Lars Ulrich über Garage Inc.

Lars Ulrich: Metallicas rockender Gentleman im Interview

Lars Ulrich am Drumset

Metallica können schalten und walten, wie sie wollen. Und genau das nutzen die rockenden Gentlemen schamlos aus — zum Beispiel mit „Garage Inc.“, einem opulenten Coveralbum, auf dem sie nicht nur Black Sabbath, Thin Lizzy, Misfits oder Motörhead interpretieren, sondern auch Nick Caves „Loverman“, Bob Segers „Turn The Page“ sowie Lynyrd Skynyrds „Tuesday´s Gone“. Für Drummer Lars Ulrich eine Art ambitioniertes Spaß-Projekt. Wir nutzten 1999 eine Gelegenheit, den Metal-King zu befragen.

Anzeige

„Garage Inc.“ versteht sich als Fortsetzung der legendären „Garage Days“-EP und als erstes Metallica-Album ohne Metallica-Songs. Gehen euch etwa die Ideen aus?

Es gibt drei Gründe für dieses Album: Erstens existieren einfach zu viele überteuerte Bootlegs von „Garage Days“. Zweitens sind Songs wie „Am I Evil“ zwar schon seit Jahren Bestandteil unseres Live-Sets, bislang aber nur in Europa erhältlich, und drittens war es einfach wieder an der Zeit, mit den Stücken anderer Leute herumzuspielen.

Das haben wir schon seit Ewigkeiten nicht getan. Du darfst nie vergessen, dass wir als reine Cover-Band angefangen haben. Bei unseren ersten Konzerten haben wir ausschließlich Stücke von Diamond Head und Sweet Savage gespielt. Und es ist immer wieder nett, sich daran zu erinnern.

Dabei covert ihr doch nicht nur eure musikalischen Ziehväter, sondern auch Killing Joke, Nick Cave oder Lynyrd Skynyrd – eben Bands, mit denen ihr so gar nichts am Hut habt …

Ich betrachte es mit Genugtuung, dass wir inzwischen ein derart vielseitiges Spektrum abgrasen können. Im Grunde haben wir einfach nur aufgenommen, wozu wir gerade Lust hatten. Dabei war es eigentlich egal, von wem der Song stammt oder wie er klingt. Es hat eher mit diesem inneren Drang zu tun, mitunter mal ein paar andere Dinge auszuprobieren. Schließlich resultiert die größte Fehlinterpretation unserer Band doch gerade aus der Reduzierung auf ihre stilistischen Fähigkeiten. Wir können viel mehr, als uns die meisten Leute zutrauen. Und wir fangen gerade erst an, diese Seiten in den Vordergrund zu stellen.

In den 80ern wäre das gar nicht nötig gewesen — damals waren wir eine reine Metal-Band. Die Leute wären überrascht, wenn sie wüssten, dass wir diese Seiten schon seit Jahren unterdrücken. Es wäre einfach viel zu früh gewesen, sie der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Ein weiteres Hobbie von dir ist „The Record Company“, ein Indie-Label, mit dem du junge Hardrock-Bands wie die kanadischen DDT protegiertst. Ist das purer Idealismus oder eine weitere Geldanlage?

Ganz ehrlich: Ich verdiene eben gerne ein paar Mark nebenbei — und ich stehe dazu. Schließlich bin ich nicht Trent Reznor, der alles tut, um seine Credibility zu wahren. Ich mache es auch nicht wie Stone Gossard von Pearl Jam, der seinen ganzen Freundeskreis unter Vertrag nimmt. Nicht, dass ich das nicht respektiere, aber ich möchte Musik veröffentlichen, um Platten zu verkaufen. Punkt.

Es geht mir nicht darum, noch mehr Publicity zu erhaschen und ein zweiter Rick Rubin zu werden. Dieses Label hat nichts mit Metallica zu tun — und noch weniger mit mir. Von daher bemühe ich mich auch, weitestgehend im Hintergrund zu bleiben. Die Aufmerksamkeit soll den Bands gelten, nicht mir. Schließlich habe ich mit ihrer Musik nicht das Geringste zu tun. Und so soll es auch bleiben.

Ist „Garage Inc.“ ein bewusstes Abgrenzen gegenüber dem Genre Metal?

Natürlich. Wir wollen die Leute einfach ein bisschen an der Nase herumführen. Die haben doch ein völlig falsches Bild von Metallica. Und ich will ein- für allemal sicher gehen, dass sie es endlich begreifen: Wir sind nicht auf einen bestimmten Sound festzulegen. Insofern geht es mir schon darum, gewisse Grenzen einzureißen und mit Vorbehalten aufzuräumen.

Dazu gehört dann wohl auch, dass ihr euch in letzter Zeit immer öfter an Akustik-Shows und Auftritten mit Symphonie-Orchestern versucht. Ist das nur ein Gag oder eine ganz neue Live-Variante?

Es ist so, als hätten wir das Tor zur Zukunft aufgestoßen: Ein Auftritt ohne Netz und doppelten Boden — so ganz ohne diese übertriebene Lautstärke, hinter der du dich so wunderbar verstecken kannst. Laut zu spielen, ist einfach unglaublich feige. Erst wenn du alles auf das Wesentliche reduzierst und auch mal eine Ballade bringst, zeigst du nicht nur dein wahres Gesicht, sondern auch Mut zum Risiko.

Vor allem, wenn du das vor 25.000 Leuten tust. Und dieser Ansatz fällt uns heute leichter denn je. Außerdem kann ich so lange „Enter Sandman“ spielen, bis auch der Letzte nach Hause geht. Aber das bringt mir einfach nichts. Wir müssen langsam auch mal an uns denken. Und genau das ist es, was diese akustischen Shows bewirken: Es wird wieder spannend. Und wenn du es wirklich wissen willst: Ich kann „Sad But True“, „Nothing Else Matters“, „Enter Sandman“ oder „Until It Sleeps“ einfach nicht mehr hören.

Du könntest dir also vorstellen, eine rein akustische Tournee durchzuziehen?

Warum nicht? Das würde wenigstens Spaß machen. Du musst immer bedenken: Wenn wir auf Tour gehen, sind da rund 200 Leute, die uns den Hintern abwischen. Es ist alles so leicht — und so langweilig. Nimm nur diese Geschichte, die sich auf der letzten Tour ereignet hat: Wir wollten einige Songs in unserem Set umstellen, weil es auf Dauer einfach schrecklich monoton wurde. Also sprachen wir mit unserem Licht-Techniker und der antwortete ganz trocken, es würde zwei Tage dauern, den Computer für die Lightshow neu zu programmieren.

Stell dir das mal vor: Ich als Musiker bin unfähig, das Programm zu ändern, wenn ich gerade Lust dazu habe. Und das ist nur eine von vielen technischen Fallen, mit denen du dich auf einer Tournee auseinandersetzen musst. Genau das fällt mir aber immer schwerer. Von daher wäre es schon lustig, mal mit einem Akustik-Set zu touren. Das sind die Dinge, die Metallica am Leben halten und die uns immer mehr Spaß machen. Und es ist der richtige Ansatz, um ein großartiges, neues Kapitel Metallica einzuleiten.

Hinterlasse einen Kommentar

Das könnte Dich auch interessieren: