Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
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Das Studium an der Popakademie

Ein Interview mit Prof. Udo Dahmen

(Bild: Popakademie/Arthur Bauer)

Seit nunmehr 16 Jahren gibt es die Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim, die sich in dieser Zeit zur absoluten Institution in Sachen Studium der Popmusik in Deutschland entwickelt hat. Zahlreiche Absolventen der Popakademie arbeiten heute äußerst erfolgreich als Musiker, Komponisten, Produzenten und Manager im Musikbusiness. Und dies nicht nur in Deutschland, sondern auch international, was den Stellenwert dieser einzigartigen Ausbildungsstätte unterstreicht.

Das ganze Interview gibt’s in STICKS 09-10/2019

Wer allerdings meint, es ginge dort nur um Mainstream-Pop, der täuscht sich ordentlich. Sicherlich erregen besonders die Erfolge von Pop-Acts wie Alice Merton, Max Giesinger & Co. die meiste Aufmerksamkeit, doch eine Mainstream-Kompatibilität steht für ein Studium an der Popakademie gar nicht mal im Vordergrund. Für Prof. Udo Dahmen, Geschäftsführer, künstlerischer Direktor und Leiter des Fachbereichs Populäre Musik an der Popakademie und nicht zuletzt erfahrener Schlagzeuger, zählen da doch eher andere Kriterien bei der Bewerbung für einen Bachelor-Studiengang Popmusikdesign, wie er uns im Interview verrät.

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Interview

Was würdest du einem jungen Drummer raten, der sich für ein Studium an der Popakademie im Bereich Schlagzeug bewerben möchte? Wie und worauf sollte er sich vorbereiten?

Prof. Udo Dahmen: Für alle Bewerber haben wir einen detaillierten Online-Fragebogen zur Bewerbung für den Bachelorstudiengang Popmusikdesign. Zu dem gehört auch das Schlagzeugstudium. Dort werden alle formellen Dinge abgefragt. Zur Bewerbung verlangen wir außerdem, dass jemand drei Titel einsendet, die er oder sie mit einer oder auch verschiedenen Bands eingespielt hat. Außerdem verlangen wir ein Live-Video, aus dem einfachen Grund, um feststellen zu können, ob derjenige das denn auch wirklich spielen kann, was er eingespielt hat. Heutzutage ist es schließlich möglich, an einer Aufnahme so zu editieren, dass man es gar nicht mehr feststellen kann. Das Video kann gern eine Proberaumaufnahme sein, manche senden uns auch ein Live-Video von ihrer Band, das ist alles okay. Wir haben ein zweistufiges Aufnahmeverfahren. In der ersten Stufe hören sich dann einer meiner Schlagzeugdozenten, wie zum Beispiel Lui Ludwig und ich dann alle Bewerber an. Nach dieser Vorauswahl laden wir dann die von uns ausgewählten Drummer zu einer Live-Audition ein. Das sind pro Semester etwa zwischen 12 und 16 Bewerber.

Wie viele Bewerber insgesamt habt ihr ungefähr pro Semester?

Prof. Udo Dahmen: Im Bereich Schlagzeug sind das etwa 90 für fünf zu vergebende Studienplätze. Das ist schon ein echt hartes Auswahlverfahren, denn es gibt wirklich etliche Gute – doch gibt es auch immer einige, die sind dann eben noch besser.

Wie läuft das Auswahlverfahren dann weiter ab?

Prof. Udo Dahmen: Nachdem wir also die Vorauswahl nach den formellen Bewerbungen, den eingesandten Titel und dem Live-Video getroffen haben, laden wird dann zur Live-Prüfung ein, die meistens etwa im Juni vor dem im September beginnenden Wintersemester stattfindet. Dabei handelt es sich um ganztätige Prüfungen. Diese beginnt morgens mit der musiktheoretischen Prüfung. Für den darauf folgenden Aufsatz geben wir dabei popmusik-historische und pop-kulturelle sowie auf das Musikbusiness-bezogene Themenbereiche vor bzw. stellen entsprechende Fragen. Dieser theoretische Teil ist für die Aufnahme genauso wichtig wie die Live-Prüfung, die dann nachmittags erfolgt.

Dabei werden dann zwei Titel live gespielt, das kann mit einer Band geschehen oder zu einem Playalong oder auch solistisch. Wer mit einer Band spielen möchte, der muss diese allerdings selber mitbringen. Dabei muss auch nicht das komplette Equipment mitgebracht werden, denn wir haben ja sehr vieles direkt vor Ort. Mittlerweile spielen allerdings die meisten Bewerber zu Playalongs. Nach dem Vorspiel gibt es dann eine so genannte „Ad Hoc“-Prüfung in der wir den Probanden auf Zuruf bestimmte Grooves spielen lassen.

Und das dann in einem anderen Tempo als man es gemeinhin erwarten würde. Ein Beispiel: Den „Rosanna“-Halftime-Shuffle kann fast jeder im originalen bis beschleunigten Tempo spielen. Man merkt aber sofort, ob jemand an so was gearbeitet hat, wenn man das Tempo mal verlangsamt. Tatsache ist: Die meisten Schlagzeuger können gut schnell spielen, doch nur die wenigsten können gut langsam grooven! Wichtig ist übrigens nicht das rein metronomisch korrekte Spielen, sondern dass es auch langsam in sich groovt, und das es auch stilistisch bzw. für das Genre typisch klingt. Und letztlich spielt auch die Persönlichkeit des Spielers eine große Rolle. Es interessiert nicht, ob jemand komplexe Solotranskriptionen spielen kann, sondern ob jemand die Musik entsprechend seiner Vorstellungswelt, also wie er die Musik empfindet, richtig darstellen kann.

Ein Punk-Drummer muss das ganz anders darstellen, als jemand der auf hohem Niveau in der Tradition von Dave Weckl und Vinnie Colaiuta sophisticated Fusion spielt. Und der wiederum muss ganz anders interpretieren als jemand, der Double-Bassdrum à la Slayer oder Blastbeast in einer Hardcore-Band spielt, oder als jemand, der sensible Singer/ Songwriter-Musik begleitet. Die verschiedenen Genres und ihre entsprechenden Spielweisen sind mittlerweile so vertieft, dass man nicht mehr wie früher sagen kann, der Schlagzeuger muss das alles spielen können.

Im Bereich der „Ad Hoc“-Prüfung gibt es dann noch einen „Call & Response“-Teil, bei dem ich dem am Practice-Pad bestimmte Figuren vorspiele, die er dann nachspielen muss. Dabei steigere ich den Schwierigkeitsgrad, um zu sehen, wie weit der Kandidat denn technisch schon ist, was das Spielen von Rudiments und die Spieltechnik angeht. Mit einem abschließenden Gespräch ergibt sich so schon ein sehr gutes Bild. Durch den musiktheoretischen Teil und den Aufsatz kann man erfassen, wie weit der Kandidat schon als Musiker ausgebildet ist und was er schon musikalisch erlebt oder womit er sich schon auseinandergesetzt hat. Durch die Live-Performance kann man sehen, ob er sich eher mit eigener Musik befasst oder ob es Cover-Versions oder die üblichen Weckl-Transkriptionen sind, die seinen Background ausmachen. Oder hat er gar eine ganz eigene musikalische Handschrift, weil er selber komponiert oder produziert?

Diese ganze Bandbreite haben wir bei den Bewerbern, und es gibt in der Hinsicht kein besser oder schlechter, es ist alles „richtig“. Darüber hinaus rufen wir im „Ad Hoc“-Teil ja auch eine Situation ab, die jedem Schlagzeuger im Studio oder auch im Proberaum widerfährt. Wenn gemeinsam komponiert wird, dann wird vom Schlagzeuger erwartet, dass er eine Idee dazu hat. Und dieses kreative musikalische Ping-Pong-Spiel ist das, was uns wichtig ist. Wenn der Gitarrist oder die Sängerin mit einer Idee kommt, dann sollte der Schlagzeuger „ad hoc“ dazu etwas spielen können, ohne dass man jetzt noch drei Stunden probieren muss.

Das sind ja auch die Dinge, die im richtigen Leben, also im Berufsleben, von einem Musiker erwartet werden.

Prof. Udo Dahmen: Und das ist deshalb auch Grundbestandteil der Prüfung und des Studiums an der Popakademie: die Fähigkeit der Kreativität im Augenblick um daraus etwas zu entwickeln, was Bestand hat. Das muss nicht immer in einer Band sein, doch für Schlagzeuger wird es meist so sein.

Wichtig sind also vor allem Kreativität und Persönlichkeit?

[…]

Das ganze Interview gibt’s in STICKS 09-10/2019


(aus STICKS 09-10/2019)

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Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
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