Produkt: Sticks Digital 05-06/2019
Sticks Digital 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums
Will Hunt über seine Drummer-Karriere

Evanescence Drummer Will Hunt im Interview

 

Will Hunt von Evanessance beim Set-Aufbau und Check (Bild: Axel Mikolajczak)

Will Hunt ist seit 2007 der Drummer von Evanescence, der Band, mit der er weltweite Erfolge feiert. Doch seine professionelle Drummer-Karriere begann viele Jahre davor, in denen er konsequent seinen Weg von den Clubs in seiner Heimat Florida auf die internationalen Stadion- und Arena-Bühnen ging.

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Die absolut professionelle Einstellung des sympathischen Musikers aus Florida, sein talentiertes Rock-Groove-Drumming sowie eine gehörige Portion Selbstbewusstsein und sein unbändiger Wille, ein erfolgreicher Musiker zu sein und ständig besser zu werden, führten u. a. zur Zusammenarbeit mit Bands wie Skrape, Dark New Day, Black Label Society, Staind und dem italienischen Superstar Vasco Rossi. Für den Mötley-Crue-Drummer Tommy Lee spielte er 2002 auf dessen Soloalbum „Never A Dull Moment“. Außerdem vertrat er 2008 Tommy Lee bei Mötley Crue für einige Gigs und spielte 2010 das Album „A Public Disservice
Announcement“ von Tommy Lees Projekt Methods Of Mayhem ein. 2010 wurde er nach drei Jahren als Live/Tour-Musiker festes Band-Mitglied bei Evanescence.

Will, vielen Dank, dass du dir trotz aller Messe-Hektik Zeit genommen hast für das Interview.

Will Hunt: Gerne! So haben wir doch die Gelegenheit, ein wenig Ruhe vor dem Lärmpegel dieses riesigen Musikgeschäfts zu finden. Erinnert mich total an meine Jugend, als oft im Guitar Center abhing – nur, das hier alles noch zehnmal lauter ist! (lacht)

 

Will Hunts Set

Warum wurdest du ausgerechnet Schlagzeuger?

Will Hunt: Eigentlich wollte ich ja Gitarrist werden. Ich hatte mit fünf Jahren im Fernsehen Kiss gesehen – Feuer, Explosionen, Blut –, und das war’s! Es war klar, dass ich unbedingt so was machen wollte und Gitarrist werden musste. Als Fünfjähriger dachte ich, dass ich einfach nur meine Hände drumlegen und ein bisschen drauf rum schrammeln und meine besten Rockstar-Posen einnehmen musste, und schon würde da dieser fantastische Klang rauskommen.

Mein Dad, der ebenfalls Musiker ist, besorgte mir eine Gitarre, und ich fand Gitarren solange cool, bis ich versuchte, sie zu spielen. Mann, das tat vielleicht weh an den Fingerkuppen! Was also tun? Nun, Schlagzeugspielen sah recht einfach aus und schien Spaß zu Machen. Also wurde ich eben Schlagzeuger. Im Ernst, ich glaube die Drums haben mich auserwählt, wirklich. Offensichtlich hatte ich etwas Talent und konnte schon in diesem jungen Alter recht schnell recht ordentlich spielen. Jedenfalls hatte ich ziemlich schnell die ersten Erfolgserlebnisse mit den Drums, was für ein Kid in dem Alter ziemlich wichtig ist. Und das war dann die Initialzündung immer besser und besser werden zu wollen. Eigentlich ist es bis heute dabei geblieben.

 

Hattest du Schlagzeugunterricht?

Will Hunt: Ja. Ich nahm Unterrichtsstunden ab sechs Jahren und während meiner ganzen Highschool-Zeit. Dann meinte mein Lehrer, dass er mir wohl nichts mehr beibringen könne, und ich begann, mich autodidaktisch mithilfe der damals aufkommenden VHS-Schlagzeug-Videos weiterzubilden. Was Timing, Groove und Feel angeht, habe ich das meiste dadurch gelernt, dass ich zu CDs mitgespielt habe, auf denen Grooves mit großartigem Feel zu hören waren, von Drummern wie John Bonham oder Tommy Lee zum Beispiel.

Viel gelernt habe ich auch ganz einfach durch das konzentrierte und analytische Anhören von Musik aus der Sicht eines Komponisten oder Arrangeurs, statt nur auf die Drums zu hören. Das fing an, als ich so etwa 15 Jahre alt war und wurde ab da sehr wichtig für mich. Auf dem letzten Evanescence-Album konnte ich so einige Kompositionen beisteuern und habe bei fünf Songs Co-Writer-Credits. Ich komponiere teils mit Keyboards, ich singe, und ich kann mittlerweile tatsächlich auch ein bisschen Gitarre spielen. (lacht)

Du hast wahrscheinlich sehr früh angefangen, in Bands zu spielen?

Will Hunt: Ich konnte zwar schon zur Middle-School-Zeit gut Drums spielen, doch mein Problem war, dass ich keine Freunde in meinem Alter fand, die auf meinem Level Musik machen konnten. Erst an der Highschool, so mit 14, 15 Jahren, fand ich einen Bassisten und zwei Gitarristen, die schon einige Jahre zusammen spielten. Wir trafen uns bei mir zu Hause zum Proben, und der erste Song, den wir zusammen spielten war „Aces High“ von Iron Maiden, nicht gerade einfach. Die beiden Gitarristen und ich kannten den Song, der Bassist aber nicht.

Einer der Gitarristen hatte allerdings ein Gitarren-Magazin mit einer Transkription des Bassparts, und der Bassist konnte den komplett nach Noten runterspielen! Das hat richtig gut gerockt, und zum ersten Mal spürte ich diese Power und dieses unglaubliche Gemeinschaftsgefühl beim Musikmachen mit Typen auf meinem Level. Das war für mich der Ansporn, unbedingt weiter zu machen.

Wann war es für dich klar, dass du daraus deinen Beruf machen wolltest?

Will Hunt: Ich glaube, dass ist mir immer noch nicht klar! (lacht) Vielleicht kam mir dieser Gedanke, als damals kurz nach der Highschool-Zeit in Tallahassee in einem Studio Drum-Tracks eingespielt habe. Der Studiobesitzer war auch Manager einer Cover-Band, die durch in den ganzen Südstaaten tourte. Sie hatte einen Bus, eine große PA und Lightshow, sie sahen aus wie Rockstars und spielten wie Rockstars, einer Arena-Band in den Clubs. Jedenfalls hörte mich der Manager in dem Studio Drums spielen und bot mir den Job als Drummer dieser Band an. Mit dieser Band bin ich dann etwa 300 Tage im Jahr aufgetreten und habe das erste Mal kontinuierlich Geld als Musiker verdient. Ich wusste allerdings auch, dass dies nur ein weiterer Schritt sein konnte hinsichtlich einer Musikerkarriere.

Seit 2007 warst du der Live-Drummer, seit 2010 bist du jetzt festes BandMitglied bei Evanescence. Wie bist du zur Band gekommen?

Will Hunt:Ich habe damals mit meiner Band Dark New Day das zweite Album aufgenommen und in der Band von Mötley-Crue-Sänger Vince Neil live gespielt. Auf Tour in Las Vegas hat mich der Manger von Evanescence angerufen, die da gerade inmitten der Tour zu ihrem Album „Open Door“. Amy Lee, die Sängerin, wollte das Line-up der Band verändern, und man hatte mich ihr als Drummer von mehreren Seiten empfohlen.

Außerdem kannte sie mich durch meine Band Dark New Day, da wir in der gleichen Szene spielten wie Evanescence. Amy sagte ganz klar, dass sie zwar die Tour zuende spielen wollte, aber nicht sicher sei, ob es danach dann weiterginge. Ich überlegte, ob ich das Risiko eingehen sollte, bei Evanescence zu spielen, da ich schließlich mit Dark New Day und dem Spielen in der Band von Vince Neil gutes Geld verdiente. Ich wusste, dass Amy einige weniger schöne Erfahrungen mit bestimmten Leuten gemacht hatte, doch ich dachte, vielleicht macht sie ja jetzt mit mir mal ein paar gute, und es geht dann doch weiter.

Ich ging also das Risiko ein und sagte zu. Und wie man ja jetzt weiß, ging es dann nach Ende der Tour und einer Pause tatsächlich weiter. 2010 wurde ich dann festes Band-Mitglied, und wir nahmen das Album „Evanescence“ auf – das erste Album, das Evanescence wirklich als Band gemeinsam im Studio eingespielt haben. Damit waren wir dann zwei Jahre lang auf Welttour. Dann machte Amy eine Babypause, sie hat jetzt eine zweieinhalbjährige Tochter. Seit 2015 haben wir mit Jen Majura eine deutsche Gitarristin in der Band und sind jetzt wieder auf Tour. Von der Musikmesse hier in Frankfurt geht es direkt nach Südamerika für mich. Wir konnten Amy jedenfalls zeigen, dass es in einer Band-Gemeinschaft wirklich cool und easy sei kann.

Bei uns herrscht eine echt schöne und entspannte Atmosphäre. Ich bin der Meinung, dass es daran liegt, dass in dieser Band nicht nur Kerle, sondern auch zwei Frauen sind. Es macht uns viel Spaß, gemeinsam auf der Bühne zu stehen und auch gemeinsam abzuhängen. Wir sind schließlich deshalb in unserem Business, weil es uns um den Spaß am Musikmachen geht.

Vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg auf der Südamerika-Tour.

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Produkt: Sticks Digital 09-10/2019
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FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums

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