Produkt: Sticks 11-12/2019
Sticks 11-12/2019
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AC/DC-Drummer im Interview

Der Power-Groove von Phil Rudd

 

(Bild: Ralf Mikolajczak)

Was fällt einem zu AC/DC ein? Natürlich jede Menge Hits, laute Gitarren, kurze Hosen in Verbindung mit dem Namen Angus. Das Hochgefühl ihrer Konzerte hält auch nach dem Verklingen des letzten Tons noch an und irgendwie bewegt man sich immer noch im Groove der Musik.

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Als Drummer verantwortlich für diesen speziellen Groove war Phil Rudd von der Gründung von AC/DC bis 1983 – und er wurde es seit den Aufnahmen zum gelungenem „Ballbreaker“-Album 1995 auch wieder. Phil war zurück – und damit kehrte auch der magische AC/DC-Groove zurück. Na, wenn das damals für uns kein Grund für ein Interview war! 1996 trafen wir nach einem Konzert in Mannheim auf einen gut gelaunten Phil Rudd.

Zunächst mal vielen Dank für die Einladung zu dieser großartigen Show, und es freut mich sehr, dass du wieder zu AC/DC zurückgekehrt bist. Was natürlich von brennendem Interesse ist: Was hast du in der Zwischenzeit gemacht?

Phil Rudd: Nun, ich habe es mal mit einem ganz normalen Leben probiert. Ich habe geheiratet und bin stolzer Familienvater mit vier Kindern. Mein jüngstes Kind ist gerade mal fünf Tage alt…

…herzlichen Glückwunsch!

Phil Rudd: Danke; leider habe ich meine kleine Tochter bis jetzt noch nicht mal gesehen…

…sehr bedauerlich…

Phil Rudd: …aber so ist es nun mal in unserem Business.

Gerüchten zufolge hast du in Australien eine Zeitlang Hubschrauber geflogen?

Phil Rudd: Ja, das ist richtig. Ich habe eine Lizenz und habe versucht, meine eigene Firma aufzubauen. Aber weißt du, mein Helikopter war eigentlich zu gut und zu schön, um damit all diese Menschen mit ihren schmutzigen Schuhen zu transportieren… (allgemeiner Heiterkeitsausbruch)

Dann habe ich eine Zeitlang Ziegen und Rotwild, also Hirsche und Rehe gezüchtet und auch verschiedene andere „normale“ Jobs gemacht. Weißt du, es ist schon ganz gut nach einer so langen Zeit mit AC/DC mal ein normales Leben zu führen, bei der Familie zu sein und am Abend in deinem eigenen Bett zu liegen mit der Gewissheit, dass ich das auch in den nächsten Monaten tun kann und nicht auf Tournee sein werde.

Wie bist du wieder zur Band zurückgekehrt? Gab es da den berühmten Anruf?

Phil Rudd: Es war so: Ich bekam den „berühmten“ Anruf und wurde nach London, England zum Spielen eingeladen. Also flog ich mit meiner Familie rüber, wir relaxten zwei, drei Tage lang, um über den Jet-Leg hinweg zu kommen, und dann trafen wir uns im Studio. Da standen dann meine neuen Sonor Drums, und wir haben einfach gespielt. Und es war so, als wäre ich nur mal zwischen durch Zigaretten holen gewesen! Wir haben dann das „Ballbreaker“-Album aufgenommen, und damit sind wir alle sehr zufrieden. Diese Art Songs sind genau richtig für mich und meine Art zu spielen.

Nun, als die Show anfing, dachte ich schon nach den ersten Takten: Das ist es! Da ist der Groove wieder. Was meinst du, was macht diesen typischen AC/DC-Groove aus?

Das ist schwer zu erklären. Wir sind hart gegen uns selbst, wir haben eine gemeinsame Vorstellung davon wie es klingen soll, und wir tun unser Bestes, um jeden Abend das gleiche musikalische Gefühl zu transportieren. Jede Note ist so gewollt, wie sie gespielt wird und hat da ihre Berechtigung, wo sie gespielt wird; das beschreibt bestens unsere Einstellung zu unserer Musik – auch wenn wir keinen Jazz spielen!

Offensichtlich!

Phil Rudd: (erneuter Heiterkeitsausbruch) Gut, wir legen vielleicht nicht jede Note auf die Goldwaage, aber das, was wir tun, nehmen wir schon sehr, sehr ernst. Wir versuchen jeden Abend erneut diese musikalische Gemeinschaft herzustellen und dafür zu sorgen, dass das Feel der Songs stimmt. Und das ist schon ein hartes Stück Arbeit!

Spielt ihr die Songs denn jeden Abend gleich, oder gibt es Variationen?

Phil Rudd: Natürlich gibt es innerhalb der Songs Freiräume, die man nutzen kann, aber in erster Linie sorgen Cliff (Williams, Bassist von AC/DC; Anmerk. d. Red.) und ich dafür, dass das Gitarren-Riff von Malcolm (Young, Gitarrist von AC/DC und Bruder von Angus; Anmerk. d. Red.) in der richtigen Weise unterstützt wird. Dadurch hat es sich ergeben, dass viele DrumFills im Zusammenhang mit dem Gitarren-Riff stehen, und ich auch keinen Grund sehe, diese Fills dann großartig zu variieren. An manchen Stellen variiere ich die Hi-Hat-Figur nach Belieben und in gewissem Rahmen auch die Endings der Songs. Die größten Variationen entstehen aber durch die unterschiedlichen Auftrittsorte.

>>> AC/DC Play Along zum Mitspielen! 

Du hast verschiedene Sounds in den Hallen und damit auch unterschiedliche Probleme mit dem Sound. Der Klang inspiriert dich schließlich, genauso kann er dich dann auch abtörnen. Wenn alles gut ist, und wir einen schönen fetten Sound auf der Bühne haben, dann macht es einfach Spaß zu spielen. Die Leute kommen zu uns, um die Songs zu hören – oft ihre ganz speziellen Songs – und bestimmte Parts der Songs sind ihnen absolut vertraut. Alle Variationen, die jeder einzelne in der Band während eines Konzerts spielt, sind von all diesen Parametern geprägt: Groove und Song kommen zuerst! Und wenn du dich gut dabei fühlst, dann spielst du glücklicherweise auch gut. Diese Sichtweise lässt natürlich keinerlei Nonsens in deinem Spiel zu und diese Einsicht haben wir uns hart erarbeitet.

Die Lautstärke auf der Bühne ist ja nicht gerade als niedrig zu bezeichnen, und euer Monitor-System ist nicht eben klein dimensioniert, trotzdem spielst du sehr hart und laut.

Phil Rudd: Nun, es ist nicht nur die Lautstärke, es ist der gesamte Sound. Er inspiriert mich, auf eine bestimmte Art zu spielen – und die Belohnung folgt automatisch: Es klingt gut, und daher genieße ich das, was ich spiele und wie ich es spiele. So einfach ist das! Nur einfach hart und laut zu spielen ist es aber auch nicht, das gewisse Swing-Feel darf nicht verloren gehen. Mein Snaredrum-Stick hat keine Stockspitze, ist also ein Double-End und ich spiele ihn so, als ob ich einen Hammer schwinge. Es ist schon mehr so eine Art Body-Motion. Die Snaredrum spiele ich immer als Rimshot und durch das dicke Ende des Stocks klingt sie dann natürlich sehr fett; die Gussreifen auf der Snaredrum sorgen dann schon für den nötigen „Crack“.

Deine Bassdrum-Pedal-Technik sieht sehr interessant aus; es scheint als ob bei jedem Tritt nur deine Ferse nach unten geht?

Phil Rudd: Oh, das ist interessant. Ich spiele das Pedal eigentlich nur mit dem Fußballen, um die nötige Power zu bekommen, aber die Trittplatte ist recht flach eingestellt, daher kann es sein, dass es so aussieht als ob der ganze Fuß dann aufliegt. Möglicherweise trägt auch die Perspektive der Kamera für die Jumbo-Tron-Leinwand zu diesem merkwürdigen Anblick einiges bei. Ich spiele die Bassdrum also nicht unbedingt in einer ungewöhnlichen Weise und auch nicht mal bewusst sehr kräftig – obwohl unsere Soundleute immer sagen, dass sie niemanden finden, der Bassdrum und Snaredrum so hart anschlägt wie ich das mache.

In dem Song „Boogie Man“ spielst du in einer Passage nur die Hi-Hat in einem Swing-Feel mit dem typischen Aufzieher und stoppst die Hi-Hat-Cymbals dann mit der linken Hand.

Phil Rudd: Wie ich dir ja schon sagte, so spiele ich viele dieser kleinen Variationen auf der Hi-Hat, und da ich die Cymbals recht locker montiere, muss ich sie für den Sound bei dieser Nummer abstoppen. Ich spiele die Hi-Hat auch nicht aus dem Fußgelenk, sondern mit dem ganzen Bein, also auf eine recht kräftige Art und Weise. Wenn du dabei die Cymbals fest montierst, dann bildet sich ein Luftstau, der nicht entweichen kann; montierst du sie hingegen locker, so kann die Luft entweichen, und du hast beim Zutreten eher diesen „Chunk“-Sound.

Ein anders Beispiel ist der Song „Ballbreaker“, der ja auch ein bestimmtes Swing-Feel hat. Dies ergibt sich zum Teil auch wieder durch die locker montierte Hi-Hat. Die Art und Weise, wie ich sie anschlage, versetzt sie in eine bestimmte Bewegung, es ergibt sich so ein fast natürliches Swing-Feel, und die gesamte Figur klingt dadurch nicht so statisch. Dabei musst du natürlich aufpassen, wie du die Cymbals montiert hast und wie du sie durch dein Spiel kontrollierst, sonst entwickeln die Hi-Hat-Cymbals ein eigenes Time. Da wir nun mal recht laut spielen, muss die Hi-Hat auch immer etwas zischig klingen, wäre es anders, würde ich in der verkehrten Band spielen!

An der Hi-Hat kann ich dir auch schön verdeutlichen, wie die dynamischen Abstufungen sind: Ich habe eine Bandbreite von leicht zischeligem Grundsound bis zu sehr lauten und schepperigem Klang. Somit verfüge ich also über einige Dynamik-Stufen, nur das meine leiseste und zurückhaltendste Soundvariante für „normale“ Musik schon an der dynamischen Obergrenze wäre. Dafür musst du dir auch die richtigen Cymbals aussuchen. Cymbals zu hart anzuschlagen ist der verkehrte Weg, dadurch bekommst du keinen guten Sound. Natürlich habe ich schon mal Cymbals kaputtgespielt, aber dadurch machte ich die Erfahrung, dass Cymbals eine Lautstärke-Grenze haben, die man besser nicht überschreitet. Jetzt habe ich die für meine Spielweise passenden Cymbals gefunden.

Welche Instrumente hörst du auf deinem Monitor-System?

Phil Rudd: Ich verfüge über ein Stereo-Monitor-System über das ich einen Stereo-Mix von der PA bekomme. Also höre ich meine Drums und Cymbals, Vocals, alle Gitarren und Bass. Dicky (Drum-Tech Richard „Dicky“ Jones; Anm. d. Red.) sitzt genau hinter mir und behält alles im Auge. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand einen besseren Job machen kann. Er macht hundert Dinge für mich, ohne dass ich sie lang erklären muss, wenn z. B. die Snaredrum gewechselt werden muss, oder ich mehr von Angus Gitarre oder von Malcolms Gitarre hören will, er sieht mir das irgendwie an und reagiert sofort. (Vorsicht Kamera! Anm. d. Red.) Zum Beispiel bei der heutigen Show: Bei den ersten zwei Snaredrums hatte ich die Felle ziemlich schnell heruntergespielt und so musste Nummer drei her, und Snaredrums sind für mich ein heikles Thema.

Also, wir spielen gerade „Highway To Hell“ – und diese neue Snaredrum klingt heller und hat einige singende Obertöne, die mich stören. Ich drehte mich also zu Dicky um und sagte: „…ich brauch’Tape für die Snaredrum!“ – und er war sofort neben mir und schon klebte das Tape auch auf der Snaredrum. Und selbstverständlich hatte er noch ein zweites Gaffer-Tape-Stück zur Hand, falls die erste Menge Dämpfung nicht ausreichte, was sie auch nicht tat. Aber es war ja kein Problem. Der Mann ist halt genau der richtige!

Du wechselst die Snaredrum während des Konzerts?

Phil Rudd: Ja, ich hab’ dir ja schon erklärt, wie ich die Snaredrum spiele – und der Sound der Felle lässt so während des Konzerts stark nach. Ich benötige so etwa zwei Songs, bis die Snaredrum eingespielt ist und warm und fett klingt. Dann dauert es einige Songs bis sie die Stimmung verliert und du sie höher stimmen musst. Nach zwei weiteren Songs kannst du sie dann völlig vergessen, dann hilft auch höherstimmen nicht mehr. In der Mitte sind die Felle dann einfach weich, und du kannst sie dann gar nicht mehr höher stimmen, ergo muss die Snaredrum ausgetauscht werden. Es gab schon Konzerte, bei denen ich sechs Snaredrums benutzt habe. Dicky ist wirklich schnell bei solchen Dingen. Die Jungs von Sonor haben mir jetzt gerade diese neue Snaredrum mit dem „Bell Brass“- Kessel mitgebracht (Signature-Serie HLD 596X; Anmerk. d. Red.); sie sieht klasse aus und ich bin mir sicher, dass sie gut klingen wird – hoffentlich schaff’ ich es bald mal, sie aus dem Case zu heben!

Das ist also deine Fitness-Übung vor dem Konzert…

Phil Rudd: …genau! Mann, das Ding wiegt bestimmt 40 Pfund und ist schon ein phantastisches Instrument.

Zählst du die Songs eigentlich nach einem Metronom ein?

Phil Rudd: Nein, wir benutzen keine Click-Tracks. Wir haben die Songs schon so häufig gespielt da brauchst du das nicht mehr. Ich glaube mich daran erinnern zu können, dass wir für eine Aufnahme so vor zwanzig Jahren mal einen Click verwendet haben. Das war so ein Schnell-Schuss…

… ist auch egal, denn diesen Song haben wir niemals veröffentlicht. Wir verwenden weder im Studio noch live irgendwelche Click-Tracks. Du musst eine schnelle Auffassungsgabe davon haben, in welchem Feel du dich befindest; in einem schnellen oder langsamen Modus. Wenn du dich so gut kennst, wie wir uns kennen, dann hast du einfach gelernt, dein Time-Feel entsprechend zu justieren. Du kannst dich auch immer an dem vorherigen Song orientieren; der Song den du jetzt spielen willst ist eben so viel schneller oder so viel langsamer als der davor gespielte. Diese Sache kann man gut trainieren, und es erhöht zudem die Konzentrationsfähigkeit.

Dicky hat mir erzählt, dass du auch ein Studio besitzt, welche Pläne hast du damit für die Zukunft?

Phil Rudd: Das kann ich dir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau sagen. Es war so: Während meiner Zeit ohne AC/DC bin ich mal zu einer Recording-Session in einem Studio gewesen, und ich war mit der ganzen Sache nicht so zufrieden. Da dachte ich mir, dass kannst ich das auch selbst machen könnte.

Also habe auf knapp 1000 Quadratmetern ein Studio mit einem großen und vier kleineren Aufnahmeräumen gebaut. Jetzt weiß ich aber nicht genau, wie viel Zeit ich darauf verwenden kann. Wenn diese Tour zu Ende ist, werde ich erst mal nach Hause fahren und mit meinen Kindern spielen!

Da bleibt mir nur noch, mich für dieses aufschlussreiche Gespräch zu bedanken und dir und der Familie alles Gute für die Zukunft zu wünschen.


Drum-Tech Richard „Dicky“ Jones

Vor der Show hatten wir Gelegenheit mit Phil Rudds Drum-Tech Richard „Dicky“ Jones ein interessantes Gespräch zu führen. Seit sechzehn Jahren betreut er die Drummer und deren Drums bei AC/DC.

Wie wird man Drum-Tech bei AC/DC?

Das ist eine facettenreiche Geschichte; eigentlich wollte ich immer Schlagzeug spielen und das habe ich in meiner Jugend – was sehr lange her ist – auch gemacht. Ich stamme aus einer kleinen Stadt in Wales und als Junge wollte ich mir ein Schlagzeug kaufen. Ich brauchte also Geld, und da es bei uns keine Jobs gab, ging ich nach Cardiff, um in einem Stahlwerk zu arbeiten. Ich verdiente gut und konnte so mein Drumset schnell bezahlen.

Mein Bruder ist Bassist und kannte da eine Menge Leute, spielte in verschiedenen Bands und so lernte ich auch einige der Musiker in dieser Szene kennen. Eine dieser Bands ging auf eine Club-Tour nach Schottland und sie fragten mich, ob ich nicht Lust hätte mitzukommen. Das war halt nur so zum Zeitvertreib, schließlich waren wir in den Pubs zusammen, tranken Bier und hatten unseren Spaß. Also sagte ich zu. Wir fuhren mit dem LKW los und als dann ausgeladen wurde, da kümmerte ich mich um die Drums und baute sie auf, ohne groß darüber nachzudenken. Und so kam es, dass sie mir nach einigen Wochen einen Job anboten – und ich Narr sagte natürlich zu. Und so kam eins zum anderen.

(…sprach er mit einem breiten Grinsen.) Ich gab meinen gut bezahlten Job im Stahlwerk auf, um ein Mitglied einer Crew einer kleinen Band zu werden. Ich wurde also kein Schlagzeuger in einer Band, aber ich kam ziemlich nahe an den Job ran und war und bin zufrieden mit dem, was ich tue. Im Laufe der Zeit betreute ich verschiedene Drummer in unterschiedlichen Bands und seit 1980 bin ich bei AC/DC.

Hat man dich für den Job bei AC/DC empfohlen?

Der Production-Manager zu der Zeit war Jack Barry, den ich durch meinen Bruder kennengelernt hatte. Mein Bruder war der Bass-Tech für Chris Squire von Yes und aus dieser Zeit kannten Jack und er sich sehr gut. Ich war gerade mit Jethro Tull auf Tour und während einer der letzten Gigs der Tour, ich glaube es war in Manchester im Apollo, kamen also Jack und der Lighting-Tech von Def Leppard zu Besuch. Jack sagte, dass der Drum-Tech-Job bei AC/DC für die nächste Tour, das war die „Back in Black“-Tour, neu zu besetzen sei, und er bot mir den Job an. Glücklicherweise war ich verrückt genug, um ja zu sagen.

Wann hast du Phil zum ersten Mal getroffen?

Ich hatte bereits verschiedene Konzerte der Band gesehen, aber offiziell wurde ich ihm in einem kleinen Studio in London vorgestellt, dort spielten sie die „Back in Black“-Produktion ein. So habe ich dann vier, fünf Jahre für Phil gearbeitet und als er ging arbeitete ich für Simon (Wright, Nachfolger von Phil Rudd bei AC/DC ab 1983; Anm. d. Red.). Als er dann die Band verließ, da hatte ich abermals Glück und konnte dann auch für Chris (Slade, Nachfolger von Simon Wright; Anm. d. Red.) arbeiten. Nun ist Phil wieder da, und ich bin immer noch da, der Kreis hat sich geschlossen.

Du hast also alle Drummer von AC/DC erlebt, gesehen und gehört; haben sie eigentlich alle verschiedene Stilistiken, oder sind sie sich von der Spielweise her sehr ähnlich?

Zunächst mal sind alle sehr gute und professionelle Drummer, aber AC/DCs Musik erfordert eine bestimmte Art zu spielen, weil die beiden Gitarren und der Bass schon so ineinander greifen. Simon spielte überlegter als Phil. Genauso Chris, er war ein absoluter Profi und konnte alles spielen; er fügte sich sehr gut in die Band ein.

Phil hingegen spielt instinktiv das Richtige, diese Musik entspricht seinem musikalischem Naturell. Es sieht alles sehr simpel aus, aber wenn du seine Art zu spielen studierst, dann entdeckst du so viele Kleinigkeiten. Manchmal sind es auch Dinge die er dann nicht spielt, also nicht mitbetont, die es ausmachen. Außerdem ist Phil ein sehr disziplinierter Spieler. Mich freut es besonders, daß er wieder da ist, weil es jetzt wieder „die alte Band“ ist.

Welche Anforderungen stellt er an dich?

Er nimmt es sehr genau mit dem Tuning, mit der Art, wie die Pedale arbeiten und mit dem Aufbau. Er setzt schon recht hohe Maßstäbe an. Während des Auftritts stimmt er auch manchmal selbst die Snaredrum nach. Nach einigen Songs wechseln wir aber meist die Snaredrum aus, da er sehr hart spielt und die Felle sich irgendwann nicht mehr höher stimmen lassen. Sie sind dann einfach in der Mitte weich. Bei manchen Konzerten wechsle ich sogar recht häufig die Snaredrum. Ich habe auch eine Kamera an einem Stativ montiert, so dass ich immer sein Gesicht sehen kann. Ich sitze ja direkt hinter dem Subwoofer seines Monitor-Systems, und über den kleinen Fernseh-Monitor kann ich ihn genau beobachten. Manche Dinge, die ihn stören, kann ich an seinem Gesicht erkennen, und mit diesem System kann ich einfach schneller reagieren.

Legt Phil fest, welche Drums und Cymbals er einsetzen will und wie der Aufbau sein wird, oder erarbeitet ihr diese Dinge gemeinsam?

Letztendlich trifft in dieser Beziehung Phil alle Entscheidungen allein; ich warte seine Instrumente und versuche jeden Abend, seinen Aufbau und sein Tuning so exakt wie möglich zu reproduzieren. Ich halte die Kontakte zu den Firmen, also den Herstellern und den Vertrieben aufrecht. Außerdem schaue ich mir an, was es an neuen Produkten gibt. Wenn etwas interessant erscheint, so spreche ich mit Phil darüber, ob wir das mal ausprobieren. Er trifft dann letztendlich die Entscheidung für oder gegen die Sache. Er nimmt es nicht nur mit der Musik, sondern auch mit seinem Equipment sehr genau. Er ist übrigens auch ein sehr guter Toningenieur und verfügt auch sonst über ein recht umfassendes Wissen.

Du arbeitest auch im Studio für ihn?

Ja, klar. Glücklicherweise habe ich somit meinen Teil zum Gelingen jeder Produktion seit „Back in Black“ geleistet. Ich baue die Drums auf, mache den Tee – und das ist es! (grinst)

Dann wünschen wir dir alles Gute für die Zukunft und hoffen auf weitere sechzehn Jahre AC/DC!


 

Phil Rudds Drumset

Drums: Sonor Designer-Serie

„Maple Heavy“-Kessel

„Stain Red“-Finish

22″ x 18″ Bassdrum

13″ x 13″ Tom

16″ x 18″ Floor-Tom

18″ x 18″ Floor-Tom

14″ x 5 3⁄4″ Snaredrum

(meistens mit Messing-Kessel)

Cymbals: Paiste

14″ Sound Formula Reflector Heavy Hi-Hat

20″ Sound Formula Full Crash

19″ 2002 Crash (3x)

19″ 2002 Medium

20″ 2002 Crash

20″ 2002 Power Bell Ride

Sticks: Easton Ahead

„5B“ (rechts) und „Custom Model“ (links)

Felle:

Bassdrum Front: Sonor Medium mit ca. 8″-Loch und Sonor-Logo

Bassdrum Batter: Remo „Power Stroke III“ ohne Falam Slam

Snaredrum Top: Aquarian „CCPD“

Snaredrum Bottom: Remo „Ambassador Snare“

Toms Top: Aquarian „TCPF“ (Satin Finish)

Toms Bottom: Remo „Ambassador“ (clear)

Mikrofone:

Bassdrum: Beyerdynamic M88 plus Shure SM 91

Snaredrum (Top und Bottom): Shure SM 57

Toms: Sennheiser BF504

Cymbals/Overheads: Shure SM 98

Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums

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