Harald Wester im Tech-Interview

Equipment Talk mit dem Kollegah Drummer

Ein völlig entspannter Harald Wester erwartet mich Backstage am Kölner Palladium, an dessen Eingang bereits am frühen Nachmittag jede Menge Fans erwartungsvoll der ausverkauften Show entgegenfiebern. Und von allen Seitenstraßen her strömen bereits jetzt viele weitere gutgelaunte Kollegah-Fans zur Konzerthalle.

Anzeige

Harald, das ist jetzt deine zweite große Tour mit dem wohl erfolgreichsten Rapper Deutschlands. Was hat sich seit für die „Imperator“- Tour im Vergleich zum Vorjahr geändert?

Harald Wester: 2016 waren wir zur „Rotlicht“-Tour als komplette Live-Band unterwegs. Das war sehr erfolgreich, auch musikalisch, jedenfalls haben wir als Band und auch der Chef das so empfunden. Im Herbst 2016 rief mich dann allerdings das Management an und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, nur als Schlagzeuger als einziger Live-Musiker mit auf Tour zu gehen. Konnte ich mir vorstellen, und nachdem wir die Konditionen geklärt hatten, habe ich dann zugesagt. Dann habe ich mir die Tracks des neuen Albums besorgt und angefangen, mich vorzubereiten. Ich hab dann auch in meinem Schlagzeug-Unterricht viel Kollegah laufen lassen, denn diese Grooves sind für die Schlagzeugschüler immer cool zum Mitspielen. Den Song „Einer von Millionen“ habe ich ziemlich oft eingesetzt, und ich habe dann auch oft zum Beat meiner Schüler Rhythmusgitarre mitgespielt, sind ja nur drei Harmonien. (lacht) Das Ganze hab ich dann mal spaßeshalber mit meinem Handy gefilmt und dem Tourveranstalter Alex Sadri mal einen Ausschnitt eines Refrains zugeschickt. Der hat das dann heimlich dem Chef weitergesendet, und der wiederum fand das so geil, dass er meinte: „… kann der Harald nicht auch mal Gitarre spielen auf der Tour?“ Nee, Leute! Ich bin Schlagzeuger, und da bleibt es auch dabei! (lacht)

Jedenfalls habe ich dann vorgeschlagen, dass wir ja Gitarre mit dazu nehmen könnten, und meine Idee war es, eine Gitarristin zu engagieren. Das fanden alle interessant, doch dann ging die Suche los. Denn wir mussten ja jemanden finden, der erstens mit dem Image kein Problem hat, zweitens bereit ist, einen Monat lang mit einem Männerrudel im Nightliner mitzufahren, und drittens das Ganze auch spielen und entsprechend performen kann, also Mut genug hat, sich auf die Bühne zu stellen und richtig abzugehen. Wir hatten das Glück, die Steffi Bär zu finden, die an der Popakademie studiert und ihren Bachelor gemacht hatte – ich glaube, Popmusik-Design als Singer/Songwriter mit Gitarre im Nebenfach. Sie hat jedenfalls zugesagt, doch erst eine Woche vor dem Tourstart konnten wir sie dann endlich in das Geschehen einbeziehen. Es war dann sehr schnell klar, dass das musikalisch passen würde, denn sie hat schnell auf unsere Vorschläge reagiert, wenn es mal etwas zu bluesig war und wir es rockiger haben wollten. Sie hat jedenfalls angeboten und geliefert.

Was hat sich gegenüber des Setups von 2016 für die „Imperator“-Tour geändert?

Auch dieses Set kommt nicht von einem Verleih, sondern ist eines meiner eigenen. Es ist jetzt nicht mehr das Hybrid Maple, sondern ein Yamaha Recording Custom in der alten Version, von Anfang der 2000er-Jahre. Die Konfiguration ist die gleiche wie beim Hybrid Maple, allerdings ist das 10er Tom etwas tiefer, und anstatt der Floor-Toms habe ich jetzt aufgehängte Toms in 14″ und 16″. Geblieben ist auch die Sonor ProLite Brass Snaredrum von der letzten Tour, in die hat sich unser FOH-Mann Andy verliebt.

Warum also etwas ändern? Hinzugekommen ist noch die 10er Sonor Select Force Maple Snaredrum für die „effektierten“ SnaredrumSounds. Das Paiste Cymbal-Set ist das gleiche wie bei der letzten Tour. Und auch was Hardware, Fel – le und Sticks angeht, ist alles gleich geblieben. Der Deal für die „Imperator“-Tour war, dass wir keinen Backliner mitnehmen, sondern dass ich das Set selbst aufbaue. Der Deal beinhaltete auch, dass ich mir spezielle Cases für das Set bauen lassen kann. Damit das alles zügig und möglichst bequem vonstatten gehen kann, bin ich dann mit meinem Drumset, so wie jetzt hier auf der Bühne steht, nach Würzburg zur Firma LT-Cases gefahren. Aufgrund ihrer Erfahrungen haben die mir dann zwei große Flightcases angefertigt, in denen ich die Drums, die Cymbals, alle Hardware und alles Zubehör und Kleinteiliges bis hin zu In-Ear, Schuhen und Arbeitsmappe mit Noten auf mehreren Ebenen verstauen kann – die Sonnenbrille nicht zu vergessen!

Alles ist gut gepolstert und für den Transport optimal geschützt. Das Ganze ist so ausgecheckt, das alles seinen ganz bestimmten Platz in den Cases hat und diese dann sowohl in Trucks als auch in etwas kleinere Transporter geladen werden können – so habe ich jetzt dafür eine optimale Lösung.

[1336]
Ein Kommentar zu “Equipment Talk mit dem Kollegah Drummer”
  1. unwichtig

    Ein Rapper engagiert einen Musikschullehrer und eine Popakademie-Absolventin, und die Musik wird im Unterricht behandelt – das ist Rap im 21.Jahrhundert!

    Antworten
Hinterlassen Sie einen Kommentar

Das könnte Dich auch interessieren: