Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums
Kompromisslose Beats für Long Distance Calling

Janosch Rathmer im Interview

Janosch Rathmer(Bild: Tom Schäfer)

Der magische Puls eines mächtigen Drum-Groove schraubt sich durch den Raum. Eingefangen von grellweißen Irrlichtern. Und durchzogen von sphärischen Gitarrenklängen, die bald mit tiefwuchtigen Metal-Riffs in den Groove des Schlagzeugs einfallen. Das ist der Style von Long Distance Calling, einer Band, die in den Klangtiefen Pink Floyds genauso zuhause ist wie im raffinierten Soundkosmos à la Porcupine Tree. Am Schlagzeug: Janosch Rathmer.

Janosch ist der Motor der Band und ein Drummer, der in der Dringlichkeit zielgerichteter Beats ein unmissverständliches Statement setzt.

Anzeige

Interview

Janosch, dein Live-Drumsound hat eine unglaubliche Transparenz und Durchsetzungskraft. Mit welchen Tricks arbeitest du? Das Live- Sound-Design klingt regelrecht produziert!

Janosch Rathmer: Was man hört ist die Summe aus den Geschicken unseres extrem guten Tonmanns Florian Steppke und der Art wie ich dieses Schlagzeug spiele. Es gibt keinen doppelten Boden. Wir arbeiten nicht mit Samples, weder bei Kick noch Snare und auch nicht bei den Toms. Es ist also der reine akustische Drumsound. Natürlich liegt ein EQ vom Mischpult drauf, aber ansonsten ist das der Sound, der durch meine Spielart entsteht. Florian Steppke und ich arbeiten schon viele Jahre zusammen. Er betreut auch meine andere Band Zodiac, wir haben mehrfach zusammen aufgenommen und er weiß, wie ich spiele und wie das Set klingt. Zudem haben wir eine ähnliche Vorstellung davon, wie der Drumsound zu sein hat.

Und zwar?

Janosch Rathmer: Bei Long Distance Calling muss der Drumsound druckvoll, klar, aufgeräumt und präzise sein. Gerade bei unserer instrumentalen Musik macht es viel aus, wenn das Schlagzeug einen guten Schub erzeugt, um Energie entstehen zu lassen. So wird das Schlagzeug zum gleichwertigen Instrument neben Bass und Gitarren.

Deine Drums formulieren ein klares Statement. Das Schlagzeug hat selbst in der Dichte des LDC-Klangkosmos eine gute Dominanz.

Janosch Rathmer: Das Schlagzeug ist hier kein Beiwerk. Ich höre gerne Musik, wo das Schlagzeug eine tragende Rolle spielt. Damit meine ich nicht diese Viel-Spielerei. Ich bin kein Fan von Schlagzeug-Überdosis. Wenn einer total richtig gut in the pocket spielt, dann ist es das geilste was es gibt.

Das Statement erstaunt ein wenig hinsichtlich deines Backgrounds. Metal und dichtes Drum-Gepflüge zählen doch zu deinen Wurzeln, oder?

Janosch Rathmer: Das ist wohl wahr, aber mein Spiel hat sich im Laufe der Zeit doch stark geändert und geöffnet. Heute höre ich viel HipHop, Funk, Soul und eben solche Sachen, bei denen die eher einfach gehaltenen aber dafür umso intensiveren Drum-Grooves eine wichtige Rolle spielen. Ein songdienliches und klar strukturiertes Schlagzeug fasziniert mich. Vier Minuten AC/DC gibt mir mehr als ein Drumsolo.

JANOSCH RATHMER(Bild: Tom Schäfer)

Was begeistert dich an vermeintlich einfachen und klaren Grooves? Steckt da ein imaginäres Geheimnis dahinter?

Janosch Rathmer: Es gibt Dinge, die man nicht erklären kann. Ich finde es cool, wenn ich bei einem Schlagzeuger heraushöre, wie wahnsinnig gut er ist, seine Fähigkeiten aber nicht zur Schau stellt. Man hört in dem, was er so simpel spielt, die Qualität, die dahintersteckt und das Repertoire, aus dem er schöpft. Das finde ich sehr erstrebenswert. Bei einem songdienlichen Schlagzeugspiel spürt man deutlich, ob jemand die Musik fühlt oder einfach nur dahintrommelt. Dekorative Elemente wie Ghost Notes oder ein gezielter Verschieber auf der Hi-Hat können wirkungsvoll sein, solange man das eigentliche Ziel nicht aus den Augen verliert. Wenn jemand ein straightes Pattern fühlt, imponiert mir das mehr als jemand, der virtuos unterwegs ist. Und das Ziel ist nun mal der Groove und ganz besonders auch das Aufeinander-Hören. Das geht mir bei Rock und Metal oft ein bisschen flöten. Deshalb habe ich mich viel mit Genres wie HipHop, Soul usw. beschäftigt, wo das Zusammenspiel von Bass und Schlagzeug sehr viel präsenter ist. Diese beiden Instrumente sind der Motor der Band.

Deine Drum-Grooves zeigen eine sehr klare Linie und hören sich zum Teil nach überlegten Ausarbeitungen an. Das geht mitunter regelrecht in Richtung Groove-Design.

Janosch Rathmer: Ich lasse mich immer von dem inspirieren, was ich höre, wobei die Ideen für Drum-Grooves oft aus spontanen Einfälle resultieren. Ich habe einen weit gefächerten Musikgeschmack, und dadurch bekomme ich immer wieder neue Ideen. Ich versuche unterschiedliche Dinge miteinander zu verbinden. Ich sitze also nicht im Proberaum und erdenke mir bewusst einen neuen Drum-Groove. Vieles passiert aus den Jams mit der Band heraus. Spontaneität ist dabei ein wichtiger Faktor, und selbst im Studio muss auch dem Unvorhersehbaren der nötige Raum gegeben werden, um der Kreativität ihren Lauf zu lassen. Oft ergeben sich ja aus Fehlern die tollsten Dinge – ein geiles Fill, ein cooler Groove oder ein interessantes Pattern – weil man aus Versehen mal nicht die Zählzeit trifft, die man eigentlich treffen wollte. Manchmal erlebt man dann genau diesen unvorhersehbaren „Wow“-Effekt. Allerdings finde ich es auch wichtig, eine klare Vorstellung von der gestalterischen Idee und den Möglichkeiten eines Schlagzeugs zu haben.

Diese gestalterische Idee hat ja auch etwas mit Konzept zu tun. Gerade der Track „Out There“ von eurer aktuellen Platte „Boundless“ stellt dies unter Beweis. Das Stück beginnt mit einem signifikanten Drum-Pattern, und das Schlagzeug ist thematischer Bestandteil des Songs, oder?

Janosch Rathmer: Wir hatten die Idee eines starken und kräftig klingenden Schlagzeugs mit einem dominanten Tom-Groove. Das Schlagzeug spielt im gesamten Intro eine zentrale Rolle. Es ist von der Rhythmik her nicht sonderlich kompliziert, aber es klingt kraftvoll, pulsiert und passt zum Konzept des Songs. Der Groove in seiner finalen Form ist erst im Studio entstanden und letztlich das Ergebnis einer Vereinfachung der ursprünglichen Idee, die noch eine „Four on the floor“-Bassdrum hatte. Jetzt ist es so, dass Floor-Tom und Kick sich abwechseln. Dieser Groove hat einen gewissen Hook, ein Thema, das auch hängenbleibt. Diese Signifikanz mag ich. Die Herausforderung besteht immer darin, etwas zu entwickeln, das auch für die Schlagzeuger im Publikum spannend ist, aber vor allem den unbedarften Zuhörer berührt. Der kreative Umgang mit Beats ist mir ein großes Anliegen. Einen Groove mit einer eigenen Handschrift finde ich sehr viel erstrebenswerter als die Tausendste Kopie eines Standards.

JANOSCH RATHMER(Bild: Tom Schäfer)

Deine Grooves haben eine beeindruckende Kraft und das Schlagzeug ist wahnsinnig präsent. Inwieweit spielt Dynamik bei deinem Spiel eine Rolle?

Janosch Rathmer: Auch wenn unsere Musik gerne aus harten Passagen besteht, so ist Dynamik das A und O. Klar sind ein paar Songs schon sehr auf den Punkt, aber es gibt auch andere, die mit vielen Details ausgestattet sind und Platz bieten z. B. für Ghost Notes. Unsere Musik lebt schließlich von Dynamik. Gerade die langen Songs haben unterschiedliche Dynamikstufen, wenn zum Beispiel nach einem kraftvollen Drum-Intro ein sehr leiser Mittelteil folgt, um sich gegen Ende hin mehr und mehr zu steigern. Trotzdem muss auch in den leisen Passagen alles schön da sein, weil unsere Musik sehr auf den Punkt produziert ist. Und in den heftigen Nummern ist halt heftiges Spiel angesagt. Da passen keine Ghostings, aber in anderen Passagen ist es viel verspielter und da findet auch vom Schlagzeug die Lebendigkeit der Dynamik statt. Es gibt kein entweder oder. Alles muss dem Song nützen.

Was bei Long Distance Calling ins Ohr springt, ist euer lupenreines Timing selbst bei sehr komplexen Arrangement-Parts. Akzente, Breaks, Stops und Endings kommen wie eine präzisionsgesteuerte Punktlandung. Wie geht das?

Janosch Rathmer: Die Songs werden in der Regel live alle mit Clicktrack gespielt. Das geht auch nicht anders, weil teilweise Samplesounds mitlaufen und die müssen natürlich genau getimt sein, damit sie an der richtigen Stelle kommen. Für uns hat sich herausgestellt, dass es mit Click gut funktioniert. Zudem spielen wir schon seit 13 Jahren zusammen und sind als Band homogen gewachsen. Das bewirkt ein tightes Zusammenspiel und der Click effektiert zusätzlich ein genaues Timefeel.

Wirkt der Click mitunter nicht wie ein Fremdkörper in eurer Musik mit vielen filigranen und atmosphärischen Elementen?

Janosch Rathmer: Ich höre ihn eigentlich gar nicht mehr. Er läuft zwar mit, aber ich muss mich nicht darauf konzentrieren. Meine andere Hardrock-Band Zodiac ist im Vergleich dazu sehr viel jammiger. Da gibt’s live keine Clicks. Was Zodiac von LDC noch unterscheidet ist der Gesang. Eigentlich bin ich ja auch ein Fan von Gesang. Mir macht es Spaß Melodien zu schreiben. Mein erstes Instrument war Klavier und aus dieser Zeit ist ein Harmonieverständnis hängen geblieben. Ich bin also nicht total und unbedingt aufs Schlagzeuger fixiert, sondern denke immer im Kontext des Songs. Das heißt dann auch Platz zu schaffen für Gitarren, und im Falle von Zodiac dem Sänger genügend Raum zu geben.

Long Distance Calling macht instrumentale Rockmusik. Ihr verzichtet bewusst auf Gesang und habt euch damit einen Spielraum geschaffen für ausgeklügelte Arrangements, Groove-Licks und epische Gitarrensoli. Bewirkt auch das diese signifikante Klangästhetik?

Janosch Rathmer: Früher haben wir mit Gesang gearbeitet, aber mit der aktuellen Platte „Boundless“ haben wir festgestellt, dass unser Sound instrumental am besten funktioniert. „Boundless“ ist für unsere Verhältnisse sehr heavy geworden. Vielleicht wird das nächste Album dafür etwas atmosphärischer – wer weiß. Ich habe seit kurzem das Roland SPD-SX im Einsatz, was eine Perspektive für den Einsatz elektronischer Sounds eröffnet. Vielleicht werden wir in dieser Richtung mit Klangfarben experimentieren. Da setzen wir uns keine Grenzen.

Der Sound von LDC ist eine Gratwanderung zwischen Modern Prog Styles, technisch ausgefeilt, und dann wiederum haben die ausgedehnten instrumentalen Passagen einen gewissen Progressive Touch wie man es eigentlich aus den 70er-Jahren kennt.

Janosch Rathmer: Wir haben innerhalb der Band einen sehr weit gefächerten Musikgeschmack. Das reicht von Massive Attack über Tool und Dredg bis Mogwai und Porcupine Tree. Aber es gibt eine Band, auf die wir uns alle einigen können: Pink Floyd! Die hatten ja einen sehr ähnlichen Ansatz und waren sehr revolutionär in Sachen Sounds. Das finden wir alle geil. Ansonsten gibt es auch schon mal hitzige Diskussionen im Proberaum, was denn jetzt gerade musikalisch geil ist und was nicht. Aber das ist auch sehr produktiv und hilft uns, dass wir nicht alle das gleiche hören. Unterschiedliche Einflüsse wirken sich beim Songwriting produktiv aus.

JANOSCH RATHMER(Bild: Tom Schäfer)

LDC steht Pate für die genussvolle Art des Musikmachens?

Janosch Rathmer: Zu 100 Prozent!

Welcher ist der vom Schlagzeugspiel her trickreichste LDCGroove?

Janosch Rathmer: Das Schlagzeug-Intro bei „Out There“ muss von Beginn an diese Dringlichkeit haben. Gleichzeitig braucht es Relaxtheit und Coolness. Es darf nicht angestrengt oder erzwungen klingen. Auch wenn die Energie der Grooves immer bei 100 Prozent liegt, versuche ich mein spielerisches Potenzial nicht auf Anschlag zu treiben, sondern justiere mich bei 90 Prozent ein. So kann ich mir den Space nach oben hin offen halten. Dann hat man eine gewisse Gelassenheit. Man darf nichts überspielen, sonst geht der Groove flöten.

Also kein Risikospiel?

Janosch Rathmer: Doch, das Risiko muss eingegangen werden sein. Das macht es ja auch aus. Aber ich gehe nicht so weit auf Risiko, dass ich am Limit bin. Dann nämlich läuft man Gefahr, dass Dinge in die Hose gehen, auch wenn man sie 1000 Mal geübt hat. Das Relaxte muss erhalten bleiben. Wenn ich mir etwas nicht zutraue, dann würde ich das auch nicht spielen. Dafür ist mir unsere Musik viel zu wichtig. Wir wollen unsere Songs von vorne bis hinten total im Griff haben und alles geil runterzocken. Grooves in the Pocket spielen und ab und zu Unerwartetes einbauen, dabei aber das Hauptziel nicht aus den Augen verlieren, ist für mich total wichtig.

Und das finde ich bei anderen Drummern, die das drauf haben, so bemerkenswert. Steve Jordan zum Beispiel mit dem John Mayer Trio oder Questlove von The Roots sind beides tierische Trommler. Wer mich in letzter Zeit total geflasht hat, war Nate Smith – da klappt bei mir die Kinnlade runter. Es gibt auch Drummer, die mich aufgrund ihrer Energie begeistern. Zum Beispiel ein Typ wie Eloy Casagrande, der aktuell bei Sepultura trommelt – der haut das Ding kaputt und seine Ghost Notes sind wie Betonpfeiler! (lacht) Das hat auch etwas Eigenes.

Was war dein erster Drummer-Hero damals?

Janosch Rathmer: Nicko McBrain von Iron Maiden! Er hat es im Rock/Metal-Bereich geschafft, einen eigenen Stil zu etablieren. Er spielt eigentlich Swing im Metal, zumindest hat er einen sehr swingigen Stiefel drauf. Ich finde Schlagzeuger mit einem solch musikalischen Charisma großartig.

Hast du eigentlich Schlagzeug studiert?

Janosch Rathmer: Nein. Ich bin zu 90 Prozent Autodidakt. Der größte Einfluss für das Schlagzeugspielen ging immer übers Hören. Wenn ich etwas gehört habe, das mir gefallen hat, dann habe ich mich hingesetzt und es so lange geübt, bis ich es konnte.

Siehst du in der autodidaktischen Vorgehensweise Vorteile, weil man sich nicht einem Lehrerformat fügt und daher konsequenter einen eigenen Charakter entwickeln kann?

Janosch Rathmer: Bausteine wie Rudiments habe ich am Anfang natürlich gelernt. Aber ich würde mich auch heute nicht hinsetzen und mir stundenlange Übungen reinziehen. Themen, die mich bewegen sind Dynamik, Sound und Groove. Groove ist für mich das A und O des Schlagzeugspielens. Grundsätzlich sehe ich für meine schlagzeugerische Entwicklung den Vorteil, dass meine eigene Kreativität auch zu einem gewissen, eigenständigen Sound geführt hat. Die ganzen amerikanischen Gospel-Chop-Drummer sind technisch auf einem Weltklasse-Niveau, aber viele von ihnen klingen recht gleich. Hingegen ich einen Nicko McBrain immer heraushöre. Er ist nicht der Supertechniker, aber er spielt mit Charakter. Mich faszinieren Drummer, die das haben.

JANOSCH RATHMER(Bild: Tom Schäfer)

Musikalischen Ausdruck am Schlagzeug stellst du konsequent der technischen Raffinesse voran?

Janosch Rathmer: Ich war nie jemand, der unbedingt als Drummer herausstechen wollte oder die technisch krassesten Dinge drauf hat. Ein Drummer’s Drummer zu sein war nie mein Ziel. Ich will keine Musik spielen, die nur Schlagzeuger hören können oder die nur Drummer geil finden. Mir geht es um Musik, die alle geil finden. Das Schlagzeug ist für mich der Motor einer Band. Als Schlagzeuger bist du letztlich derjenige, der entscheidet, wie und ob sich die Leute bewegen. Das ist nicht der Sänger! Es ist der Schlagzeuger! Und auch ist das Schlagzeug der entscheidende Faktor, wie der Groove der Band transportiert wird.

Was bedeutet für dich Groove?

Janosch Rathmer: Dass man es als Drummer schafft, die Leute dazu zu bringen, sich zu bewegen. Groove ist ein Begriff, der viel mit Emotion zu tun hat.

Welche war eine wichtige musikalische Entscheidung in deinem Leben?

Janosch Rathmer: Mit ein paar Leuten damals ein „Spaßprojekt“ namens Long Distance Calling zu gründen! Mittlerweile hat mich die Band in zwanzig Länder geschickt. Zudem darf und durfte ich mit vielen großartigen Musikern bei LDC und Zodiac und all den anderen Projekten zusammenspielen!

Studio-Talk

Wo habt ihr das Album „Boundless“ aufgenommen?

Janosch Rathmer: In den Principal Studios in Senden, und produziert hat es Vincent Sorg. Es ist die zweite Platte, die wir mit ihm gemacht haben. Vincent produziert ja auch Bands wie Die Toten Hosen, Donots, Broilers, In Extremo usw., aber das Erstaunliche bei allen Produktionen ist, dass man beim Drumsound immer den Schlagzeugraum im Principal deutlich heraushört. Das ist so ein Markenzeichen.

Liegt das auch an Vincent Sorgs Philosophie der Schlagzeugmikrofonierung?

Janosch Rathmer: Eine zentrale Rolle für den Drumsound spielen bei ihm die Raummikros und die Overheads. Und da klingt natürlich der Raum ordentlich mit.

War dir diese Klangästhetik bei den Aufnahmen zu „Boundless“ wichtig?

Janosch Rathmer: Ein Schlagzeugsound entscheidet sich genau da: Raum und Overheads. Für mich sind Kick, Snare, Hi-Hat das Zentrum. Wenn das nicht geil klingt auf einer Platte, dann ist die ganze Platte vom Sound her scheiße. Vincent geht noch einen Schritt weiter und sagt, einen guten Sound einer Platte erkennt er an der Snare. Wenn die Snare nicht geil ist, kannst du die Platte vergessen – das sagt schon sehr viel aus über die Wichtigkeit des Schlagzeugs. Hinzu kommt, dass es ein Instrument ist, das ganz klar am schwierigsten aufzunehmen ist. Man könnte theoretisch mit technischen Hilfsmitteln wie Samples auch einen Drumsound designen, aber für meinen Geschmack hat man sich an Samples mittlerweile sattgehört. Und irgendwann hat man keinen Bock mehr, immer das gleich klingende Schlagzeug zu hören. Deswegen haben wir versucht, den akustischen Drumsound durch einen eigenen Klangcharakter hervorzuheben.

Equipment-Talk

Live spielst du ein Drumcraft-Set. War das auch das Studioschlagzeug?

Janosch Rathmer: Ja, nur bei Snares haben wir eine Handvoll Modelle ausprobiert. Einige gehörten zum Studio-Repertoire, andere habe ich mitgebracht, wie zum Beispiel eine 10 Kilo schwere Bronze-Snare, die sehr geil ist für tiefe 80er Discosounds. Oder die Pearl Free Floating mit Kessel aus Phosphor Bronze , die ich auch live einsetze.

Eine sehr knackig klingende Snaredrum!

Janosch Rathmer: Im Sound-Kontext von LDC klingt die tierisch. Sie ist total da und nervt nicht. Ich stehe bei Snares überhaupt nicht auf Obertöne.

JANOSCH RATHMER(Bild: Tom Schäfer)

Dein Set insgesamt klingt ziemlich trocken. Hast du die Felle stark gedämpft?

Janosch Rathmer: Ich will die Obertöne kontrollieren und benutze doppelschichtige Emperor-Schlagfelle mit Moongel Pads und habe partiell noch kleine Gaffer-Tape-Streifen drauf, so dass es für die Band klangoptimiert und auch für unseren Tonmann leichter zu mischen ist. Ich arbeite daran, den Livesound immer wieder besser und konkreter zu machen. Auch mit Kesselgrößen experimentiere ich schon mal. Zum Beispiel habe ich gerade vom 12″ Tom auf ein 10er-Modell gewechselt.

Dabei ist dein Set sehr überschaubar – zwei Toms, ein paar Becken …

Janosch Rathmer: … hatte ich auch mal anders, ist aber nicht nötig. Zwei Toms, Kick, Snare und Hi-Hat ist für mich das ideale Setup. Eigentlich bräuchte man fast nicht mehr. Ich will lieber aus einem kleinen Set viel rausholen, als aus einem großen Set wenig.

Equipment

Long Distance Calling Live-Kit

Drums: Drumcraft Serie 8 Maple

  • 22″ x 20″ Bassdrum
  • 10″ x 8″ Tom
  • 16″ x 14″ Floor-Tom

Snaredrum: Pearl

  • 14″ x 6,5″ Free Floating Phosphor Bronze

Cymbals: Meinl

  • 14″ Byzance Traditional Medium Hi-Hat
  • 22″ Byzance Traditional Medium Ride
  • 18″ Byzance Traditional China
  • 20″ Byzance Vintage Crash
  • 22″ Byzance Vintage Crash

Pedale: Tama

  • Iron Cobra HP990 Double Bassdrum Pedal
  • Iron Cobra HH605 Hi-Hat Stand

Hardware: Tama Roadpro

Drumsticks: Vater 5B Hickory

Felle: Remo

  • Bassdrum: Powerstroke 3 coated
  • Snaredrum: CS Snare/Ambassador Snare
  • Toms: Emperor coated/Ambassador coated

Elektronik:

  • Roland SPD-SX Sample Pad
  • Cymatic Audio LP-16 (Sampler)

(aus STICKS 03-04/2019)

[7758]

Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Eine Snare mit 100 (einhundert) Kilo?
    Wie heißt die, wie wird sie transportiert, wie wird sie aufgestellt?
    Macre

    Auf diesen Kommentar antworten
    1. Hi Macre, das ist natürlich “nur” eine 10 KIlo schwere Snaredrum! Danke für den Hinweis, haben wir jetzt korrigiert!

      Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren