Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums
CLASSIC DRUMMERS

Gene Krupa: Sein Drum-Stil

Was hat Gene Krupa überhaupt zu einem der einflussreichsten und aufsehenerregendsten Schlagzeuger gemacht? Wir haben uns seinen Drum-Stil genauer angeschaut!

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Zum einen und vor alledem ist es bestimmt sein sehr energiegeladenes, visuelles und effektvolles Drumming gewesen, die Kunst, aus dem New Orleans Style von Warren „Baby“ Dodds und der technischen Finesse von Chick Webb etwas vorher nie dagewesenes zu kreieren. Zum anderen aber auch die Tatsache, dass er an verschiedenen Fortschritten am Drumset selbst sowie an der Entwickeln heute so mancher gebräuchlicher Spieltechniken, bzw. ihrer Popularisierung beteiligt war, wie z. B. dem Rimshot, einigen Tricks und Kniffs beim Besenspiel oder der „stick on stick“-Technik.

Ich möchte zunächst einen genaueren Blick auf die eben erwähnten Fortschritte am Drumset werfen. Gene Krupa war damals schon Endorser für Slingerland (übrigens bis zu seinem Lebensende). Ihn nervte es seit Beginn seiner Karriere, dass es nicht möglich war, die Toms am Set wirklich richtig gut zu stimmen. Damals konnte man zwar schon das Schlagfell nachziehen, aber das Resonanzfell wurde immer noch festgetackert. Auf sein Drängen hin entwickelte Slingerland schließlich um 1936 die ersten Toms, deren Schlag- und Resonanz-Felle man ohne Probleme stimmen konnte. Ein immenser Fortschritt in der Entwicklung des Schlagzeugs. Schnell wurden diese neuen Toms zum Standard in nahezu jedem Drumset.

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Dem noch nicht genug, denn auch die Zusammensetzung eines Drumkits, wie wir sie heute kennen, geht auf Gene Krupa zurück. Er verzichtete gänzlich auf die ganzen Small Percussion und Sound Effect Instrumente, die damals in den so genannten „Traps“ (Bezeichnung für eine Drumset-artige Zusammenstellung diverser Instrumente) üblich waren, also Ratschen, Pfeifen und andere ominöse Sound-Effekte, die die Schlagzeuger von damals in ihr Setup integriert hatten. Gene Krupa kam mit einem kleinen Drumset aus, seinem „four piece“ Slingerland „Radio King“-Modell, bestehend aus Bassdrum, Snaredrum und zwei Toms, dazu eine Hi-Hat, diverse Cymbals und ein bis zwei Cowbells. Die Idee, die Halterungen für Toms und Cymbals an der Bassdrum bzw. an deren Rand zu befestigen, stammte übrigens ebenfalls von Gene Krupa.

Aber er war nicht nur bei Slingerland an der Entwicklung von Neuerungen beteiligt. Auch bei der Firma Zildjian hatte er seine Finger bezüglich der Entwicklung neuer Cymbals im Spiel, nicht zuletzt auch wegen seiner guten Beziehungen zu Avedis Zildjian, dem Inhaber der Zildjian Company. Als Folge der Zusammenarbeit entstanden auch die standardisierten Bezeichnungen für das Ride-Cymbal, das Crash-Cymbal, das Splash-Cymbal, sowie der China-Cymbal-Typen Pang und Swish.

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Gene Krupa war also an vielen wichtigen Neuerungen am Drumset beteiligt, Neuerungen, die für uns heute als selbstverständlich gelten. Aber er zeichnet sich auch noch für eine andere, nicht minder wichtige Veränderung verantwortlich: Ihm verdanken wir es, dass das Schlagzeug vom reinen Begleitinstrument im Hintergrund auch zu einem Soloinstrument wurde. So hat er nicht nur allein durch sein Standtom-Solo (bzw. seine Standtom-Soli, denn es sind fünf Solostellen schon in der ersten Hälfte des Songs) in „Sing, Sing, Sing“ von Benny Goodman neue Maßstäbe gesetzt und den Weg für viele andere Drummer geebnet. Er spielte auch das erste 32-taktige Solo, das je auf Platte verewigt wurde. Er brachte mit diesen Aktionen das Drumset nach vorne und zwar im wörtlichen Sinne, denn meist war Gene Krupa sogar der optische Mittelpunkt der Band, der Eyecatcher. Das Schlagzeug rückte mit ihm ins Scheinwerferlicht, wo es bis heute geblieben ist.

In den nächsten Workshop-Folgen gibt es umfassende Transkriptionen und Stilanalysen aus dem Werk von Gene Krupa.

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