Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
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Einer der Väter des Jazzrock...

Billy Cobham: Jazz ist ein großer Teil meines Lebens

 

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Was muss man über Billy Cobham noch große Worte verlieren? Der Drummer aus Panama ist einer der Väter des Jazzrock. 

Ich kenne dich als Jazzrock-Drummer und wahren Drum-Virtuosen, und so war ich doch etwas überrascht, als ich deine neueste CD „Art Of Three“ zum ersten Mal hörte. Eine reine Jazz-CD hätte ich nicht unbedingt von dir erwartet. Ich nehme an, dass deine Wurzeln fest im Jazz verankert sind, oder?

Billy Cobham: Definitiv! Die Idee zu dieser CD kam mir, weil die meisten Musiker, die diese Musik erfunden und weiterentwickelt haben, inzwischen tot sind. Bebop- und Mainstream-Jazz-Musiker wie Hank Mobley, Dizzy Gillespie, Miles Davis und Coltrane sind tot. Diese spezielle Kunstform wird verschwinden. Ich bin auf der Grenze dieser reichen Musikformen groß geworden, in einer Zeit, in der Miles Davis noch lebte und viel Musik gemacht hat. In absehbarer Zeit werden meine beiden Triopartner (Bassist) Ron Carter und (Pianist) Kenny Barron nicht mehr da sein, und ich auch nicht mehr. Wir sind die zweite Garde. Wir haben von den Sidemen dieser großen Musiker gelernt.

Ich habe mich entschieden, solange diese Leute noch da sind, eben diese Musik zu spielen, so original wie möglich. Ich arbeite mit den Leuten, die die Musik erfunden haben, und nicht mit denen, die nur imitieren. Das ist ein großer Unterschied. Viele Leute verstehen nicht, dass wir Standards aufgenommen haben. Wir können aber in der Geschichte nicht vorwärtsgehen, wenn wir die Geschichte nicht kennen. Leute, die sich fragen, ob man noch eine weitere Standards-Platte braucht, haben ein sehr dünnes Fundament ohne Substanz. Die haben diese Musik nicht gelebt. Manchmal muss man einen Schritt zurückmachen und das Fundament betrachten, bevor man weiter nach vorne geht.

Wieso hast du Ron Carter und Kenny Barron gewählt?

Billy Cobham: Beide kenne ich jetzt seit 30 oder 40 Jahren, und mit beiden habe ich schon Platten eingespielt, mit Ron Carter sogar mehr als 30.

Was bedeutet Jazz für dich?

Billy Cobham: Jazz ist ein großer Teil meines Lebens und auch meiner Community. Ich bin lateinamerikanischer Abstammung, aber ich bin nie in einem latin oder karibischen Umfeld aufgetreten. Meine Wurzeln sind im Jazz und in der Fusion-Musik, vielleicht habe ich noch eine kleine Wurzel in der Rockmusik. Doch ich spiele keinen Rock’n’Roll, keinen Gospel und keinen Dixieland. In der Jazzmusik fühle ich mich wohl.

Du spielst Fusion mit einem großen Set mit zwei, manchmal sogar drei Bassdrums und Jazz an einem normalen Kit. Macht dir die Umstellung von einem Set zum anderen eigentlich manchmal Schwierigkeiten, bzw. gibt es Momente, in denen du in die Luft haust, weil einfach weniger Toms und Cymbals um dich sind?

Billy Cobham: Wenn ich Schlagzeug spiele, respektiere ich die Musik, die ich spiele. Jeder Teil des Drumsets, wie zum Beispiel die Toms, müssen auch klanglich stimmen. Das ist mir sehr wichtig. Solange ich das Leben in dieser Weise betrachte, ist es sehr einfach für mich, Dinge musikalisch für mich stimmig zu haben. Ich spiele auf jeder Konfiguration, die der Musik dient, und wenn ich dafür von Triple-Bassdrum und neun Toms, was ich bei Peter Gabriel benötigt habe, hin zu einer Bassdrum und einem kleinen Set „umsatteln“ muss.

Ich möchte dir ein paar Namen von Leuten nennen, mit denen du gearbeitet hast. Vielleicht kannst du in kurzen Worten sagen, was dir zu den Personen einfällt. Fangen wir mit Miles Davis an.

Billy Cobham: Eine Periode des Lernens für mich – auf dem höchsten Niveau.

John McLaughlin.

Billy Cobham: Ein musikalischer Weggefährte, der seinesgleichen sucht.

Deine Band Spectrum.

Billy Cobham: Die Platte „Spectrum“ war eine erzwungene Geburt, mit der ich mich als musikalischer Leader vorgestellt habe. Zu der Zeit lief das Mahavishnu Orchestra gerade aus, und ich musste mir etwas Neues suchen. Ich war sehr glücklich über das Spectrum-Projekt.

Und wie sieht es mit deiner Band Glass Menagerie aus?

Billy Cobham: Das war eine Zeit der Veränderung, die auf dieser Platte dokumentiert ist. Das war „Billy Cobham verlässt Amerika und hat seine ersten tiefgreifenden Eindrücke von Europa“.

Du lebst immer noch in der Schweiz?

Billy Cobham: Ja, immer noch, und es gefällt mir auch immer noch gut.

Welche Platten in deiner umfangreichen Diskographie würdest du als deine wichtigsten betrachten?

Billy Cobham: Die wichtigsten Platten unter meinem eigenem Namen sind noch nicht herausgekommen, würde ich sagen. Ich habe das Projekt „Conundrum“ mit dem Latin Jazz Orchestra, das meine ersten orchestralen Kompositionen spielt. Die Aufnahmen sind in Surround Sound aufgezeichnet, und es gibt auch ein Buch dazu. Da kann man Bass, Drums, Klavier, Saxophon, Posaune oder Trompete stumm schalten und mitspielen. In Surround Sound!

Welche Platten sind dir als Sideman wichtig?

Billy Cobham: Jack Johnson“ mit Miles Davis, „Sunflower“ mit Milt Jackson, „Serenade To A Soul Sister“ mit Horace Silver und „Passion“ mit Peter Gabriel.

Es gibt nicht viele Drummer, die mit anderen Schlagzeugern kooperieren. Du spielst aber gerne mit einem weiteren Drummer.

Billy Cobham: Der Punkt ist: Ich sehe das nicht als Wettkampf. Drums sind sehr kommunikative Instrumente. Früher gab es drei Schlagzeuger, die eine Section in der Jazzband waren. Es gab den Bassdrum-Spieler, den Snaredrum-Spieler und den Cymbal-Spieler. Das hat sich verändert, als jemand die tolle Idee hatte, dass man sich ja setzen könne und alle Gliedmaßen zum Schlagzeugspielen verwenden könnte. Da bekommt man die dreifache Arbeit, aber leider nicht die dreifache Bezahlung. Das machte Drummer aber sehr herausfordernd und terrainneidisch. Okay, das stimmt für Amerika. In Afrika gibt es Drum-Ensembles, die tagelang an Hochzeiten spielen. Ohne Blasen an den Händen, und ohne eine Stunde Pause zu machen.

Dieses Gefühl möchtest du in deinem Zusammenspiel mit einem anderen Drummer haben, denke ich. Aber es ist mitunter schwierig, kann ich mir vorstellen, weil das Publikum oft einen Wettkampf sehen will.

Billy Cobham: Das stimmt. Ich möchte musikalisch spielen. Anders macht es keinen Sinn für mich. Ich bin ja nicht unsicher in meinem Spiel, und ich kann nur von denen lernen, mit denen ich spiele. Die müssen in irgendwas besser sein als ich, also kann ich dann lernen. Es ist wichtig, die Musik insgesamt besser zu machen, nicht zu zeigen, wer der physisch bessere Spieler ist. Ich möchte nur Musik machen, und ich bin der erste, der seine Schwächen zeigt. Ich möchte lernen und ich möchte, dass die Musik gut ist. Wenn es nötig ist zu zeigen, was ich kann, dann mache ich das.

Vielleicht brauche ich aber auch mal musikalisch Hilfe und zeige das so meinen Mitmusikern. Für mich ist Musik ein Gespräch. Aber oftmals reden und reden und reden wir alle nur. Wir reden darüber, was wir alles tun werden, aber weniger als ein Prozent passiert dann auch. Die was machen, die haben Ergebnisse, aber die, die reden, haben nichts davon. Ich halte auch nichts davon, zu sagen „Das kannst du nicht machen!“ Das würde ich nicht tun, denn ich will immer herausfinden, ob ich was tun kann. Wenn ich’s dann doch kann, lagen die anderen falsch, wenn ich’s nicht schaffe, hatten die andren doch recht.

Wo siehst die Zukunft des Jazz? Viele Leute haben die Fusion-Musik ja schon Ende der 80er Jahre für tot erklärt.

Billy Cobham: Fusion-Musik? Das ist ein Wort, das die Medien erfunden haben! Das Wort ist tot, aber die Musik mischt sich andauernd. Hör dir die World Music an, das ist die wahre Fusion-Musik!

Hast du in der letzten Zeit einige interessante junge Drummer gehört?

Billy Cobham: Ja, einen Knaben, der Angelo Kelly heißt. Er versucht nicht, jemanden zu blenden. Er spielt einfach Musik. Und so etwas gibt es selten und ist sehr speziell. Er denkt, bevor er spielt. Ich stehe hinter dieser Aussage, weil ich ihn unterrichte, seit er 14 ist.

Deine bekannteste Komposition ist „Red Baron“. Hast du die Version des Bassisten Marcus Millers auf seinem Album „M2“ gehört?

Billy Cobham: Ja, habe ich und die Fassung finde ich gut. Das Schöne daran ist, dass es „Red Baron“ à la Miller ist, und Marcus nicht versucht hat, Billy Cobham zu sein. Er hat das gut gemacht. Das gleiche gilt für Massive Attack, die meine Grooves gesampelt haben. Das finde ich auch gut.

Wie sieht ein typischer Tag im Leben des Billy Cobham aus? Übst du noch viel?

Billy Cobham: Ich übe nicht mehr am Set, für mich läuft das eher auf einer meditativen Ebene ab. Ich bin das Schlagzeug, die Drums sind ich. Ich bin nicht mehr in dem Alter, in dem man die Rudiments des Schlagzeugspiels erlernen sollte. Falls das der Fall sein sollte, sollte ich aufhören.

Für mich dreht sich alles um Kreativität. Ich möchte als ewiger Student lernen. Wenn es nach mir ginge, würde ich viel mehr mit der WOMAD arbeiten (World Organisation of Music and Dance), aber ich muss auch funktionieren und Geld verdienen. Die WOMAD hat kein Budget für mich, und ich kann nur gehen, wenn ich in das Programm passe und ich Lesungen geben kann. Diese Festivals auf der ganzen Welt interessieren mich, aber alle zu besuchen kann man sich nicht leisten. Da kommen Leute aus Spanien, Schanghai oder aus Tibet, die nur für dieses Festival kommen. Ich lerne da viel, aber ich kann es mir nicht leisten, immer hinzugehen, leider. Leider gibt es als ausführender Musiker auch die Business-Seite, ob man die nun mag oder nicht.

Wie sieht es mit deinem aktuellen Equipment aus?

Billy Cobham: Auf der Spectrum-Tour habe ich das neue Set von Yamaha aus Eiche gespielt, die neuen Oak Custom Drums. Angeblich soll das das einzige Set gewesen sein, das es in Amerika zu der Zeit gab. Das Set bestand aus zwei 22″ Bassdrums, 8×12, 9×13, 10×14 und 12×15 Toms. Das waren die Rack-Toms. Dazu kamen ein 16×16, ein 16×18 und eine 20″ Bassdrum als Floortoms, also drei Floortoms. Das habe ich den Staaten verwendet. Ansonsten bin ich ja bekannt dafür, dass ich die Yamaha Maple Custom Absolute Drums verwende.

Wie sieht es mit Cymbals aus?

Billy Cobham: Sabian Cymbals. Das Setup und die Linie ändert sich je nach Musik.

Und wenn du nur ein ganz kleines Jazzset spielst?

Billy Cobham: Dann ist es ein Set aus Birke – Birch Custom Absolute – mit einer 20″ Bassdrum und ein paar Toms.

Welche Platten und was für Equipment würdest du auf die berühmte einsame Insel mitnehmen?

Billy Cobham: Wenn die Insel einen Squash-Platz hat, würde ich meinen Schläger mitnehmen, sonst meine Schwimmausrüstung und viel Sonnencreme. Ich bin zwar dunkel, aber ich möchte nicht an Hautkrebs erkranken. Für Musik möchte ich nichts mitnehmen, da möchte ich mich ganz auf meine Kreativität verlassen.

 

Equipment

Drums: Yamaha. Cymbals: Sabian. Sticks: Vic Firth

Produkt: Sticks 11-12/2019
Sticks 11-12/2019
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