Training für die linke Hand

Workshop: Left Hand Cowbell

Weiter geht es mit dem „Left Hand Training“-Workshop und somit Willkommen zu Folge 16, nun unter dem Thema „Left Hand Cowbell“. Bevor wir etwas tiefer in diese Materie einsteigen, möchte ich euch zu Beginn drei Songs vorstellen, welche nicht nur Klassiker der Rock-Musik-Geschichte sind, sondern in denen auch die Cowbell eine markante und wichtige Rolle spielt.

Patrick Metzger
FOTO: Christian Weber

Wenn ihr also die Grooves ausgecheckt habt, knallt euch den Song auf die Ohren und spielt einfach mit. Habt Spaß beim Trommeln und Grooven. In diesem Sinne: You need more Cowbell! 😉

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Left Hand Cowbell

Die erste Voraussetzung ist natürlich, dass ihr euch in eurem Set-up eine Cowbell auf der linken Seite einbaut, welche ihr in eurem Bewegungsablauf und Spielfluss gut mit der linken Hand erreichen könnt. Tipp: In Nähe der Hi-Hat ist das immer sinnvoll.

Versucht dann das jeweilige Cowbell-Pattern mit der linken Hand zu spielen. Somit müsst ihr jedoch den Drum-Groove mit Hi-Hat und Snaredrum alleine in der rechten Hand übernehmen. Ich nenne dieses Konzept „Right Hand Groove“. Hier muss man natürlich ein paar Kompromisse eingehen, da zum Beispiel Hi-Hat und Snaredrum nicht mehr zusammen gespielt werden können. Je nach Groove muss man diesen vielleicht sogar etwas abändern, damit er, mit einer Hand gespielt, funktioniert.

Hierzu gibt es in der nächsten Workshop- Folge mehr, wenn wir uns ganz speziell ein paar „Right Hand Grooves“ anschauen und die linke Hand auf der Cowbell in verschiedenen Patterns dazu kombinieren.

Songs mit Cowbellpatterns

Hier habe ich eine Auswahl an Songs aufgelistet, bei der eine Cowbell prominent zu hören ist und teils ein wichtiges Pattern übernimmt, das grundsätzlich zum Song – Arrangement gehört. Sollte der eine oder andere Song dabei sein, welchen ihr in eurem Band-Repertoire habt, versucht doch mal den Cowbell-Part „mit links“ zu übernehmen und den Groove nur mit der rechten Hand zu spielen. Hört euch dazu mal folgende Songs an:

  • Honky Tonk Woman – The Rolling Stones
  • Owner Of A Lonely Heart – Yes
  • Dance Into The Light – Phil Collins
  • Free Your Mind – En Vogue
  • All Right Now – Free
  • Dreadlock Holiday – 10cc
  • Oye me canto – Gloria Estefan
  • Oye como va – Santana
  • Black Magic Woman – Santana
  • Africa – Toto
  • Lady Marmelade – Patti LaBelle
  • Rave Against The Machine – Jan Delay
  • The Adventures Of Rain Dance
  • Maggie – Red Hot Chili Peppers

Beispiel 1

Honky Tonk Woman – The Rolling Stones

Tempo: Viertel = 114 bpm

Das erste Beispiel ist ein wahrer Klassiker der Rock-Geschichte und erschien bereits im Jahr 1969. Der Song beginnt sogar mit der Cowbell, und das Pattern ist sehr gut zu hören. Dieser Rhythmus zieht sich durch den ganzen Song. Übrigens beginnt der Song im Original etwa in Tempo 114 bpm, wird dann permanent schneller und endet etwa bei 126 bpm.Notenbeispiel

Spiele jetzt die Cowbell-Figur mit der linken Hand und den Groove mit der rechten Hand auf Hi-Hat und Snaredrum. Beim Spielen der Snaredrum auf dem Backbeat („2“ und „4“) entfällt somit die Hi-Hat, was nun auch genau das Stilmittel von Stones-Drummer Charlie Watts ist. Authentischer und näher am Original geht’s wohl kaum. Somit kannst du diesen Groove wirklich alleine übernehmen und brauchst nicht jemand aus der Band, der die Cowbell spielt. Lediglich der „Pick-up“ (Auftakt) auf Zählzeit „3und“ und „4und“ kann hier eine kleine Koordinations- Hürde sein.

Beispiel 2

Owner Of A Lonely Heart – Yes

Tempo: Viertel = 124 bpm

Dieser Song aus dem Jahre 1983 von der Band Yes wurde auch schon unzählige Male gecovert und gehört heute noch bei manchen Cover-Rock-Bands mit 80er-Jahre- Schwerpunkt zum Standard-Programm. Bei genauem Hinhören setzt nach dem Gitarren-Intro dann mit dem Drum-Groove auch die Cowbell mit durchlaufenden Viertelnoten ein.Notenbeispiel

Dieses Phänomen der Viertel- Cowbell verleiht dem Groove einen besonderen Drive, was übrigens auch in vielen anderen Songs mit prominentem Cowbell- Patterns zu hören ist. Auch dazu gibt es in der nächsten Workshop-Folge etwas mehr. Der Drum-Groove von „Owner Of A Lonely Heart“ ist, wie das Riff von Gitarre und Bass, zweitaktig aufgebaut, und die Bassdrum spielt teilweise dieses Riff rhythmisch mit. Die Snaredrum kommt immer auf den Backbeat, weshalb in unserer „Right Hand“-Variante die Hi-Hat hier wieder entfällt. Eine kleine Besonderheit in diesem Groove ist die geöffnete Hi-Hat auf Zählzeit „1“, welche bis zum Snare-Backbeat auf Zählzeit „2“ geöffnet bleibt. Schließe also die Hi-Hat erst mit dem Snaredrum-Anschlag um den gewünschten Hi-Hat-Sound zu bekommen.

Beispiel 3

Dance Into The Light

Tempo: Viertel = 88 bpm

Hier ein Popsong von Phil Collins aus dem Jahr 1996. Als der Song damals erschien und im Radio hoch und runter lief, wurde er von fast jeder Party-Band gespielt. Nicht nur, dass der Song im 3/4-Takt ist, hier wird die Snaredrum auch auf allen Vierteln (1, 2, 3) durch gespielt.Notenbeispiel

Eine markante Cowbell im Sechzehntel-Offbeat läuft dabei konstant mit. Dieses Cowbell-Pattern ist meiner Meinung nach auch sehr wichtig, um das Feeling dieses Grooves zu transportieren. Spiele hier im Drum-Groove mit rechts immer Snaredrum und Hi-Hat abwechselnd (Achtelnoten) und mit der linken Hand den Sechzehntel-Offbeat auf der Cowbell dazwischen. Du wirst merken, dass dein Sticking somit immer „hand to hand“ (R, L, R, L …) durchläuft. Die Bassdrum spielt hier einfache Variationen, steht aber nicht im Vordergrund. Genau wie im Notenbeispiel habe ich den Groove damals immer in den Bands gespielt und für die authentische Art viel Lob der Kollegen geerntet.

Videobeispiele

In den Videos zeige ich euch zu Beginn immer den Groove mit der rechten Hand alleine, danach den Groove mit dem Cowbell- Pattern in der linken Hand und zum Schluss die komplette Version.

So, das war also der Einstieg in das Thema „Left Hand Cowbell“. In der nächsten Folge von „Left Hand Training“ checken wir mal ein paar Grooves für die rechte Hand in Kombination mit diversen Cowbell-Patterns für die linke Hand.

Ich freue mich wie immer auf eure E-Mails mit Fragen Anregungen und Rückmeldungen. Bis dahin, alles Gute und beste Grooves, euer Patrick.


Patrick MetzgerPatrick Metzger ist Live- und Studio-Drummer, Schlagzeuglehrer, Dozent, Buchautor und Networker für Percussion
Creativ e. V. Seit 2013 ist er Tour-Drummer für Schlagersängerin Beatrice Egli. Seine stilistische Vielfalt stellt er außerdem mit vielen musikalischen Projekten und Bands unter Beweis. Patrick ist seit 2014 ständiger redaktioneller Mitarbeiter und Workshop-Autor für STICKS.

mail@drumsolo.de

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