Red Hot Chili Peppers Drummer im Interview

Chad Smith: Ich möchte auf hohem Niveau performen

Chad Smith
Chad Smith mit seinem Markenzeichen: Eine Baseballkappe (Bild: Tom Schäfer)

Chad Smith ist ein sehr sympathischer, humorvoller und interessierter Gesprächspartner. Darüber hinaus ein exzellenter Rock-Drummer, der seine Fähigkeiten des ungezügelten Powerplays seit 28 Jahren bei den Red Hot Chili Peppers abfeuert.

Chad, lass uns zunächst über das neue Album „The Getaway“ reden. Zum ersten Mal habt ihr ohne euren Longtime Producer Rick Rubin gearbeitet. Eine große Veränderung?

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Chad Smith: Klar! Wir haben mit ihm mehr als 25 Jahre zusammengearbeitet. Jetzt war es Zeit für eine kreative Veränderung. Einfach nur ein weiteres Chili-Peppers-Album zu produzieren hätte bedeutet, dass wir uns selber wiederholen. Dieser Gefahr wollten wir aus dem Weg gehen. Aber zunächst haben wir in unserer gewohnten Art neue Songs geschrieben.

Wie muss ich mir das vorstellen? Wie schreiben die Chili Peppers Songs? So wie jede Band im Proberaum, oder am Pool unter Palmen in der kalifornischen Sonne?

Ha, ha, das klingt verlockend! Wir schreiben Songs so, wie wir das immer machen. Man trifft sich im Proberaum oder in einem kleinen Studio. Wir jammen, oder jemand hat eine Idee und man probiert das aus. So wie das eben in einer Band ist. (lacht) Bei uns gibt’s keinen Chef. Jeder steuert Ideen bei. Dann kam Brian (Brian Joseph Burton alias DJ Danger Mouse; Anm. d. Red.) ins Spiel, ein sehr smarter, sehr musikalischer Typ. Brian hörte sich unsere neuen Ideen an und hatte interessante Anmerkungen. Wir mochten seinen Enthusiasmus, also dachten wir, ihm als Producer eine Chance zu geben. Dummerweise brach sich Flea den Arm beim Snowboard-Fahren – sechs Monate Verzögerung waren die Folge!
Für Brian war die gewonnene Zeit allerdings von Vorteil, denn er konnte sich ausgiebig mit unseren Songs befassen. Darüber hinaus wollte er weitere Songs von uns haben und setzte diesmal auf unseren spontanen Output im Studio. Voraussetzung war, dass wir in seinem Studio aufnehmen und uns auf seine Producer-Arbeitsweise einlassen. Das hieß im Klartext, dass ich als Erster in sein Studio kommen, ein paar Entwürfe anhören und dazu coole Grooves spielen sollte. Er nahm nur meine Drums auf und loopte dann verschiedene Teile zusammen. Als Nächster kam Flea und entwickelte mit Brian dazu Basslinien. Anschließend wurde Josh gebeten, die Gitarren einzuspielen.

Chad Smith mit seinem Markenzeichen: Eine Baseballkappe

Mit dieser Vorgehensweise nutzen wir das Studio als Kompositionswerkzeug, was wir vorher nie gemacht hatten. Denn als Band waren wir bislang darauf programmiert, gemeinsam im Studio
die beste Performance abzuliefern. Am Ende hatten wir neun Songs fertig und schickten sie Anthony, damit er sich dazu die Lyrics und Gesangslinien einfallen lassen konnte. Schließlich haben wir die Songs dann gemeinsam im Studio gespielt, so wie wir das gewohnt waren, um es letztlich nach Red Hot Chili Peppers klingen zu lassen.

Dieser für die Band ungewöhnliche Entstehungsprozess und auch die Tatsache, dass Brian seinen eigenen Sound-Geschmack eingebracht hat, ist der Grund dafür, warum „The Getaway“ anders klingt als unsere Vorgänger-Alben. Das alles hat uns geholfen, etwas Neues zu schaffen, und wir sind der Gefahr entkommen, uns selber zu wiederholen.

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