Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
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Die Geschichte eines mobilen Schlagzeugs

Interview: Marcus Möller und das Bummklack

Marcus Möller und das Bummklack(Bild: Dieter Stork)

Alles begann vor etwa acht Jahren, als Marcus Möller einen Drummer-Kollegen in einer „mobilen Band“ vertreten sollte. Auf Nachfrage erklärte man ihm, dass die Musiker dieser Party & Cover-Band alle mit ihren Instrumenten sich frei im Publikum bewegen konnten – auch mit dem Schlagzeug!

Das war natürlich kein normales Drumset, sondern ein echtes Unikat. Es bestand, so erzählt Marcus „… aus einem auf 3 bis 4 Zoll Tiefe abgesägten Floor-Tom, an den man mal selbstbewusst die Flex angesetzt hatte …“, einer Sonor Jungle Snaredrum, einem massiven und daher schweren Sonor Marching Tragegestell inklusive Beckenhalter und Cymbal. So konnte man sich nicht nur frei bewegen, sondern auch während des Laufens spielen. Die Idee war es, ,,dass der Drummer sowohl Bassdrum als auch Snaredrum dabei spielen konnte. Leider sah das Ganze nicht wirklich gut aus und klang auch nicht gerade sehr inspirierend“, so Marcus. „Ungewohnt war es auch, dass man nun die Bassdrum auf der rechten und die Snaredrum auf der linken Seite hatte. Marching Drums waren mir wohl vertraut, aber das war nun wirklich was ganz Neues. Ich dachte dann, dass man das doch eigentlich auch richtig schön machen könnte, und wenn man bestimmte Details richtig macht, dann müsste das doch auch richtig geil klingen können.“

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Und so war dann die Idee zum Bummklack geboren?

Das wurde konkreter, als ich dann fest in diese Band namens Combo-Combo eingestiegen bin. Mit der Zeit hatte ich mir einiges überlegt und auch schon einen Plan im Kopf, aber so etwas umzusetzen ist dann doch nicht so einfach. Erst mal fehlte mir dann die Zeit, weil ich so viele Gigs gespielt habe und dann kamen ja auch zwei Kinder. Man schaut sich ja auch erst mal auf dem Markt um, ob es so was vielleicht schon gibt, bevor man ein solches Projekt in Angriff nimmt. Es gab aber tatsächlich nichts, auch nicht in der nordamerikanischen College-Marching-Szene. Das einzig ähnliche, was ich gefunden hatte, war das Sonor Trilok Gurtu Set. Die Idee, in eine Platte flache Drums einzulassen war also schon mal da.

Ich hab dann die Band angesprochen, wir haben intern ein „Crowdfunding“ gemacht, Material eingekauft, und ich habe dann zusammen mit einem Tischler, dem Kai Simonsen aus Uelzen, der u. a. hochwertige Congas und High End Taikos fertigt, drei Prototypen gebaut. Kai hat mich total unterstützt, ein komplett neues Instrument zu entwickeln. Ich weiß noch, wie wir die Trommeln meines Mobilsets zur Skizzierung des Instruments auf so eine weiße Ikea-Schrank-Rückwand gelegt haben. Dann haben wir markiert, wo ich mir den Griff und die Aufnahme für den Beckenhalter vorstelle, wo die Snareteppich-Abhebung platziert sein muss und wie die Stimmschrauben versetzt sein mussten, damit das ganz kompakt wurde. Dann hatten wir also eine erste Zeichnung, auf der ich dann zwei Keller-Kessel platziert habe, damit wir die richtige Spielposition hatten, eine 10″ Snaredrum und eine 14″ Bassdrum. Kai hat mir dann den ersten Prototypen aus einer Tischlerplatte gebaut und mir zugeschickt. Der war aber zu schwer, und der nächste Prototyp hatte dann eine leichtere Basisplatte. Davon hat Kai mir dann drei richtig „handschmeichlerisch“ schöne Instrumente gebaut.

Hast du denn da schon daran gedacht, daraus eine Kleinserienfertigung zu machen?

Nein, zu der Zeit dachte ich gar nicht, dass irgendwer sonst so was spielen möchte. Diese drei sollten nur für mich und unsere Band sein. Die gibt es heute noch, und ich spiele da auch noch drauf. Die Jungs aus der Band waren auch sehr angetan, denn das sah richtig gut aus, und es klang auf einmal tierisch gut. (lacht)

Bummklack Prototyp
Der Prototyp von unten. Mit nachträglich aufgebrachtem Kantenschutz und der „alten“ Halterung.

Aber gab es bei den Auftritten denn keine Nachfragen nach diesem ungewöhnlichen Instrument?

Genau das passierte dann! Bei einem Auftritt vor so etwa 100 Leuten sind bestimmt auch ein, zwei Schlagzeuger dabei, und genau die kamen zu mir und fragten, was das denn sei und wo man so was kaufen kann. Als da immer mehr Anfragen kamen, habe ich mir überlegt, wie man denn so was wohl an den Start bringen könnte.

Schließlich bin ich Schlagzeuger und verdiene mein Geld mit dem Schlagzeugspielen in Bands und im Studio. Ich hatte auch nicht daran gedacht, eine Firma zu gründen. Ich hab mich dann mit meiner Frau beraten, wie man so etwas professionalisiert. Dann habe ich unheimlich viel herumtelefoniert, hauptsächlich nach Lieferanten für die Materialien und Herstellern, die mir die Grundplatten machen konnten, denn so was mit den ganzen präzisen Aussparungen und Bohrlöchern macht man nicht in einer Garage. Also musste ich eine Tischlerei suchen, die bereit war, die Platte in kleiner Stückzahl zu fertigen, was dann nach langem Suchen auch gelang. Dann habe ich noch jemanden gefunden, der mir Rohlinge von Holzringen macht, die ich dann selber fertigstellen muss. Das kleinste Problem waren die Kessel, da gibt es einen sehr netten älteren Herrn aus dem schwäbischen. Und bei den Fellen hab ich mich einfach getraut mal bei Evans anzurufen und die waren auch sehr nett und haben sich sogar gefreut, dass ich ihre Felle da drauf machen will. Diese Einkaufstour hat unheimlich lange gedauert, bis ich alles zusammen hatte.

Prototyp des Bummklack
Der Prototyp des Bummklack nach ca. 250 gespielten Gigs.

Und dann konntest du endlich loslegen?

Ich bin zwar Schlagzeuger und kein Tischler, doch die ersten etwa 25 Stück habe ich tatsächlich selbst gebaut. Das war dann eine ziemlich steile Lernkurve, was das anbelangt, und es hat bestimmt ein halbes Jahr gedauert, bis ich mit dem Ergebnis überhaupt zufrieden war. Das liegt auch daran, dass ich als Schlagzeuger von total guten Instrumenten verwöhnt bin. Ich hab zum Beispiel ein Canopus-Endorsement und die bauen einfach unglaublich gute Drums. So was ist für mich der Qualitätsmaßstab. Ich selbst kriege das leider nicht hin, aber immerhin so gut, dass ich als Drummer mich über die Qualität freuen würde, wenn ich das Paket mit meinem Bummklack öffne. Das habe ich wohl auch hinbekommen, denn bisher ist kein Bummklack zurückgekommen und niemand hat etwas reklamiert.

Die erste Halterung des Bummklack, eine umgebaute Marching-Snaredrum-Halterung von Pearl.

Hast du diese Bummklacks auch selbst lackiert?

Nein, ich hatte mich gegen eine Lackierung entschieden, zum einen aus klanglichen Gründen, andererseits auch, weil ich das nicht selbst machen kann und Fachleute beauftragen müsste. Ich verwende ein allergikerfreundliches Wachs-Öl für die Oberflächenbehandlung. Das hat auch einen Spritzwasser-abweisenden Effekt. Einmal habe ich Dank des Kontakts meiner Schwägerin in einer Lackiererei ein Custom-Bummklack in Red Sparkle machen lassen, das sah super toll aus, wie eine Discokugel in Rot. Doch der Lackierer meinte, dass er das nie wieder machen würde, denn die ganzen Bohrungen und Löcher abzukleben sei bei dem Ding einfach eine Sauarbeit! (lacht)

Bummklack
So sieht das Bummklack in der heute erhältlichen „Natural“-Version aus: sehr viel Holz und sehr wenig Metall.
Bummklack unten
Das Bummklack „Natural“ von unten gesehen, mit der neuen Halterung. Die „Bassdrum“-Seite ist wie ein Concert-Tom ausgeführt, also ohne Resonanzfell.

Gab es denn keine Anfragen nach einem farbigen Bummklack?

Doch, die gab es schon, manche meinten auch, das sähe ihnen zu sehr nach „Ikea“ aus. Doch dann kam ein entscheidender Wendepunkt in der Bummklack-Geschichte. Ich habe auch in der Percussion-Band Beats And Noises von Knuth Jerxsen gespielt, und der meinte, ich solle doch mal das Bummklack zu einer Show mitbringen, bei der wir auch mitten im Publikum spielen sollten. Dabei habe ich die Schlagzeugerin Susanna Hanke kennengelernt und ihr erzählt wie viel Arbeit ich gerade mit den Bummklack-Aufträgen habe. Sie meinte, ich solle mal Stefan Emmerich fragen, der die Tres Lados Cajons herstellt, ob er nicht Tipps für mich hätte, wie ich das effizienter machen könnte. Prima Idee, denn Stefan und seine High End Cajons kannte ich schon, und ich wollte ihn eigentlich wegen betriebswirtschaftlicher Dinge – Steuern und Patentrecht und so – mal anrufen und fragen, wie er das so macht und das mit der Familie und den Kindern alles unter einen Hut bringt.

Wir haben uns dann auf einen Kaffee getroffen, ich hab ihm dabei das Bummklack gezeigt, darauf gespielt, ihn darauf spielen lassen und er meinte dann auf einmal, dass das gut in sein Konzept passen würde und er gerne für mich den Bau des Bummklack übernimmt. Ich war zwar damals mit der Fertigung echt am Vollanschlag, doch auf die Idee war ich einfach nicht gekommen.

Wir waren uns von Anfang an sympathisch und kamen dann auch schnell zu einer Vereinbarung. Und jetzt ist es so, dass Stefan die Bummklacks auf dem höchstmöglichen Fertigungsniveau für mich herstellt. Und die Herstellung bei und durch Stefan bedeutet auch, dass man jetzt nicht nur die „Natural“-Version eines Bummklack bekommen kann, sondern gegen Aufpreis auch farbig lackierte und sogar auch Custom-Anfertigungen eines Bummklack mit Schriftzügen und Sonderlackierung.

Bummklack

Bummklack
Detailaufnahmen der neuen Bummklack-Halterung. Über zwei
Exzenterscheiben lässt sich der Spielwinkel verstellen, und das ganze Gerät lässt sich an den Körper heranklappen.

Gibt es auch Sondermodelle mit Extras oder nur die eine Version in unterschiedlichen Ausführungen?

Extras sind noch mal ein anderes Thema. Zurzeit gibt es das Bummklack und das Bummklack Lefty. Es gab Anfragen von Drummern, die Linkshänder-Drumset spielen und die die „Bassdrum“ gerne auf der anderen Seite haben wollten. Es gibt die Überlegung, ein Bummklack XL mit 16″ Bassdrum und 12″ Snare zu machen, da ist allerdings noch eine Menge Entwicklungsarbeit zu leisten, denn das Ding darf ja nicht zu schwer werden. Und es gibt die Überlegung, eine Kids-Version zu machen, da viele Musikschulen großes Interesse am Bummklack gezeigt haben, weil die Kids darauf nur mit den Händen schon richtig trommeln können, ohne die Füße einsetzen zu müssen, was den Zugang zum Instrument und zur Musik erleichtert. Die Kids-Version wird wahrscheinlich auch etwas kleiner und eventuell aus Kunststoff hergestellt, so dass es auch leicht genug ist, dass die Kids damit rumlaufen können. Beim normalen Bummklack empfiehlt es sich, dieses für Kinder zum Spielen auf einen Ständer zu montieren.

Ein „Custom“-Bummklack in Rot und Schwarz lackiert. Hier auf einem Standard-Doppel-Tom-Ständer.

Derzeit gibt es also die Basis-Version des Bummklack und Bummklack Lefty in „Natural“ oder als farbig lackierte Version, wobei wir allerdings keine Sparkle-Lackierungen anbieten können. Außerdem sind auch Custom-Versionen erhältlich, wie das hier im Foto gezeigte Modell für die Kölner Band Kasalla in Rot und Schwarz. Es gibt im Cajon-Bereich eine ganze Menge interessante Zubehör-Add-ons, die man mit Klettband auch auf einem Bummklack befestigen kann. Möglicherweise werden wir auch einige solcher Add-ons selbst anbieten – und eine Transporttasche!

Und vielleicht wird das Bummklack ja demnächst auch etwas internationaler, erste Anfragen aus Nord- und Südamerika sind schon da, denn das Bummklack kann auch ein tolles Instrument für den Straßenkarneval in Rio oder New Orleans sein. Mal schauen, wohin die Bummklack-Reise noch geht!

Bei dieser Reise wünschen wir dir und auch Stefan viel Erfolg!

Profil Marcus Möller

Jahrgang: 1975

Sternzeichen: Stier

geb. in: Husum

lebt in: Fliesteden bei Köln

reist gerne nach: Nordfriesland & Portugal

isst gerne: vietnamesisch

Lieblings-Bands/Musiker:

Paul McCartney, Sting, Nate Smith, John Mayer, Foo Fighters, Gretchen Parlato uva.

Lieblings-Bücher:

Die Korrekturen – Jonathan Franzen

Deutschstunde – Siegfried Lenz

Middlesex – Jeffrey Eugenidis

Lieblings-Film:

Der Pate

Musik für die Insel:

  • Beatles – alles
  • Nate Smith – Kinfolk
  • Miles Davis – Kind Of Blue

Musiker, die ihn beeinflusst haben:

Jeff Porcaro, Ringo Starr, Dave Weckl, Vinnie Colaiuta, Paul McCartney, Sting, Stevie Wonder, Marvin Gaye, Bill Stewart, Brian Blade, Larry Goldings, Peter Bernstein uva.

Youtube-Tipps:

NATE SMITH drum solo at Dakota Jazz *dropped stick:

John Mayer – Stop This Train (HD):

Marcus Möller auf YouTube:


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Produkt: Sticks 07-08/2019
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STEWART COPELAND - Orchester-Rausch! +++ LUIS RIBEIRO (The World of Hans Zimmer) +++ YAMAHA Live Custom Hybrid Oak Drums +++ LP PRO Tambourines +++ K ZILDJIAN Cluster Crash Cymbals

Kommentare zu diesem Artikel

  1. kan man das set kaufen ? Und wo/wie ?
    So sieht das Bummklack in der heute erhältlichen „Natural“-Version aus: sehr viel Holz und sehr wenig Metall.

    Gruss,
    Sven

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