Dream Theater Drummer im Interview

Mike Portnoy: Jeder gespielte Song bleibt im Kopf

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Matthias Mineur
Mike Portnoy

Mike Portnoy eilt der Ruf als nicht unbedingt pflegeleichtester Musiker dieser Welt voraus. Der Amerikaner gilt als kühl bis abweisend, dabei überaus selbstbewusst und immer auf seine Sache fokussiert.

Als er 2010 nach 25-jähriger Mitgliedschaft seine Band Dream Theater verließ werteten das viele Fans als typisch Portnoysche Egomanie und bedachten ihn in den sozialen Medien mit allerlei Unfreundlichkeiten. Jetzt, sechs Jahre später, hat der 49Jährige sein musikalisches Leben neu sortiert.

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Dabei ist diese neue Musikerkarriere so vielfältig wie nie zuvor. Mike Portnoy spielt derzeit unter anderem bei Transatlantic, der Neal Morse Band, Avenged Sevenfold, Flying Colors oder Metal Allegiance – und hilft aktuell bei Twisted Sister aus. Im Februar 2016 gastierte er mit dem von ihm, Bassist Billy Sheehan und Gitarrist/Sänger Richie Kotzen gegründeten Trio The Winery Dogs in Hamburg. Beste Gelegenheit also, den eigenwilligen Schlagzeuger zu treffen. Fazit dieser Unterredung: Der Mann ist sicherlich nicht unbedingt everybody’s darling, allerdings ein von seinen Kollegen sehr geschätzter Musiker, der sich menschlich weiterentwickelt hat und – neben allem Selbstbewusstsein – durch und durch Teamplayer ist.

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Matthias Mineur

Mike, was ist für dich das Besondere an den Winery Dogs?

Mike Portnoy: Jede Formation, in der ich spiele, ist für mich etwas ganz Spezielles, weil es immer jeweils andere Musikerkollegen sind. In der einen Band spiele ich mit Steve Morse, den ich großartig finde, in einer anderen mit Alex Skolnick und Dave Ellefsen, die ich ebenfalls sehr bewundere. Und bei den Winery Dogs spiele ich eben mit Richie Kotzen und Billy Sheehan, zwei der besten Musiker ihres Metiers. Billy ist ein überragender Virtuose und für mich einer der besten Bassisten aller Zeiten. Richie ist als Sänger, Gitarrist und Songwriter ein absolutes Genie. Mit solchen Koryphäen zu spielen ist natürlich etwas ganz Besonderes. Der Unterschied zu meinen übrigen Bands: The Winery Dogs sind ein Trio. Das fühlt sich physisch und musikalisch völlig anders an als eine vier- oder fünfköpfige Gruppe.

Spielt man als Schlagzeuger deshalb anders? Spielt man geschäftiger oder komplexer?

Mike Portnoy: Weder noch, sondern mehr auf den Punkt. Ich mag das raue Flair in einem Power-Trio. Wenn man nur Bass, Schlagzeug und Gitarre hat, klingt es wie The Who „Live At Leeds“, diese urwüchsige Kraft, dieser raue Charme. Die Situation bei den Winery Dogs ist für mich wie eine frische Brise.

Ist es ungewohnt für dich, ohne Keyboarder zu spielen?

Mike Portnoy: Nein, überhaupt nicht. Außerdem gibt es auf unserem Album ja ein paar wenige Keyboards, die Richie spielt. In allen meinen anderen Bands findet man Keyboarder, bei Dream Theater, in der Neal Morse Band, bei Transatlantic. Immer wenn ich etwas mit Neal Morse mache ist automatisch auch ein Keyboarder involviert. Ich habe in Bands gespielt, etwa bei Bigelf, bei denen die Keyboards sehr organisch klingen. Damon Fox spielt nur Vintage-Keys, also Mellotron und Hammond Orgel. Ich liebe das. Wenn man Keyboards einsetzt, sollten sie so wie bei Damon klingen. Auch bei Gründung der Winery Dogs stand die Überlegung eines Keyboarders im Raum. Letztendlich haben wir uns jedoch dagegen entschieden, weil wir die Idee eines Power-Trios lieben und nichts von der Urwüchsigkeit der Winery Dogs wegnehmen wollen.

Mit Billy Sheehan hast du früher schon zusammen gespielt, mit Richie Kotzen dagegen nicht. Musstet ihr euch aneinander gewöhnen? Gab es Dinge, die dich – positiv oder negativ – überrascht haben?

Mike Portnoy: Es klingt zwar etwas ungewöhnlich, aber Richie ist der Anker bei den Winery Dogs, vergleichbar mit den erwähnten The Who. Das Verhältnis zwischen Billy und mir erinnert mich an Keith Moon und John Entwistle. Sehr interessant, wie busy und spontan Keith Moon und John Entwistle gespielt haben, wie sie einen Kreis um Roger Daltrey und Pete Townsend gezogen haben. Pete Townshend hat Gitarre quasi als der Anker der Band gespielt. Meistens sind ja Schlagzeug und Bass der Anker einer Band, aber bei den Winery Dogs ist es wie damals bei The Who genau umgekehrt. Ich bemerkte dies sofort, als ich zum ersten Mal mit Richie spielte. Er ist der Anker, er hält mit seiner Gitarre und seinem Gesang die Songs zusammen.

Wie viel des typischen Portnoy-Drummings ist in einem Song zu finden, der von Richie Kotzen komponiert wurde?

Mike Portnoy: Ich denke, dass in jedem Song, an dem ich jemals beteiligt war, ein spürbarer Anteil von mir zu finden ist. Es gibt nur eine Ausnahme: Auf den Soloalben von Neal Morse wurde ich ausschließlich als Schlagzeuger engagiert. Aber bei Transatlantic, Flying Colors oder Metal Allegiance, bei den Winery Dogs oder der aktuellen Neal Morse Band existiert eine Form der Zusammenarbeit, bei der ich mich künstlerisch einbringen kann, nicht nur als Schlagzeuger, sondern auch als Arrangeur der Stücke, als Texter und mitunter sogar bei den Gesangsmelodien, immer abhängig von der jeweiligen Konstellation. Bei den Winery Dogs hört man meinen Einfluss aus jedem Song heraus, insbesondere bei den Stücken des aktuellen Albums „Hot Streak“, die wir komplett gemeinsam erarbeitet haben.

Das neue Album entstand im Rahmen von Jam-Sessions, bei denen wir gemeinsam in einem Raum spielten, ohne dass jemand komplette Stücke vorbereitet hatte. Meine Beiträge sind daher weitaus größer als die eines reinen Schlagzeugers. Ich mache Vorschläge zu Arrangements und Tonarten. Ich bin dazu in der Lage, da ich mich in meiner Jugend sehr intensiv mit Musiktheorie befasst habe. Ich besitze die notwendigen Kenntnisse, um auf allen Ebenen mit anderen Musikern kollaborieren zu können.

Das vollständige Interview findest du hier zum Downloaden!

 

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