Muse Schlagzeuger im Interview

Dominic Howard: Bei Muse sind wir gleichberechtigt

Dominic-Howard

Seit über 20 Jahren tourt Dominic Howard mit der englischen Rockband Muse durch die Weltgeschichte. Der aus Manchaster stammende Schlagzeuger erklärt im Interview mit dem Fachmagazin STICKS, wer bei Muse eigentlich das Sagen hat. 

Anzeige

Was machst du, um dich auf Shows vorzubereiten?

Dominic Howard: Normalerweise spiele ich auf diesem Pad hier. (weist auf das Pad vor sich und lacht) Manchmal mache ich das mit etwas dickeren Sticks, manchmal mit dem Stick-Bottom. Darauf mache ich meistens Rudiments, um meine Handgelenke aufzuwärmen. Ich mache das jetzt schon seit vielen Jahren so, weil es sich für mich bewährt hat.

Es gab auch Zeiten, wo ich es nicht gemacht habe, als wir jung waren und einfach so eine „Let’s go! Let’s get on stage!“-Attitüde hatten – und natürlich hatte ich da während des ersten Songs direkt das Gefühl, mich kaum bewegen zu können und bekam entsprechende Krämpfe in den Armen. Ich mache mindestens 10 Minuten Warm-ups, um alles aufzulockern. Ansonsten – auf regulären Touren – habe ich auch ein Roland V-Drumkit dabei, ein 4-Piece-Kit, das ich zum Warm-up und für Press-ups benutze. Des Weiteren hüpfe ich auch gerne im Raum hoch und runter, um den gesamten Körper aufzuwärmen, und denke dabei über die Show nach. Diese ganz normalen Dinge eben.

Du hast dir das Meiste am Schlagzeug selbst beigebracht. Wie bist du überhaupt zum Schlagzeugspielen gekommen?

Dominic Howard: Wir waren einfach eine Gruppe von Schulfreunden im Alter von 12 oder 13 Jahren und haben uns irgendwann gedacht: „Hey, lasst uns eine Band gründen!“ Na, und da hab ich gesagt: „Okay, ich spiele Drums“, jemand anders sollte Gitarre spielen, ein anderer Bass usw. So sind wir – wortwörtlich – gestartet: Wer sein jeweiliges Lieblingsinstrument spielen wollte, sollte es spielen. Ich glaube, ich habe Drums auch gewählt, weil es mich vorher schon irgendwie interessiert hat und weil ich Bands in der Schule gesehen hatte; unter anderem eine Jazzband und auch eine Rockband aus ein paar Kids, die vielleicht gerade mal zwei Jahre älter als wir waren. Als ich sie sah, war ich damals schon relativ fokussiert auf der Drummer.

Das war einfach das Instrument, welches meine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hat. Daher hab ich das Schlagzeug als Instrument gewählt. Im Wesentlichen gelernt habe ich es durch das direkte Zusammenspiel und das Musikmachen mit anderen. Wir haben einfach in erster Linie versucht, zusammen Musik zu machen; haben Songs nachgespielt von Bands wie Nirvana, Pixies oder einigen anderen englischen Indie-Bands wie beispielsweise Wedding Present.

Ich habe es geliebt, anderen Drummern in ihren Bands zuzuhören und mir dadurch ihre Spielweise durch Cover-Songs draufzuschaffen. So bin ich grundsätzlich zur Musik gekommen. Ich hatte für etwa zwei Monate Unterricht, hab’s dann aber sein gelassen, da ich das einfach langweilig fand. (lacht) Ich musste dem Typen 1,50 britische Pfund für eine halbe Stunde bezahlen, was recht günstig war. Ich erinnere mich noch, dass mein Lehrer mir ein Buch vor die Nase gestellt hat. Nach einem Monat, wo es nur darum ging, Noten lesen zu lernen, musste ich immer 15 Minuten der halben Stunde aus dem Buch trommeln, was nirgendwohin führte. Und ich dachte mir so: „Mist, ich will einfach Rock spielen!“ (lacht)

Welche Rock-Drummer haben dich und dein Spiel geprägt?

Dominic Howard: Das sind in erster Linie sehr, sehr viele Band-Drummer, mit deren Musik ich aufgewachsen bin. Dave Grohl, als er bei Nirvana war, Stewart Copeland von The Police, Brad Wilk von Rage Against The Machine, aber auch Matt Cameron von Soundgarden, ein großartiger Typ. Ich habe alle diese großen Bandplayer geliebt. Zum Beispiel auch Bryan „Brain“ Mantia von Guns N’ Roses und Jimmy Chamberlin von den Smashing Pumpkins oder Danny Carey von Tool. Also eher so die 90er-Ära in Bezug auf Drummer, denn das waren die Bands, die viel gehört habe, als ich Teenager war und angefangen habe, selber zu spielen.

Ihr seid ein modernes Rock-Trio. Wie siehst du selbst deine Rolle innerhalb der Band?

Dominic Howard: Nun, wir sind alle ziemlich gleichberechtigt, und da wir ein Trio sind, läuft alles, was passiert, relativ demokratisch ab. Also auch, wie wir an Musik herangehen und auf welche Art und Weise wir einen Song spielen. Ich denke auch, dass die Tatsache, dass wir ein Trio sind, meine Art Schlagzeug zu spielen verändert hat. Es hat unsere Herangehensweise an Musik grundsätzlich verändert. Wir haben als Trio angefangen, weil einer unserer Kumpels keine Lust mehr hatte und ausgestiegen ist. Und so waren wir nur noch zu dritt. Daher hat sich Matt dazu entschieden, zu singen, da sonst keiner singen konnte. Wir haben auch immer mal wieder drüber nachgedacht, einen weiteren Gitarristen oder Keyboarder dazu zu holen, aber letztendlich hat unsere Trio-Besetzung die Art und Weise, wie wir die Songs spielen, geformt.

Das hat bei uns dazu geführt, dass jeder versucht, sein Instrument so ausdrucksstark wie möglich zu spielen, da jedes Instrument für sich eine herausragende Rolle hat. Für mich wie auch die anderen in der Band galt die Devise, dass jeder von uns so viel musikalischen Raum wie möglich mit seinem Instrument füllen muss. Und das heißt nicht automatisch, dass alles mit Schlägen, Akkorden oder Text vollgeladen sein muss, sondern vielmehr kommt es drauf an, wie du etwas spielst und welche Sounds du dabei mit Drums, Bass und Gitarre erzeugst. Es geht darum, die richtigen Stellen in diesem musikalischen Raum zu betonen, um den Gesamtsound groß klingen zu lassen. Das ist das Wichtigste beim Trio, also eher ein „Weniger ist mehr“-Ansatz auf Bandebene.

Manchmal spielt Matt Piano, manchmal spielt er Gitarre. Inwiefern ändert sich dadurch auch deine Art der Schlagzeugbegleitung?

Dominic Howard: Ja, manchmal ist das der Fall. Aber eigentlich hängt es weniger am Instrument, denn auch wenn wir an einem Piano-Song arbeiten, sind wir ein Trio. Ich würde eher sagen, es hängt von der Natur des Songs ab; ob es eher ein weicher, balladesker Song ist, der sehr simple begleitet wird, oder ob es eher ein bisschen härter ist – wir haben einige schwerere Piano-Songs auf Alben wie „Apocalypse Please“, dem dritten Album, die einen großen und schweren Drum-Sound mit fetten Tom-Fills und knackigen Rock-Beats brauchen. Es hängt also wirklich von der Art der Musik ab.

Erzähle uns doch einmal etwas zu deinem Setup und wie du damit deinen Sound für MUSE umsetzt.

Dominic Howard: Ursprünglich habe ich ein 4-Piece gespielt, über die Zeit habe ich mein Setup aber zu einem 5-Piece mit einem zweiten Floor-Tom ausgeweitet. Ich überlege gerade, warum eigentlich … (lacht) Ich glaube, es ging mir einfach darum, den Sound von zwei großen, voluminösen Floor-Toms zu haben, ohne gleichzeitig den knackigen Sound des hohen Rack-Toms zu verlieren. Ich liebe dieses Feeling und den Sound, wenn du zwei massive Floortoms gleichzeitig anspielst; denn sowas mache ich ziemlich oft, also Flamings auf den großen Floor Toms. Aber ich wollte gleichzeitig nicht so den Dave-Grohl-Style mit einem 14″ Rack-Tom adaptieren, sondern es sollten drei Trommeln sein, mit denen ich eine größere Auswahl an Tönen spielen kann.

Eigentlich ist es ja letztendlich ein ziemliches Standard-Setup, und es ist meiner Meinung nach gar nicht so besonders. Nun ist es mittlerweile ein 6-Piece, weil ich noch ein 18″ Floor-Tom ohne Resonanzfell als Gongtom benutze, welches schräg an der Seite hängt. Das ist echt nützlich, es klingt wie eine zusätzliche Bassdrum mit einem etwas anderen Sound, was cool für eine gewisse Dynamik innerhalb des Drumsounds ist. Mein Setup ist entsprechend über die Jahre zum einem 6-Piece gewachsen; darüber hinaus habe ich noch zwei Pads über den Toms hängen, beispielsweise für Songs wie „Magnus“, der mit elektronischen Beats beginnt. Zusätzlich habe ich auch Trigger für Kick und Snare, die in die Akustik-Sounds von unserem Mischer eingefaded bzw. eingeblendet werden.

Einige MUSE-Songs basieren auf Drum-Tracks. Kannst du uns erklären, wie du hier als Schlagzeuger im Songwriting-Prozess agierst?

Dominic Howard: Eigentlich geht der Ursprung einer Songidee von Riffs oder Chords oder Piano-Lines aus. Ich verbringe viel Zeit damit, Matts Klavierspiel und seinen Ideen zuzuhören, denn die meisten Tracks beginnen in irgendeiner Form mit dem Piano. Von diesem Punkt an kann ich selbst eine Vorstellung entwickeln, was ich drum herum spiele, auch wenn seine Idee vielleicht letztendlich auf die Gitarre umgesetzt wird. Aber damit fängt es normalerweise an, also dass ich ihm einfach gut bei seinen ersten Ideen oder Skizzen am Klavier zuhöre. Ich denke auch, wir sind jetzt in einem Stadium angekommen, wo wir, wenn ein paar einfache Ideen im Raum stehen, diese aufgreifen, zusammen jammen und ausarbeiten.

Wir feilen beide an den Tracks und probieren aus, was zu spielen ist, welches Arrangement für den Song funktioniert und wie die Instrumentierung ausfallen sollte. Es geht wirklich darum, wie die einzelnen Instrumente ineinandergreifen. Jeder steuert seine Ideen zu dem bei, was der andere spielen könnte. Dementsprechend kriege ich auch von den Jungs Feedback, welche Drum-Parts ich spielen könnte, und gleichzeitig schlage ich ihnen meine Ideen zu Gitarren- und Bass-Parts vor. Aber ursprünglich startet es damit, dass ich mich von Matts Klavierspiel inspirieren lasse.

Du bist dafür bekannt, auf der Bühne immer sehr extravagante Kostüme zu tragen. Was wird uns in dieser Hinsicht in nächster Zeit erwarten?

Dominic Howard: Uh, eine gute Frage. Heute hab ich’s leider nicht dabei, aber aktuell trage ich auf Tour einen schönen roten Einteiler. Ich könnte mir aber auch etwas Verrücktes wie ein Spaceman-Outfit vorstellen. Es hat alles mit einem Gig an Halloween angefangen, als ich mich als Spiderman verkleidet habe. Wir haben dann noch einige andere Halloween-Shows gespielt, wo ich als Gandalf aus Herr der Ringe verkleidet aufgetreten bin. Jetzt denke ich aber irgendwie über verrücktere Sachen nach, wie beispielsweise das Spaceman-Outfit, mit dem ich ein bisschen wie ein 50s-Racing-Car-Driver aussehe. Der Grund dafür ist, dass wir einen Gig in Japan vor ein paar Jahren gespielt haben, welcher der schlechteste Gig war, den ich hatte.

Mir sind die ganze Zeit Käfer über den Rücken gekrochen, und ich hab mit einer Hand „Supermassive Black Hole“ gespielt und dachte mir nur „Fuck, ich komme damit nicht klar!“, während ich mit der anderen Hand versucht habe, die ganzen Insekten von mir wegzubekommen. Danach hab ich den anderen gesagt: „Okay, wenn wir zurück nach Japan kommen, um dort Festivals zu spielen, dann will ich einen Anzug haben, der bis zum Kinn komplett verschlossen ist, und dazu einen Helm tragen.“ Das ist der Grund, warum ich mir dieses Kostüm ausgesucht habe.

Ein Kommentar zu “Dominic Howard: Bei Muse sind wir gleichberechtigt”
  1. Michel Rojahn

    Guter Artikel, jedoch bin ich mir ziemlich sicher das Dom nicht “Magnus” sondern “Madness” gesagt hat. (In dem Part über sein Setup)

    Antworten
Hinterlasse einen Kommentar

Das könnte Dich auch interessieren: