Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
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Nicholas Collins rockt die „Still Not Dead Yet“-Tour von Phil Collins

Interview: Nicholas Collins

Nicholas Collins(Bild: Tom Schäfer)

Als Phil Collins 2016 seine „Not Dead Yet“-Tour ankündigte, war die Sensation perfekt. Nicht nur hatte er sich aus den düsteren Klauen seiner jüngsten Vergangenheit befreit, auch seine eingespielte Band mit Daryl Stuermer, Leland Sklar, Brad Cole, Ronnie Caryl und Harry Kim war wieder am Start. Dass sein Sohn Nicholas hinter dem collinsschen Gretsch Concert-Tom-Kit Platz nehmen würde, sorgte für eine Überraschung. Collins war wieder da – und zwar in doppelter Ausführung.

Seinem Sohn die Drumsticks zu übergeben, war angesichts dessen jungen Alters und dementsprechend noch wenig Erfahrung risikobehaftet. Doch als ich Nic vor zwei Jahren während der ersten Tour-Etappe traf, begegnete mir ein smarter Junge, der einen soliden Drummerjob ablieferte. Im Juni 2019 trafen wir uns erneut zum Interview Teil 2. Und wieder gab es eine Überraschung, denn Nic hatte in der Zeit einen echten Quantensprung vollzogen. Seine High Dynamic Drumpower und ein starkes Selbstbewusstsein ließen einen Drummer erkennen, der als Motor der Phil Collins Band klare Statements setzt. Ein überaus sympathischer, freundlicher und bodenständiger Nicholas Collins redet in diesem Gespräch über die Collins-Drumgrooves, über Sounds und seine Position in der Tourband.

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Interview

Nic, als wir uns vor zwei Jahren zu unserem ersten Interview trafen, war es gerade der Anfang der Not Dead Yet Tour. Inzwischen habt ihr etliche Tour-Legs gespielt und dein Spiel erscheint mir wesentlich relaxter, impulsiver und dynamischer?

Stimmt, ich bin sehr viel mehr drin im Thema als noch vor zwei Jahren. Damals war ich sehr damit beschäftigt, alles richtig zu machen und mich möglichst nicht zu verhauen. (lacht) Inzwischen kann ich die Songs genießen und muss mich nicht mehr auf den Drumpart konzentrieren. Ich kann der Band zuhören, alles ist zusammengewachsen, wir machen Musik!

Du bist routinierter geworden in allem?

Mein Schlagzeugspiel in dieser Band hat an Beständigkeit gewonnen. Auch das innere Timing hat sich im Laufe der Tour gefestigt und ich spüre, dass ich auch motorisch und spieltechnisch geschmeidiger geworden bin. Das heißt aber nicht, dass ich hier eine Routine abspule. Ich versuche in jeder Show meinen besten Drumpart zu spielen. Alle Shows spiele ich mit dem Bewusstsein 100% Musikalität zu geben. Das Publikum soll gut gemachte Musik hören, denn jeder gibt viel Geld für ein Ticket aus. Aber sicherlich gibt es immer auch Kritiker, denen irgendetwas nicht gefällt, die vielleicht auch mein Schlagzeugspiel nicht so toll finden, nur weil es nicht Phil Collins ist, der da hinten sitzt. Da muss ich drüberstehen und man braucht ein gewisses Selbstbewusstsein.

Du bist jetzt im selben Alter wie damals dein Vater, als er seine Drummer-Karriere begann.

Ich glaube er war neunzehn als er bei Genesis einstieg …

… und er hat die langjährige Aufbauphase der Band miterlebt – das Touren durch kleine Clubs und Zeiten der Entbehrungen. Du hingegen setzt dich ans Schlagzeug und spielst direkt vor zigtausend Menschen. Ist das nicht krass?

Das ist sogar total verrückt! Dieser Sprung von eigentlich Nichts in diese Arenaliga ist ein riesiges Privileg für mich – zum einen überhaupt in diese Situation gekommen zu sein und zum anderen mit Topmusikern spielen zu dürfen. Ich werde hier voll respektiert, bin also nicht „der junge Typ am Schlagzeug“, sondern fühle mich als Teil der Band.

Die Entscheidung deines Vaters, dich als Drummer zu verpflichten, war sicherlich risikoreich angesichts deines jungen Alters und deiner Erfahrung. Ist es dein Vorteil ist, dass du seine Songs schon von Kind auf kennst?

Besser als jeder andere, der die Songs erst lernen müsste. (lacht) Ich bin mit der Musik meines Vaters aufgewachsen. Sie war allgegenwärtig. Die Songs sind mir total vertraut.

Die Songs zu kennen und diese dann in echt zu trommeln ist noch mal eine andere Welt, oder?

Ja, ich musste weit zurückgehen und mir die alten Platten anhören, auf denen er selber getrommelt hat. All diese berühmten Songs zu spielen und verantwortlich für den Drive zu sein, ist noch mal eine andere Nummer. Hinzu kommt noch der Phil-Collins- Drumsound, den ich ja auch in gewisser Weise reproduzieren muss.

Und es ist ein sehr signifikanter Sound. Bedarf es dafür eine bestimmte Spielart? Oder hat der Klang des Gretsch Concert Tom Kits auch einen Anteil am Phil-Collins-Sound?

Die traurige Wahrheit ist, dass eine Menge Collins-Sound in der Tatsache des Concert-Tom-Konzepts begründet liegt. Ich spiele das gleiche Set wie mein Vater, sogar in denselben Größen mit 8″ bis 18″ Rack-Toms inklusive einer 20er-Bassdrum. Ein wichtiger Klangcharakter ergibt sich zudem aus der Art des Tunings. Das Spektrum der Toms reicht vom sehr perkussiv und hoch gestimmten 8er bis zum tief und powervoll klingenden 18er.

Nicholas Collins(Bild: Tom Schäfer)

Aber die Haltung und ein gewisser Approach prägt den Sound ebenso, oder?

Es ist eine Spielart, die prinzipiell minimalistisch ist und nicht auf virtuos schnelles Spiel abzielt. Die Fill-ins haben oft einen Wiedererkennungswert. Mein Vater hat ja nie diese dichten Rolls über die Toms gespielt, sondern häufig mit akzentuierten Figuren gearbeitet. Jeder Groove eines Songs hat auch einen gewissen Schwerpunkt, der zur Signatur beiträgt. „Paradise“ zum Beispiel hat den härtesten Snarebeat, den man sich vorstellen kann. Der Backbeat ist hier eine wichtige Energiequelle. Oder bei „Billy Don’t Loose My Number“ sind es die markanten Tom-Fills, die als kompositorische Elemente wichtig sind. Das alles muss man spielerisch bewusst inszenieren. Die Leute wollen ja genau das auch hören! Das hat mich eine Menge Arbeit gekostet, diese elementaren Drumparts mit aller Intensität authentisch klingen zu lassen. Hätte ich hier ein klassisches Double Headed Kit, würde ich diese Sounds niemals hinbekommen. Es liegt also viel an den Drums selber, aber ebenso viel an der Attitüde, einen Groove zu formen. Und man muss die Songs verdammt gut kennen. Da bin ich halt im Vorteil.

Dennoch hat es oft den Eindruck, als wären viele PC-Grooves wie „Sussudio“, „Paradise“ etc. geradlinig durchgenagelt. Wie sieht es aus mit Dynamik?

Das dynamische Spiel ist extrem wichtig für die bewusste Klanggestaltung! Die Snare bei „You Can’t Hurry Love“ spiele ich mit ganz anderer Intensität als bei „Paradise“. Eigentlich ist das dynamische Spiel zwischen Snare, Kick, Hi-Hat und Toms bei jedem Stück anders. Jeder Song verlangt nach einer speziellen Intensität. Die Spielart der Toms bei „In The Air Tonight“ ist komplett anders als bei „Billy Don’t Loose My Number“. Das „In The Air“-Fill spiele ich wirklich sehr hart und laut. Das effektiert einen bestimmten Sound. Je härter man spielt, desto trockener klingen die Toms. Spiele ich sie nur leicht an, dann entfalten sie sogar eine gewisse Resonanz.

Phil Collins(Bild: Tom Schäfer)

Es gibt da einen sehr interessanten Groove-Part am Ende von „In The Air Tonight“. Dort bricht der Drum- Groove aus der Form und kommuniziert mit den Vocals, wodurch sich eine spannende rhythmische Überlagerung entwickelt.

Ja, das ist so ein Polyrhythm-Ding. Irgendwie gelingt es mir, das ganz intuitiv zu spielen. Wahrscheinlich weil ich es schon so oft gehört habe. Aber wenn du mich jetzt fragst, wie man diese Rhythmik runterbricht und analysiert – also da muss ich passen! (lacht) Ich habe ja den pumpenden Roland CR-78-Sound im InEar, und es ist ein bisschen tricky, diesen überlagerten Drum- Groove mit der Maschine synchron zu halten. So was Ähnliches passiert auch am Ende von „Dance Into The Light“. Das sind so die typischen Collins-Polyrhythmen. Erstaunlich, dass mein Vater dazu auch noch gesungen und das alles alleine gespielt hat. Das ist ganz schön heftiges Zeug! (lacht)

Wie viel Drummer-DNA von Phil-Collins steckt in dir?

Phil war mein erster Drum-Hero. Und er ist der einzige Grund, warum ich Schlagzeug spiele. Als Drummer spielt er eine große Rolle in meinem Leben. Phil war immer mein Ansprechpartner, wenn ich was über Schlagzeugspielen wissen wollte. Insofern ist meine ganze Welt des Schlagzeugs mehr als deutlich von ihm beeinflusst.

Aber er war nicht dein direkter Lehrer?

Er hat sich nie zu mir ans Schlagzeug gesetzt, um mich zu unterrichten. Das finde ich auch gut so, denn so konnte ich meine eigenen Erfahrungen machen. Er hat mir nie seine Meinung übergestülpt, damit ich ein eigenständiger Drummer werde und keine Kopie. Unterrichtet wurde ich in Miami von John-Pierre Espiritusanto, einem absoluten Drumfreak. Er ist sehr erfahren mit allen Spektren des Drummings und der einzige Drumteacher den ich hatte.

Dein Vater hat dir bestimmt doch eine Menge wichtiger Ratschläge mit auf den Weg gegeben.

Dad war für mich immer der heimliche Mentor. Phil hat mir sehr viel Musik vorgespielt und mir erklärt, woher das alles kommt. Und er hat mir beigebracht, wie wichtig es ist, die Seele eines Songs zu erfassen. Denn nur dann findet man den Weg für den richtigen Drum-Groove. Ich glaube, das war einer der wichtigsten Ratschläge, die ich mir zu Herzen genommen habe. Das war nicht immer leicht für mich zu verstehen, denn ich wollte ja am Anfang einfach nur trommeln und Spaß haben. Zudem hat sich Dad auch gerne Demos von meiner eigenen Band angehört. Allerdings hatte ich Hemmungen ihm die Stücke vorzuspielen, denn ich war nicht sicher, ob er unsere Songs vielleicht in Grund und Boden kritisieren würde. (lacht)

Nicholas Collins' Schlagzeug(Bild: Tom Schäfer)

Wie stehst du denn zu Up & Coming Drummern eurer jungen Generation?

Na ja, da gibt’s schon etliche gute Leute in der Szene und Schlagzeuger, die technisch wahnsinnig versiert sind. Was mir ein bisschen fehlt, das sind die Persönlichkeiten, die es in früheren Zeiten gab. Schau dir einen Nick Mason an. Er ist ein simpler Trommler, aber er weiß genau, was der Song braucht. Ohne ihn würde Pink Floyd nicht so klingen. Dafür sind die spieltechnischen Fertigkeiten der jüngeren Drummer-Generationen wesentlich ausgeprägter. Man hat das Bewusstsein für Song-Dienlichkeit genauso auf dem Schirm wie die Fähigkeit, irrsinnige Drumsoli auszupacken.

Wenn ich ein paar Namen von jüngeren Drummern nennen sollte, dann wären das Max Portnoy – der Sohn von Mike Portnoy – oder auch Ben Thatcher von der Band Royal Blood. Was der spielt ist völlig abgefahren und doch irgendwie aufgeräumt. Dann finde ich Jon Theodore von Queens of the Stone Age wie vom anderen Stern. Er spielt nicht nur das ganze Bonham-Zeug in dieser Band, sondern erweitert das alles noch mit rhythmisch irrsinnigen Figuren und trommelt einfach crazy, ohne auch nur einen Beat zu verpassen.

Was sagt dein Vater zu den Groovetracks, die du für die Collins-Tour ausgearbeitet hast? Gab es da auch schon mal Ansagen?

Es ist ja klar, dass er gewisse Vorstellungen hat, wie seine Songs klingen sollen. Manchmal gibt er mir Tipps einen Groove von der Auffassung aus einer anderen Perspektive zu betrachten, oder zumindest eine Alternative mal auszuprobieren. Er ist niemals diktierend, sondern immer positiv in der Kritik im Sinne von „Hey, probier doch mal dies und das …“

Zum Beispiel?

Bei der Albumversion von „Dance Into The Light“ spielte er nach der Bridge ein bestimmtes Fill. Dieses hatte ich nur in abgewandelter Form übernommen. Aber er bat mich, dieses Fill möglichst genau zu covern, weil es für ihn im Song-Kontext eine bedeutende Rolle spielt. Ein typisches Collins-Ding, das er unbedingt haben wollte. Ansonsten gab es bei den Proben auch viele allgemeine Diskussionen was die Reihenfolge der Songs und Tempi angeht. Denn je nach Tour-Abschnitt, sei es USA, Europa, Australien oder anderswo, muss man die Setlist ein bisschen umstellen. Und dies bedingt auch manchmal Songtempi. Wenn die Tour dann läuft, weiß man spätestens bei der vierten Show, ob das Set stimmig ist.

Nicholas Collins' Schlagzeug(Bild: Tom Schäfer)

Bei der Phil Collins Tour schlüpfst du in eine definierte Rolle was Sounds und Grooves angeht. Wie klingt denn der wirkliche Nicholas Collins. Was ist dein persönlicher Style?

Was und wie ich bei Phil Collins spiele, ist ein wichtiger Teil von mir. Ich verstelle mich ja nicht, versuche aber dem Sound der Band gerecht zu werden. Grundsätzlich verstehe ich mich als Rockdrummer. Und wenn es um die Energie geht, dann sind mir Dave Grohl, Chad Smith oder auch Taylor Hawkins sehr nahe. Ich checke viel aus und suche stets nach coolen Drummern, die einen inspirieren können. Inspiration ist eine wunderbare Sache und hat nichts mit kopieren zu tun. Groove ist für mich wichtiger als alles andere. Und auch der eigene Sound zeichnet die Kontur eines Schlagzeugers.

Ein kleiner Abstecher in die Nicholas Collins Rock-Welt. Du hast auch eine eigene Band. Geht es damit voran?

Wir arbeiten dran, mussten aber inzwischen wegen einer kleinen Umbesetzung unseren Namen ändern und heißen jetzt Fifty Eight Hundred. Wir wollen uns in der nächsten Zeit intensiv um neue Songs und Recordings kümmern. Zwischendurch haben wir auch immer wieder Auftritte.

Habt ihr eine Fanbase und kommen viele zu den Gigs, weil sie wissen, dass du der Sohn bist von Phil Collins?

Nein, wir machen Clubgigs und scheuen uns auch nicht vor sieben Zuschauern aufzutreten. Niemand weiß, wer ich bin. Wir machen unsere eigene Musik und erwarten auch nicht, dass die Band plötzlich durch die Decke geht. Ein langsamer Entwicklungsprozess ist gesund für das Band-Klima. Früher haben wir nach anderen Bands geschielt und wollten z. B. klingen wie die Chili Peppers. Das ist eine Zeit lang okay für eine junge Band. Aber jetzt arbeiten wir an unserer eigenen Identität und feilen an unserem Sound, was uns relativ leicht fällt, weil wir als Freunde gemeinsam aufgewachsen sind. Wir wollen uns nicht reinreden lassen von irgendwelchen Plattenfirmen, sondern machen unser Ding.

Nicholas Collins' Schlagzeug(Bild: Tom Schäfer)

Wie klingt denn Nicholas Collins in der Rockband?

Mein Approach in der Band ist wesentlich lockerer, was auch mit der Stimmung der Drums zu tun hat, die sehr viel resonanzvoller und fetter klingen. Bei Fifty Eight Hundred spiele ich ein Gretsch double headed Kit, also ein komplett anders klingendes Set mit 24″ x 18″ Kick plus 14er-Rack-Tom sowie 16er- und 18er-Floor-Toms. Im Prinzip ein John-Bonham-Setup, wobei ich mir in collinscher Gewohnheit noch zwei Concert Toms in 8″ und 10″ gönne. Zudem spiele ich Crashes mit Dark-Charakteren.

Du bist auch ein ziemlich guter Pianoplayer. Kann es sein, dass du in die Fußstapfen deines Vaters trittst und mal eigene Songs rausbringst?

Nein, das sehe ich nicht als Ziel meiner Karriere. Ich schreibe zwar Songs, aber diese sind eher für meine Band gedacht. Es ist von Vorteil, wenn man als Drummer Ahnung hat von Harmonien. Aber grundsätzlich beschäftigt mich das Schlagzeugspielen mehr als alles andere.

Worin liegt generell für dich die Faszination des Schlagzeugspielens?

Für mich war es immer faszinierend im Zentrum eines lauten Systems zu sein. Das Schlagzeug ist ein Instrument, das in seiner Unmittelbarkeit die Emotionen des Spielers freisetzen kann. Wenn jemand tanzt, dann nicht wegen einer schönen Melodie, sondern wegen des Drum-Grooves. Und wenn ich von der Bühne aus sehe, dass Leute in der Arena tanzen, dann weiß ich, dass der Groove stimmt. Das Schlagzeug hat ein sehr großes Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten, die stark von der Prägung des Spielers abhängen. Würde an meiner Stelle Chester Thompson hier spielen, dann hätte die Band einen komplett anderen Sound, selbst wenn seine und meine Drumparts rhythmischen identisch wären. Die Spielart eines Drummers ist extrem ausschlaggebend für den Sound einer Band. Und das finde ich sehr besonders.

Was mich auch brennend interessiert sind die vielfältigen technischen Aspekte des Schlagzeugs, die Bauarten, Hölzer, Hardware, die vielen Neuerungen usw. Ich kann mich in Fachartikel vertiefen und in diese Welt stundenlang abtauchen. Kein anderes Instrument bietet seitens Technik und Design so vielfältige Möglichkeiten.

Nicholas Collins(Bild: Tom Schäfer)

Das Bassdrum-Double-Pedal ist heute bei den meisten Drummern zum Standard geworden. Du hingegen spielst ein Single-Pedal?

Double-Pedal hatte ich eine Zeit lang mal probiert. Aber das passt nicht zu mir. Ich bin Rockdrummer und dieses metalmäßige Geballer berührt mich musikalisch nicht. Da höre ich mir lieber einen John Bonham an, der mit einem Fuß mehr gemacht hat als andere mit zwei Pedalen. Weder bei meiner eigenen Band und schon gar nicht bei Phil Collins würde die Double-Bass-Kick einen sinnvollen Zweck erfüllen. Außerdem spiele ich hier eine kleine 20er-Kick. Die würde unter einem Double-Pedal wahrscheinlich den Geist aufgeben. Und was manche Drummer wie Mike Mangini, Thomas Lang oder so mit Doublebass machen, ist ja fast schon absurd. (lacht) Ich habe genug an meiner Single-Pedal-Technik zu üben und will mir gegenüber auch ehrlich sein und das spielen, was ich kann und was mich überzeugt. Ehrlich gesagt … (grinst) … mich hat auch immer der fummelige Aufbau genervt. (lacht)

Wir müssen auch unbedingt über das neue Drum-Feature bei der Collins-Show reden. Dieser Part ist legendär und mit einer der Höhepunkte. Das Drum-Duett mit dir und Richie Garcia ist eine komplett andere Nummer geworden und hat nichts mit dem zu tun, wie es vorher war mit Luis Conte.

Richtig, vorher war es eher eine Aneinanderreihung einzelner Solospots. Jetzt haben wir ein regelrechtes Groove-Arrangement festgelegt. Natürlich hat jeder seine Takte, in denen er improvisieren kann, aber in den Hauptbestandteilen ist das Duett eine ausarrangierte Drum-Nummer. Richie hat wirklich tolle Ideen angebracht und die Wechsel zwischen 7/8, 6/8 und 4/4 bringen enorm viel Spannung rein. Vor allem wenn Richie seinen ganzen crazy polyrhythmischen Stuff spielt, da bete ich jedes Mal, dass ich nicht rausfliege. (lacht) Er ist ein wirklich sensationeller Percussionist. Und das macht die Sache auch für mich super cool. Zudem glaube ich, dass man unseren Grooves gut folgen kann. Schließlich machen wir keine abgedrehten Sachen in 13/8, die niemand versteht.

Nicholas Collins' Schlagzeug(Bild: Tom Schäfer)

Das Duett ist klar strukturiert und enthält überraschende Momente durch clevere Akzentverschiebungen, so dass die Nummer einen gewissen Anspruch hat und trotzdem durchschaubar bleibt. Wir spielen auch einige Synchron-Parts und das klingt dann ziemlich fett. Auch die Idee meinen Dad zu involvieren ist uns wohl ziemlich gut gelungen. Phil ist ja überhaupt kein Cajon-Spieler und wie er auf dem Teil trommelt hat nichts mit irgendeiner traditionellen Technik zu tun. Aber er hat für sich einen Weg gefunden, wie man aus der Kiste Sound rausholt. Und die Fans feiern ihn dafür. Das ist einfach Phil! Auch das Einbeziehen des Publikums durch einen Mitmach- und Mitklatsch-Part erzeugt den Effekt von Nähe. Somit ist das Drum-Duett nicht die abgehobene Sensationsnummer, sondern unser Beitrag, eine Sympathie-Brücke zum Publikum herzustellen.

Gibt es einen Song in der Show, den du als besonders tricky vom Schlagzeugspiel bezeichnen würdest?

Hmm … „Billy Don’t Loose My Number“ hat im Prinzip einen klaren und geradlinigen Groove. Das Schwierige bei der Nummer ist jedoch, die Hi-Hat im Tempo 158 konstant durchzuziehen. Das Stück hat die Tendenz schneller zu werden. Da muss ich mich echt konzentrieren, die Time zu halten und gleichzeitig die wichtigen Hits nicht zu verpassen. „You Can’t Hurry Love” und „Dance Into The Light“ haben ebenfalls recht simpel gestrickte Drumparts. Diese Songs brauchen Feel und Dynamik, damit sie gut klingen. Man kann die Nummern nicht einfach wegtrommeln. Jeder Beat muss ganz bewusst sein. Man muss sich wahrhaftig in jeden Song hineinversetzen, denn es geht darum, das Publikum in jene Zeit zurückzuführen, in denen die Songs entstanden sind. Wir spielen einen großen Querschnitt aus Phils langer Karriere mit Songs von Genesis und auch frühe Nummern von Phils erstem Album „Face Value“. Ein „Best Of“-Programm also mit sehr unterschiedlichen Tracks wie das R&B-Soul-mäßige „Missed Again“ über straighte Rock-Titel wie „Easy Lover“ bis hin zu „Sussudio“, einer klassischen Pop-Nummer. Um den Vibe der Songs zu erzeugen, versuche ich möglichst nah am Original zu bleiben. Ich kann ja hier nicht auf Dave Grohl machen. (lacht)

Wie ist es für dich vor 40.000 Fans zu spielen? Bist du nervös oder ruhst du in dir?

Als ich mit 16 meinen ersten Gig mit Dad spielte, war ich echt nervös … but now it’s just like second nature … die Band ist total eingespielt und da kann nichts schiefgehen. Ich sehe auch gar nicht so viel vom Publikum. In einem Stadion ist alles weit weg. Was ich hauptsächlich sehe ist mein Schlagzeug mit den hoch hängenden Toms. Wenn die Show anfängt und ich mich ans Schlagzeug setze, ist das zwar Adrenalin, aber ich habe auch ein sicheres Gefühl, weil ich weiß, dass der Sound draußen bombastisch gut ist. Ich kann die Show echt genießen und es ist total cool, wenn die Leute mitgehen und meinen Dad feiern. Dann weiß ich, dass ich alles richtig mache!

Nicholas Collins' Schlagzeug(Bild: Tom Schäfer)

Equipment

„Still Not Dead Yet“ World Tour 2018/2019

Drums: Gretsch USA Custom

  • 20″ x 14″ Bassdrum (ohne Frontfell)
  • 8″ x 6″ Concert Tom
  • 10″ x 6″ Concert Tom
  • 12″ x 8″ Concert Tom
  • 15″ x 12″ Concert Tom
  • 16″ x 16″ Concert Tom
  • 18″ x 18″ Concert Tom

Snaredrums: Gretsch

  • 14″ x 7″ USA Custom Maple
  • 13″ x 6“ Hammered Chrome over Brass

Cymbals: Sabian (v.l.n.r.)

  • 10″ O-Zone/8″ AA Splash Stack
  • 14″ X-Celerator Hats
  • 16″ Artisan Crash
  • 19″ Artisan Crash (2x)
  • 21″ Artisan Dry Ride
  • 20″ Artisan Crash
  • 16″ Artisan Crash
  • 21″ AA Holy China

Hardware

  • Stative & Rack: DW
  • Pedale: DW 9000

Felle: Remo

  • 8″ Tom: Diplomat clear
  • 10″ bis 18″ Toms: Ambassador clear
  • Snaredrums: Ambassador coated/Ambassador Snare
  • Bassdrum: Ambassador coated

Drumsticks: Promark Nicholas Collins Signature

Elektronik: Roland SPD-SX

Extras: Porter & Davies BC2 & BC2 Round Throne Monitor LP Cajon


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Produkt: Sticks 07-08/2019
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STEWART COPELAND - Orchester-Rausch! +++ LUIS RIBEIRO (The World of Hans Zimmer) +++ YAMAHA Live Custom Hybrid Oak Drums +++ LP PRO Tambourines +++ K ZILDJIAN Cluster Crash Cymbals

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Witzig dass Ihr das Interview mit Nic geführt habt und jede seiner Antworten mit “Phil Collins” beginnt ?! 🙂

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    1. Hi Bernd, Danke für den Hinweis! Ist bereits korrigiert.

      Auf diesen Kommentar antworten

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