Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
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Interview aus dem STICKS-Archiv

Dave Weckl über die Vergangenheit (1996)

(Bild: Ben Krüger)

Nachdem Dave Weckl uns im ersten Teil dieses Interviews ausführlich über den aktuellen Stand seiner Aktivitäten Auskunft gab, beschäftigt sich der nun folgende Teil mit seinen frühen Jahren als Schlagzeuger.

Interview

Dave, die eingefleischten Fans werden es vermutlich schon längst wissen, aber lass uns trotzdem mal ein bisschen in die Vergangenheit zurückgehen und über deine Kindheit reden. Du hast sehr früh angefangen, Schlagzeug zu spielen – und zwar mit 7 oder 8 Jahren. Warst du zu dem Zeitpunkt schon ernsthaft dabei und wusstest, dass du Profi werden wolltest?

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Dave Weckl: Lass es mich mal so ausdrücken: Als ich damals anfing, hatte ich die volle Unterstützung meiner Eltern. Die ersten vier Jahre brachte ich mir alles selbst bei. Ich hatte keinen Lehrer, sondern nutzte nur das, was es in der Schule als Angebot gab, d. h. ich spielte in vielen Bands, Concert-Bands z. B., in denen man Noten lesen lernte. Außerdem war mein unmittelbarer Nachbar auch ein Schlagzeuger, der mir die simpleren Anfänge beibrachte. Dann begann ich damit, viel Musik zu hören und das Zeug auf den Platten zu kopieren.

Warst du damals schon an Buddy Rich interessiert oder zu welcher Musik hast du getrommelt?

Dave Weckl: Nein, meine Vorliebe für Buddy entwickelte sich erst mit 12 oder 13 Jahren. Davor habe ich einfach zu verschiedenen Rock-Platten gespielt. Mein Dad brachte mir Jazz ein bisschen näher und spielte mir Big-Band-Sachen vor: „Pete Fountain“-Platten, Dixieland usw.; und plötzlich hatte ich dann großes Interesse an dieser Art des Schlagzeugspielens, weil es irgendwie schwieriger und dadurch herausfordernder für mich war. Jack Sperling war in der Tat mein erster großer Einfluss im Jazzbereich. Er spielte zu der Zeit viel mit Pete Fountain und in der „Les Brown Big Band“. In einer der letzten Ausgaben des Modern Drummer gab es, glaube ich, einen langen Artikel über Jack. Er ist einfach einer der ganz Großen.

Du hast eben gesagt, dass dein Vater dich musikalisch ein wenig beeinflusst hat. War er auch als Person ein Vorbild für Dich? Ich frage mich, wodurch jemand so straight und diszipliniert wird, wenn er es nicht in der Kindheit irgendwie mitbekommen hat?

Dave Weckl: Oh, sicher! Meine Familie war im Prinzip dafür verantwortlich. Mein Vater war immer sehr streng zu mir, schon als ich klein war, und er trieb mich sehr stark im Sport an. Er war ein ziemlich guter Sportler und wenn er sah, dass ich nicht das aus mir herausholte, was er an Können in mir vermutete, dann konnte er sehr streng und kritisch sein. Was die Musik betrifft, so fand ich mich darin immer besser als im Sportbereich. Ich war gut in Sport, aber Schlagzeug spielen war einfacher für mich. Auch mein Vater hat dieses Talent glücklicherweise erkannt, und ich bekam eine Menge Anerkennung von ihm. Er spielte Klavier und hatte genug Ahnung um zu sehen, dass ich als Musiker so viel besser war als er jemals sein konnte. Also hat er mich immer sehr dazu ermutigt, was mir natürlich sehr half. Mit 13 Jahren hörte ich mit dem Sporttraining dann vollkommen auf.

Da hattest du deine Entscheidung gefällt, Musiker zu werden?

Dave Weckl: Im Alter von 12 wurde mir das klar, und dann gab es keinen Zweifel mehr. Von da ab machte ich nichts anderes mehr. Ich war ein Einzelkind und bekam dadurch die gesamte Aufmerksamkeit meiner Eltern. Das war natürlich auch von Vorteil.

Was war für dich dein erster wichtiger Gig?

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(Bild: Ben Krüger)

Dave Weckl: Nun, mit 19 Jahren zog ich an die Ostküste, nach Connecticut, wo ich auf die Bridgeport Universität ging. Das war die Zeit, in der ich 15 Stunden täglich übte. Ich hatte im Band-Raum mein kleines Set aufgebaut und hatte auch die Schlüssel für den Raum, konnte daher Tag und Nacht ein- und ausgehen wie ich wollte. Es war direkt auf dem Campus und während des Sommers war niemand dort, also störte ich auch keinen. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Ich stieg in eine Band namens „Nite Sprite“ ein. Wir waren ein Haufen College-Studenten. Schließlich brachte ich auch meinen besten Freund, den Keyboarder Jay Oliver dazu, an die Ostküste zu ziehen und in diese Band einzusteigen. Wir wurden schnell bekannt und spielten in den großen Jazz-Clubs in New York wie z. B. im „Seventh Avenue South“, der den „Brecker Brothers“ gehörte und im „Mikell’s“. Das waren die berühmten Clubs zu der Zeit und sehr viele Leute kamen zu diesen Gigs.

Zu dem Zeitpunkt hast du auch Peter Erskine getroffen, nicht wahr?

Dave Weckl: Ja, Steve Kahn war genauer gesagt dafür verantwortlich. Er kam, um uns zu sehen, da unser Gitarrist bei ihm Unterricht nahm. Steve brachte immer jemanden mit, wie z. B. auch Peter Erskine. Und das war der eigentliche Anfang meiner Karriere. Ich hatte vorher schon Kontakt zu Peter indem ich ihm Briefe schrieb und Tapes schickte. Ich war also auch mal die „typische kleine Nervensäge“!

Du sagst oft, dass zwar das Können am Instrument wichtig ist, aber auch der soziale Kontakt mit Musikern eine große Rolle spielt und dass es wichtig ist, in Clubs rumzuhängen, um Kontakte zu knüpfen. Ich frage mich, wie bringt man das fertig ohne zu nerven oder gar als Frau bei den Herren Musikern vielleicht falsche Vorstellungen zu erwecken?

Dave Weckl: Nun, es gibt immer Wege, das zu bewerkstelligen. Man kann in Clubs abhängen und sich trotzdem nett, höflich und taktvoll verhalten. Man muss nicht unbedingt gleich das Arschloch sein, obwohl es viele davon gibt. Aber je öfter man gesehen wird desto besser. Genau das habe ich in New York gemacht, und dadurch haben die Leute mich kennengelernt. Aber du darfst nicht vergessen, dass ich auch nur ein junger Typ war wie jeder andere auch. Ich gehörte allerdings nicht zu diesen aufdringlichen Autogrammjägern. In deiner Position als Frau allerdings kann ich die Vorbehalte sehr gut verstehen, glaube aber trotzdem, dass es kein Problem sein sollte, wenn du deine Absichten ganz klar deutlich machst.

Was geschah nach deinem Zusammentreffen mit Peter Erskine?

Dave Weckl: Er empfahl mich an die Band „French Toast“ mit Michel Camilo und Anthony Jackson weiter, weil er selbst den Gig nicht spielen wollte. Ich glaube, zu der Zeit begann er schon mit Gehörproblemen zu kämpfen, was damals keiner wusste. Deshalb wollte er wohl keine laute Musik spielen. Und diese Band war tatsächlich irre laut! Okay, damit wären wir also bei meinem ersten wirklich wichtigen Gig angelangt. Von da ab ging es immer weiter.

Kannst du dich noch an deine Gefühle damals erinnern?

Dave Weckl: Aber natürlich! Ich meine, es war geradezu lächerlich. Ich konnte es einfach nicht glauben, dass ich mit Anthony Jackson zusammen spielte und überhaupt Mitglied in dieser Band war. Es war eine unglaublich große Band mit zwei Perkussionisten, Bläsern und Rhythmusgruppe, einfach umwerfend. Für Anthony Jackson waren Steve Gadd und Buddy Rich zwei seiner Lieblingsschlagzeuger und glücklicherweise hatte ich zumindest ein wenig von diesem Background und ein ähnliches Konzept. Er flippte darüber völlig aus, und wir kamen wahnsinnig gut miteinander klar und hatten einfach eine saugute Zeit zusammen. Er empfahl mich für viele Gigs, was natürlich von großem Vorteil für mich war. Zu der Zeit war er sehr beschäftigt und arbeitete z. B. auch mit „Simon & Garfunkel“ zusammen. Durch ihn habe ich also diese „Simon & Garfunkel“-Tour bekommen. Danach ging es eigentlich nach dem Schneeball Prinzip weiter. Das war die Zeit zwischen 82 und etwa 84/85. In dieser Zeit entwickelte ich mich vom Gala- und Hochzeiten-Schlagzeuger zu einem der meist beschäftigten Studiotrommler damals. Steve Gadd hatte gerade persönliche Probleme und war etwas von der Szene verschwunden und auch Steve Jordan war weg. Das Timing war also geradezu perfekt. Es gab jede Menge Arbeit.

Das ist der große Unterschied zu heute.

Dave Weckl: Ja, es gibt längst nicht mehr so viel Arbeit, und jeder hat heutzutage ein eigenes Home-Studio.

Mal angenommen, es gäbe zu heutiger Zeit so ein ähnliches Talent wie dich. Was würde wohl passieren?

Dave Weckl: Schwer zu sagen, die Zeiten sind einfach völlig anders…

…und außerdem gibt es schließlich schon einen Dave Weckl.

Dave Weckl: Oh ja (lacht)! Aber ich habe damals genau das gleiche über Steve Gadd und die anderen Jungs gedacht. Glaube mir, ich habe wirklich gedacht: „Was gibt es da noch hinzuzufügen?“ Das waren exakt meine Gedanken! Dann habe ich aber erkannt, dass jeder unterschiedlich ist und der Geist eines jeden einzelnen es sozusagen ausmacht oder unterschiedlich macht. Diesen Gedanken lass ich also irgendwie nicht mehr gelten. Die Zeiten sind schwieriger heutzutage, aber vor zehn Jahren war es auch nicht gerade einfach. Als ich auf der Szene erschien, da gab es natürlich schon lange nicht mehr so viel zu tun wie zehn Jahre davor. Ich denke, heutzutage reicht es einfach nicht aus, nur Schlagzeuger zu sein. Man sollte auch lernen, Musik selber zu schreiben und sich im Studio auskennen. Es gibt einfach so viel, was man im Bereich Musik tun kann. Wir sprechen schließlich vom Überleben und vom Geldverdienen. Wenn man Songs schreiben kann und Geld für die Veröffentlichung bekommt, dann ist man schon sehr gut im Geschäft. Es ist gutes Geld, was man dabei verdient!

Ja, aber nicht jeder ist zum großen Songschreiber geboren.

Dave Weckl: Sicherlich, ich meine auch nur, dass jedes bisschen hilfreich ist. Wenn ich nur Schlagzeug spielen würde und mich auf den anderen Gebieten nicht weiterentwickelte, dann säße ich jetzt nicht hier in meinem netten Haus mit dem ganzen Studio-Equipment und würde mich mit dir nett unterhalten. Es sei denn, ich hätte einen großen Rock-Gig. Es ist einfach unrealistisch zu denken, dass man allein vom Schlagzeug spielen komfortabel leben kann. Natürlich bin ich in erster Linie Schlagzeuger und alles andere ist darauf aufgebaut. Dadurch wird der Rest erst möglich. Zunächst mal hatte und habe ich den Wunsch, ein guter Schlagzeuger zu sein.

Wenn du zurückschaust auf den bisherigen Verlauf deiner Karriere, gibt es da Sachen, die du im Nachhinein gerne ändern würdest?

Dave Weckl: Ich wünschte, ich hätte mich viel früher mit Double-Bassdrum beschäftigt. Ich habe erst vor ungefähr fünf Jahren damit angefangen. Aber was ansonsten meine Karriere betrifft, kann ich mich nicht beschweren, zumindest nicht im Moment. Es gab mal einen Zeitpunkt in New York, da entwickelte ich mich in eine andere Richtung und zwar in die Pop/Rock-Ecke. Damals war ich auch für die „David Letterman Show“ vorgesehen. Aber ich denke, ich bin mehr der Typ, der sich am Instrument entwickelt und das Schlagzeugspielen auf ein anderes Level bringt. Ich habe irgendwann erkannt, dass das mehr meine Berufung ist. Das heißt natürlich nicht, dass ich nicht auch liebend gern mit Sting oder Peter Gabriel spielen würde. Wenn irgendetwas in der Richtung anstünde, wäre ich sofort dabei. Aber es müsste musikalisch interessant sein. Ich würde nicht einfach irgendeine Pop Tour machen, denn ich habe mein Talent und sehr viel Zeit investiert, um das Instrument zu lernen. Das will ich natürlich nicht so einfach wegwerfen.

Stört es dich eigentlich, dass dich so viele Schlagzeuger bis ins kleinste Detail kopiert haben?

Dave Weckl: Nein, für mich ist das nichts anderes, als das, was ich auch getan habe, als ich anfing.

Na ja, aber durch die Videos, die Bücher und die Fülle an Informationen, die du herausgegeben hast, war es schon einfacher, dich zu kopieren.

Dave Weckl: Ich denke, das lässt sich nun mal nicht vermeiden, und ich bin sicher, Steve Gadd hat auch eine Zeit erlebt, in der ihn jeder nachgeahmt hat.

Trotzdem ist da für mich ein Unterschied. Ich kann mich erinnern, dass fast jeder Schlagzeuger in Deutschland damals diese „Contemporary Drummer Plus One“- Package hatte. Damit hast du in diesem Bereich eine extreme Welle ausgelöst. Von Steve Gadd gibt es z. B. längst nicht so viel Material wie von dir. Hast du das jemals bereut?

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(Bild: Ben Krüger)

Dave Weckl: Nein, überhaupt nicht. Entweder man macht es so wie Vinnie oder Steve und gibt nicht so viel Material heraus oder man macht es so wie ich. Ich hatte einfach die Absicht, soviel Informationen wie möglich an Leute weiter zugeben, die daran interessiert waren. Und – wie man sieht – gibt es eine große Nachfrage danach. Ich habe so viele Briefe von Leuten bekommen, die unheimlich dankbar waren und mir schrieben, wie sehr ihnen mein Zeug geholfen hat. Das ist alles, was mich interessiert. Außerdem habe ich immer wieder gesagt, dass man nicht nur einen einzigen Schlagzeuger kopieren soll: „Nehmt euch von dem, was ich anzubieten habe und macht was anderes daraus.“ Deswegen arbeite ich beispielsweise im Moment so hart daran, meine Spielweise zu verändern. Denn das nächste Video soll absolut neu und anders sein. Die Sachen, die zur Zeit auf dem Markt sind, sind hoffentlich hilfreich – und dadurch hat das Ganze auch wieder etwas positives. Zur negativen Seite kann ich nur sagen, dass es so etwas, wie das bloße kopieren leider immer geben wird und sich auch nicht vermeiden lassen wird. Aber diese Leute, die mich nur kopieren, werden eben niemals meinen Geist kennen, und das macht für mich Musik aus. Klar, jeder kann ein Lick kopieren. Das ist auch gut so. Wenn die Leute meine Videos von damals kopieren, so ist das alles schon überholt, denn ich spiele nicht mehr so wie vor zehn Jahren. Ich spiele anderes Zeug heutzutage, also ist das schon wieder cool. Solange ich mir immer einen Schritt voraus bin, ist das für mich völlig in Ordnung.

Hattest du nicht das Gefühl, dich in deinen Clinics zu wiederholen? Es gab ja wohl kaum jemanden, der dich nicht gesehen hatte oder deine Videos nicht kannte.

Dave Weckl: Ja, das ist richtig, aber auch das finde ich okay. Zunächst war es ja auch alles, worüber ich zu der Zeit sprechen konnte und außerdem ein Beweis dafür, dass ich keine Zeit hatte, mich mit etwas neuem zu beschäftigen. Das ist ja glücklicherweise jetzt anders. Es wird immer jemanden geben, der herumnörgelt und die negativen Dinge hervorzerrt, aber da kann ich nur sagen: „Okay, setz’ dich hin und spiele.“

Es ging ja eine Zeitlang sogar bis zu dem Punkt, dass es schon wieder uncool war, auf Dave Weckl zu stehen, und die Leute dich schon fast dafür verantwortlich gemacht haben.

Dave Weckl: Ja, ich glaube, das war so vor zwei, drei Jahren. Ich kann mich noch gut daran erinnern. Nun, da muss man einfach durch und dann kehrt sich das auch wieder um. Wahrscheinlich war einiges auch berechtigt, denn wie ich vorher schon sagte, ich selbst konnte mein Zeug auch nicht mehr hören. Mich hat es damals aber ziemlich gestört und aufgeregt, wenn jemand etwas negatives über mich sagte, da ich ja eigentlich nur positive Absichten hatte. Es war irgendwie eine selbstzerstörerische Haltung, die ich mir mittlerweile aber abgewöhnt habe.

Es ist ja auch nicht dein Problem, sondern das der anderen.

Dave Weckl: Vielleicht ist das ja auch nur meine eigene Wahrnehmung, aber ich fühle diese negativen Schwingungen nicht mehr. Wahrscheinlich, weil ich mich nicht mehr so sehr darum kümmere. Alles, was ich tun kann, ist, mich ständig weiterzubilden und weiterzuentwickeln. Außerdem kann man es sowieso niemals jedem recht machen! (lacht)

Fühlst du dich eigentlich wohl dabei, so bekannt zu sein? Manchmal kommt es mir vor, dass es dir eher lästig oder unangenehm ist. Du bist immer so reserviert.

Dave Weckl: Ja, stimmt. Ich möchte einfach ganz normal behandelt werden und nicht wie irgendein „Drumhero“. Ich verstehe das Verhalten der Fans zwar, aber ich mag es nicht besonders. Wenn mich jemand irgendwie komisch behandelt, dann versuche ich das möglichst sofort abzublocken. Es ist auch immer schwierig, mit solchen Leuten umzugehen. Was soll man ihnen erwidern? Sie vergessen, dass sie einfach mit jemandem reden, der genauso wie sie ist. Sie verhalten sich merkwürdig und stellen dumme Fragen, während ich mir denke: „Was soll das? Versuch’ doch einfach, normal zu sein.“ Natürlich gefällt es mir auf der anderen Seite auch, bekannt zu sein, das gehört nun mal dazu. Am wenigsten kann ich mich allerdings daran erfreuen, wenn ich mit meiner Frau unterwegs bin. Aber glaube mir, ich will mich um Gottes Willen nicht beschweren. Es ist manchmal nur schwer, jedermanns Erwartungen zu erfüllen. Die meisten Leute, die genug Selbstbewusstsein haben, verhalten sich auch ganz normal. Einige Fans zeigen allerdings überhaupt keinen Respekt und reden mit einem, als sei man schon ewig miteinander befreundet.

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(Bild: Ben Krüger)

Gerade neulich erhielt ich einen Anruf von einem Typen von der Ostküste. Er hatte meine Mutter angerufen und sie nach meiner Nummer gefragt. Er rief jetzt schon zum zweiten Mal an und tat so, als müsste ich ihn kennen. Er sagte: „Hey, hier ist so-und-so, ich habe da ein paar Fragen…“ Da kann ich nur antworten: „Wie bitte, kennen wir uns? Wer bist du überhaupt?“ Und dann ist der Kerl beleidigt, da ich mich nicht mehr an ihn erinnern kann. Dabei ist er einfach ein Idiot und ich komme mir auch wie einer vor. Er liefert mir nicht die kleinste Erklärung wie beispielsweise: „Hallo, ich bin so-und-so, ich hoffe ich störe dich nicht, ich habe durch deine Mutter die Nummer rausbekommen, tut mir leid, aber ich wollte unbedingt mit dir sprechen.“ Das wäre irgendwie okay, denn es würde mir ein wenig Respekt zeigen. Aber so ist es einfach nur unschön. Ansonsten macht es mir nämlich Spaß, mich mit Leuten zu unterhalten, sofern wir uns auf der gleichen Ebene befinden.

Was ist an Musik zurzeit auf dem Markt, was du dir gerne anhörst?

Dave Weckl: Oh, ich liebe die Platte von den „Screaming Headless Torsos“ (Funk-Band aus New York mit JoJo Mayer am Schlagzeug, grandios!!! Anm. d. Red.). Ich liebe diese Band, sie inspirieren mich ungemein. Außerdem mag ich die Musik von „Groove Collective“. Aber vieles von dem Acid-Jazz-Zeug finde ich nicht besonders verlockend. Da höre ich mir lieber James Brown an. Ich weiß nicht, ich fühle mich einfach glücklich, wenn ich rausgehen und Musik machen kann und damit auch noch Geld verdiene.

Welche Pläne gibt es für die Zukunft?

Dave Weckl: Ich würde sehr gerne irgendwann in naher oder weiterer Zukunft an einer Musikschule beteiligt sein. Ich habe auch schon eine Art Konzept. Die Hälfte des Curriculums oder des Programms, wie auch immer man es nennen will, bestünde aus den Sachen, die Freddie Gruber unterrichtet. Die andere Hälfte wäre mein Ding, denn ich müsste ihn interpretieren. Niemand, außer mir und ein paar anderen Leuten, versteht eigentlich so ganz genau, wovon zum Teufel Freddie redet. Es wäre wirklich wunderbar, wenn sich das verwirklichen ließe und wir zusätzlich auch noch all seine anderen Schüler wie z. B. Steve Smith und Peter Erskine dabei hätten. Oder auch Leute wie Joe Porcaro und Steve Houghton, die einfach wissen, wie man eine solche Schule organisiert.

Ein Druck auf die Stoptaste – so, das wäre geschafft! Dave zeigt mir noch schnell seinen weißen Kakadu, der sich vor Schreck dick aufplustert, den Schnabel aufreißt und trotzdem kein Wort hervorbringt, und er verabschiedet sich mit der Bitte, alles, was vielleicht von ihm aus etwas ungeschickt klingen könnte, in schönere Sätze umzuformen. Null Problemo, man, aber so schön, wie du es formuliert hast, lassen wir es besser beim „First Take“!

Schon bin ich wieder draußen. Und siehe da, der Regen hat endlich aufgehört und lässt die Sonne wieder in altbekannter, kalifornischer Manier vom Himmel strahlen.dave-weckl-discography

>> Hier geht’s zu Teil 1

Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums

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