Produkt: Sticks 07-08/2019
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Der Klang des Raums

Interview: Holger Maik Mertin

Holger Maik Mertin(Bild: Dieter Stork)

Der Kölner Musiker, Musik-Ethnologe und Perkussionist Holger Maik Mertin ist in der Szene nicht nur als Percussionist im klassischen, traditionellen Sinne bekannt, sondern auch als sehr experimentierfreudiger Forscher nach neuen Klängen und Ausdrucksmöglichkeiten.

Das ganze Interview gibt´s in STICKS 01-02/2020!

Und nicht nur dabei überschreite Holger Mertin gerne Grenzen und eröffnet neue Wege. Aktuell widmet er sich einem neuen Aufgabengebiet der Interdisziplinären Kommunikation in den Künsten mit Musikern, Tänzern, darstellenden Künstlern sowie sogar Naturwissenschaftlern und Sportlern. Und neben dem Duo Mertin Niznik sowie seinen Workshops hat er auch eine neue Solo-Performance-Kunst entwickelt: „Der Raum als Instrument“.

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Wir trafen uns mit Holger, der lange Jahre als Autor für STICKS tätig war, in der Redaktion für ein Update-Interview zu seinen zahlreichen spannenden Aktivitäten.

Interview

Seit einiger Zeit schon widmest du dich einem Projekt, die Klänge des Raums zu spielen. Wie funktioniert das? Wie gehst du da ran und welche Mittel, Instrumente und Werkzeuge setzt du dabei ein?

Der Klang eines Raumes wurde für mich immer wichtiger, je mehr ich an der Hochschule in Köln interdisziplinär mit Tänzern zusammen gearbeitet habe. Das habe ich gute zehn Jahre lang gemacht. Anfangs habe ich einfach Percussion gespielt, und zu meinen Grooves wurde getanzt. Später habe ich dann auch die Tänzer in Percussion unterrichtet. Dann wurde der Wunsch immer größer, mit den Tänzern in der Improvisation zu interagieren. Also habe ich mein Percussion-Set zunächst mal mitten in den Tanzraum hineingestellt. Als nächsten Schritt habe ich dann diverse einzelne Instrumente aus meinem Set genommen und bin damit im Raum herumgegangen und habe also meine Position verändert, während ich mit den Tänzern agiert habe. Das bekam dann schon eine eigene künstlerische und auch ästhetische Aussage. Der letzte Schritt war es dann, keine Instrumente mehr zu verwenden und nur noch den Raum zu bespielen. Der Raum wurde also zum Instrument. Das Ganze war allerdings nicht so stringent, wie ich es jetzt geschildert habe, da kamen noch andere Dinge ins Spiel, zum Beispiel, dass ich mich immer mehr für Kunst interessiert habe. So habe ich dann begonnen, die reinen musiktechnischen Dinge mal beiseite zu lassen, und so meine eigene musikalische Sprache zu finden, jenseits von Traditionen.

Ich kann mich noch daran erinnern, dass du vor einigen Jahren mal den Parkettboden in der Redaktion mit einem Schlägel bespielt hast, der eine Art Gummiball als Kopf hatte und sehr interessante Sounds und Rhythmen damit gemacht hast.

Da hatte ich schon seit einiger Zeit begonnen, konkret den Boden eines Raumes zu bespielen. Das begann bei einer Duo-Performance mit einer Tänzerin. Der Regisseur dieser Performance hatte einen Teil eingebaut, bei dem ich den Boden ziemlich heftig, wie bei einem Wutausbruch betrommele. Als ich dann Promo-Videos mit Hang, Cajon und anderen Instrumenten für meine Website und YouTube gemacht habe, hat die Video-Regisseurin gemeint, dass ich doch auch mal so eine Boden-Trommel-Performance aufnehmen sollte. Ich hatte das bei dem Dreh mal so beiläufig gemacht, und sie fand das richtig toll. Witzigerweise ist von den geplanten Videos genau dieses übrig geblieben, da ich die anderen auf einmal nicht mehr so mochte. Das gab es ja auch alles schon.

Da kamen dann also verschiedene Sachen zusammen?

Ja, und ich fand den Gedanken schon immer schön, dass Musik und Kunst überall sind. und es eine Sache des Moments ist und nicht der Frage, habe ich jetzt das Equipment oder nicht. Es ist so, dass ich autark und mündig bin zu sagen, okay, ich möchte jetzt was machen! Ohne jetzt das perfekte Schlagzeug zu haben oder ein anderes Instrument, auf das ich angewiesen bin. Und für mich als Perkussionist arbeite ja sehr … hm, rudimentär, im Vergleich zu anderen Instrumentalisten. Als Perkussionist kann ich mit meinen Händen alles zum Klingen bringen.

Du setzt auch spezielle Schlägel ein, um damit nicht nur mit den Händen den Boden, sondern auch die Objekte im Raum zu bespielen und neue Klänge zu kreieren.

Das begann auch schon vor über zehn Jahren, da bin ich auf der Frankfurter Musikmesse quasi über die Gong-Reiber von Michael Konrath von Konklang „gestolpert“, und habe damit dann angefangen, auf allen möglichen Oberflächen – Metall, Glas, Kunststoff – herumzureiben und Sounds zu machen. Die waren aber gar nicht für harte Beanspruchung ausgelegt, und so sind dann meine ersten Signature-Sticks, die Capsticks, entstanden. Auch die Reibe-Schlägel haben wir dann weiterentwickelt, die sind auch stabiler geworden. Wenn ich zu meinen Performances „Der Raum als Instrument“ komme, dann habe ich nur eine kleine Tasche dabei, da ist alles drin was ich brauche.

Und diese Schlägel und „Elastix“ sind auch alle aus den unterschiedlichsten Materialien und in diversen Größen, um so die speziellen Sounds zu erzeugen?

Ja, genau. Je kleiner der Schlägelkopf, desto tendenziell höher ist der Sound, und je nachdem wie hart ich den Gegenstand bereibe oder bespiele, desto höher wird auch der Klang. Außerdem sind die Köpfe aus unterschiedlichen Gummis, bzw. auch aus Naturkautschuk. Ein nahezu unkaputtbarer Schlägel hat einen Hartgummiball und einen Federstahlgriff. Die anderen Reiber nutzen sich im Lauf der Zeit natürlich ab. Und je nachdem wie stark ich reibe oder spiele hinterlasse ich auch mal durch den Abrieb eine visuelle Spur auf dem Untergrund, zum Beispiel auf einem Spiegel oder einer großen Glasscheibe, ein bisschen gelb vom gelben Schlägel oder schwarz vom Schwarzen.

Neben der rhythmisch-perkussiven Ebene gibt es ja auch noch die melodisch-tonale Ebene, die du mit deinen Tools erzeugst.

[…]

Das ganze Interview gibt´s in STICKS 01-02/2020!

 


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Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
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