Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
STEWART COPELAND - Orchester-Rausch! +++ LUIS RIBEIRO (The World of Hans Zimmer) +++ YAMAHA Live Custom Hybrid Oak Drums +++ LP PRO Tambourines +++ K ZILDJIAN Cluster Crash Cymbals
Percussion für The World Of Hans Zimmer

Luis Ribeiro im STICKS-Interview

Luis Ribeiro(Bild: Tom Schäfer)

Das multimediale Erlebnis aus bildgewaltigen Projektionen und berauschenden Klangwelten von symphonischer Dramatik hat die Kraft einen für zwei Stunden aus der Realität zu beamen. Vor allem dann, wenn es sich um die Oscar-prämierten Soundtracks des Hollywood Filmkomponisten Hans Zimmer handelt.

The World Of Hans Zimmer brachte im März 2019, im Rahmen einer großen Tour, Pop-Werke wie „Pirates Of The Carribean“, „Illuminati“, „The Da Vinci Code“, „Gladiator“ oder „König der Löwen“ live auf die Bühne der Dortmunder Westfalenhalle. Ein klanggewaltiges Symphonie-Orchester mit rockender Band sorgte für einen musikalischen Rausch voller Sinnlichkeit. Und im Zentrum der Bühne und hinter einem Arsenal aus Congas, Taiko, Surdos, Djemben, Basstrommeln und Framedrums agierte das rhythmische Kraftwerk des brasilianischen Perkussionisten Luis Ribeiro.

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Eigentlich kommt er aus dem Profi-Sport. Doch seine wirkliche DNA ist die Musik. Luis Ribeiro hat alles auf eine Karte gesetzt. Auf seinem Weg nach Europa verabschiedete er sich von der Sportlerkarriere und landete in Wien, um seiner ganzen Leidenschaft für die Percussion Kontur zu verleihen. Heute ist der Multi-Percussionist ein gefragter Session-Player, dessen Credits spannende Projekte vereinen, und der sich immer wieder mit neuen Zielsetzungen der großen Herausforderung des professionellen Perkussionisten stellt.

Interview

Luis, du hast die lebendige Kultur Brasiliens gegen das klassische Wien getauscht. Das muss einen triftigen Grund gehabt haben.

Luis Ribeiro: Ursprünglich bin ich nach Europa gekommen wegen einer beruflichen Weiterbildung in Sachen Sportwissenschaften. In Brasilien hatte ich bereits ein abgeschlossenes Studium. Doch die Wirklichkeit sagte mir etwas anderes. Ich wollte immer schon Musik machen und meine ganze Leidenschaft brannte für Percussion. Also traf ich eine spontane Entscheidung, ließ den Gedanken an eine Sportkarriere hinter mir und ging in die Stadt der Musik. Dazu muss ich sagen, dass ich schon jahrelang in Samba-Schulen Percussion gespielt hatte und eine gute Portion an Erfahrung mitbrachte. Ich verlagerte meinen Lebensmittelpunkt nach Wien mit dem Ziel die Aufnahmeprüfung an der Universität für Musik & Darstellende Kunst zu schaffen. Also habe ich mich ein Jahr lang intensiv vorbereitet. Ich befasste mich mit Notenlesen, Harmonielehre, nahm jede Menge Instrumental-Unterricht, ich übte Stick-Control und war täglich rund vierzehn Stunden damit befasst, mir ein Riesenpensum an theoretischem und praktischem Wissen drauf zu schaffen. Letztlich hat es geklappt, und jetzt spiele ich mit den besten Musikern der Welt. Das ist ein Traum!

Der Sprung vom Studium ins Musikerleben ist oft ein Abenteuer. Wie ist es dir gelungen mit Percussion deinen Lebensunterhalt zu bestreiten?

Luis Ribeiro: Ich war natürlich sparsam, lebte in einer WG und finanzierte mich anfangs durch meine Tätigkeit als Sportlehrer in Fitness-Studios. Aber ich hatte den bedingungslosen Drang, voll in die Musik einzutauchen. Also suchte ich mir Bands und habe alles gespielt, was möglich war. Anscheinend war ich wohl gut, denn die Gigs wurden immer mehr. (lacht) Doch der Übergang vom Studium zum Profimusiker ging nicht von heute auf morgen. Aber ich war zuversichtlich, und in Konsequenz cancelte ich alles was mit Sport zu tun hatte, um meinen Fokus voll auf die Musik und eine Karriere als Profimusiker zu lenken.

Du bezeichnest dich selber als Multi-Percussionist. Doch jedes Instrument hat seine eigene Technik, Philosophie und Spielkultur. Wie hast du dich auf die Vielzahl an Instrumenten eingelassen?

Luis Ribeiro: Es kommt immer darauf an, wie tief man in die ganzen Traditionen und Spieltechniken eintaucht. Man kann natürlich nicht alles spielen und alles beherrschen. Dazu ist das gesamte Repertoire der Percussion-Welt zu umfangreich. Mein Hauptaugenmerk liegt auf Congas, Bongos, Cajon, Pandeiro, Brazilian Percussion und vielerlei Small Percussion. Hinzu kommt meine Vorliebe für Hybrid-Sets, also Kombinationen aus den Bereichen Drumset und Percussion.

Luis Ribeiro(Bild: Tom Schäfer)

Was natürlich die Cajon auf den Plan ruft …

Luis Ribeiro: … schon lange Zeit bevor die Cajon zum Pop-Instrument wurde, hatte ich mich für dieses Instrument interessiert und schon Anfang der 90er-Jahre erste Hybrid-Sets gebaut, in denen die Cajon eine zentrale Rolle spielte. Es gab damals noch keine Cajon-Pedale. Also hatte ich mir mein eigenes System entwickelt, um ein Pedal ans Cajon anzudocken. Ich habe immer schon viel getüftelt und an Sets geschraubt, um der Faszination hybrider Set-Ideen nachzugehen.

Wie steht es um deine Faszination für die exotischeren Instrumente wie Doumbek, Tabla, Framedrums etc.?

Luis Ribeiro: Auch mit diesen Trommeln habe ich mich auseinandergesetzt, allerdings nicht im Sinne ihrer ganz tiefgreifend traditionellen Spielarten. Meine Kenntnisse reichen aber aus, um eine Framedrum oder Doumbek im Pop oder im klassischen Orchester einsetzen zu können. Mit Basics kommt man in der Regel gut zurecht, um deren Rhythmen und Sounds in die Pop-Sprache zu transformieren. Ich fand es immer schon faszinierend, die traditionellen Dinge in eine moderne Musiksprache zu übersetzen, damit sie im Pop, im Rock oder eben in einer Orchesterproduktion von Hans Zimmer gut funktionieren. Dadurch werden Dinge zugänglich für die Gewohnheiten der westlichen Kultur.

Frühere Generationen der Percussionisten waren noch sehr traditionsbehaftet. Heute scheint alles viel freier und man stellt exotische Sounds auch mal in den modernen Kontext.

Luis Ribeiro: Ich mag es, wenn sich Dinge unterschiedlicher Herkunft miteinander verknüpfen und man Neues draus entstehen lässt – zum Beispiel eine Berimbau in House Music! Das hätte es früher vielleicht nicht gegeben. Aber durch die Fusion mit moderner Musik erhalten traditionelle Instrumente einen neuen Stellenwert. Andererseits finde ich es wichtig, auch das Traditionelle weiterzugeben, damit das Originale nicht vergessen wird. Ich habe vom Grundsatz her eine offene Einstellung und dadurch bin ich auch sehr flexibel. Das ist wohl auch ein Grund dafür, dass ich immer wieder von verschiedenen Bands angefragt werde.

Neben deiner multiperkussiven Ausrichtung bist du auch in Sachen Styles recht flexibel, von Folklore über Klassik bis Pop. Wie justierst du dich für diese unterschiedlichen Welten? Oder ist das ein easy Genre-Hopping? Heute Klassik, morgen Heavy Metal?

Luis Ribeiro: Sich immer wieder auf neue Stilrichtungen und Projekte einzulassen ist für mich eine Art kulturelle Grundhaltung. Projekte folgen Schlag auf Schlag – jetzt das Orchester mit Filmmusik, danach eine Bigband-Produktion, gefolgt von einem Crossover-Trio. Das hält mich frisch und neugierig. Ich brauche diese Pluralität aus Multi-Percussion und stilistischer Vielfalt.

Wir müssen unbedingt über diese „The World Of Hans Zimmer“-Produktion reden: Wie bist du konkret an dieses Projekt gekommen?

Luis Ribeiro: In Wien gibt es alljährlich den renommierten Event der Filmmusik „Hollywood In Vienna“. Und jedes Jahr wird ein anderer Filmkomponist mit dem „Max Steiner Preis“ gekrönt. Im Rahmen von Konzert-Galas werden hier die bedeutendsten Komponisten symphonischer Filmmusik ausgezeichnet. Ich hatte mehrfach auf dieser Veranstaltung gespielt und offenbar einen guten Eindruck hinterlassen. Im Orchester kam ich gut zurecht, und mit Partituren kann ich auch umgehen. Im Hinblick auf die „The World Of Hans Zimmer“-Tour hat mich die Organisation von „Hollywood In Vienna“ Hans Zimmer empfohlen. Er selber sieht sich jeden Musiker an, denn er will wissen, welche Musiker zur Band gehören und wer seine Musik spielt. Also schickte ich ihm Biografie, Audio- und Video-Material rüber. Von ihm persönlich bekam ich das Okay.

(Bild: Tom Schäfer)

Einen persönlichen Kontakt gab es nicht?

Luis Ribeiro: Erst später, denn Hans Zimmer stößt immer wieder mal sporadisch zur laufenden Tour – alleine aus Spaß, aus persönlichem Engagement und auch, um selber ein Stück mitzurocken. Er war auch bei den Generalproben in Berlin dabei und versuchte uns klarzumachen, dass es immer um Musik geht und nicht darum, Noten abzuspielen. Hans Zimmer ist ein cooler Typ und man spürt die Freude in ihm, wenn er seine Musik im pop-symphonischen Klangkosmos live erlebt.

Es muss eine enorme Logistik dahinter stecken, Orchesterproben für solche Produktionen nicht im Chaos zu versenken. Wie war das organisiert?

Luis Ribeiro: Es gab im Vorfeld getrennte Proben für die verschiedenen Orchester-Sektionen. Die Band probte in Wien, die Symphoniker sowie der Chor in Minsk und auch die Percussion-Section hatte getrennte Proben. Schließlich wurden die Band und das gesamte Orchester in Berlin zusammengeführt. An vier Tagen mussten die musikalischen Bestandteile nicht nur miteinander verknüpft, sondern auch mit der gesamten Produktionstechnik hinsichtlich Timecodes und Film-Sequenzen justiert werden.

Von einem Orchester live gespielte Filmmusik hat eine unglaubliche Intensität und Kraft. Das hier ist alles handgemacht?

Luis Ribeiro: Hans Zimmers Soundtracks sind ursprünglich ja nicht für Live-Aufführungen gedacht. Im Studio kann er aus seiner ganzen Trickkiste schöpfen. Er arbeitet gerne mit vielschichtigen Überlagerungen und man hört streckenweise 200 Celli und 100 Trommeln, damit ein bestimmter Soundeffekt zur vollen Wirkung auffährt. Für uns ist es dann die große Herausforderung, diese gesamte Intensität live und authentisch umzusetzen und den großen Hans-Zimmer-Sound zum Leben zu erwecken. Natürlich sind da gewisse Grenzen der Möglichkeiten gesetzt, deswegen werden situativ auch schon mal Spuren hinzugefahren. Wir haben nun mal keine 100 Trommler auf der Bühne, sondern arbeiten mit sechs Schlagwerkern. Und wenn man den Big Effect braucht, dann kommen diese speziell designten Sounds vom Rechner hinzu. Oder wenn der Chor diese Dramatik braucht, die man live mit 20 Sängern nicht herstellen kann, werden zusätzliche Chöre aus der Produktion hinzugefahren.

Wie funktioniert das denn mit dem Timing des Orchesters? Ist es ein vom Dirigent vorgegebenes dynamisches Timing oder haben alle ein Knopf im Ohr?

Luis Ribeiro: Es läuft ein Click mit. Das wäre ohne gar nicht realisierbar, weil es innerhalb des Orchesters schon akustisch bedingte Delay-Zeiten gibt. Außerdem läuft ein Timecode mit, um die Musik mit den LED-Screens zu synchronisieren.

Kann es sein, dass hier kaum jemand in die Noten schaut? Zumindest hatte ich den Eindruck beim Soundcheck.

Luis Ribeiro: Die Noten sind immer zur Sicherheit da. Ein paar Stücke werden tatsächlich auswendig gespielt, aber die ganze Show ohne Noten geht nicht – oder noch nicht. Da ist zu viel Information. Auch wenn wir schon diverse Tourneen gespielt haben, kann man unmöglich alles im Kopf behalten.

Hans Zimmers Filmmusik lebt von kontrastreicher Dynamik zwischen minimalistisch sensibel und gewaltigen Sound-Ausbrüchen. Das stellt doch sicher einen extrem hohen Anspruch an das komplexe System des Orchesters?

Luis Ribeiro: Diese Dramaturgie zwischen pianissimo und fortissimo ist ein wichtiges Stilmittel seiner Musik. Das Niveau des Orchesters und der Band ist sehr hoch und alle Musiker sind sehr erfahrene Profis. Hier arbeiten alle mit Respekt für das gemeinsame Ziel – nämlich Hans Zimmers Musik in ihrer ganzen Intensität zu einem tiefen Klangerlebnis zu machen.

Wie sieht es aus mit deiner eigenen Kreativität bei diesem Projekt? Kannst du diese ausleben oder sind die Percussion-Parts strikt vorgegeben?

Luis Ribeiro: Natürlich ist vieles festgelegt, was bei einer solch aufwändigen Produktion auch gar nicht anders geht. Meine Kreativität war vor allem während der anfänglichen Umsetzung gefragt, als es darum ging, die kompositorischen Ideen in live spielbare Versionen zu gießen. Die eigene Kreativität lag vor allem in der Mitgestaltung, in meinem Fall also in der Umsetzung der Percussion-Parts. In Hans Zimmers Studio entstandene Ideen kann man nicht immer 1:1 auf die Bühne übertragen. Da musste sehr viel arrangiert werden. Aber nicht alles ist gesetzt und da ist auch mal Spontaneität gefragt. Noch während der laufenden Tour gibt es Detailveränderungen. Wir versuchen ständig die musikalische Darbietung zu optimieren. Es ist die konstante Lust auf Verbesserung.

Wie kam es zu diesem World-Percussion-Setup, das du auf der Bühne hast? Es ist eine bunte Mixtur aus kubanischen, afrikanischen, brasilianischen, japanischen und orientalischen Instrumenten!

Luis Ribeiro: Es gab im Vorfeld Vorschläge sowie auch ein Fundus an Instrumenten, aber ich konnte mitentscheiden, welche Trommeln ich spielen würde. Hinzu kam, dass Hans Zimmer gerne neben akustischen auch mit digital designten Sounds arbeitet. Und man ging davon aus, dass ich über Pads das elektronische Klangarchiv reproduzieren würde. Ich argumentierte aber pro Akustik, weil der Klang echter Trommeln nun mal sehr unique ist. Mein Vorschlag, möglichst viele Sounds auf akustischen Instrumenten umzusetzen, fand schließlich Anklang. Nur sehr spezielle und für den Kontext signifikante Percussion- Sounds kommen als Zuspieler vom Rechner.

Das heißt, dass einige Sounds, die im Original elektronisch erzeugt sind, von dir auf akustischen Instrumenten nachgebildet werden?

Luis Ribeiro: Ja, zum Teil gab es spezielle Klänge, die ich versuchte mit verschiedensten Tricks nachzuempfinden. Teils musste ich recht experimentell vorgehen. Einige prozessorgesteuerte Sounds ließen sich gar nicht recht definieren, man hörte nur merkwürdige Geräusche. Und diese jetzt als „Geräuschemacher“ nachzubilden, war nicht ganz einfach. Dazu muss man sich von Gewohnheiten lösen, neu denken und erfinderisch vorgehen.

Zum Beispiel?

Luis Ribeiro: Man kommt normalerweise nicht auf die Idee, mit Brushes oder Mallets auf einem Trommelrand zu reiben, um bestimmte Klangeffekte hervorzubringen. Auch die Sandblocks sind das Ergebnis einer erfinderischen Idee: Zwei mit Schleifpapier überzogene Holzblöcke werden aneinander gerieben, um einen ganz spezifischen Soft-Shaker-Sound zu erzeugen.

Was war für dich das Schwierigste bei der Umsetzung? Was hat dich am meisten Power gekostet?

Luis Ribeiro: Das war nicht das Reproduzieren von Sounds. Vielmehr gab es zu Beginn der Proben unterschiedliche Partituren für die Perkussionisten. Alles war wild durcheinander und wir wussten nicht, wer was in welchem Part zu spielen hatte. Es gab Partituren für World-Percussion, für Toms, für Taiko, für Schlagzeug und jeder musste sich da durcharbeiten, alles sortieren und seine eigenen spielbaren Strukturen konzipieren. Das war ziemlich kraftraubend. Aber mit jeder Probe wurde die Form immer klarer. Zum Glück gab es Kopisten, die alles und jedes Detail mitgeschrieben haben, so dass die Partituren durch ständige Updates immer auf dem aktuellen Stand waren. Ich musste lösungsorientiert arbeiten, einen kühlen Kopf bewahren und vor allem relaxed bleiben. Sonst wär man durchgedreht.

(Bild: Tom Schäfer)

Es gibt einige Passagen im Programm, da schweigt die Percussion. Doch im nächsten Moment fährt die ganze Dramaturgie des Orchesters hoch zum dramatischen Höhepunkt. Und dann kommt die Punktlandung mit Taiko und Pauken im exakt getimeten Moment. Sind das nervenaufreibende Situationen die besondere Aufmerksamkeit verlangen?

Luis Ribeiro: Das ist in erster Linie sehr viel Konzentration. Ich muss in jedem Moment präsent sein – und das insbesondere in den Passagen, wo ich nicht spiele! Denn das Problem ist, dass einen die Musik gefangen nehmen kann, weil sie so schön ist. Man darf da nicht eintauchen und anfangen zu träumen. Dann nämlich vergisst man alles um sich herum und verpasst seinen Einsatz! Gegen diese Versuchung muss ich ankämpfen.

Und ist dir das schon mal passiert?

Luis Ribeiro: Ja, einmal, das war bei „The Da Vinci Code“. Was Hans geschrieben hat, kommt mir manchmal vor wie eine Messe. Die Musik hatte mich vollkommen mitgerissen und ich war so beeindruckt, dass ich meinen Einsatz verpasste. Und dann kommt diese Schrecksekunde! Aber da war mein Einsatz schon seit einigen Takten vorbei. (lacht)

(Bild: Tom Schäfer)

Neben dieser Tour hast du immer wieder auch andere prominente Projekte am Start. So warst du zum Beispiel Percussionist in der Band von Rainhard Fendrich. Eine ganz andere Welt?

Luis Ribeiro: Bei Rainhard Fendrich erfüllt die Musik einen anderen Zweck. Da geht es um Songs und Texte. Und auch die Strukturen der Musik sind einfacher gestaltet. Auch wenn die Musik komplett anders ist, so respektiere ich diese Musik genauso wie andere Musik. Ich hab mich richtig ins Zeug gelegt, um die Percussion in seiner Musik wirkungsvoll zu inszenieren. Ich wollte etwas Besonderes machen, zumal es auch um eine DVD-Produktion ging. Für Rainhard Fendrich zu spielen hat mir extrem viel Spaß gemacht. Spaß an etwas zu haben und die Lust etwas zu tun ist für mich eine grundsätzliche Voraussetzung für künstlerisch kreative Arbeit. Der Funke muss überspringen, sonst würde ich den Job nicht machen.

Du hast auch Bands, die unter deinem eigenen Namen laufen, zum Beispiel Cubras und Crossmopolitans.

Luis Ribeiro: Cubras ist ein Projekt mit meinem langjährigen Freund und Perkussionisten Nelson Williams aus Cuba. Musikalisch geht es um die Fusion von kubanischer und brasilianischer Percussion mit House- und Electronic-Beats. Die verführerischen Rhythmen Südamerikas treffen auf die hypnotische Kraft der House- und Electronic-Music. Und das Trio Crossmopolitans wurde aus der Idee gegründet, die Grenzen zwischen klassischer und populärer Musik zu lockern und beide Genres miteinander zu verbinden. Wir drei Musiker kommen aus Südamerika und interpretieren zum Beispiel große Meisterwerke der klassischen Musik neu, indem wir Rhythmen unserer Heimatländer sowie folkloristische Musik und moderne Musik einfließen lassen.

(Bild: Tom Schäfer)

Und was darf man unter deinem Projekt „Rhythm’n’Business“ verstehen?

Luis Ribeiro: „Rhythm’n’Business“ ist ein Workshop, der sich mit den positiven Auswirkungen von Rhythmus in der Arbeitswelt befasst. Für die Teilnehmer – seien es Unternehmer, Arbeitsgruppen, Teams etc. – geht es um die Wahrnehmung des eigenen Körpers, um Stärkung der Konzentrationsfähigkeit, des Selbstbewusstseins und Selbstvertrauens sowie um die Erhöhung der Motivation und Freude an der Arbeit sowie der Verminderung des Stress-Levels.

Gibt es aus denn deinem Blickwinkel des Sportwissenschaftlers eine sensomotorische Verknüpfung zwischen Sport und Percussion?

Luis Ribeiro: Ja natürlich gibt es die! Ich sehe den Menschen überhaupt als rhythmisches Wesen: Denn wir werden mit Rhythmus geboren und der Rhythmus ist in uns allen, ob Herzrhythmus, Biorhythmus oder andere Taktgeber in unserem Körper. Rhythmus bedeutet Leben und ist eine Kraft- und Energiequelle.

Welche Vision treibt dich jetzt gerade an?

Luis Ribeiro: Auch wenn ich gerne vieles mache und für andere zur Verfügung stehe, so ist für mich die Zeit gekommen, jetzt auch mal selber als Künstler voranzukommen. Hinter allem steht mein Name. Und ich möchte, dass Luis Ribeiro zu einem Begriff wird, der Rhythmus als qualitative Form künstlerischen Ausdrucks bündelt. Sei es live auf der Bühne oder im Studio oder auch in meinen „Rhythm’n’Business“-Projekten, als Multi-Percussionist, als Trainer, Dozent und Künstler.

Luis, vielen Dank für deine Zeit und den Einblick in deine Percussion-Welt!

Luis Ribeiro(Bild: Tom Schäfer)

Equipment

The World Of Hans Zimmer Tour 2019

Percussion: Meinl

  • 22″ x 24″ Traditional Standalone Aluminum Surdo
  • 16″ x 20″ Traditional Standalone Wood Surdo
  • 14″ African Style Rope Tuned Djembe
  • 14″ Floatune Series Wood Djembe
  • 8 1/2″ x 17 1/8″ Copper Doumbek
  • 16″ Goat Skin Tar
  • Cajon Seguiriya Line (Canyon Burl)
  • 11″ Quinto Professional Series
  • 11 3/4″ Conga Professional Series
  • 12 1/2″ Tumba Professional Series

Small Percussion: Meinl

Luis Conte Stadium, Live & Studio Shaker, Fiberglas Guiro, Aluminium Shaker Round, Traditional Tambourine (Steel Jingles), Fiberglas Guiro, Medium Shekere, Mini Maracas

Cymbals: Meinl

  • 16″ Byzance Brilliant Medium Crash (2x)
  • 18″ Byzance Brilliant Thin Crash

Sticks & Mallets: Meinl

  • Bamboo Multi Sticks
  • Samba Beater

Hardware: Meinl Percussion

3 Conga Stands, 2 Djembe Stands, Cajon Stand, Doumbek Stand, Frame Drum und Guiro Holder, Multiclamps, 2 Percussion Tables, 3 Cymbal Stands

Extras:

Taiko Drum, 16″ x 16″ Floor-Tom, Sandblocks (2), div. Schellen- und Rassel-Effekte, Caxixis, Meinl Drum Teppich (Rug Oriental)

Website

luis-ribeiro.com


(aus STICKS 07-08/2019)

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Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums

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