Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums
Nicholas Collins rockt die „Still Not Dead Yet“-Tour von Phil Collins

Interview: Nicholas Collins

Nicholas Collins(Bild: Tom Schäfer)

Als Phil Collins 2016 seine „Not Dead Yet“-Tour ankündigte, war die Sensation perfekt. Nicht nur hatte er sich aus den düsteren Klauen seiner jüngsten Vergangenheit befreit, auch seine eingespielte Band mit Daryl Stuermer, Leland Sklar, Brad Cole, Ronnie Caryl und Harry Kim war wieder am Start. Dass sein Sohn Nicholas hinter dem collinsschen Gretsch Concert-Tom-Kit Platz nehmen würde, sorgte für eine Überraschung. Collins war wieder da – und zwar in doppelter Ausführung.

Das ganze Interview gibt’s in STICKS 11-12/2019!

Seinem Sohn die Drumsticks zu übergeben, war angesichts dessen jungen Alters und dementsprechend noch wenig Erfahrung risikobehaftet. Doch als ich Nic vor zwei Jahren während der ersten Tour-Etappe traf, begegnete mir ein smarter Junge, der einen soliden Drummerjob ablieferte. Im Juni 2019 trafen wir uns erneut zum Interview Teil 2. Und wieder gab es eine Überraschung, denn Nic hatte in der Zeit einen echten Quantensprung vollzogen. Seine High Dynamic Drumpower und ein starkes Selbstbewusstsein ließen einen Drummer erkennen, der als Motor der Phil Collins Band klare Statements setzt. Ein überaus sympathischer, freundlicher und bodenständiger Nicholas Collins redet in diesem Gespräch über die Collins-Drumgrooves, über Sounds und seine Position in der Tourband.

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Interview

Nic, als wir uns vor zwei Jahren zu unserem ersten Interview trafen, war es gerade der Anfang der Not Dead Yet Tour. Inzwischen habt ihr etliche Tour-Legs gespielt und dein Spiel erscheint mir wesentlich relaxter, impulsiver und dynamischer?

Nic Collins: Stimmt, ich bin sehr viel mehr drin im Thema als noch vor zwei Jahren. Damals war ich sehr damit beschäftigt, alles richtig zu machen und mich möglichst nicht zu verhauen. (lacht) Inzwischen kann ich die Songs genießen und muss mich nicht mehr auf den Drumpart konzentrieren. Ich kann der Band zuhören, alles ist zusammengewachsen, wir machen Musik!

Du bist routinierter geworden in allem?

Nic Collins: Mein Schlagzeugspiel in dieser Band hat an Beständigkeit gewonnen. Auch das innere Timing hat sich im Laufe der Tour gefestigt und ich spüre, dass ich auch motorisch und spieltechnisch geschmeidiger geworden bin. Das heißt aber nicht, dass ich hier eine Routine abspule. Ich versuche in jeder Show meinen besten Drumpart zu spielen. Alle Shows spiele ich mit dem Bewusstsein 100% Musikalität zu geben. Das Publikum soll gut gemachte Musik hören, denn jeder gibt viel Geld für ein Ticket aus. Aber sicherlich gibt es immer auch Kritiker, denen irgendetwas nicht gefällt, die vielleicht auch mein Schlagzeugspiel nicht so toll finden, nur weil es nicht Phil Collins ist, der da hinten sitzt. Da muss ich drüberstehen und man braucht ein gewisses Selbstbewusstsein.

Du bist jetzt im selben Alter wie damals dein Vater, als er seine Drummer-Karriere begann.

Nic Collins: Ich glaube er war neunzehn als er bei Genesis einstieg …

… und er hat die langjährige Aufbauphase der Band miterlebt – das Touren durch kleine Clubs und Zeiten der Entbehrungen. Du hingegen setzt dich ans Schlagzeug und spielst direkt vor zigtausend Menschen. Ist das nicht krass?

Nic Collins: Das ist sogar total verrückt! Dieser Sprung von eigentlich Nichts in diese Arenaliga ist ein riesiges Privileg für mich – zum einen überhaupt in diese Situation gekommen zu sein und zum anderen mit Topmusikern spielen zu dürfen. Ich werde hier voll respektiert, bin also nicht „der junge Typ am Schlagzeug“, sondern fühle mich als Teil der Band.

Die Entscheidung deines Vaters, dich als Drummer zu verpflichten, war sicherlich risikoreich angesichts deines jungen Alters und deiner Erfahrung. Ist es dein Vorteil ist, dass du seine Songs schon von Kind auf kennst?

Nic Collins: Besser als jeder andere, der die Songs erst lernen müsste. (lacht) Ich bin mit der Musik meines Vaters aufgewachsen. Sie war allgegenwärtig. Die Songs sind mir total vertraut.

Die Songs zu kennen und diese dann in echt zu trommeln ist noch mal eine andere Welt, oder?

Nic Collins: Ja, ich musste weit zurückgehen und mir die alten Platten anhören, auf denen er selber getrommelt hat. All diese berühmten Songs zu spielen und verantwortlich für den Drive zu sein, ist noch mal eine andere Nummer. Hinzu kommt noch der Phil-Collins- Drumsound, den ich ja auch in gewisser Weise reproduzieren muss.

Und es ist ein sehr signifikanter Sound. Bedarf es dafür eine bestimmte Spielart? Oder hat der Klang des Gretsch Concert Tom Kits auch einen Anteil am Phil-Collins-Sound?

Nic Collins: Die traurige Wahrheit ist, dass eine Menge Collins-Sound in der Tatsache des Concert-Tom-Konzepts begründet liegt. Ich spiele das gleiche Set wie mein Vater, sogar in denselben Größen mit 8″ bis 18″ Rack-Toms inklusive einer 20er-Bassdrum. Ein wichtiger Klangcharakter ergibt sich zudem aus der Art des Tunings. Das Spektrum der Toms reicht vom sehr perkussiv und hoch gestimmten 8er bis zum tief und powervoll klingenden 18er.

Nicholas Collins(Bild: Tom Schäfer)

Aber die Haltung und ein gewisser Approach prägt den Sound ebenso, oder?

Nic Collins: Es ist eine Spielart, die prinzipiell minimalistisch ist und nicht auf virtuos schnelles Spiel abzielt. Die Fill-ins haben oft einen Wiedererkennungswert. Mein Vater hat ja nie diese dichten Rolls über die Toms gespielt, sondern häufig mit akzentuierten Figuren gearbeitet. Jeder Groove eines Songs hat auch einen gewissen Schwerpunkt, der zur Signatur beiträgt. „Paradise“ zum Beispiel hat den härtesten Snarebeat, den man sich vorstellen kann. Der Backbeat ist hier eine wichtige Energiequelle. Oder bei „Billy Don’t Loose My Number“ sind es die markanten Tom-Fills, die als kompositorische Elemente wichtig sind. Das alles muss man spielerisch bewusst inszenieren. Die Leute wollen ja genau das auch hören! Das hat mich eine Menge Arbeit gekostet, diese elementaren Drumparts mit aller Intensität authentisch klingen zu lassen. Hätte ich hier ein klassisches Double Headed Kit, würde ich diese Sounds niemals hinbekommen. Es liegt also viel an den Drums selber, aber ebenso viel an der Attitüde, einen Groove zu formen. Und man muss die Songs verdammt gut kennen. Da bin ich halt im Vorteil.

Dennoch hat es oft den Eindruck, als wären viele PC-Grooves wie „Sussudio“, „Paradise“ etc. geradlinig durchgenagelt. Wie sieht es aus mit Dynamik?

Nic Collins: Das dynamische Spiel ist extrem wichtig für die bewusste Klanggestaltung! Die Snare bei „You Can’t Hurry Love“ spiele ich mit ganz anderer Intensität als bei „Paradise“. Eigentlich ist das dynamische Spiel zwischen Snare, Kick, Hi-Hat und Toms bei jedem Stück anders. Jeder Song verlangt nach einer speziellen Intensität. Die Spielart der Toms bei „In The Air Tonight“ ist komplett anders als bei „Billy Don’t Loose My Number“. Das „In The Air“-Fill spiele ich wirklich sehr hart und laut. Das effektiert einen bestimmten Sound. Je härter man spielt, desto trockener klingen die Toms. Spiele ich sie nur leicht an, dann entfalten sie sogar eine gewisse Resonanz.

Phil Collins(Bild: Tom Schäfer)

Es gibt da einen sehr interessanten Groove-Part am Ende von „In The Air Tonight“. Dort bricht der Drum- Groove aus der Form und kommuniziert mit den Vocals, wodurch sich eine spannende rhythmische Überlagerung entwickelt.

Nic Collins: Ja, das ist so ein Polyrhythm-Ding. Irgendwie gelingt es mir, das ganz intuitiv zu spielen. Wahrscheinlich weil ich es schon so oft gehört habe. Aber wenn du mich jetzt fragst, wie man diese Rhythmik runterbricht und analysiert – also da muss ich passen! (lacht) Ich habe ja den pumpenden Roland CR-78-Sound im InEar, und es ist ein bisschen tricky, diesen überlagerten Drum- Groove mit der Maschine synchron zu halten. So was Ähnliches passiert auch am Ende von „Dance Into The Light“. Das sind so die typischen Collins-Polyrhythmen. Erstaunlich, dass mein Vater dazu auch noch gesungen und das alles alleine gespielt hat. Das ist ganz schön heftiges Zeug! (lacht)

Wie viel Drummer-DNA von Phil-Collins steckt in dir?

Nic Collins: Phil war mein erster Drum-Hero. Und er ist der einzige Grund, warum ich Schlagzeug spiele. Als Drummer spielt er eine große Rolle in meinem Leben. Phil war immer mein Ansprechpartner, wenn ich was über Schlagzeugspielen wissen wollte. Insofern ist meine ganze Welt des Schlagzeugs mehr als deutlich von ihm beeinflusst.

Aber er war nicht dein direkter Lehrer?

Nic Collins: Er hat sich nie zu mir ans Schlagzeug gesetzt, um mich zu unterrichten. Das finde ich auch gut so, denn so konnte ich meine eigenen Erfahrungen machen. Er hat mir nie seine Meinung übergestülpt, damit ich ein eigenständiger Drummer werde und keine Kopie. Unterrichtet wurde ich in Miami von John-Pierre Espiritusanto, einem absoluten Drumfreak. Er ist sehr erfahren mit allen Spektren des Drummings und der einzige Drumteacher den ich hatte.

Dein Vater hat dir bestimmt doch eine Menge wichtiger Ratschläge mit auf den Weg gegeben.

Nic Collins: Dad war für mich immer der heimliche Mentor. Phil hat mir sehr viel Musik vorgespielt und mir erklärt, woher das alles kommt. Und er hat mir beigebracht, wie wichtig es ist, die Seele eines Songs zu erfassen. Denn nur dann findet man den Weg für den richtigen Drum-Groove. Ich glaube, das war einer der wichtigsten Ratschläge, die ich mir zu Herzen genommen habe. Das war nicht immer leicht für mich zu verstehen, denn ich wollte ja am Anfang einfach nur trommeln und Spaß haben. Zudem hat sich Dad auch gerne Demos von meiner eigenen Band angehört. Allerdings hatte ich Hemmungen ihm die Stücke vorzuspielen, denn ich war nicht sicher, ob er unsere Songs vielleicht in Grund und Boden kritisieren würde. (lacht)

Wie stehst du denn zu Up & Coming Drummern eurer jungen Generation?

Das ganze Interview gibt’s in STICKS 11-12/2019!


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Produkt: Sticks 09-10/2019
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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Witzig dass Ihr das Interview mit Nic geführt habt und jede seiner Antworten mit “Phil Collins” beginnt ?! 🙂

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    1. Hi Bernd, Danke für den Hinweis! Ist bereits korrigiert.

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