Produkt: Hush – Deep Purple
Hush – Deep Purple
Hush: Hol Dir die Playalong-Versionen des Klassikers von Deep Purple!
Ian Paice im Interview

Deep Purple Drummer Ian Paice erinnert sich

Im STICKS-Interview blickt Ian Paice zurück auf die Arbeit mit Jon Lord, sein Spiel mit großen Orchestern, sein Equipment und verrät seine persönlichen Lieblings-Produktionen und -Schlagzeuger.

(Bild: Matthias Mineur)

Am 16. Juli 2012 verstarb mit Jon Lord eine Ikone des Rock. Nicht jedoch seine Musik: Als Keyboarder von Deep Purple gelangen ihm zahllose Hits, als Solist zeigte er seine Affinität zur Klassik. Klar, dass er das erste Crossover-Werk für eine Rock-Band und Orchester schuf. Das war 1969. Ian Paice erinnert sich: „Jon hatte ein unglaubliches musikalisches Wissen und brachte dies in unsere Band ein. Das war hier mal die Umkehrung eines Akkordes, dort die Änderung einer Akzentuierung. Mit solchen vermeintlichen Kleinigkeiten hat er mitunter etwas Durchschnittliches in etwas ganz Besonders verwandelt. Ihn dabei zu erleben war ein Geschenk. Jon hat unsere Songs immer vorangebracht.“

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Jon Lord hat auch das Schlagzeugspiel von Ian Pace beeinflusst. „Nun, es ist einfacher, zu etwas Spannendem zu trommeln, oder? Wenn du einen drögen Song hast, aus dem du rhythmisch nicht gerade etwas Spannendes zaubern kannst, bist du leider limitiert“, so Ian Pace. „Gute Stücke dagegen brauchen zwar nicht zwingend etwas Extravagantes, stattdessen ein gutes Feeling. Andere wiederum brauchen mehr Musikalität, um das Besondere daran herauszuarbeiten. Das kann ein Intro sein oder ein Fill-in. Du musst die Magie eines Stückes erkennen und dann herausstellen. Das geht nur, wenn es eine gute Balance zwischen Raum und Komplexität hat.“

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Deep Purple haben 1969 als erste Rock-Band ein Konzert mit einem großen, klassischen Orchester gespielt. Wie hast du das aus deiner Sicht erlebt?
Ian Paice: Nun, ich war gerade mal 21. Und wie alle Kids in dem Alter bist du völlig furchtlos und hältst dich für unsterblich. Ich erinnere mich nicht daran, Angst gehabt zu haben oder nervös gewesen zu sein. Die Parts, die John für das Orchester und uns geschrieben hatte, waren selbsterklärend und logisch aufgebaut. Es kam jedoch darauf an, die jeweiligen Schlusstakte sehr eindeutig zu spielen, damit das Orchester ins nächste Stück reinkam.

Wie sah das konkret aus?
Ian Paice: Die technischen Voraussetzungen waren natürlich ganz andere als heute. Es gab kein Monitoring, geschweige denn In-Ear-Monitoring wie heute. Wenn wir spielten, haben wir das Orchester nicht mehr gehört! (lacht) Wir haben darauf vertraut und gebetet, dass Dirigent Malcolm Arnold den Laden zusammen hält. Und selbst wenn wir für unsere Verhältnisse leise gespielt haben, waren wir um Längen lauter als das Orchester. Aber wir wussten, dass wir dem Dirigent präzise Signale für den Anfang und das Ende eines Stückes geben mussten, damit es funktioniert.

Hat ja scheinbar geklappt, oder?
Ian Paice: Nicht ganz! (lacht) Ich habe während meines Schlagzeugsolos einen fürchterlichen Fehler gemacht. Es war nämlich mein Job, am Ende des Solos das Orchester abzuholen. Wir hatten dafür ein bestimmtes Pattern auf der Kuhglocke verabredet, das ich natürlich während des Solos komplett vergessen hatte! (lacht) Also, für euch Schlagzeuger da draußen: Ich spielte die Kuhglocke mit Sechzehnteln, was natürlich nicht verabredet war und vom Orchester ignoriert wurde. Das Orchester setzte einfach nicht ein! Der Dirigent schaute mich groß an und schüttelte den Kopf. Das war nicht der Part, den wir verabredet hatten!

Also spielte ich weiter und weiter und überlegte fieberhaft, was um alles in der Welt wir verabredet hatten! (lacht) Es war eine rollende Figur wie ein Shuffle. Und in dem Moment, als ich das dann auf der Kuhglocke spielte, war das Orchester auf den Punkt zurück! Wenn ihr also die Platte wieder herauskramt, werdet ihr diese kleine Katastrophe hören – die damals glücklicherweise niemand bemerkte, außer Malcolm, das Orchester und ich. Ich schwitze damals Blut und Wasser und überlegte nur, wie ich das Orchester zum Spielen kriege!

Wie sah das damals mit Timing aus?
Ian Paice: Du musstest natürlich Kontrolle über dein Timing haben, klar. Aber wenn du dir die Rock-Scheiben von damals anhörst, merkst du, dass es überall Schwankungen im Tempo gibt. Das ist für mich völlig okay, das ist natürlich, es ist menschlich. So lange alle in der Band mitziehen, macht es auch überhaupt nichts, wenn du ein, zwei Beats anziehst. Solange sich der Song richtig anfühlt, ist alles gut. Wenn er das nicht mehr tut, hast du ein Problem! Und da kommt das Orchester ins Spiel. Wir hatten mit Malcolm lange Gespräche, denn Timing ist ein sensibles Thema für ein Orchester.

Im Jazz, Rock oder Pop spielst du normalerweise zum Downbeat, also wenn die Hand des Schlagzeugers nach unten geht. Beim Orchester dagegen spielen sie, wenn der Dirigent seinen Taktstock hebt. Für mich war das total ungewohnt. Die Einsätze waren schwierig, weil wir halt nie so gearbeitet haben. Der Dirigent hat deshalb einen kleinen Trick verwendet: Er hat unseren Einsatz dem des Orchesters etwas vorgezogen, damit wir gemeinsam einsetzen. Eine Rock-Band mit einem Orchester zu verheiraten war eine sehr sensible Angelegenheit. Wir arbeiteten und dachten total verschieden.

Musstest du dein Set passend zu den Pauken stimmen?
Ian Paice: Nein. Ich habe mein Set gestimmt wie immer. Es ging eher um stilistische Präzision als um Tunings. Du hast eben nicht die gleichen Freiheiten, als wenn du nur mit deiner Band auf der Bühne bist. Ich musste permanent daran denken, dass da noch 85 andere Musiker hinter mir sind und auf ihren Einsatz warten. Das verlangt große Disziplin. Das ist heute nicht anders. Auch wenn die technischen Möglichkeiten allein durchs Monitoring deutlich luxuriöser sind und vieles vereinfachen. Heute können sich alle Musiker hören, das macht einen gewaltigen Unterscheid. Dazu kommt, dass die Orchestermusiker von heute eine andere Generation sind. Sie sind mit Rock und Pop aufgewachsen, sind locker, offen und interessiert. Sie hören privat vielleicht selbst Rock und haben ein ganz anderes Verständnis für Timing und vor allem für Feeling. Das war bei uns damals ganz anders. Die Musiker mit denen wir gearbeitet haben, hatten nicht den blassesten Schimmer von Rock-Musik.

Die „Celebrating Jon Lord“-Show umfasst Jons Material von fast 50 Karrierejahren mit Deep Purple, von Solokompositionen bis hin zu diversen Projekten. Wie lange habt ihr dafür geprobt?
Ian Paice: Wir mit Deep Purple hatten gar keine Proben, wir steckten mitten in einer laufenden Tour. Wir hatten am Abend davor eine Show und flogen nach Jons Tribute direkt weiter in die Schweiz. Alle anderen Musiker und Gäste hatten drei, vier Tage um zu Proben, wir nur den Tag des Konzerts. Wir hatten auch nicht den Anspruch auf hundertprozentige Perfektion, wussten aber, dass wir jederzeit eine solide Show liefern können. Viel wichtiger war es an diesem Abend, Jons Musik mit Würde und Freude zu spielen, um diesem Event gerecht zu werden.

Du spielst einen Klassiker wie „Burn“, der von Kraft und Dynamik geprägt ist, immer noch genauso explosiv wie damals. Bei allem Respekt: Wie schaffst du das?
Ian Paice: Das ist ein Zusammenspiel vieler Faktoren. Natürlich musst du deine Rudiments draufhaben und brauchst neben Technik auch körperliche Kraft, um den Song so zu spielen. Und du musst es wagen, so zu spielen! Das geht nur mit Mut. Du musst dein Herz die Regie übernehmen lassen und nicht darauf hören, was dein Kopf dir sagt. Es ist ein schmaler Grat zwischen Ordnung und Chaos. Du musst eng an diesen Grad spielen, wenn du etwas erreichen willst.

Wenn du immer nur auf Nummer sicher gehst, bist du langweilig! Wenn du dich über den Grad hinauswagst, wird es zur Katastrophe! (lacht) Aber du musst dich fordern und musst etwas wagen.

Wie hat sich dein Spiel rückblickend verändert?

Ian Paice: Mit zunehmender Erfahrung erlangst du mehr Wissen, ob du nun Kuchen backst oder Filme drehst. Dabei erweitert sich dein Repertoire, und du fügst mehr und mehr Techniken hinzu. Gleichzeitig vergisst du aber auch Dinge, die du früher vielleicht mal gespielt hast, weil sie für dein aktuelles Spiel gerade nicht relevant sind. Bei mir ist es so, dass ich bestimmte Beats von damals zwar heute noch problemlos spielen kann – ich weiß nur nicht mehr, warum ich sie damals so gespielt habe! (lacht) Deshalb muss man bestimmte Dinge auch wieder von Neuem lernen. Das ist so eine Erfahrung, die ich gemacht habe. Unser Spiel unterliegt einem konstanten Wandel. Wenn etwas Neues ins Spiel kommt, vernachlässigen wir etwas anderes dafür. Wenn nicht, hieße das ja,  wir würden 40 Jahre jeden Abend exakt das Gleiche spielen. Das wäre ja tödlich langweilig!

Gibt es junge Schlagzeuger, die du inspirierend findest?

Ian Paice: Es gibt viele junge Musiker, die eine famose Technik und ein erstaunliches Niveau haben. Das einzige Problem, das ich mit denen habe, ist, dass ich keine Persönlichkeit mehr sehe. Sie klingen alle gleich! Sie stimmen ihre Sets gleich, stehen alle auf den gleichen Sound, spielen die gleichen angesagten Beats, und die uniforme Aufnahmetechnik verstärkt am Ende diesen Eindruck. Ich konnte früher mit der ersten Note sagen, dass dort Mitch Mitchell spielt. Oder Ginger Baker. Oder John Bonham. Ich wusste, wenn ich Buddy Rich hörte. Oder Gene Krupa. Jeder von denen hatte einen unverwechselbaren Sound, eine Persönlichkeit, eine eigene Spielweise. Du wusstest sofort, mit wem du es zu tun hast. Das erkenne ich heute nicht mehr. Dies soll keine Generalkritik an allen jungen Schlagzeugern sein, aber ich sehe, dass die zunehmend standardisiert spielen. So, als ob sie eine Formel erfüllen müssten, wie Schlagzeug gerade zu klingen habe. Der Unterschied damals war:

Niemand von uns wusste irgendetwas, niemand hat uns gezeigt, wie ein Rock-Schlagzeug zu spielen sei, wie es gestimmt oder mikrofoniert werden sollte. Wir wussten es ja selbst nicht! (lacht) Aber das machte die Zeit so spannend.

Wie sieht dein Equipment heute aus? Spielst du noch dein Pearl Masters Set?

Ian Paice: Ja. Bei Deep Purple spiele ich ein Pearl Masters Premium Legend in Arctic White mit ganz normalen Kesselgrößen, so wie man es in jedem guten Musikladen kaufen kann. Die Kessel sind eher dünn, und sie haben keine verstärkenden Reifen innen, die das Schwingverhalten verringern. Die Kessel werden von der Halterung nur an den Spannböckchen fixiert, die Schwingung wird direkt vom Schlagfell zum Resonanzfell übertragen. Früher habe ich mir ein Set mit tieferen Kesseln machen lassen, aber ich fand, dass die sich zunehmend schwerer spielen, auch weil ich heute etwas tiefer sitze, um bessere Kontrolle über meine Pedale zu haben.

Meine Bassdrum ist mit 26″ × 14″ noch immer sehr groß, meine Toms sind 10″ × 8″, 12″ × 8″, 13″ × 9″, dazu zwei Floor Toms mit 16″ × 16″ und 18″ × 16″. Ich habe auch noch ein weiteres Tom, das ich allerdings eher selten spiele, das ist ein 15″ × 10″ – eine ungewöhnliche Größe, ich weiß. Aber wenn ich das im Set zusammen mit den beiden Floor-Toms einsetze, dann habe ich damit ein kleines Kit, wie ich es in der Zeit von „Made In Japan“ gespielt habe.

Deine Snaredrum ist eine Pearl Ian Paice Signature. Welche Features sind dir wichtig?

Ian Paice: Ich wollte ein ganz klassisches Design, so wie damals, als ich noch mein Ludwig-Set gespielt habe. Sie sollte nicht zu kompliziert sein, denn ich mag ganz einfach aufgebaute Snaredrums: einen einfachen Stahlkessel, der gut klingt und dazu preiswert ist, damit ihn sich jeder leisten kann, ohne gleich einen Kredit aufnehmen zu müssen. Diese Snaredrum hat einen internen Dämpfer, was viele moderne Snares gar nicht mehr haben, was ich übrigens nicht verstehe, da das eine sehr einfache Möglichkeit ist, die Obertöne des Schlagfells zu kontrollieren.

Da ich sehr hart anschlage, habe ich „Locking Nuts“, also Konter-Rändelschrauben als Stimmschraubensicherung angebracht,die vermeiden, dass sich das Schlagfell verstimmt. So muss ich die Snaredrum nicht während einer Show nachstimmen. Wenn du in einem Jazz-Trio spielst, mag das sicher ohne so etwas gehen, aber wenn du bei Deep Purple spielst, musst du hart anschlagen! (lacht) Was ich klanglich an der Snaredrum mag, sind diese wunderbaren Mitten und jede Menge Low-End. Sie hat eine Menge Punch und dazu genügend Top-End, um sich gegen Gitarren, Bässe und Keyboards durchzusetzen. Andere Metall-Snares geben dir vielleicht mehr Höhen, aber diese Snaredrum ist für mein Spiel perfekt.

Deine schnelle Fußarbeit ist berühmt. Welche Pedale benutzt du?

Ian Paice: Wie die meisten spiele ich ein Doppel-Bassdrum-Pedal, ein Pearl „Demon“-Pedal, die sind sehr präzise. Aber wie die meisten modernen Pedale ist auch das eigentlich viel zu groß, zu schwer und  zu kompliziert. Es gibt viele Einstellungsmöglichkeiten, um die Feder und die Trittplatte und den Schlägel einzustellen, viel mehr als nötig. Es gibt so unglaublich viele Feintuning-Möglichkeiten – und sie lassen sich trotzdem nicht leichter spielen! (lacht)

Welche Cymbals spielst du?

Ian Paice: Wie jeder aus meiner Generation träumte auch ich als junger Musiker von Zildjian-Cymbals. Und wie fast jeder aus meiner Generation konnte auch ich mir keines leisten! (lacht) Also spielten wir preiswertere, billige Cymbals. Als ich anfing, mit Deep Purple etwas Erfolg zu haben, habe ich mir dann welche geleistet. Der Nachteil war: Wenn dir eines kaputt ging oder gestohlen wurde, war die Chance, dieses Cymbal gegen ein identisches auszutauschen gleich null. Es gab keine Standardisierung bei Zildjian wie heute. Jedes Cymbal war handgemacht und hatte einen eigenen Ton. Du konntest eines erwischen, das fantastisch klang, das nächste klang durchschnittlich. Da die sehr teuer waren, hatte jeder Musikladen sowieso nur zwei, drei von jeder Sorte auf Lager. Es gab also keine Chance auf Konstanz.

Als dann Paiste in ihrem Produktionsprozess begannen, Cymbals nach einem Master zu produzierten, klang ab da jedes 22″ Ride gleich. So war eine stetige Versorgung mit Cymbals gewährleistet, die präzise gleich klangen. Wenn du Cymbals gefunden hast, die du magst, willst du sie natürlich überall haben. Das war im Studio und auf Tour extrem wichtig. Wobei ich sagen muss, dass ich mit meinen Cymbals sehr pfleglich umgehe. Ich habe in meiner Garage nocheinige aus den 70er-Jahren! Die sehen zwar nicht mehr toll aus, klingen aber noch immer großartig. Ich habe im Laufe der Jahre kaum Cymbals kaputtgespielt. Die meisten wurden beim Transport und beim Auf- und Abbau beschädigt oder sind gestohlen worden. Wenn ich also ein Austausch-Cymbal brauche, will ich wissen, dass in meinem Koffer ein Ersatz ist, der identisch klingt. Und das ist bei Paiste der Fall. Ich will keine Überraschungen, ich will Konstanz.

Was spielst du aktuell?

Ian Paice: Seit dem Beginn meiner Zusammenarbeit mit Paiste spiele ich die Cymbals der 2002-Serie, die klingen akustisch gut, aber auch mikrofoniert. Meine Live-Hi-Hat ist eine 15″ Sound Edge, im Studio bevorzuge ich die 15″ Medium für einen etwas wärmeren Sound. Auf der Bühne möchte ich etwas mehr Definition, deswegen die „Sound Edge“-Hi-Hat, im Studio bekommst du die  Präzision durch die Mikrofonierung hin. Meine Crash-Cymbals sind 22″ und 24″, die mag ich gerne groß. Mein Ride ist ein 22″, das China ebenso, und mein Splash ist entweder 8″ oder 10″. Im  Studio mag ich kleinere Dimensionen, da sind die Crash-Cymbals 20″ und 22″, die anderen Cymbals bleiben, wie sie sind. Viele Jazz-Player und moderne Drummer mögen kleinere Cymbals mit  einer kürzeren Nachschwingzeit. Ich hasse das! Wenn ich ein Cymbal anschlage, soll es laut, satt und luxuriös klingen und dann allmählich ganz langsam ausschwingen. „Hit and gone“-Cymbals sind nicht mein Ding. (lacht)

Welche Sticks benutzt du?

Ian Paice: Ich arbeite seit rund 15 Jahren mit Promark zusammen, sie fertigen mir meine Signature-Sticks. Das ist im Grunde ein „808“-Modell, nur ein wenig länger, deshalb nennen sie das TX808LW –„L“ für „long“ und „W“ für „Wood Tip“. Der Stick ist aus Hickory, liegt in der mittleren Gewichtsklasse, ist nicht zu dick, hat dafür eine ausgeprägte Schulter. Ich zerbreche zwar fast nie Sticks, aber wenn die Stockschulter zu dünn ist und du Rock’n’Roll spielst, ist genau das der Bereich, wo der Stick gerne bricht. Deshalb habe ich darauf Wert gelegt. Für mich sind sie perfekt, was Länge, Gewicht und Stärke angeht. Aber Sticks sind eine sehr persönliche Sache.

Denkt nicht, weil ihr Ian-Paice-Fans seid, dass ihr meine Sticks spielen müsst! Was für mich richtig ist, muss nicht für  euch passen. Wenn jemand zwei Meter groß ist und 130 Kilo wiegt, wird er sicher stärkere Sticks bevorzugen, weil sich die Sticks immer in Balance zum Körper befinden sollten. Wer Jazz spielt, wird sicherlich dünnere Sticks bevorzugen. Es gibt kein richtig oder falsch. Wenn du einen Stick gefunden hast, der dir liegt, dann bleib dabei. Wenn nicht, such weiter. Du wirst mit Sicherheit einen finden, der für deine Bedürfnisse perfekt passt.

Lass uns noch zu einem letzten Kapitel kommen. Welches sind deine fünf Lieblings-Performances und Schlagzeuger aller Zeiten?

Ian Paice: Den aus meiner Sicht besten Drum-Sound aller Zeiten hat Joe Morello auf Dave Brubecks „Take Five“; ich meine die lange Version mit dem Schlagzeugsolo im Mittelteil. Das ist der wundervollste, natürlichste, live eingespielte Schlagzeug-Sound, den ich kenne, gespielt von einem Meister seines Fachs. Seine Kessel klingen so groß und so offen, perfekt gestimmt, und die Aufnahme ist so lebendig, dass du förmlich den Luftzug in seinem Spiel zu spüren meinst.Er ist meine Nummer Eins!

Meine Nummer Zwei ist Gene Krupa auf Benny Goodmans „Sing, Sing, Sing“. Ein toller  Schlagzeug-Sound! Ich liebe das Feuer und den Swing in seinem Spiel, als er jung war. Es ist nicht unbedingt schwierig, was er spielt, aber diese kontrollierte Kraft und Energie reißen dich mit. Es trifft dich. Diese Aufnahme kannst du nicht hören, ohne mit dem Fuß zu wippen!

Dann Nummer Drei: „When The Levee Breaks“. Was für ein monströser Drum-Sound, den John Bonham dort hat! Und obwohl vieles mit der Art der Aufnahme und dem Raum zu tun hat, so ist  es doch vor allem toll gespielt, denn es hat John dazu gebracht, sein Schlagzeug auf eine bestimmte Art und Weise anzuschlagen, um diese fast dreidimensionale Qualität zu entwickeln. Und mal ehrlich: Der Song ist eigentlich nur „okay“. Ohne den Schlagzeug-Sound hätte man ihn nicht sonderlich beachtet. (lacht) Hier ist das Schlagzeug der Star. Und was sie dort in klanglicher Hinsicht  geschaffen haben, ist fantastisch. Eine Referenz!

Meine Nummer Vier ist Buddy Rich, von dem ich weniger die Studioaufnahmen als die Live-Aufnahmen empfehlen würde – und zwar durchweg alles, weil man dort die Kraft, den Swing und das Gefühl dieses großartigen Kerls am besten spürt. Nimm irgendein Live-Album, und du findest mindestens einen Track, den du nie wieder vergisst. Denk nur an die „West Side Story Suite“. Es klingt nicht nur gut, sondern führt dir vor Augen, was für ein genialer Musiker er war. So spielt heute niemand mehr! Und schließlich noch etwas ganz Minimalistisches. Es gab in den 60er-Jahren eine wundervolle Band namens Booker T. & The MGs.

Dort spielte ein Schlagzeuger, für dessen Spiel jeder junge Schlagzeuger töten würde: Das war Al Jackson Jr.! Alles, was er spielte, hatte diesen fantastischen Groove, er hatte ein unglaubliches Feeling und für die damalige Zeit einen großartigen Studio-Sound. Seine Beats auf Songs wie „Green Onions“ oder „Hip-Hug Her“ knallen dir aus den Lautsprechern förmlich ins Gesicht. Sie haben auch eine sehr ungewöhnliche Version von George Gershwins „Summertime“ gemacht, einen langsamen und dreckigen Blues, sehr minimalistisch. Und wie Al seinen Ton kontrollierte, das ist einfach phänomenal. Dass er aus so wenig Spiel so viel herausgeholt hat, macht ihn zu einem wirklichen Meister!


 

Das Equipment von Ian Paice

Drums: Pearl Masters Premium Legend
6-ply Maple
26″ × 14″
10″ × 8″
12″ × 8″
13″ × 9″
16″ × 16″
18″ × 16″
(gelegentlich nur ein 15″ × 10″ Tom  statt 10″, 12″ und 13″)
Snaredrum: Pearl
14″ × 6,5″ Ian Paice Signature  IP1465 Steel
Cymbals: Paiste 2002
15″ Sound Edge Hi-Hat
22″ Crash
24″ Crash
22″ Ride
22″ China Type
10″ Splash
im Studio alternativ:
15″ Medium Hi-Hat
20″ Crash
22″ Crash
22″ Ride
22″ China Type
Hardware: Pearl 2000 Serie
Pedale: Pearl
H-2000 Hi-Hat
P-3002-D Demon Drive
Double Bassdrum-Pedal
Sticks: Promark Autograph Serie TX808LW Ian Paice Signature-Modell
Felle: Remo

Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums

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