Drum-Grooves

Wincent Weiss: Musik sein

„Ey, da müsste Musik sein …“, heißt es in der Refrain-Zeile. Dieser Song von Wincent Weiss erfreut sich (immer noch!) eines regen Airplays, und wenn man genauer hinhört, dann fällt einem der recht clever gestaltete Drum-Groove auf. Und das schon besonders im Intro dieses Titels. Ob der Song als solcher jetzt gefällt oder nicht, sei mal dahingestellt – hier geht es um die Drums!

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Das Schlagzeug verdient auf jeden Fall unseren Groove-Fokus. Man überhört sehr schnell die lediglich sechs Intro-Sekunden, doch gerade diese liefern hier den spannenden Groove-Aspekt, denn der Song startet mit zwei Takten Schlagzeug.

NOTATION

Diese kurze Sequenz ist in der Notation dargestellt (Tempo: Achtel = 157 bpm). Die Drums sind stark gefiltert und scheinen anfangs aus dem Off zu kommen. Fakt aber ist: Das Schlagzeug liefert nicht nur eine gute Vorlage für den „Band-Einsatz“, sondern bietet zudem eine interessante Groove-Struktur, die wunderbar als geloopter Play-Along genutzt werden kann und zugleich inspirierend wirkt.
Bei den Recherchen zum Song, zur Produktion und zum Schlagzeuger stieß ich auf eine interessante Begebenheit, die vielleicht nicht ganz alltäglich ist. Die Entwicklung eines Drum-Grooves kann durchaus verschiedene Prozesse innerhalb einer Studioproduktion durchlaufen. Nicht immer ist von vorn herein klar, ob man sich für programmierte Drums entscheidet oder für einen StudioDrummer, der das Schlagzeug auf einem Akustik- bzw. E-Drum-Set live einspielt. Die Möglichkeiten sind vielfältig, und manchmal neigt man zu Mischformen aus Drumprogramming und echtem Schlagzeug bzw. live gespielten Overdubs, um den Faktor eines „human touch“ zu erhalten.

Im Fall der Single „Musik sein“ von Vincent Weiss hat man mit zwei Vorgehensweisen gearbeitet. Zum einen gab es die Vorlage eines von Kevin Zaremba programmierten Drumtracks, und alternativ stand eine von Drummer Jojo Vogt live und „echt“ gespielte Schlagzeug-Version zur Verfügung. So waren also ein Drum-Programmer und ein Studioschlagzeuger involviert.
Und jetzt gesellt sich mit Florian Kettler noch ein dritter hinzu, nämlich der Band-Schlagzeuger, der das ganze live umsetzen wird. Drei Groove-Experten – ein Song. Wir haben dazu ein paar Statements eingefangen.

JOJO VOGT
Studio-Drummer
“Der Produzent Kevin Zaremba schickte mir vorab den Song mit einem programmierten Drum-Layout. Recordet haben wir bei Stephan Zeh in dessen Studio die:mischbatterie, in dem ich schon sehr viel gearbeitet habe. Stephan ist DER Mann für fette Drums! Ich hatte für die Aufnahmen wie gewohnt mehrere Kesselsätze sowie eine größere Auswahl an Snares und Becken dabei. Bei der Umsetzung habe ich mich an der programmierten Vorlage orientiert, diese aber mit Kleinigkeiten wie Ghost-Notes erweitert. Ich war schon immer sehr interessiert daran, wie guter Sound entsteht, und habe viel mit Drums, Fellen, Tunings experimentiert.
Für das Song-Intro hatten wir die Idee, den großen Stereoraum als Hauptsignal zu nehmen – stark komprimiert, pumpend –, und erst wenn der Song einsetzt, die Direktsignale dazukommen zu lassen. So wurde das dann auch recordet. Jedoch ist vom Schlagzeug im Mix wenig übrig geblieben, da man sich im Nachhinein für die ursprünglich programmierten Drums als Maintrack entschieden hatte. Wahrscheinlich gab hier die Vision einer bestimmten Song-Ästhetik den Ausschlag.”

KEVIN ZAREMBA
Produzent, Drum Programming
Die programmierte Drum-Sequenz wurde von mir und dem Co-Produzenten Fabian Strangl entwickelt, wobei wir Samples aus unterschiedlichsten Quellen und Libraries verwendeten. Bei der Produktion wurde dieses Layout von Jojo Vogt am Schlagzeug quasi nachgespielt. Im Laufe der Single-Produktion stellte sich dann heraus, dass sich die ursprünglich programmierten Drums im Song-Kontext besser anfühlen.

FLORIAN KETTLER
Live-Drummer
Für das Live-Arrangement habe ich mir verschiedene Versionen vorab überlegt und mit der Band und dem Tontechniker getestet. Ich bin schnell zur Entscheidung gekommen, den Groove des Intros tatsächlich, wie auch in der Studioproduktion benannt, als Loop/Sample zu verwenden. Den Loop finde ich soundtechnisch sehr charakteristisch und einprägsam. Mein Ansatz ist es nun, den Loop mit Live-Drums zu ergänzen, um dem Ganzen mehr Druck zu verleihen. Ich finde das sehr wirkungsvoll, gerade beim Übergang vom Intro in Strophe. Auch bleibt so der „urbane“ und elektronische Charakter von Wincents Musik erhalten.
Live startet der Song wie auf Platte mit dem Sample. Anschließend kommen Bass und Backbeat hinzu wie im Original. Darü- ber spiele ich eine Sechzehntel-Hi-Hat, die sich gut mit dem Loop ergänzt und ein bisschen mehr für Schub sorgt. Stellenweise dopple ich die Ghost-Notes, allerdings ausgedünnt, um dem Loop nicht in die Quere zu kommen. Der Loop ist nach dem kurzen Intro auch in Sachen EQ an die Live-Drums angepasst, von daher steht dann das echte Schlagzeug deutlich im Vordergrund.

FAZIT

Ob ihr euch nun an Florians Live-Version mit Sechzehntel-Hi-Hat haltet oder den originalen Groove-Track fürs Schlagzeug adaptiert – beides lässt sich prima umsetzen und bietet schöne Elemente fürs kreative Feinjustieren. //

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