Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums
Interview

Brad Marsh: Collins’ Personal Drum Tech

Brad Marsh(Bild: Tom Schäfer)

Seit fast 30 Jahren ist er Phil Collins‘ Drum Tech und seit drei Jahren auch von dessen Sohn Nicholas. Für beide war und ist er die rechte Hand auf der Bühne. Wie niemand anders weiß Brad Marsh haargenau, wie man das legendäre Gretsch „In The Air” Drumset millimetergenau aufbaut und detailliert tunt.

Brad Marsh: „Dieser Job ist ein absoluter Profijob. Du trägst ein Stück Verantwortung, damit in den Stadien eine perfekte Show funktioniert. Ich stieß 1990 zur Phil Collins Crew während der laufenden ‚But Seriously‘-Tour. Seit dieser Zeit gehöre ich fest zum Team. Phil zeigte mir damals sehr genau, wie er sein Set stimmt. Er bevorzugt diesen perkussiven, trockenen und attackreichen Sound. Zudem haben die Concert Toms ein großes Panorama-Intervall an Sounds von ganz hell und hart bis tief-satt und mächtig. Ich habe Phil auf der größten Genesis-Tour ‚We Can’t Dance‘ begleitet und danach auf allen seinen Tourneen mit Genesis und als Solo-Artist.“

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(Bild: Tom Schäfer)

Brad Marsh, der Crew-intern eigentlich „Munchy“ genannt wird, kennt nicht nur den Humor, sondern auch die kleinen Kauzigkeiten des Briten. Neue Felle musste er stets heimlich aufziehen. Und damit es sein Arbeitgeber nicht merkt, hatte er es sich zur Regel gemacht, den neuen Fellen vorsätzlich kleine Macken zuzufügen, damit sie gespielt und keinesfalls neu aussehen. Auch sorgte „Munchy“ immer schon für das Wohlergehen der „Katze“ – jenes vor der Bassdrum schnurrende Maskottchen.

Brad Marsh begegnete ich zum ersten Mal auf der „Dance Into The Light“-Tour 1997 in Dortmund. Damals schleuste er mich über eine „getarnte“ VIP-Limousine in die Westfalenhalle ein. Nur über diesen Trick war es möglich, dem sonst von übereifrigen Managern abgeschirmten Phil Collins backstage in die Arme zu laufen, um ein spontanes Interview für STICKS zu realisieren. Das war der Beginn einer Longtime-Brad-Marsh-Connection, die mir in den Folgejahren bis zum heutigen Tag zahlreiche Interviews mit Phil Collins und seiner Band ermöglichte. Brad Marsh war es, der mich in die Schweiz einlud, um die Proben der „First Final Farewell“-Tour zu fotografieren, was schließlich in einem witzigen „Candlelight Dinner Interview“ mit Phil an einem extra für uns gedeckten Flightcase endete. Ebenso organisierte Munchy für mich ein Fotoshooting bei den Produktionsproben der Genesis „Turn It On Again“-Tour in Brüssel.

(Bild: Tom Schäfer)

Seit 2016 arbeitet er inzwischen als Drumtech für Phil Collins Sohn Nicholas, den wir 2017 zum ersten Mal in einem STICKS-Interview vorstellen konnten. Damals war es der Beginn der „Not Dead Yet“- Hallen-Tour, die mittlerweile zur weltweiten und zweijährigen „Still Not Dead Yet“-Stadion-Tour ausgedehnt werden konnte. Dank Brad Marsh durfte ich im Juni 2019 als einziger zugelassener Fotograf nachmittags auf die Bühne und bei der Show front of stage fotografieren.

Als Personal Longtime Stagehand ist Munchy für sämtliche Belange zuständig, die mit Phil und Nicholas Collins und Bühne zu tun haben. Somit ist er auch Hüter der geheimnisvollen Zettel, von denen Collins traditionsgemäß vor jeder Show abliest und sein Publikum in Landesprache begrüßt. In einer kleinen Pause beim Kaffee zog Brad einen dieser Zettel aus seiner Tasche. Darauf stand von Hand geschrieben: „Ich hatte eine rucken operacion und mein foots ist gefuckt!“

(Bild: Tom Schäfer)

Brad Marsh: „This is for tonight! (grinst) Phil wird das zur Begrüßung heute Abend ablesen. Ich habe all diese von Phil Collins handschriftlich verfassten Zettel dreißig Jahre lang gesammelt. Sie stapeln sich in meinem Büro und füllen ganze Aktenordner. Ich glaube, ich habe da eine Wertanlage angehäuft!“ (lacht)

Der in Minnesota lebende und in seinem zweiten Leben als Grafik- Designer und Illustrator arbeitende Brad Marsh ist zwar manchmal launig und etwas schroff im Ton, aber immer wieder herzlich bei unseren Begegnungen. Ein sehr straighter Typ und kompromisslos, was seine Verantwortung für Schlagzeugtechnik und On-Stage-Work angeht. Ihm haben wir zu verdanken, dass unsere aktuellen Interviews mit Nicholas Collins (Part II) sowie mit Percussionist Richie Gajate-Garcia überhaupt möglich waren.

An dieser Stelle gilt mein persönlicher Dank jenem Mann, der mir 22 Jahre lang die Hintertüren geöffnet und mich jederzeit in allen Interview- und Foto-Angelegenheiten großartig unterstützt hat. Ohne ihn wäre das alles kaum möglich gewesen! Thanks Brad … and rock on!


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Produkt: Sticks 05-06/2019
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