Produkt: Sticks 11-12/2019
Sticks 11-12/2019
MARK SCHULMAN – Stadion-Rock mit Pink! +++ Nicholas Collins +++ Richie Gajate-Garcia +++ REPORT: Dresdner Drum & Bass Festival 2019 +++ LUDWIG Heirloom Anniversary Snaredrum +++ UFIP Experience Balst Cymbals +++ MAPEX Design Lab Cherry Bomb Drums 2470
Percussion für Phil Collins

Interview: Richie Gajate Garcia

Richie Gajate Garcia(Bild: Tom Schäfer)

Er zählt zu den Top Ten der gefragtesten Latin Percussion Player dieses Planeten. Die Liste der Künstler, die Richie Gajate Garcia mit seinen Percussion-Grooves verwöhnt hat, liest sich wie das Who’s Who der Popstars. Seine einzigartigen multiperkussiven Fähigkeiten brachten ihm den Namen El Pulpo ein – The Octopus.

Der Name Richie Gajate Garcia steht ebenso Pate für innovative Entwicklungen von Percussion-Instrumenten. Nicht nur das berühmte LP Gajate-Bracket hat die Möglichkeiten perkussiver Pedalspielweisen revolutioniert, auch designte er für Sabian so manche Cymbal-Exoten. Richie Gajate Garcia, der jüngst den Honorable Doctor Of Fine Arts erhielt, wurde von seinem Doktor-Bruder Phil Collins für die „Still Not Dead Yet“-Welt-Tournee verpflichtet. Wir trafen den sympathischen Richie kurz vor der Show im Kölner Rheinenergie Stadion zum Gespräch über seine puertorikanischen Wurzeln, über „El Pulpo“ und die Tricks der Phil Collins Pop-Percussion.

Anzeige

Interview

Richie, dass du plötzlich im Rampenlicht der „Still Not Dead Yet“-Tour stehst, hat für Überraschung gesorgt. Die Phil Collins Band mit neuem Percussionisten! Wie kam es dazu?

Phil habe ich bei den Recordings zur Walt-Disney-Produktion „Tarzan“ kennengelernt. Um die dichte Atmosphäre an Trommelrhythmen und Effekten umzusetzen, wollte er mit zwei Percussionisten arbeiten. So waren Luis Conte und ich die beiden Auserwählten. Luis hatte mich damals empfohlen. Ein weiteres Mal buchte er mich für die Filmmusik von „Brother Bear“. Ein paar Jahre später trat Phil bei einem Event im Rahmen seiner „Little Dreams Foundation“ in der Schweiz auf. Luis war damals nicht verfügbar und Phils Manager erinnerte sich an mich. Also holte Phil mich rüber in die Schweiz. Luis ist ein verdammt vielbeschäftigter Player und als Phil Collins die „Still Not Dead Yet“-Tour plante, war Luis bereits bei James Taylor verpflichtet. Zuerst dachte ich, dass es um ein paar Vertretungs-Gigs ginge. Aber dann buchte mich Phil für die komplette Welttour! Nicht schlecht … (lacht) …ich kann mich nicht beklagen!

Du kommst ursprünglich aus Puerto Rico und bist somit in einer Rhythmus-affinen Kultur geboren.

Geboren wurde ich in New York, aber aufgewachsen bin ich in Puerto Rico. Wir haben ähnliche Wurzeln wie die Kubaner. Puerto Rico ist deutlich von der Latin-Kultur geprägt. Das hat auf meine Lebensart natürlich abgefärbt. Auch mein Vater hatte einen großen Einfluss auf mich. Er spielte Congas und hatte in den 1940er-Jahren seine große Zeit als Musiker. Zudem war er eng befreundet mit Tito Puente. Als kleiner Junge hatte ich die einmalige Gelegenheit, Tito bei uns zuhause spielen zu sehen.

War die musikalische Prägung zuhause für dich eine starke Motivation ein Leben als Profimusiker einzuschlagen?

Anfangs machte ich das nur zum Spaß, so hobbymäßig. Da kamen gerade die Beatles auf und die Stones. Plötzlich sprießten überall Amateur-Bands aus dem Boden, und alle wollten den Sound nachspielen. Finanziell waren wir in der Familie nicht so gutgestellt, um ein Schlagzeug zu kaufen. Aber mein Vater hatte ja noch die Congas, Bongos, Timbales! Also schleppte ich die ganzen Latin-Instrumente zu Local Bands und so fing alles an. Ich genoss das Leben bis zu jenem Moment, als der Einberufungsbescheid zum Militär ins Haus flatterte. Man wollte mich nach Vietnam schicken. Sofort hat mein Vater interveniert und alles in die Wege geleitet, dass ich nach der High School direkt aufs College kam. Er schickte mich nach Springfield, Illinois, damit ich dort was Business-mäßiges studiere. Aber dieses Studium lag mir überhaupt nicht. Ich hatte Sehnsucht nach Musik. Zufällig lag direkt neben dem Uni-Gebäude das Music Department. Meine Ohren wurden immer länger, ich nahm Kontakt auf und befand mich unverhofft mitten in einer Bigband-Probe. Die Dozenten entdeckten mein Talent als Percussion-Player und unterrichteten mich.

Mit meinem Associate Degree vom Junior College wechselte ich zum American Conservatory Of Music nach Chicago. Dann bekam ich einen Gig als Bongospieler bei der Show „I Dream Of Jeannie“ mit Barbara Eden. Frank Valli & The Four Seasons sahen die Show, engagierten mich vom Fleck weg, und das war der Beginn meiner irrsinnig aufregenden Karriere. Ich war John Denvers Drummer und Percussionist, spielte mit Art Garfunkel, Diana Ross, Christopher Cross, Don Henley, Sting, Stevie Wonder und unzähligen anderen. Auch als Percussion Teacher hatte ich Erfolg. Von mir sind vier Lehrbücher erschienen und drei Instructional Videos. Etliche LPInstrumente tragen meinen Namen. Und meine Karriere hält immer noch an. Zurzeit arbeite ich viel in L.A. und unterrichte in Hollywood. Letztes Jahr wurde ich auch noch vom Lincoln College mit dem Ehrendoktor of Fine Arts ausgezeichnet. Ich denke, die Sache in meinem Leben ist ganz gut gelaufen! (lacht)

Du hast Tourneen mit sehr unterschiedlichen Künstlern gespielt. Wie findest du jedes Mal den Zugang zu so verschiedenen Styles?

Eine Sache habe ich in meinem Leben früh schon gelernt – nämlich so vielseitig zu sein wie nur möglich! Obschon mein Background Latin Music ist, habe ich immer versucht, auch andere Styles zu lernen und zu spielen. Meine naturgegebene Kenntnis um die Syncopated Rhythm World hat mir geholfen mich musikalisch überall zurecht zu finden.

Aber gerade John Denver, Old School Country Music – was macht man da als Percussionist?

Dachte ich anfangs auch – schließlich bin ich ein Latin Player! (lacht) Aber dann hörte ich mir Denvers Musik genauer an und versuchte zu erkennen wie der Drummer die Musik interpretiert. Ich arbeitete Konzepte aus, damit sich die Percussion mit den Drums verknüpfen konnte. Selbst bei einem Denver-Song wie „Country Roads“ kann man wunderbare Conga-Patterns spielen, die auch eine gewisse Tragfähigkeit haben. Ich habe immer versucht zu ergründen, wo der Kern eines Songs zu finden ist. Außerdem ist es wichtig, den musikalischen Spirit eines Künstlers zu verstehen. Dann sind Entscheidungen, die passenden Sounds und Grooves zu entwickeln, wesentlich zielgerichteter. Vielleicht bin ich ja deshalb einer der gefragtesten Percussion Player auf diesem Planeten.

Latin Percussion ist deine rhythmische DNA, doch im Pop-Kontext ist eine perkussive Dominanz eher nicht angesagt.

Durch die Latin Percussion verfüge ich über eine große Spannbreite an Spieltechnik. Dennoch besteht das große musikalische Konzept darin, die richtigen Elemente herauszufiltern, um sie einem bestimmten Style anzupassen. Auch bei Phil Collins geht es um klare Groove-Konzepte. Zwar spiele ich jede Menge Latin-Instrumente,

aber nicht im Sinne von Latin-Grooves. Ein Salsa-Gig ist eine andere Welt. Es gibt fantastische Conga-Spieler, die mich wahrscheinlich in Grund und Boden trommeln würden, aber in ihrem Latin-Gefüge fest verhaftet sind. Die könnte man nicht bei Phil Collins einsetzen, weil sie nur ihr Latin-Ding machen. Hier gibt es aber kein Guaguanco und auch kein Mambo. Wenn ich bei Collins einen Latin-Type Rhythmus spiele, dann breche ich den Groove so auf, dass er sich dem Pop-Kontext fügt und nicht latin-mäßig klingt.

Richie Gajate Garcia(Bild: Tom Schäfer)

Wie hast du dich auf die „Still Not Dead Yet“-Tour vorbereitet?

Ich bin hier quasi als Sub für Luis Conte reingerutscht. Luis hat die letzten zwanzig Jahre den Percussion-Part bei Phil Collins geprägt. Zunächst mal habe ich mir die Tracks angehört, die Luis zuvor gespielt hat. Das ist für mich prinzipiell der Startpunkt, um zu erfahren, worum es grundsätzlich geht. Phil hatte mich zudem nach Paris eingeladen, um eine Show zu sehen. Denn ich wollte nicht nur Luis Percussion über Audiotracks hören, sondern ihn auch physisch erleben, in Aktion auf der Bühne. Bei so einem Big Gig ist es mir wichtig, die Gesamtwirkung auszuloten. Zunächst habe ich mich vorsichtig an die Songs herangetastet und einige Ideen von Luis übernommen.

Allerdings ist Luis jemand, der in einem Song bei einem Instrument bleibt und entweder Congas oder Bongos oder Timbales spielt. Mein Konzept ist da ganz anders gestrickt, denn ich liebe es, verschiedene Instrumente nebeneinander oder gleichzeitig zu spielen. Man nennt mich daher ja auch „El Pulpo“ – the Octopus! (lacht) Also habe ich meine Ideen zu Sounds und Grooves zunächst mal nur vorsichtig hinzugefügt, denn ich wollte sicherstellen, dass alles safe ist. Die ersten Tourproben liefen hervorragend, und Phil gab mir mehr Spielraum, um meine Visionen auszubauen. Dabei habe ich meine Ideen aber immer im Sinne des Band-Sounds entwickelt. Ich wollte einen musikalisch gehaltvollen Job machen und mich nicht als „Mister Flash“ echauffieren. Das steht mir sowieso nicht.

Was machst du komplett anders als Luis?

Das Drum-Duett. Für mich war es nicht möglich dies von Luis zu übernehmen, da Luis ein völlig anderer Spieler ist und einen ganz anderen Ansatz hat zu solieren. Also schrieb ich ein komplett neues Drum-Duett – besser gesagt ist es ein Drum-Trio geworden! Denn was mich von Anfang an beschäftigte war der Gedanke, ob und wie man Phil mit einbeziehen könnte. Er hat ja seit Jahren nicht gespielt – nicht mal einen Shaker. Durch eine plötzliche Eingebung kam ich auf die Idee mit der Cajon. Aber Phil kann nicht auf so einem Flamenco-Teil sitzen und vorne mit den Händen drauf spielen. Ich ging also zu LP und fragte nach einer Art Table-Cajon. Tatsächlich hatten die ein solches Modell, was aber nicht offiziell auf dem Markt ist. Trotzdem gaben sie mir diese Cajon und ich brachte das Ding mit zur Probe. Phil sagte: „… hmmm … sounds interesting!“

Aber Phil war skeptisch, weil die Cajon nicht besonders laut ist. Ich sagte den Technikern, sie sollen ein Mikro reinmachen und das Signal auf Phils InEar geben. Sofort hatte er ein Grinsen im Gesicht, fragte mich aber, ob das auch vor 30.000 Leuten funktionieren würde. Wir ließen die Kiste also über das PA-Soundsystem laufen, und da war dieser fette Big-Cajon-Beat. Die ganze Band schrie vor Begeisterung! Und jetzt ist diese Cajon-Nummer ein Teil des Drum-Features und letztlich auch ein zentraler Part der Phil Collins Show.

Das aktuelle Drum-Duett/Trio basiert auf durchstrukturierten Teilen. Stammen Idee und Arrangement ausschließlich aus deiner Feder oder ist es im Teamwork zwischen dir und Nicholas entstanden?

Es ist alleine mein Arrangement. Als wir es gemeinsam checkten, hat Nic allerdings ein paar Vorschläge eingebracht. Weil Phils Songs hauptsächlich auf 4/4-Rhythmen aufbauen, war meine grundsätzliche Idee, andere Metren einzusetzen, damit sich der Drum-Block von der Groove-Struktur und vom Feel absetzt. Daher beginnen wir in 7/8, wechseln dann in einen 6/8 und enden im Vierer.

Richie Gajate Garcia Percussion

Zunächst gibt es einen „Question and Response“-Teil über 7/8. Nic legt vor und ich reagiere. Dann kommt ein kleiner Solo-Teil von Nic, während ich die Grundrhythmik halte. Dieser Part führt in einem gemeinsamen Break, gefolgt vom 6/8-Teil, in dem ich schließlich eine Solo-Strecke habe und Timbales, Congas und Percussion-Toys einsetze. Auf Augenzeichen spielen wir einen weiteren Break und switchen zum 4/4. Ein weiterer Break führt schließlich zu Phils Cajon-Einsatz. Er spielt dann einen Moment alleine, während Nic und ich nach vorne gehen, unsere Cajons mitbringen und dann zu dritt auf der Vorderbühne unsere arrangierte Cajon-Nummer spielen. Hinzu kommt ein bisschen Publikumsanimation – einfache Sachen zum Mitklatschen – hey, it’s showbusiness! (lacht)

Eine klasse Idee, Phil mit einzubeziehen. Er kann auf diese Weise mal wieder trommeln!

Das war für ihn auch eine Art Break! Er kann wenigstens ein bisschen Trommeln. Und er hat ungeheuren Spaß daran. Auch an unserem Drum-Duett! Jeden Abend dreht er sich zu uns um und verfolgt genau was Nic und ich da abfeuern. Und wenn der Schluss-Break kommt, dann gehen die Spots in dem Moment voll auf Phil und er spielt vorne alleine Cajon. Das ist einer der Höhepunkte der Show.

Was erfordert es, bei Phil Collins Percussion zu spielen?

Vor allem erfordert dies viel Kreativität und Feingefühl. Ich habe jede Menge Instrumente um mich herum – Shaker, Congas, Tambourines, Surdo, Elektronik, Bongos, Effects, Djembe, Foot-Cowbells – und alle haben ihre Funktion! Da kommt viel zusammen. Meine Spezialität ist es, Instrumente zu kombinieren, also Congas mit Shakern oder Timbales-Rhythmen mit Pedal-gespielten Ostinato-Figuren. So kann ich Rhythmen schichten und ein umfangreicheres Klangbild entwickeln. Für LP habe ich einmal ein Instructional Video zu diesem Thema produziert. Daraus resultierte dann auch der Spitzname „El Pulpo“. (lacht) Diese vielschichtige Spielart kommt hier bei Phil Collins auch zum Einsatz, vielleicht nicht ganz so exponiert. Das Ziel multiperkussiver Spielweisen ist das Eintauchen in die Tiefen rhythmischer Konzepte.

Dabei spielst du viele Grooves auch mit Timbales Sticks, manchmal häufiger als reines Handspiel auf Congas oder Bongos?

Ja, weil man mich direkt zu Anfang darum bat, nicht zu viel Congas bei den Songs zu spielen. Phil Collins ist ja keine Latin Band, sondern vorwiegend rockiger Pop. Es gibt ein paar Songs, die dennoch prädestiniert sind für Congas, aber ich addiere dann gleichzeitig Sounds über meine Pedale, seien es Bells oder auch ausgewählte elektronische Sounds. Diese klangkombinierten Grooves scheinen Phil zu gefallen, und solange es ihm Spaß macht, werde ich meinen Gig hier wohl behalten. (lacht)

Im Live-Set sind auch ein paar Genesis Songs eingestreut. Original ist keine Percussion vorhanden. Du musstest also etwas Neues erfinden?

In „Throwing It All Away“ läuft zum Beispiel ein Loop. Ich versuche den Loop percussiv zu erweitern und spiele anfangs eine Cascara-Rhythmik auf den Timbales, dann addiere ich Caxixis hinzu und wechsle schließlich zu Bongos. So kann ich innerhalb des Songs verschiedene Bilder kreieren. Auch wenn die Genesis-Tracks ursprünglich keine Percussion haben, so ist Live-Percussion auf der Bühne sehr gut geeignet, um einem Song mehr Energie zu geben. Man braucht allerdings ein gutes Gespür dafür, welche Art von Percussion und welche Sounds effektiv sind. Ein Shaker ist ja oft die einfache und meist unverbindliche Lösung, aber nicht besonders kreativ. Da muss man schon tragende Figuren entwickeln und konzeptionelle Ansätze finden.

Richie Gajate Garcia

Welcher live gespielte Collins-Song ist für Percussion besonders trickreich?

Wir probierten „Billy Don’t Loose My Number“. Im Original hört man in jedem Takt auf der „Vier“ einen markanten Clapsound. Aber ich wollte diese Claps nicht elektronisch reproduzieren und auf einem Pad spielen. Das liegt mir irgendwie nicht. Lieber wollte ich diese signifikanten Sounds durch akustische Instrumente nachbilden. So kam ich auf die Idee, das El Rayo einzusetzen, ein Instrument, das ich mal für Sabian designt habe. Es ist ein Cymbal, das kleine Fingercymbals oben drauf hat. Und wenn man es anschlägt, dann kommt da ein bissiger Crash-Sound raus. Zusätzlich nahm ich noch den von JoJo Mayer entwickelten Hoop Crasher. So spiele ich beide Cymbals gleichzeitig an, um den speziellen Attack auf „Vier“ durch akustische Sounds zu ersetzen.

Während im Song ein straighter Conga-Groove läuft, muss ich also immer auf „Vier“ mit beiden Händen diesen Effektsound erzeugen. Im Chorus kommt dann übers Pedal noch eine Tamburin-Figur hinzu. Diesen Groove musste ich motorisch ganz schön checken bis er rund lief. Aber eigentlich war jedes Stück anfangs eine Herausforderung, denn mir stellte sich jedes Mal die Frage, welche Art von Percussion am effektivsten sei, ohne dabei die Tracks von Luis Conte zu kopieren. Ich wollte ja auch meine Persönlichkeit einbringen. Zudem musste ich herausfinden, auf was Phil steht. Bei straight ahead Songs wie „Sussudio“ oder „Invisible Touch“ dopple ich auch einige Beats vom Schlagzeug, manchmal mit hellen Akzenten, manchmal mit der Wucht der tiefen Surdo, um bestimmte Parts noch schubkräftiger zu machen.

Du giltst in der Percussion-Welt auch als innovativer Geist was Entwicklungen von Instrumenten angeht. Für Sabian hast du Cymbals designt und für LP etliche Innovationen geschaffen – nicht zuletzt das revolutionäre Gajate Bracket. Aktuell gibt es auch die neuen Gajate Garcia Signature Top Tuning Congas. Dein Design, deine Erfindung?

Nicht meine Erfindung, aber meine Empfehlung. Ich hatte früher schon mal Signature Congas bei LP, aber die einzige Signatur war lediglich das Finish. (lacht) Die Congas verkauften sich schlecht, weil sie schlichtweg zu bunt waren. So ging ich irgendwann wieder zu LP und trug eine Idee vor, die eigentlich aus früheren Zeiten stammt und in Vergessenheit geraten war. Mein allererstes Endorsement waren nämlich Slingerland Drums. Kaum jemand wird sich daran erinnern, dass sie auch Congas bauten. Und diese hatten bereits das Top Tuning Feature! Für eine Drum Company ist das ja gar nicht so fremd. Allerdings musste man mit einem dicken Paukenschlüssel stimmen. So empfahl ich LP eine Conga mit Top Tuning zu bauen. Zudem sollte es ein solider Fassbaukessel sein und möglichst ohne Fassringe, weil die mit der Zeit anfangen zu rappeln.

Du bist nach wie vor total passioniert, was das Entwickeln von Instrumenten angeht?

Klar, das ist irgendwie auch ein Teil meines Lebens. Ich bin damit nicht reich geworden, aber es sind zumindest bleibende Werte, die sich mit meinem Namen verbinden.

Wenn du mal zurückblickst auf deine Karriere, was ist der Unterschied zwischen dem Richie Garcia von früher und dem von heute?

Ich war früher der wilde und ungezähmte Typ, der mit Percussion die Welt erobern wollte. Heute bin ich da weitsichtiger und kann Dinge besser mit Abstand beurteilen. Ich weiß, was es heißt, auf Tour zu sein und über einen langen Zeitraum mit Kollegen die Bühne, den Tourbus oder das Flugzeug zu teilen. Ich gehe mit meinem Leben sehr verantwortungsbewusst um. Nun, heute bin ich ein älterer Mann, ich habe Kinder und bin hoffentlich ein gutes Vorbild für jüngere Generationen – so wie damals für mich auch Mongo Santamaria, Tito Puento oder mein erster Bongo-Lehrer Armando Peraza Vorbilder waren.

Richie Gajate Garcia Percussion

So versuche ich auch als Lehrer ein gutes Vorbild für meine Schüler zu sein. Einmal hatte ich in der Klasse jemanden, der sich nie an praktischen Übungen beteiligte. Ich bemerkte zwar, dass irgendwas mit seinem Bein nicht in Ordnung war, weil er Schienen trug. Aber das Trommeln lernt man nicht einfach so durchs Zuhören, und irgendwann wurde mir die Sache zu bunt und ich forderte ihn auf sich ans Schlagzeug zu setzen. Doch die Schüler meiner Klasse ermahnten mich und sagten: „Richie, er ist gelähmt, er kann nicht!“ Ich reagierte recht spontan und erwiderte „So what!“, setzte ihn ans Schlagzeug und sagte ihm, das Floor-Tom sei nun die Bassdrum, gab ihm ein dickes Mallet in die rechte Hand und einen Drumstick für die Snare in die linke Hand und sagte: „Here we go!“ Und er spielte einen fetten Rock Groove! Die Klasse stand auf und applaudierte. Jahre später bekam ich ein Schreiben von einem meiner früheren Studenten. Es war eine Nachricht jenes Schülers. Er bedankte sich im Nachhinein und erklärte, er habe jetzt eine Drum-Schule für Menschen mit Behinderungen eröffnet. So was macht glücklich!

Equipment

„Still Not Dead Yet“ World Tour 2018/2019

Percussion: LP

  • 11″ Signature Conga
  • 12″ Signature Tumba
  • 7″/8″ Signature Tilia Bongos
  • 12″ Signature Djembe
  • 18″ x 20″ Aluminium Surdo (Stand Alone Version)
  • 8″ Mini Timbale
  • 14″/15″ Bronze Timbales

Small Percussion: LP

Accent Double Tambourine Brass, Pro Double Aluminum Tambourine, Cyclops Mount Tambourine Brass, Cyclops Mount Tambourine Steel, Cyclops Mount Tambourine Dimpled Brass, Twist Shaker Medium, Twist Shaker Loud, Jam Block Red, Raw 6″ Potz, Raw 8″ Potz, Afuche/Cabasa, Caxixis, Triangel, Finger Cymbals, Solid Bar Chimes, Effect Jingles, diverse Cowbells

Cymbals: Sabian

  • 14″ HHX Hoop Crasher
  • 14″ Vault El Rayo
  • 12″, 14″ und 16″ AAX Crash

Gong: Rancan

Hardware: DW, LP, Gibraltar

DW Rack, LP Gajate Bracket, LP Percussion Table, LP Double Conga Stand, DW 5000 Pedal (mit Cowbell), Gibraltar Pedal (mit Cowbell)

Drumsticks: Vater

  • Gajate Sazon Timbale Stick
  • div. Mallets

Felle: Remo Fiberskyn (Congas)

Elektronik: Roland

  • Handsonic HPD-15
  • Roland KT-10 Kick Trigger Pedal

[10715]

Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren