Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums
Breakdowns & Double-Kicks für Parkway Drive

Ben Gordon im Interview

Ben Gordon Parkway Drive(Bild: Tom Schäfer)

Ben Gordons Welt war immer schon das Double-Pedal-Play, dessen Extreme-Performance er mit Neugierde, Pioniergeist und auch einer gewissen Besessenheit vorantrieb. Es sind geradezu dämonische Breakdowns, die akustischen Wahnsinn entfachen. Und abgefahrene Double-Kicks bringen den Metalcore von Parkway Drive zum Kochen. Schlagzeuger Ben Gordon trommelt, als sei er der wahrhaftige Orkan im Zentrum einer Bombast-Show, die nicht nur die Ohren überflutet, sondern auch dem Auge eine gewisse Höllen-Affinität beschert.

Im Rahmen der „Reverence“ Europa-Tour von Parkway Drive trafen wir uns mit dem überaus sympathischen Surfer zum Gespräch über sein Trademark des Double-Pedal-Players, über Breakdowns und den massiven Drumsound seines Pearl-Reference- Kits, über die Geschicke des Metal-Drummings und natürlich über den berüchtigten „Cage of Death“.

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Interview

Ben, du bist ein wahnsinnig energetisch spielender Schlagzeuger und jemand, der die Vitalität cool designter Metal-Gooves regelrecht auslebt. Woher kommt diese Attitude?

Eine Haltung oder auch ein bestimmter Style ist meistens auf persönliche Dinge zurückzuführen. Wahrscheinlich reflektiert mein Schlagzeugspiel einen Teil dessen, was ich bin und wie ich lebe. Als Kind war ich ein Unruhegeist, und das Schlagzeug war ein ideales Medium, um meine Energie zu kanalisieren. Angefangen habe ich in einer Punk-Band. Ich wollte laut sein und Krach machen! Mein Schlagzeuglehrer versuchte mir traditionelles Spiel beizubringen, Jazz und solche Sachen. Aber nach wenigen Stunden schmiss ich den Unterricht. Als Zwölfjähriger hatte ich eben keinen Sinn für diese Art von Disziplin. Ich brauchte die Energie und war ein wilder Schnellspieler. Das Double-Kick-Pedal hatte mich von Anfang an fasziniert, und so habe ich sehr früh begonnen, die Tricks des Pedals auszuchecken. Dies führte dazu, dass mein Musikgeschmack immer mehr in Richtung Hardcore und Metal ging. Punk war letztlich doch recht limitierend und hatte sich schnell ausgeschöpft. Metal war sehr viel ausgecheckter. Im Speed Metal und Hardcore konnte ich all die technischen Sachen ausprobieren. Für mich war die ganze Metal- Welt irrsinnig spannend.

Metal ist ein Oberbegriff für eine Menge Sub-Genres. Welches Genre ist deine Welt?

Ich war nie jemand, der ein Label für etwas gebraucht hat. Und diese ganzen Sub-Genres sind wirklich nur Label. Sie bedeuten im Grunde nichts. Als wir mit Parkway Drive anfingen, nannte man das Metalcore. Aber mit den Jahren entwickelt man sich weiter, und wir haben uns nie irgendwelchen Genres untergeordnet. Für uns gab und gibt es keine Grenzen.

Was bedeutet für dich Metal-Drumming? Was ist die grundsätzliche Idee dieses Drum Style?

Double-Kicks! Im Double-Kick-Playing liegt das Hauptaugenmerk, das Metal-Drumming von anderen Genres unterscheidet. Das muss nicht immer schnell sein jenseits der 200 bpm, aber Double-Kick-Groove- Parts und Tom-Fills mit Double-Kick- Kombinationen besitzen Metal-genetische Merkmale. Sechzehntel- und Zweiunddreißigstel-Kick-Parts sind halt bedeutende Tools. Die Power des Metal-Drumming generiert sich im Wesentlichen über die Schubkraft des explosiven Bassdrum-Spiels. Hinzu kommen harte Backbeats und Powercrashes. Ein Metal- Drummer ohne Double-Kick ist kein Metal-Drummer!

Das besagt im Prinzip, dass Metal-Drumming der Gegenpol zu Jazz-Drumming ist: Der Jazz-Schlagzeuger zockt den Swing aus dem lockeren Handgelenk, während der Metal-Drummer schwerwiegendes Material auf den Pedalen treibt. Richtig?

Stimmt! Jazz-Drumming beinhaltet eher die leichte Note. Und ein Metal-Drummer definiert sich durch den Faktor Power … you can not be a soft metal drummer in a successful band! (lacht)

Beim Metal-Drumming stellt sich dann auch die Frage des dynamischen Spiels. Was meinst du dazu?

Die Intention von Metal-Drumming liegt nicht unbedingt in großer Dynamik. Ich will nicht sagen, dass Dynamik ein Fremdkörper ist, aber beim Metal-Drumming geht es doch eher um on und off. In ruhigeren Song-Passagen kann ich natürlich auch mal Ghost-Notes einsetzen und Hi-Hat-Akzente spielen.

Aber diese Momente sind eher selten, weil einem doch meistens verzerrte Gitarren und Yelling-Voices um die Ohren fliegen. Hier etwas Filigranes zu spielen macht keinen Sinn, weil es niemand hören würde. Da ist viel zu viel Alarm unterwegs.

Wir müssen unbedingt über deine Pedaltechnik reden. Das ist dein Trademark, deine Spezialität und dafür bist du bekannt. Wie hast du diese rasante Spieltechnik entwickelt? So schnell zu werden und diese apokalyptischen Patterns umzusetzen braucht doch Jahre der Entwicklung …

Im Grunde genommen habe ich das Schlagzeugspielen von Anfang an mit einem Double-Pedal gelernt. Das war für mich ein natürlicher Weg von Beginn an. Ich habe mit dem Double-Kick-Playing quasi laufen gelernt. (grinst) Schon als Zehnjähriger war ich total fit darin.

Was ist die große Herausforderung dabei?

Das Double-Pedal-Playing lebt in erster Linie von einem athletischen Approach.

Das heißt also, dass du dafür auch so hart trainieren musst, wie ein Athlet?

Unbedingt! Damals habe ich das nicht so wahrgenommen. Dafür heute umso mehr. Ich laufe und fahre Fahrrad, surfe, gehe schwimmen und mache Yoga. Nacht für Nacht diese kraftzehrenden Parkway-Shows zu spielen, bedarf absoluter körperlicher Fitness. Diesen Faktor hatte ich anfangs in der Band nicht bedacht. Zudem spielten wir früher gerne mal fünfundzwanzig Shows hintereinander. Plötzlich bekam ich massive Probleme in den Beinen. Das war mir eine Lehre, und ich habe konsequent mit dem Fitness-Programm begonnen.

Okay, aber was ist mit dem tatsächlichen Training auf dem Pedal?

Das kommt zusätzlich zum sportlichen Konditionstraining hinzu. Ich habe eine Methode entwickelt, mit der ich meine Ausdauerkraft auf dem Pedal trainiere. Das Ganze läuft zum Metronom in unterschiedlichen Tempi wie 140, 160, 180 und 200 Beats. Hier spiele ich rechts/links Sechzehntel-Abfolgen, wobei es darum geht, die Spiel-Power konstant durchzuhalten, bis die Beine müde werden. Je nach Tempo schaffe ich in der Regel zehn bis zwölf Minuten ohne wackelig oder ungenau zu werden. Ich stoppe jedes Mal die Zeit und wiederhole die Übung über die Woche verteilt. Es ist erstaunlich, wie sehr man sich selber pushen und das Durchhaltevermögen ausbauen kann. Aber das sind keine technischen Übungen sondern reine Fitness-Übungen, um Verletzungen vorzubeugen. Wenn ich also beim Training zehn Minuten bei 200 bpm durchhalte, dann werde ich die Show problemlos schaffen, zumal die längsten und anstrengendsten Double-Bass-Parts bei uns die 30- oder 40-Sekundenmarke nicht überschreiten. Allerdings gibt es davon viele während einer Show … (grinst) Das summiert sich! Mit dem Training aber habe ich genug Reserven, um eine Parkway-Show sicher zu spielen.

Hast du neben den Konditionssachen auch rein spieltechnische Übungen fürs Pedal?

Bei mir gibt es einen Grundsatz: Alle Übungen die du mit den Händen machst, solltest du auf die Füße übertragen. Also alle Rudiments, wie Paradiddles, inverted Paradiddles usw.

Ben Gordon(Bild: Tom Schäfer)

Parkway Drive macht sehr komplexe Musik mit einem technisch durchdachten und raffinierten Schlagzeugspiel. Wie gelingt es dir bei aller Komplexität die Grooves mit Seele zu füllen?

Mein Drumming ist nicht nur der Heartbeat von Parkway, sondern das bin ich, voll und ganz mit aller Emotion! Die Seele in meinem Schlagzeugspiel entsteht dadurch, weil ich es mag, was ich da tue. Unsere goldene Regel lautet: es muss rocken und headbangen! Ich weiß, dass es etliche Fans gibt, die auch auf Show-Off stehen und die abgefahrenen Höllendinger wollen. So was kann man kurz mal als Moment aufblitzen lassen, aber Show-Off ist nicht die Haltung der ich folge. Ich war beispielsweise nie im Death Metal unterwegs, denn diese superschnellen Sachen mit 220 beats per minute aufwärts enden schnell im Show-Off. Dann geht es nur noch um Tempo und weniger um musikalische Inhalte. Außerdem wird der Sound bei diesem Speed letztlich scheiße. Mit Parkway spielen wir zwar auch einige Blastbeat-Grooves, aber das hält sich sehr in Grenzen. In der Anfangszeit war ich noch fasziniert von der Idee, mit technischem Speed-Drumming die Fans zu begeistern. Ich spielte ohne Ende crazy Fills und mixte sie mit Double-Kick-Parts. Aber mit der Zeit wurden wir alle in der Band mehr und mehr zu Songwritern. Und wir realisierten, dass es bei Musik nicht um Showing-Off geht, sondern um Songs. So begann ich die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und dachte mehr über den musikalischen Ansatz meines Schlagzeugspiels nach. Und auch darüber, dass es gut wäre, den Vocals und Gitarren Raum zu geben. Ich bin mit den Jahren am Schlagzeug vom spielerischen her besser geworden, aber auch umsichtiger. So wuchs in mir die Erkenntnis, dass ein einfacher gespieltes Schlagzeug wesentlich effektiver ist für den Sound und den Song … im Grunde genommen eine groteske Feststellung hinsichtlich meiner punkigen, wilden Anfangsjahre! (lacht)

Ben Gordon(Bild: Tom Schäfer)

Wie entwickelt ihr mit Parkway Drive die Songs? Ist das ein Gemeinschaftsprozess?

Häufig ist der Anfang einer Idee ein Gitarren-Riff. Jeff stellt uns Fragmente vor, und mit der Band gestalten wir daraus gemeinsam ein Gerüst und versuchen eine Song-Struktur zu entwickeln. Wir sind ja hauptsächlich eine Live-Band, und die Erfahrungen aus den Shows haben sich auf die Art und Weise unseres Songwriting ausgewirkt. Beim Schreiben haben wir also immer auch die Live-Wirkung im Blick. Anfangs nämlich haben wir fröhlich vor uns hin komponiert und waren überzeugt, griffige Songs am Start zu haben. Doch auf der Bühne krepierten die Dinger. Es war ein Lernprozess der uns dahin brachte, den Entertainment-Faktor in die Komposition mit einzubeziehen. Die Songs werden also bereits in ihrer Entwicklungsphase livetauglich arrangiert. Man befasst sich dann mit solchen Fragen, ob das Tempo stimmt, ob genügend Hooks zum Mitsingen da sind, ob die Breakdowns fürs Headbanging taugen und ob insgesamt genug Feuer für die Live-Performance vorhanden ist. Wenn diese ganzen Elemente im Grundgerüst eines Songs vorhanden sind, dann kommt unser Sänger Winston ins Spiel. In dieser finalen Phase werden Details geschliffen, damit sich Text und Melodie in die Struktur des Songs einpassen.

Wenn man eure musikalische Entwicklung betrachtet scheint es, als habe Parkway Drive eine Art Wandlung vollzogen, vom puren Metalcore hin zu einer griffigeren Form mit Hooks und Singalong-Passagen fürs Publikum. Sind Parkway Drive die Protagonisten eines neuen Metal-Style?

(grinst) Ich würde es nicht überbewerten. Aber diese spürbare Veränderung stimmt und sie hat auch einen Grund. Vor wenigen Jahren noch bestand unser Repertoire ausschließlich aus reinem Metalcore. Wir haben diesem Genre unser Maximum an Kreativität gegeben und diesen Style gepusht wie es nur geht. Aber niemand will jahrelang immer dieselben Songs schreiben. Wir brauchten Veränderung und haben die Metalcore-Wand eingerissen, indem wir uns in Richtung Melodien, Hooks usw. geöffnet haben. Das war eine neue Welt für uns. Wir schreiben Songs, die catchy sind. Scheinbar kommt das bei unseren Fans an, denn „Reverence“ erreichte in Australien und Europa Top-Platzierungen in den Charts.

Dein energetischer Style hat stets diese krasse Ausdrucksstärke. Was ist das Geheimnis deiner Drum-Grooves?

Ich versuche Ben Gordon zu sein und vermeide es andere Drummer zu sehr zu kopieren. Auch befasse ich mich damit, Grooves so zu gestalten, wie es andere Drummer nicht tun würden. Wenn wir Songs schreiben und das Arrangement-Gerüst feststeht, dann gehe ich nach Hause und arbeite an der Ausarbeitung der Drum-Tracks. Es geht mir darum, jeden Beat und jeden Schlag so musikalisch wie möglich zu gestalten, so dass alleine das Schlagzeug eine interessante Struktur bekommt. In dieser Findungsphase muss ich mich zurückziehen, um die Konzentration zu finden und Raum für konzeptionelle Ideen. Diesen kreativen Prozess kann ich zwar nicht erzwingen, und manchmal dauert es auch seine Zeit, bis die zündende Idee kommt. Dieses sich Zurückziehen und auf sich selbst besinnen ist meine persönliche Herangehensweise, um Ideen zu entwickeln. Natürlich braucht ein Song manchmal den Basic-Rock-Beat – und das ist völlig okay! Denn auch Straight-Ahead-Grooves bieten Raum für kreative Möglichkeiten. Und manchmal ist es die pure Energie, die einen Drum-Groove magisch macht.

Was bedeutet für dich Groove im Allgemeinen?

Groove ist eine recht instinktive Angelegenheit. Und Groove ist in einem drin. Das ist wie mit der Kreativität: Man kann sie nicht lernen, man hat sie! Man kann John Bonham nachspielen, aber es wird niemals diese Authentizität haben, weil Bonham nicht in dir drin ist.

Jeder Schlagzeuger hat seinen Style, seinen Sound und seine Eigenart, die ein bestimmtes Drummer-Profil prägen. Was glaubst du, ist dein Trademark?

Mit voller Energie zu spielen! Ich bin Hardrock- und Metal-Drummer mit ganzer Seele – und ein Double-Pedal-Player! Alle meine Grooves und Fills bauen auf Double-Kick-Systemen auf. Würde man mir ein Pedal wegnehmen, dann wäre es so, als hätte man einen Teil von mir stillgelegt! (lacht)

Ben Gordon(Bild: Tom Schäfer)

Erinnerst du dich an deinen ersten bezahlten Gig?

Na klar doch! Ich war 15 Jahre alt und hatte eine Band namens Blueprint For A Nightmare. Zwei Stunden gurkten wir nach Brisbane zu einem Auftritt und spielten letztlich vor 30 Leuten. Aber am Ende gab es 50 Dollar Gage für die Band. Wir waren überglücklich, denn damit hatten wir nicht gerechnet. Die Gage wurde natürlich sofort verbraten … also, ich sag jetzt mal: in Nahrungsmittel umgesetzt. (lacht)

Wenn du mal auf den Drummer Ben Gordon von vor zehn Jahren zurückblickst und mit dem Ben Gordon von heute vergleichst, was hat sich geändert?

Früher habe ich eigentlich alles auf technisches Spiel gesetzt, auf coole Fills und abgefahrene Double-Kick-Parts. Ich war einfach so drauf, dass ich allen zeigen wollte, was ich konnte. Der typische Show-Off-Player mit Egotrip. Ich war der totale Pedal-Nerd! Es gab nur ein Problem: All die Jahre hatte ich nämlich die Hi-Hat vernachlässigt. Aber diese ist ja nun mal eine wichtige Zählorientierung beim Schlagzeug. Dem Double-Pedal-Playing liegt eine ganz andere Zählstruktur zugrunde und man bezieht die ganzen Offbeats in die Zählweise mit ein. Zumindest war das bei mir so. Die Hi-Hat aber hat einen ganz anderen Zählpuls, der dem gesamten Schlagzeugspiel eine Orientierungsstruktur gibt. An diesem Manko musste ich im Nachhinein arbeiten. Heute habe ich einen größeren Überblick über die Dinge und ich sehe das Schlagzeug als Teil eines Ganzen. Mir geht es mehr um Teamplay, um die Band und das Spielen für den Song. Die vielen Extras, die crazy Fills und energetischen Grooves wähle ich sorgsam aus. Denn nur im richtigen Moment und an der richtigen Stelle entfalten exponierte Drum-Parts ihren besten Effekt.

Ben Gordon(Bild: Tom Schäfer)

Welche war die wichtigste Entscheidung in deinem Schlagzeugerleben?

Nach fünf Jahren Parkway ging es für die Band auf einmal rasant nach oben. Ich war ein Schlagzeuger mit den abgefahrensten Double-Kicks im Geschwindigkeitsrausch. Aber alles andere konnte ich nicht. Rudiments hatte ich nie gelernt und es gab diese riesigen Löcher in meinem spielerischen Background. Damals war ich auf meine eigene Kreativität angewiesen. Ich musste die Dinge selber herausfinden, was aber auch bedeutet, dass man aus Unkenntnis nicht die empirischen Regeln des Schlagzeugspielens einhält. Auch mein Timing war echt schludrig. Als ich merkte, dass Parkway erfolgreicher wurde, realisierte ich, dass diese Band meine Karriere sein könnte. Und mir war in dem Moment bewusst, dass ich etwas dafür tun musste, um mich als Schlagzeuger dieser Herausforderung zu stellen.

Ben Gordon(Bild: Tom Schäfer)

Also habe ich mich zwei Jahre lang hingesetzt und meine Hausaufgaben nachgeholt. Ich übte zum Metronom, übte Double-Strokes, vertiefte mich in die Übungen des Buchs „Stick Control“ und lernte den dynamischen Umgang mit Rudiments. Das alles ergänzte mein Spiel deutlich und machte es hörbar besser. Auch vom Timing bin ich nun sehr sicher, was früher nicht der Fall war. Wenn ich mir alte Videos ansehe, dann ist das manchmal gruselig mich spielen zu sehen. Also: Die wichtigste Entscheidung war, an die Basics zu gehen und noch mal regelrecht als Schüler anzufangen. Das war insgeheim schon etwas demütigend für mich, denn zu der Zeit war Parkway Drive erfolgreich und ich hatte meine ersten großen Features in Drum-Magazinen. Ich musste mein Ego beiseiteschieben und es war echt hart für mich. Aber am Ende hat es sich voll gelohnt!

EQ-Talk: The Cage Of Death

Wir müssen unbedingt über deinen „Cage of Death“ reden. Das Ding ist ein schienengeführtes Rotations-System und katapultiert das Schlagzeug Upside-Down um 360°. Wie kommt man auf diese verrückte Idee?

Die Idee dazu kam uns während der Videoproduktion zu „Crushed“. Die Bildsprache des Films entwickelt das Phänomen der Schwerelosigkeit. Wir als Band befanden uns in einem Zimmer und konnten an den Wänden und Decken spazierengehen. Das ganze wurde über Tricks mit beweglichen Kamerapositionen gemacht, so dass eine perfekte Illusion entstand. Das brachte uns auf die Idee, diesen Effekt in echt auf die Bühne zu bringen mit dem Upside-Down-Drumkit – dem „Cage of Death“, wie er in der Band liebevoll genannt wird. Im Prinzip hatten zum Beispiel Tommy Lee und Joey Jordison ja schon ähnliche Effekte inszeniert. Die technische Umsetzung war extrem schwierig für meinen Drumtech. David musste jedes Einzelteil des Schlagzeugs, Stative, Bassdrum, Pedale etc. fest am Riser verschrauben. Auch die Cymbals brauchten eine extra Absicherung und alles muss doppelt geklemmt werden. Der Sicherheitsaspekt bei diesem Show-Effekt ist sehr hoch. Daher können wir den Cage leider nicht auf jede Tour mitnehmen.

Ben Gordon(Bild: Tom Schäfer)

Was ist es für ein Gefühl, auf dem Kopf stehend ein Schlagzeugsolo zu spielen?

Ehrlich gesagt ist es schwer in dieser Situation überhaupt zu spielen. Das Blut drückt dir in den Kopf und du musst gegen die Schwerkraft trommeln. Das macht es doppelt anstrengend. Außerdem kann man eine solche Extremsituation nicht in sein alltägliches Übeprogramm aufnehmen. Aber das Schwierigste ist der Zustand des Festgeschnallt-Seins. Außer Armen und Beinen kann ich nichts bewegen. Du siehst aus wie ein hilfloser Käfer! (lacht) Statt Drummer-Sitz habe ich einen Rennwagensitz mit fünffacher Gurtbefestigung. Ich bin da richtig in den Sitz hinein festgezurrt und an die Rückenlehne gepresst. In so einer fixierten Position zu trommeln ist echt hart, weil ich den Oberkörper nicht bewegen kann. Das widerspricht jeglicher Motorik eines Schlagzeugers. Und wenn ich kopfüber im „Cage of Death“ hänge, kommen die ganzen Pyro-Effekte noch hinzu. Das muss man auch mental sortieren. Solange der Käfig stillsteht, ist das ja noch in Ordnung, weil Upside-Down ja nur das Gegenteil von der normalen Position ist. Aber sobald sich das Schlagzeug bewegt und seitlich nach oben kippt, muss ich mich sehr konzentrieren, denn du weißt nicht mehr wo du bist und überall schlagen die Flammen hoch. Es macht einen total konfus, aber du musst durchhalten und spielen. Dennoch: Es ist Fun und ich finde diesen Show-Effekt sehr gelungen.

EQ-Talk: Equipment- und Sound-Talk

Besonders die Live-Shows von Parkway Drive profitieren von der wahnsinnigen Präsenz deines druckvollen und nahezu imperativen Sounds. Was steckt hinter dem Klangkonzept des Schlagzeugs?

Mit unserer Technik-Crew arbeiten wir schon zehn Jahre zusammen. Das ist definitiv genug Zeit, um einen perfekten Drum-Sound zu gestalten.

Perfekt für den Parkway-Sound also?

Klar, das muss zur Band passen. Generell bevorzuge ich einen modernen Sound. Mein Drumtech David Bichard und unser FOH-Engineer George Hadjichristou arbeiten Hand in Hand. Ein grundsätzliches Ziel ist es, dass sich die Drums in den lauten und schnellen Passagen gut durchsetzen und zugleich eine wuchtige Präsenz haben.

Ben Gordon(Bild: Tom Schäfer)

Das erreicht man nicht unbedingt nur am Mischpult. Das Schlagzeug muss aus sich heraus diese Sound-Kraft entfalten. Ich höre da zum Beispiel eine cutting high pitch Snare, oder?

Stimmt, die Snare hat eine Menge Crack um sich gegen die Gitarren durchzusetzen. Und sie hat aber auch genug Volumen für den Druck im Backbeat. Jedoch muss man aufpassen, dass die Snare nicht zu hoch getuned ist, weil sie sonst ihre Fülle verliert. Der Backbeat definiert in großem Maße die Kraft des Schlagzeugs. Und auch der Kickdrum-Sound liefert wichtige Aspekte im Metal-Kontext. Das heißt, dass die Beats gut kicken und ein entsprechendes Top-End in den Höhen haben müssen. Durch den knackig klickenden Sound-Anteil kann sich die Kick gut durchbeißen. Dieser Höhen-Attack liefert den Impuls, damit man die Kick überhaupt wahrnimmt. Das hat also weniger mit Sound-Design zu tun, sondern ist eher zweckmäßig organisiert. In Sachen Klangästhetik bietet die Kick den wuchtigen Druck in den Tiefen. Im Prinzip arbeiten wir hier mit klassischen Metal-Elementen.

Ben Gordon(Bild: Tom Schäfer)

Also auch mit Unterstützung von getriggerten Sounds?

Bis vor zwei Jahren hatte ich nie mit additional Sounds gearbeitet. Ich mochte das wegen des Dynamikverlustes nicht. Der Grund für den jetzigen Einsatz von Triggern beruht auf der Geschichte mit dem „Cage of Death“. Denn wir stellten fest, dass das Schlagzeug im Kopfstand plötzlich völlig anders klang. Schon in der schrägen Drehung veränderte sich der Drum-Sound und das warf die Frage nach dem Warum auf. Bei der Snare fanden wir eine Erklärung, die auch offensichtlich ist. Denn bei einer Überkopf-Snare werden die Wires ganz anders ans Fell gedrückt. Und das verändert den Sound drastisch. Aber erstaunlicherweise klangen Kick und Toms auch anders. So kamen wir zur Erkenntnis, dass dies mit der Dynamik meiner Spielweise zu tun hatte. Denn auf dem Kopf stehend spielt man anders, weil man gegen die Gravitation arbeiten muss – plötzlich sind andere Kräfte am Werk.

Ben Gordon(Bild: Tom Schäfer)

Um den Drum-Sound zu erhalten, setzten wir für das Upside-Down-Feature schließlich Trigger ein. Letztlich aber mochte George, unser FOH-Toningenieur, diesen Sound so sehr, dass wir das System dauerhaft für die gesamten Shows einsetzten. Was man bei den Shows hört, ist ein Mix aus neunzig Prozent real drums und die anderen zehn Prozent kommen on top als Klangfarbe aus den Studioproduktionen. Die Trigger kommen hauptsächlich bei der Snare und der Kick zum Einsatz. Normalerweise stehe ich nicht auf künstlich erzeugte Klänge am Schlagzeug, aber dieser feinjustierte Zehn-Prozent-Anteil macht für die Finalisierung eines homogenen Live-Sounds Sinn. Es ist ja nur, um diesen letzten Soundspace etwas aufzufüllen und den Drum-Sound Show für Show konstant zu halten. Ich hab mir den Unterschied mit und ohne Trigger angehört und war letztlich überzeugt von dieser technischen Maßnahme.

Auch die Toms kommen warm, satt und druckvoll rüber. Haben daran die „Pinstripe“-Felle ihren Anteil?

Die Pearl Masters Maple Complete Drums haben von sich aus schon einen sehr vollen, natürlichen Sound. Und die „Pinstripe“-Felle verstärken diesen Charakter. So klingen die Toms sehr füllig und dynamisch. Welche Präferenzen hast du bei den Cymbals?

Sie sind so zusammengestellt, dass sie bei meinem kräftigen Spiel nicht übersteuern, sondern sich in den Gesamtmix einfügen.

Wie ist deine personalisierte Einstellung beim Double-Pedal?

Ich spiele das Pearl Deamon Drive als Longboard Setting. Die Federspannung ist bei mir straff justiert, damit der Beater schnell zurückkommt. Die Pedal-Einstellung ist also auf schnellen Rebound ausgerichtet. Ich habe mich sehr mit Pedal-Einstellungen befasst. Etliche Parameter wie Winkel des Beaters, Federspannung, Sitzhöhe und auch Fellspannung greifen ineinander. Ein Pedal scheint immer etwas sehr persönliches zu sein, und jeder Drummer schwört auf sein ultimatives Tool. Aber für mich sind die wichtigsten Faktoren letztlich die Spieltechnik und das Trainieren der Beine!

Ben Gordon Tourset: Parkway Drive Europe Tour 2019

Drums: Pearl Masters Maple Complete

  • 22″ x 22″ Bassdrum
  • 8″ x 6″ Tom
  • 10″ x 8″ Tom
  • 12″ x 10″ Tom
  • 16″ x 16″ Floor-Tom
  • 18″ x 18″ Floor-Tom

Snaredrums:

  • 14″ x 6″ Pearl Reference Pure
  • 14″ x 5″ Sonor Phil Rudd Signature

Cymbals: Zildjian

  • 11″ FX Oriental Trash Splash
  • 14″ A Custom Mastersound Hats
  • 19″ A Custom Projection Crash
  • 12″ FX Oriental China Trash
  • 10″ A Custom Splash
  • 6″ Zil Bell
  • 21″ Zildjian Mega Bell Ride
  • 18″ A Custom Medium Crash
  • 19″ K Custom China

Hardware: Pearl

  • Double Tom Stand T2000
  • Snare Stand S2000
  • Boom Cymbal Stands: BC1030 (4x), BC2030 (4x)
  • Drum Throne D2000

Pedals: Pearl

  • Demon Drive Double Bass Drum Pedal P3002D
  • Hi-Hat Stand H2000

Felle: Remo

  • Toms: Pinstripe/Ambassador clear
  • Bassdrum: Powerstroke 3
  • Snaredrum: CS Snare/Diplomat Snare

Drumsticks: Zildjian Ben Gordon Custom Model

In-Ear-Monitoring: Shure PSM1000

Ben Gordon(Bild: Tom Schäfer)

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Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums

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