Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums
Ein Interview

Flo König: Trommeln. Tech. Techno.

Drummer Flo König(Bild: Walter Wim Glöckle)

Flo König tourt derzeit gemeinsam mit Cro, dem erfolgreichsten Rapper Deutschlands, durch ganz Europa. Hinter der Popstar-Maske steckt jedoch ein Künstler mit ganz eigener Stimme. Und genau das geht im Trubel gerne mal unter. Dass diese eigene Stimme aber so einiges zu sagen hat, klären wir in diesem Interview mal eben auf.

Peng – da knallt es. Kunterbunter Konfetti-Regen schießt in das ausrastende Publikum. Kreischende Teenies, mitrappende Fans und non-stop gezückte Smartphones. Willkommen auf einem Cro-Konzert! Vor und auf der Bühne wird gefeiert, getanzt, gerappt und richtig Rabatz gemacht. Nur einer hält sich dezent im Hintergrund und wirkt trotzdem – oder gerade deswegen – so präsent. In zurückhaltenden, aber bestimmten Bewegungen gibt dieser Drummer den Rhythmus des hysterischen Spektakels. Wir treffen Florian König in Aalen und lernen einen motivierten Jungkünstler und dessen wahre Leidenschaft kennen.

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Wie ist es, plötzlich so im Rampenlicht zu stehen?

Flo König: Für mich war es zu Beginn echt schwierig, die Balance zu halten. Ich habe bis vor Kurzem noch Schlagzeug an der Musikhochschule in Stuttgart studiert. Aufgewachsen bin ich in einem 2.000-Seelen-Dorf und unterrichte bis heute an der örtlichen Jugendmusikschule. Mir macht das Unterrichten Spaß, und das bringt mich nach einer Tour immer wieder runter – das ist mir wichtig. Trotzdem: Mich hat es schon gut gewaffelt, mit Cro plötzlich Projektionsfläche Tausender Kids zu werden. Ich kämpfe auch heute noch mit den beiden Extremen. Aber genau das macht mein Leben derzeit aus und so spannend.

Hat sich dein Schlagzeugspiel auch erstmal an Cro gewöhnen müssen?

Flo König: Als Teenager waren HipHop und elektronische Musik enorm wichtig für mich. Ich stehe krass auf die Sound – ästhetik von Drummachines und Samplern. Das spannende bei Cro ist, dass ich da in die Rolle einer Maschine schlüpfen kann. Die Herausforderung für mich ist es dann, alle Grooves und Breaks identisch und perfekt auf den Clicktrack zu spielen. So als hätte ich einen Ein- und Ausschaltknopf am Hinterkopf.

Heißt das, du vergleichst deinen Style mit einer Maschine?

Flo König: Irgendwie schon! Gerade zu Beginn meines Studiums habe ich ziemlich polarisiert und mein Spiel extrem reduziert. Ich weiß nicht, wann genau ich diesen Punkt erreicht habe. Aber als ich ihn entdeckt habe, hat mich nichts anderes mehr interessiert. Alle anderen Stile haben mich gelangweilt. Das Ganze ging so weit, dass ich TomFills gehasst habe. Wenn überhaupt, mussten sie richtig beknackt programmiert und wie ein Fremdkörper klingen.

Wie hat sich das auf dein Set ausgewirkt?

Flo König: Das wurde natürlich immer kleiner und reduzierter. In meinen eigenen Projekten benutze ich bis heute kaum Crashes. Stattdessen kamen Sequenzer, Sampler, Synthesizer und Filter dazu. Inspiriert wurde ich da maßgeblich von Oli Rubow und Manfred Kniel, einem meiner Lehrer an der Musikhochschule. Inzwischen liebe ich organische und texturreiche Drumsounds, die sich in elektronisch programmierten Groove-Patterns verweben.

Inwieweit hat dich dein Schlagzeugstudium beeinflusst?

Flo König: Die synthetische und technische Nachbildung akustischer Instrumente stellen einen ausgebildeten Musiker heute vor die Frage des Stellenwerts handgemachter Musik. Moderne Musikgenres verzichten zum größten Teil komplett auf ein eingespieltes Schlagzeug und ziehen die programmierte Computervariante dem Original vor. Als Schlagzeuger kam ich da immer in einen Konflikt, da ich gemerkt habe, dass mir persönlich die Ästhetik programmierter Grooves im HipHop- oder Techno-Kontext wahnsinnig gut gefällt. Mit meinem herkömmlichen Schlagzeuger-Werkzeugen bin ich bei der Umsetzung solcher Grooves aber immer an Grenzen gestoßen.

Auch die Ansätze meines Schlagzeugstudiums haben mich an der Stelle zunächst nicht weitergebracht. Das Studium hat mir aber geholfen, über den Tellerrand hinauszublicken, neue Stile kennenzulernen und einen größeren Gesamtüberblick zu bekommen. Viele meiner Tätigkeitsfelder als Musiker setzen das voraus. Da hilft es schon, dass ich gelernt habe, wie man ordentliche Charts transkribiert, wie man sich verschiedenen stilistischen Herausforderungen annähert. Behaupten, dass man studieren muss, um gute Musik zu machen, tue ich aber nicht. Ganz im Gegenteil: Sein Instrument „perfekt“ zu beherrschen und zu wissen, was „richtig“ ist und welche Töne in der Akkordfolge kommen müssen, kann einen daran hindern, die Routine aufzubrechen, interessante Musik zu machen oder einen Song runterzustrippen auf zwei, drei Töne, mit denen sie Herzen berühren.

Das vollständige Interview mit Flo König kannst du in der STICKS 10/15 nachlesen!

Produkt: Sticks 05-06/2019
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