Selected by Dieter Blahak

Meinl Cymbals und Drum Center Köln starten spezielle Aktion

 

Meinl Cymbals und Drum Center Köln(Bild: Axel Mikolajczak)

Eine interessante Kooperation haben Meinl Cymbals und Dieter Blahak, Gründer und Inhaber des Drum Center Köln sowie renommierte Koryphäe in Sachen Cymbals, gestartet. Unter dem Titel „Selected by Dieter Blahak“ gibt es von ihm speziell ausgewählte Meinl Cymbals als Unikat, die in jeweils eigenen Videos von ihm angespielt und vorgestellt werden.

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Wir haben im Drum Center Köln besucht, das in diesem Jahr das 35-Jahre-Jubiläum feiern kann, und mit ihm über diese Aktion sowie – natürlich – über Cymbals überhaupt gesprochen. Willkommen zu einem interessanten Cymbal- Talk!

Dieter, du hast zusammen mit Meinl Cymbals eine interessante Aktion ins Leben gerufen. Wie kam es zu „Meinl Cymbals Selected by Dieter Blahak“, und was genau ist das Konzept?

Dieter Blahak: Ich bin ja schon immer zu Meinl gefahren, um dort im Cymbal-Lager die Becken für meinen Laden auszusuchen. Das hat immer sehr gut funktioniert, denn in dem großen Lager findet man wirklich alles an Cymbals, was man sich für die unterschiedlichen Musikrichtungen vorstellen kann. Schließlich kam dann vom Meinl Cymbal-Team die Idee, diese Becken speziell zu kennzeichnen, damit genau diese von mir ausgewählten Cymbals als Unikat auch online bestellt werden können. Dazu bekommen diese selektierten Becken außer einer besonderen Seriennummer auch noch per Lasermarkierung eine Kennzeichnung „Selected by Dieter Blahak“ auf der Unterseite. Zu jedem Becken mache ich auch ein eigenes Video mit Angabe dieser Seriennummer, so dass sich der interessierte Drummer genau dieses Cymbal aussuchen und kaufen kann. In diesen Videos sieht und hört man nur das Cymbal, keine Drums, so dass man sich ganz auf dessen Sound konzentrieren kann.

Dieter Blahak
(Bild: Axel Mikolajczak)

Warum spielst du keine Drums dazu?

Dieter Blahak: Bei diesen Videos hört man die Becken bewusst nicht in ihrer „Begleitfunktion“. Da wird klanglich nichts überlagert, und man hört wirklich das gesamte Frequenz- und Dynamikspektrum jedes Beckens, alle Frequenzen in den unterschiedlichen Lautstärken. Meiner Meinung nach kann man so am besten die jeweiligen Einsatzmöglichkeiten erkennen bzw. heraushören. Das ist mir sehr wichtig, denn schließlich geht es gerade auch unter dem Aspekt des Online-Kaufs darum, ein unikates Cymbal anzubieten, dass ein Drummer dann anhand dieses Videos und der entsprechenden Seriennummer exakt dieses Cymbal bestellen kann und nicht ein anderes bekommt, was dann vielleicht ein wenig anders klingt und dann nicht seinen Vorstellungen entspricht. Andere Videos mit den Cymbals am Drumset gespielt mögen vielleicht unterhaltsamer sein, doch mir geht es darum, dass das Cymbal und seine Sounds im Vordergrund stehen und nicht eine Drum- Show. Im Video kann man sehen, wie hoch der Stock geführt wird, und daraus erkennen, mit welcher Dynamik gespielt wird. Man kann hören, wie sich der Sound der Kuppe zu dem im Bereich direkt darunter auf dem Profil verhält und dann zum Rand hin. So kann man einschätzen, ob denn für den eigenen Geschmack die unterschiedlichen Frequenzen in den unterschiedlichen Spielbereichen miteinander harmonieren, und ob die sich überhaupt mögen … (grinst) … doch solche Dissonanzen sollten bei meinen Cymbals nicht drin sein, denn schließlich habe ich sie ja selbst ausgesucht! (lacht)

Es wirkt in diesen Videos also genau so, als ob man ein Cymbal im Laden testet?

Dieter Blahak: Ja, und da man ja auch die Dynamik des Cymbals in diesen Videos gut erkennen kann, kann man auch sehr gut einschätzen, ob dieses spezielle Cymbal denn für die Musik, die man macht, überhaupt geeignet ist. Es gibt ja tatsächlich einige Drummer, die Cymbals online bestellen und dann eins aus dem Lager bekommen, was zwar die gleiche Größe hat und aus derselben Serie stammt, aber klanglich dann doch etwas abweicht. Oder man hat das Cymbal bei einem anderen Drummer gehört, der mit ganz anderer Dynamik spielt, und ist dann enttäuscht, weil man selbst völlig anders spielt und so natürlich auch völlig andere Sounds zu hören sind.

Du bist in der Drummer-Szene als renommierter Jazz-Drummer bekannt. Sind die Von dir selektierten Cymbals eher für Jazz-Styles geeignet?

Dieter Blahak: Nein. Alle Cymbals sind für die unterschiedlichsten Arten von Musik gedacht, natürlich auch für Jazz oder Fusion, doch gerade bei der Firma Meinl sind in den letzten Jahren ja auch sehr viele verschiedene Cymbal-Modelle im Programm, die mit „Jazz“ im tradierten Sinne nicht allzu viel zu tun haben. Sicher gibt es auch viele, die sich für Jazz-Grooves eignen, doch in meinen Videos wird man keinen einzigen hören. Hier geht es um das Demonstrieren der Dynamik in gewissen Lautstärkebereichen und nicht um einen bestimmten musikalischen Stil. Trends kommen und gehen, und es gab ja sogar eine Zeit, als Cymbals allgemein und besonders Ride-Cymbals in gewissen Pop-Stilen gar nicht mehr vorkamen. Das ist zum Glück wieder anders geworden, und die Vielfalt an Klangmöglichkeiten hat in den letzten Jahren deutlich zugelegt. Auch die Spielweisen haben sich geändert. Zu den sogenannten traditionellen Techniken sind neu hinzugekommen. Dadurch entsehen auch neue Becken-Sounds, wenn du zum Beispiel ein Ride-Cymbal nicht mit der Stockspitze, sondern eher mit dem Stockschaft anspielst. Ich versuche dies auch in den Videos darzustellen, dass ein Cymbal ein großer Klangkörper ist, der sehr viele Möglichkeiten der Klanggestaltung bietet.

Momentan gibt es ja den Trend zu größeren Cymbals wie 16″ Hi-Hats, 20″ oder 22″ Crash und so weiter.

Dieter Blahak: Und daher sind momentan auch viele Cymbals zu hören, die ziemlich weit aufgehen. Becken spielen wieder eine größere Rolle im musikalischen Geschehen, und man hört auch wieder Reibungen mit anderen Instrumenten in der Musik …

Dieter Blahak
(Bild: Axel Mikolajczak)

… der so genannte „Trash Factor“?

Dieter Blahak: Ich würde eher sagen als eine Art künstlerischer Ausdruck, als flächiger Sound. Ich finde es sehr interessant, dass viele Cymbals, die heute die Rock- und Pop-Drummer einsetzen, vor einigen Jahren noch als typische Jazz-Cymbals angesehen wurden. Die werden natürlich jetzt mit ganz anderen Lautstärken gespielt, und oft sind es eben die größeren Becken, die dafür dann erforderlich sind. Das ist ja das Faszinierende, das hier Instrumente eingesetzt werden, die angeblich gar nicht dafür „geeignet“ waren, mit denen jetzt aber ganz neue Klänge geschaffen werden.

Wenn ich heute Musik aus den 80er-Jahren höre, als alles „digital“ wurde, dann gab es da fast nur brillante Cymbal-Sounds in der Pop-Musik.

Dieter Blahak: Oh ja, wenn ich so was heute höre, dann gibt es da eine klare, definierte Hi-Hat, beim Ride fast immer nur die Kuppe, und ab und zu ein hohes, helles Crash, bei dessen Sound ich mich schon fast erschrecke – das bin ich gar nicht mehr gewohnt! (lacht) Was nun große Cymbals angeht, so muss ich jetzt mal mit dem etwas undefinierten „Früher“ operieren, denn es gab – ich glaube Ende der 60er, Anfang der 70er – ja auch schon mal einen Trend zu großen Cymbals, nicht nur im Jazz sondern gerade auch im Rock-Bereich. Allerdings mussten da erst mal andere Cymbal-Typen geschaffen werden, da die sich ja gegen die Verstärkertürme durchsetzen mussten. Und in dem musikalischen Kontext hat das ja auch gepasst. Wenn jemand wie Jimi Hendrix einen wunderschönen Riesenlärm mit seiner Gitarre gemacht hat, dann durfte Mitch Mitchell doch nicht kleine Crashes und eine trockene Hi-Hat spielen, da musste schon was Handfestes her!

Was nur noch wenige wissen: Du hast ja diese Zeit auch selbst mitgemacht, und du warst damals nicht der „Jazzer“, sondern in den 60er Jahren als Drummer der Jay Five ein regelrecht angesagter Rockstar.

Dieter Blahak: (lacht) Na ja, wir waren eben eine der populärsten Beat Bands in Deutschland, wir haben zahlreiche Alben veröffentlicht und gut verkauft, und wir haben vor allem im Süden viele große Auftritte gehabt. Angefangen haben wir in den amerikanischen Clubs. Dort musstest du musikalisch alles abliefern können. Wir waren eine Band so im Bereich zwischen „Beat“ und Rock. Und wenn dann ein Ami einen Song hören wollte, dann sollte dieser auch möglichst so klingen, wie er ihn kennt. Mit Jay Five waren wir zwar eine Cover-Band, aber das Ganze war halt schon reif fürs Studio. Wir hatten dann auch einen Vertrag und konnten so drei Monate im Jahr hier in Köln im Studio arbeiten. Da wurdest du ja erst mal durch die Hölle geschickt, wenn du da genau gehört hast, was alles nicht stimmte! Live hast du es gespielt, und es war vorbei. Und im Studio hörst du dann jeden kleinen Fehler und jede Nuance. Das schult natürlich auch das Gehör für die Details der Sounds.

War das parallel zu deinem Musikstudium?

Dieter Blahak: Ja, ich habe damals in Würzburg bei Professor Fink Schlagzeug studiert. Durch die viele Arbeit mit der Band habe ich dann aber feststellen müssen, dass das mit einem Abschluss schwierig wird. Schwierig deshalb, weil ich nur einen klassischen Abschluss hätte machen können, und ich hatte kaum Möglichkeiten, Pauken oder Stabspiel zu üben. Ich habe dann so lange, wie es ging, weiter studiert, weil mir das ja auch Spaß machte, aber ich habe keinen Abschluss gemacht. Wir sind dann mit der Band nach Köln umgezogen und haben alle im Studio gearbeitet. Damals hatte noch jede Plattenfirma ein großes Studio in Köln. Das lief also sehr gut.

Du hast also der Karriere als Studio-Drummer den Vorzug gegeben. Also hast du als Schlagzeuger ja in allen möglichen Bereichen gearbeitet, Beat, Rock, Pop, live oder im Studio. Warum kennt man dich denn dann als „den Jazz-Drummer“?

Dieter Blahak: Das mit dem Jazz ist so eine Sache. Angefangen habe ich im Würzburger „Studentenkeller“ zunächst mit Dixieland und Swing. Dann ging es weiter in einem Trio mit Hard Bop à la John Coltrane. Das hat mir sofort sehr gut gefallen, obwohl ich es damals noch gar nicht spielen konnte, sondern eher wollte. Also hab ich es gelernt – und lerne es heute noch. Damals jedenfalls waren wir immerhin so begeistert in dieser Musik drin, dass wir auch mal „Bayerischer Meister im Modern Jazz“ wurden. (lacht) Für mich ist Jazz heute noch die Musik, die mich am meisten fordert, mit der ich mich intensiv beschäftige und die mir auch am meisten gibt.

Hast du damals eigentlich bei den unterschiedlichen Styles bzw. live oder im Studio auch unterschiedliche Cymbals eingesetzt?

Dieter Blahak: Zunächst nicht, das kam erst viel später, als auch in Deutschland mehr unterschiedliche Beckentypen erhältlich waren. Bis dahin hatte man eine Hi-Hat, ein Cymbal hauptsächlich als Crash und eins hauptsächlich als Ride, was sich auch eher auf die Größe bezog, denn auf vielen Cymbals stand ja noch nicht mal „Crash“ oder „Ride“ drauf! (lacht) Das kam erst später auf. Interessanterweise gibt es heute auch viele Drummer, die das geflissentlich ignorieren. Da gibt es den einen, der mit leichten Sticks auf dem gleichen Cymbal spielt wie ein anderer mit 5B-Sticks – nur der eine hängt es anders auf als der andere und spielt es eher als Crash statt als Ride. Warum sollte man sich da von einer Bezeichnung einschränken lassen? Und hinzu kommt noch, dass heutzutage die Drummer alle viel besser ausgebildet sind und über viel mehr Wissen und meist auch über eine sehr gute Spieltechnik verfügen.

Meinl Cymbals und Drum Center Köln
(Bild: Axel Mikolajczak)

Es gibt ja heute auch viel mehr Möglichkeiten online, über die man sich informieren und weiterbilden kann. Allein auf YouTube findet man zu fast allen Themen Tutorials oder auch inspirierende Drum-Videos von vielen Drummern aus aller Welt.

Dieter Blahak: Und es gibt heute so viele wunderbare Cymbals in einer unglaublichen Vielfalt wie nie zuvor! Als Meinl die „Byzance Traditional“- Serie eingeführt hat, waren das tatsächlich noch diese traditionellen Cymbals aus türkischer Fertigung – mal etwas dicker für die Rock-Drummer, mal etwas dünner für alle anderen. (lacht) Und dann ist man immer mehr in die Tiefen der Klangforschung eingestiegen, um die diversen Stilarten und neusten musikalischen Trends auch passend bedienen zu können. Und man ist auch mal ein Risiko mit ungewöhnlichen Becken mit diesen schmutzigen Sounds eingegangen. Und die sind ja erstaunlich gut angenommen worden. Aus dieser Riesenvielfalt an Beckentypen muss man allerdings das für sich persönlich und für die Musik, die man macht, auch wirklich passende Becken suchen, was nicht ganz so einfach ist. Da hilft natürlich viel Erfahrung mit Becken und Sounds, und vielleicht kann ich ja durch meine Erfahrung ein wenig dabei helfen, genau das passende Becken zu finden.

Wir wünschen dir jedenfalls viel Erfolg mit „Selected by Dieter Blahak“ und bedanken uns herzlich für diesen informativen Cymbal-Talk! 


(aus STICKS 11:12/2018)

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