die WDR Big Band nicht aussuchen. Im Original von Billy Strayhorn hat Jerry van Royen das Stück in eine kurze, aber heftige und knackige Form gepackt. Die zweite Transkription (Beispiel 2) zeigt den Schluss von „Rockin’ In Rhythm“, eingespielt im Originalarrangement von Ellington. Die oberste Notenreihe zeigt die Bläser-Kicks. Daran kann man schön erkennen, wie Grady Tate die Kicks vorbereitet und die Lücken mit Fill-ins ausfüllt.

Beispiel 3 ist eine laute Tutti-Stelle am Ende des Trompetensolos von John Marshal aus „Creole Love Call“, arrangiert von Rob Pronk. Das Besondere an diesem Stück ist, dass es nicht am Konzertabend aufgenommen wurde, sondern fünf Tage zuvor im Studio des WDR. Auch hier zeigt die obere Notenlinie wieder die Bläserkicks.

Der folgende Auszug (Beispiel 4) ist ein wahrer Klassiker von Duke Ellington: „It Don’t Mean A Thing“. Jerry van Royen hat den Jazzstandard aus dem Jahr 1931 bearbeitet und ein tolles Arrangement für den Gesang von Freda Payne mit dem Originaltext von Irving Mills daraus gemacht. Und die WDR Big Band macht dem Track hier wirklich alle Ehre, es swingt nur so was das Zeug hält. Die letzte Transkription zu Vol. 1 (Beispiel 5) mit Grady Tate zeigt den Shuffle-Rhythmus aus „Don’t Get Around Much Anymore“. Ursprünglich war der Song eine vereinfachte Bearbeitung für Gesang des instrumentalen Stücks „Never No Lament“ aus dem Jahr 1942. Arrangeur auf dieser CD war wieder Jerry van Royen.bsp-1-2bsp-3-4bsp-4bsp-5

VOLUME 2

Kommen wir nun zu Volume 2, aufgenommen am fünften Juni 1994, diesmal unter dem Dirigat von John Clayton. Hier trommelt Jeff Hamilton, bekannt vor allem durch sein eigenes Trio und auch als Co-Leader des Clayton/Hamilton Jazz Orchestra, aber auch aus den Zusammenarbeiten mit Ray Brown (der auf Volume 2 auch den Bass spielt), Lionel Hampton, Tommy Dorsey, Ella Fitzgerald, Count Basie, Monty Alexander, Woody Hermann, Oscar Peterson und Diana Krall. Jeff Hamilton ist einer der Top-Drummer im Jazz, und ich muss sagen, dass es ein wahrer Genuss war, sein Spiel näher zu analysieren. Die WDR Big Band hat beim zweiten Konzert dieser Trilogie vertrautes mit eher unbekanntem Material Duke Ellingtons auf die Bühne der Kölner Philharmonie gebracht.

Wir starten da, wo wir eben bei Grady Tate aufgehört haben, nämlich mit dem Titel „Don’t Get Around Much Anymore“. Die Interpretationen von Hamilton und Tate unterscheiden sich nicht sonderlich, sieht man mal von den letzten drei, vier Takten ab (Beispiel 6). Das liegt aber an den unterschiedlichen Arrangements die den Drummern vorlagen, denn dieses hier stammt, anders als das bei Grady Tate, von John Clayton.

Die Beispiele 7 und 8 sind aus dem Song „Caravan“ transkribiert. „Caravan“ entstammt aus der Zusammenarbeit Ellingtons mit dem Puerto-Ricanischem Ventil-Posaunisten Juan Tizol aus dem Jahr 1932 und ist ein frühes Beispiel für eine erfolgreiche Kombination lateinamerikanischer Musik mit Jazz. Jeff Hamilton spielt hier zu Beginn in dem Arrangement von John Clayton einen Rhythmus der stark an den Song „Poinciana“ von Ahmad Jamal aus dem Jahr 1963 angelehnt ist. Die rechte Hand spielt konstant auf den „und“-Zählzeiten, während die linke Hand quasi den ganzen Rest erledigt. Bitte achtet darauf, dass im Beispiel 8 ein Wechsel der normalen Zeit auf alla breve zu vollziehen ist. Das bedeutet, dass die notierten Achtel ab der dritten Reihe so zu spielen sind, wie die Sechzehntelnoten in den vorangegangenen Zeilen.

Die Transkription des Beispiel 9 ist aus dem Song „Mood Indigo“, komponiert 1930 von Duke Ellington und Barney Bigard, und das Beispiel 10 stammt aus „Satin Doll“, das wahrscheinlich bekannteste Werk aus der Kooperation von Duke Ellington und Billy Strayhorn, aus dem Jahr 1954, beide wieder präsentiert in einem modernen Arrangement von John Clayton. Diese kurzen Auszüge zeigen zwei sehr schöne Fill-ins von Jeff Hamilton. Besondern das aus „Satin Doll“ ist ein Geniestreich! Dieses Fill-in muss man einfach gehört haben!bsp-6-7-8bsp-8-9bsp-10

VOLUME 3

Das Abschlusskonzert der Trilogie, Volume 3, aufgenommen am 18. Juni 1994, konzentrierte sich besonders auf die späten Werke Ellingtons, welche zwischen den Jahren 1955 und 1974 entstanden sind. Der Schlagzeuger an diesem Abend war John Riley, den meisten von uns wahrscheinlich bekannt durch seine grandiosen Bücher „Bop Drumming“ und „Beyond Bop Drumming“. Aber was die Wenigsten von uns wissen: John ist auch ein sehr gefragter Jazz-Drummer. Seine Credits beinhalten Namen wie Woody Hermann, Stan Getz, Miles Davis, Dizzy Gillespie, John Scolfield oder Mike Stern. Die späten Songs von Duke Ellington sind nicht ganz so bekannt wie die frühen Werke von ihm, weshalb ich mir zwei Stücke von dieser CD rausgepickt habe, welche schon auf Volume 1 bzw. Volume 2 zu hören waren.

Die Beispiele 11 und 12 zeigen Einblicke in „Caravan“ in einem Arrangement von Bill Dobbins, der dieses Konzert auch leitete, und das Beispiel 13 ist das dritte Stück aus Bill Dobbins Ellington Medley „It Don’t Mean A Thing“.

„Caravan“ ist hier völlig anders interpretiert als in dem Arrangement von Clayton auf Volume 2, denn das Thema steht hier im 6/8-Takt und wird von John Riley auf eine afro-kubanische Art und Weise gespielt. Interessant ist der Taktwechsel im Beispiel 12, wenn auf den Swingrhythmus gewechselt wird. Auf den 6/8 folgt ein 4/4. Dabei werden die punktierten Viertel des 6/8 zu Halben Noten umgedeutet, was sich wie eine Tempoänderung anhört, sie eigentlich jedoch nur vortäuscht.bsp-11-12bsp-13

Die WDR Big Band bringt auch in dieser Version „It Don’t Mean A Thing“ zum swingen, dass es eine helle Freude ist. John Riley setzt hier die einzelnen Parts durch den Wechsel von Hi-Hat und Ride-Cymbal gut voneinander ab.

Mit dieser 3-CD-Box stellt die WDR Big Band ein weiteres Mal ihr Können unter Beweis und zeigt ganz deutlich, warum sie zu einer der besten Big Bands der Welt gezählt wird.

Zum Schluss möchte ich noch einen riesigen Dank an den derzeitigen Schlagzeuger der WDR Big Band loswerden, an den großartigen Hans Dekker. Hans hat mich bei diesem Workshop, vor allem als Kenner von Jeff Hamilton, sehr unterstützt und mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden.

Vielen lieben Dank dafür! Bis zum nächsten Mal, und viel Spaß beim Ausprobieren! Euer Timo

Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
STEWART COPELAND - Orchester-Rausch! +++ LUIS RIBEIRO (The World of Hans Zimmer) +++ YAMAHA Live Custom Hybrid Oak Drums +++ LP PRO Tambourines +++ K ZILDJIAN Cluster Crash Cymbals

Kommentar zu diesem Artikel

Pingbacks

  1. The World of Duke Ellington: Drum Workshop › STICKS

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren