Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums
CLASSIC DRUMMERS

Cozy Cole: Der Drum-Stil des Jazz-Schlagzeugers

Nachdem wir uns ausführlich mit Gene Krupa, einem der populärsten Drummer überhaupt, beschäftigt haben, widmen wir uns in den kommenden Folgen einem der heutzutage zu Unrecht etwas unbekannterem, aber nicht minder gutem Drummer, nämlich Cozy Cole, Zeitgenosse und sehr guter Freund Gene Krupas.

cozy-cole-3
* 17. 10. 1909, East Orange, New Jersey † 31.01.1981, Columbus, Ohio (Bild: Timo Ickenroth)

William Randolph „Cozy“ Cole konnte auf eine sehr lange Karriere als Musiker zurückblicken. Egal ob im New Orleans-, Chicago- oder Swing-Stil, ob große oder kleine Besetzung – namhafte Künstler wie z. B. Louis Armstrong, Jelly Roll Morton, Benny Carter, Coleman Hawkins, Roy Eldridge, Charlie Parker, Dizzy Gillespie, Cab Calloway, Willie Bryant oder Lionel Hampton nahmen Cozy Coles Dienste gerne in Anspruch und das nicht nur, weil Cozy trommeln konnte wie der Teufel, sondern auch weil er ein unglaublich liebenswerter und umgänglicher Mensch war.

Anzeige

cozy-cole-2
(Bild: Timo Ickenroth)

Cozy Cole war ein sehr disziplinierter, zielstrebiger und ehrgeiziger Drummer. Mit fünf nahm er zum ersten Mal ein paar Stöcke in die Hand und wurde früh von Sonny Greer und Chick Webb, später aber auch von Gene Krupa und Jo Jones beeinflusst. Er war jemand, der sich nie auf seinen Lorbeeren ausruhte. Er arbeitete sein Leben lang hart an sich, immer bemüht, ein besserer Schlagzeuger und Musiker zu werden. Cozy Cole nahm im Lauf seiner Karriere u. a. Unterricht bei Billy Gladstone (Snaredrum), Fred Albright (Mallets) und Saul Goodman (Pauken), setzte sich aber auch immer wieder mit anderen Instrumenten wie Klavier und Klarinette auseinander.

In seinem Spiel konnte man diesen hohen Anspruch an sich selbst durchaus wieder finden. Cozy Cole ist vielleicht sogar das Paradebeispiel für die Einbindung des rudimentalen Drummings im Jazz. Alle 26 Standard Rudiments wie zum Beispiel Rolls, Flams, Ratamacues usw. sind kennzeichnend für seinen Stil. Ebenso seine stepptanz-ähnlichen Hand/Fuß-Kombinationen, welche er als einer der ersten aus den Rudiments entlehnte. Seine Soli waren wahrscheinlich auch dadurch äußerst komplex – komplexer jedenfalls als alle Soli der anderen Drummer bislang vor ihm. Genauso vielschichtig waren teilweise auch seine rhythmischen Patterns. Seine Unabhängigkeit war grandios, ohne große Probleme konnten seine vier Gliedmaßen vier unterschiedliche Rhythmen parallel laufen lassen, oft mit binärem und ternären Feel gleichzeitig. Oft klang es so, als würden zwei Schlagzeuger spielen. Damit war er seiner Zeit weit voraus und griff damit Jahrzehnte dem Jazz und dem Schlagzeugspiel vor.

cozy-cole-4
(Bild: Timo Ickenroth)

Diese innovative Spielweise und seine professionelle Einstellung verhalfen ihm auch zu Jobs, die vorher für schwarze Musiker undenkbar oder nur schwer zugänglich waren. So war er der einer ersten Schwarzen, der eine Anstellung in einem Rundfunkorchester bekam, das war 1943 bei der CBS. Nationale Anerkennung erhielt er allerdings bereits zwischen 1939 und 1942 im Orchester von Cab Calloway. Zusammen mit Milt Hinton am Bass bildete er dort eine unglaublich swingende Rhythmusgruppe. Das Rundfunkorchester von CBS füllte ihn allerdings nicht ganz aus, und so spielte er auch noch in anderen Projekten, unter anderem in der Show „Carmen Jones“. Cozy Cole wurde hier als erster Drummer am Broadway in einem ausgedehnten Schlagzeugsolo gefeautured. 1944 leitete er dann zusammen mit Benny Goodman eine kleine Combo mit der er regelmäßig im „Onyx Club“ in New York auftrat. Später gingen sie auch ausgiebig auf Tour und machten ab und an auch die eine oder andere Aufnahme. In der wenigen Zeit, die ihm während der Tourpausen blieb gönnte sich Cole aber keine Ruhephase, sondern ging mit Jack Teagarden und Earl Hines für einige Shows nach Europa.

cozy-cole
(Bild: Timo Ickenroth)

Neben all seinen Aktivitäten widmete Cozy Cole sich zudem auch noch dem Unterrichten und gründetet als Folge daraus 1953 mit seinem guten Freund und Kollegen Gene Krupa die „Krupa & Cole Drum School“ in New York. Diese Schule wurde, wie nicht anders zu erwarten, ein großer Erfolg bis zu ihrer mit dem Tod Gene Krupas einhergehenden Schließung im Jahr 1973. Unterrichten war stets ein großes Anliegen von Cozy Cole, schließlich studierte und übte er selber sein ganzes Leben lang und wusste, wie wichtig guter Unterricht für ein musikalisches Weiterkommen ist. Cozy Cole sagte einmal diesbezüglich (sinngemäß): „Je mehr du erfährst, desto weniger weißt du; aber je mehr du studierst, desto dichter kommst du ran.“ In den 50er-Jahren hatte Cozy Cole auch seine eigene Band, spielte mit dieser regelmäßig im „Metropole“ in New York und nahm viel beachtete Platten auf, darunter eine Hitversion des CountBasie-Klassikers „Topsy (Part 1)“, welche sich sehr gut verkaufte und es locker in die Billboard Charts von 1958 schaffte. In den 60er-Jahren schloss Cozy Cole sich dann der Band seines langjährigen Freunds Jonah Jones an. Jahrzehnte zuvor hatten die Beiden schon mit Stuff Smith und Cab Calloway zusammen gespielt. Diese Combo blieb bis in die 70er-Jahre aktiv, tourte und machte Aufnahmen.

1978 wurde Cozy Cole dann eine große Ehre zuteil, denn er erhielt den Ehrendoktortitel der Capital Universität in Columbus in der Fachrichtung „Musical Arts“. Nachdem er sich mehr und mehr aus dem aktiven Musikerleben zurückgezogen hatte, erlangte er an der gleichen Universität auch noch seinen Abschluss im Fach Literatur.

Cozy ColeWilliam Randolph „Cozy“ Cole starb im Alter von 71 Jahren in Columbus am 31. Januar 1981 an den Folgen seines Krebsleidens. Er wurde und wird immer wieder von vielen namhaften Drummern als großer Einfluss genannt, und das nicht nur von denen aus dem Bereich des Jazz, sondern vor allem auch von zahlreichen Rock-Drummern. Cozy Cole war ein großartiger Schlagzeuger, der es vor allem heutzutage in Zeiten der Unabhängigkeits-Drum-Größen wie z. B. Thomas Lang, Marco Minnemann, Terry Bozzio oder Mike Mangini erst recht verdient, wieder mehr Beachtung zu bekommen.

Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
STEWART COPELAND - Orchester-Rausch! +++ LUIS RIBEIRO (The World of Hans Zimmer) +++ YAMAHA Live Custom Hybrid Oak Drums +++ LP PRO Tambourines +++ K ZILDJIAN Cluster Crash Cymbals

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Vielen Dank für diesen Nachruf – er hat es verdient. Habe selber verschiedene CDs von ihm.

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren