Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
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Weltenbummler

Mike Terrana: Ich übe jeden Tag 6 Stunden

Mike Terrana trommelte in der Band von Gitarrist Tony MacAlpine, war zwei Jahre lang der Drummer des schwedischen Gitarrenirrwischs Yngwie Malmsteen in dessen Domizil Miami und ging dann nach Europa, um sich unter anderem bei Gamma Ray, Axel Rudi Pell und Rage nützlich zu machen.

(Bild: Tom Schäfer)

 

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Das Repertoire von Mike Terrana umfasst nicht nur irrwitzige Rhythmen und atemberaubende Breaks, sondern auch solide Grooves und geradliniges Drumming. Wir sprachen mit dem Metal-Drummer über seine bewegte Lebensgeschichte und seine Arbeitsphilosophie – ein kurzweiliger Report über eine Karriere, die bunter kaum sein könnte…

Mike, stammst du eigentlich aus einer musikalischen Familie?

Nein. (lacht) Das ist eins meiner früheren Probleme. Mein Vater war Apotheker, meine Mutter Hausfrau. Sie arbeitete als Sekretärin, bevor sie meinen Vater kennen lernte. Ich war immer ein riesiger Schlagzeugfan, wusste schon mit sechs, dass ich trommeln wollte und mit 16, dass ich Profi werden will. Aber das war lange Zeit mein großes Geheimnis.

Mein Vater hatte den Wunsch, dass ich zur Universität gehe und irgendetwas wie Arzt oder Rechtsanwalt werde. Meine Mutter kannte meine Leidenschaft fürs Drumming. Aber sie machte sich Sorgen, hielt nicht viel von einer Karriere als Profimusiker, sondern wollte für mich lieber etwas Solideres. Also ging ich zur Uni, machte aber niemals einen Abschluss, sondern tat es nur, damit meine Eltern beruhigt waren. Für mich stand schon mit dem Ende meiner Schulzeit fest, dass ich Profi-Drummer werden wollte.

Was waren die ersten Konzerte, die du besuchst und die ersten Alben, die du dir gekauft hast?

Ich fing als Achtjähriger an zu trommeln. Das war 1968, und natürlich hörten wir alle die Beatles und all diese Sachen. Schon mit 16 ging ich regelmäßig zu Konzerten. 1976 sah ich eine Rush-Show während ihrer „Caress Of Steel“-Tournee. Ich sah Neil Peart, ich sah sein Solo und ich war vollständig infiziert.

Neil Peart ist also eins der größten Vorbilder?

Meine ersten Idole waren Ringo Starr und Ginger Baker, dann natürlich Mitch Mitchell von der Jimi Hendrix Band. Ich liebte Cream, die Stones, die Beatles, The Who. Alles das, was damals angesagt war. Ich stand auch total auf Creedence Clearwater Revival. Ebenso mochte ich Yes, aber ich hatte nie Lust dazu, ihre Songs nachzuspielen, denn Bill Bruford platzierte seine Snaredrum nie auf die „2“, sondern immer davor oder dahinter. Dagegen war John Bonham genau mein Typ. Led Zeppelin fand ich großartig, „Immigrant Song“ war damals gerade ihr großer Hit.

Man darf in diesem Zusammenhang natürlich Cozy Powell nicht vergessen, den ich 1976 auf „Rainbow Rising“ entdeckte, zusammen mit Ronnie James Dio. Was für ein Album: „Starstruck“, „Stargazer“, all diese wunderbaren Songs. Ich lernte die gesamte Scheibe auswendig.

Woher kommen denn dann deine Fusion-Einflüsse?

Ich mochte auch den Jazzrock der damaligen Zeit, also Weather Report, und Bassist Jaco Pastorius ist einer meiner Lieblingsmusiker. Ich sah Terry Bozzio mit Frank Zappa. Ich mochte alles, also Jazz, Rock, Progressive, Fusion.

Hast du als Jugendlicher viel geübt?

Wie ein Besessener sogar! Ich hatte ein eigenes Drum-Kit im Keller. Ich musste mir alles selbst beibringen, denn Unterrichtsstunden konnte ich mir nicht leisten, zumal meine Eltern dies verboten hatten. Mein Vater sagte: „Ich schicke dich doch nicht zur Schule, damit du etwas über Musik lernst und später dann arbeitslos bist. Die einzige Möglichkeit mit Musik Geld zu lernen ist, wenn du als Musiklehrer arbeitest. Willst du das?“

Ehrlich gesagt lag er mit dieser Einschätzung noch nicht einmal vollkommen daneben. Ich sagte ihm: „Nein, ich möchte Musiker werden, nicht Musiklehrer. Ich will Rock-Drummer werden, der beste weltweit.“

Vielleicht hätte es zu Anfang ja gereicht, wenn du der beste Drummer von Buffalo, New York geworden wärst, deiner Heimatstadt.

(lacht) Ja, du hast Recht. Buffalo ist eine kleine Stadt, vielleicht so ähnlich wie Dortmund, wo ich lange gelebt habe. Buffalo ist ebenfalls eine Stahlhüttenstadt und hat ein ähnlich hartes Flair wie das Ruhrgebiet. Als ich zum ersten Mal in Dortmund war dachte ich: Oh Gott, das ist ja noch schlimmer als meine Heimat.

Stammt Bassist Billy Sheehan nicht auch aus Buffalo?

Ja, stimmt. Er war damals der berühmteste Musiker der Stadt. Als ich 20 war, hatte ich eine Band namens Zillion. Und stell dir vor: Wir waren mit Talas auf Tour, der Band von Sheehan. Ich weiß noch, dass er damals jeden Abend drei Stunden lang seinen Bass checkte. Wir hatten natürlich einen Heidenrespekt vor ihm und übten uns in Geduld.

Wie sah dein allererstes Drum-Set aus?

Mein erstes Kit bekam ich von meinem Onkel, dem Bruder meines Vaters, der mittlerweile allerdings nicht mehr lebt. Er schenkte mir ein altes Slingerland Radio King Drumset mit einer 24″ Bassdrum, anschließend kaufte ich mir selbst ein japanisches Set. Mit 21 bekam ich mein erstes professionelles Kit, ein Pearl.

Ich wollte unbedingt ein Pearl Drumset besitzen, weil Peter Criss von Kiss auch eines spielte. Ich sah Kiss 1974 zum ersten Mal, es war die „Kiss Alive“-Tour, und ich flippte völlig aus. Kiss und Black Sabbath waren damals Giganten. Als „Destroyer“ auf den Markt kam, spielte ich die komplette Scheibe nach, also „Detroit Rock City“ und all diese Sachen. Auch Ian Paice von Deep Purple hatte ebenfalls ein Pearl-Schlagzeug, ich wusste also, dass es eine gute Marke sein musste.

„The Catman played Pearl!“ Ich bin ehrlich gesagt ein wenig neidisch, denn Eric Singer ist ein guter Freund. Er war später der Catman. Hey Mann, wie gerne wäre ich es nur ein einziges Mal!

Wie entstand deine Band Zillion?

Es war ein ziemlicher Kampf. Wir spielten Coverversionen von Dio, Deep Purple, Iron Maiden, Judas Priest und hatten daneben eigene Songs. In unserer Heimatstadt gab es einen Wettbewerb namens „Star Hunt“. Wir gewannen den Wettbewerb und damit eine 16-Spur-Aufnahme, dazu Equipment und Radioeinsätze bei einer Sendung auf „24/7 Rock“ die „Metal Shop“ hieß und von einem Typen namens Carl Russo moderiert wurde. Ein verrückter Typ, der total auf Tacos stand. Also kauften wir eine riesige Portion Tacos, klopften bei ihm ans Fenster und sagten: „Hey Carl, wir haben etwas für dich. Und übrigens: Hier ist unser neues Demo.“

Er spielte es, die Stücke hießen „Molding Metal“ und „Ride The Feeling“. Das Demo besitze ich noch heute. Kurze Zeit später spielten wir bei einer Teenyshow, es war eine der ersten NonAlcohol-Shows, denn sie hatte kurz zuvor das Jugendschutzgesetz geändert. Wir bekamen keine feste Gage, dafür aber das gesamte Eintrittsgeld.

Russo hatte unser Demo ständig im Radio gespielt, deshalb war die Show ausverkauft. Wir bekamen also eine Menge Geld – zumindest für unsere damaligen Verhältnisse – aber der Barkeeper war natürlich stocksauer, weil keiner der Jugendlichen Bier getrunken hatte. Wir aber fühlten uns wie die Könige und hatten das Gefühl, dass wir eines Tages so groß wie Metallica werden würden. Na ja, soweit von diesem Status bist du ja gar nicht entfernt.

Das ist mir im Grunde genommen auch egal. Die meisten Jungs, mit denen ich gespielt habe, sind lange bereits aus dem Muiskbusineess wieder ausgestiegen. Ich dagegen trommele noch immer. Ich habe viel Glück gehabt in meinem Leben und ich weiß das zu schätzen. Wer glaubt, dass man aus Amerika kommend in Europa mit offenen Armen empfangen wird, der irrt. Ich musste immer hart für das kämpfen, was ich erreicht habe.

Hat sich dieser tägliche Überlebenskampf auf dein Schlagzeugspiel ausgewirkt?

Ja, ich denke schon. Ich trommele heutzutage besser und mit mehr Enthusiasmus als jemals zuvor. Weil ich gelernt habe, worum es geht. Ich bin konzentrierter auf das, was ich mache und profitiere von meiner großen Erfahrung.

Ich hab das Geschäft von der Pike auf gelernt, auch wirtschaftlich. Ich managte meine Band Zillion, und wir transportierten immer unsere eigene PA mit uns. Meine Mutter machte die Buchführung, addierte alle Gagen und leider ebenso auch alle Ausgaben. Ich muss zugeben, dass die roten Zahlen allerdings fast immer größer waren als die schwarzen. (lacht)

Wie kam denn dein Engagement bei Yngwie Malmsteen zustande?

Das passierte, nach dem bei Hanover Schluss war. Es war die erste Band mit einem Plattenvertrag, mit der ich tourte. Ich war also stolz wie Bolle, hatte eine coole Frisur und coole Klamotten, ging zu meinen Eltern und sagte: „Schaut her, hier sind die Tourdaten, hier ist die Scheibe, ich hab’s geschafft.“ Doch drei Tage nach dem Tourende rief mich unser Sänger an und sagte: „Wir sind unseren Plattenvertrag los.“

Weil die Verkäufe nicht gut waren?

Ja, und weil es auch interne Probleme gab. Allerdings war MCA damals auch keine gute Plattenfirma für Metal Bands. In Fachkreisen hieß MCA nur „Metal-Friedhof“. Das sagt ja wohl alles, oder?

Für dich ein Schlag ins Kontor, oder?

Ja, natürlich. Was sollte ich machen? Ich bekam von einem Tag auf den nächsten keinen Gehaltsscheck mehr. Mir blieb zunächst nur, bei einer Coverband namens The Trolls einzusteigen, eine damals legendäre Coverband in New York. Wir sahen tatsächlich aus wie die Trolls: kleine Musiker mit Dauerwelle. Ein Jahr lang spielten wir jeden verdammten Club in New York, jeden Abend vier Sets vor betrunkenen Männern und Frauen ohne Zähne.

Dann hatte ich die Nase voll und genug Geld gespart, um mich neu zu orientieren: I took my dreams and my drums in a van and went to california! (kann man wirklich nicht schöner formulieren; Anm. d. Verf.) 3000 Kilometer von Buffalo nach Los Angeles! Dort fing ich an zu arbeiten. Zwei Wochen später bekam ich einen Job bei einem japanischen Gitarrenhelden namens Kuni. Dessen Sänger war Jeff Scott Soto. Der wiederum brachte mich zu Malmsteen. 1993, nach der „Fire And Fire“-Tour, suchte Yngwie einen neuen Drummer. Er fragte Jeff, und der verwies ihn an mich.

Musstest du eine Audition machen?

Soll ich dir sagen, wie es lief? Ich schickte ihm ein Video mit meinem Schlagzeugsolo, er rief mich an und sagte nur: „Ich habe dein Video gesehen. Es ist großartig. Wann kannst du hier nach Miami kommen?“ Er sorgte dafür, dass ich und mein Drumkit zu ihm geflogen wurden.

Dazwischen liegt noch dein Engagement bei Tony MacAlpine.

Ja, auch so eine kuriose Geschichte. Zu Tony MacAlpine kam ich, weil ich Jahre zuvor versucht hatte, ein Demo von Zillion an Plattenlabelchef Mike Varney zu verkaufen. Varney vermittelte mich an MacAlpine, was wiederum gut für meinen Ruf und für das Engagement bei Malmsteen war.

Also ohne Audition?

Ja, ich fuhr zu ihm ins Studio, er präsentierte mir den Song „Never Die“ vom Album „The Seventh Sign“, den ich einzutrommeln hatte, er mischte den Song, war zufrieden mit meinem Spiel und sagte nur: „Okay, du hast den Job!“ Ich blieb zwei Jahre in Miami, wo wir etwa 60 bis 70 Songs als Demos aufnahmen. Malmsteen sagte immer zu mir: „Ich brauche einen Drummer, mit dem ich im Studio arbeiten kann.“

Hat es Spaß gemacht, mit Malmsteen zu arbeiten? War es leicht für einen Schlagzeuger wie dich?

Ich muss sagen: Die bestbezahlten Sachen sind meistens diejenigen, die den wenigsten Spaß machen. Ich hatte wenig künstlerische Freiheit. Er sagte mir, was ich zu tun hatte, und mehr war nicht zu tun. Außerdem ist Malmsteen ein schwieriger Charakter. Zu Beginn war es sein Ego-Problem, dass es für mich schwierig machte, später dann sein Missbrauch von Alkohol und Kokain. Dadurch war er unberechenbar.

Ich war zehn Monate lang ununterbrochen mit ihm auf Tournee und es passierten Dinge, die man nur aus Filmen kennt. Andererseits muss ich sagen, dass Malmsteen ein grandioser und innovativer Gitarrist ist. Er hat das Gesicht des modernen Gitarrenspiels verändert. Das muss man ihm wirklich attestieren. Und wenn er nüchtern war, konnte er ein charmanter, intelligenter und kreativer Mensch sein. Aber leider überlagerten irgendwann Alkohol und Drogen diese Fähigkeiten.

Allerdings was ich ihm auch hoch anrechnen muss: Yngwie gab mir ein Schlagzeugsolo, ohne dass ich darum gebeten hatte. Ganz im Gegenteil: Er bat mich darum. Aber er hatte Probleme damit, andere Menschen zu respektieren. Er besaß auch vor mir keinen Respekt. Als ich das merkte, wusste ich, dass ich so nicht weitermachen kann und will.

Wie verlief dann der Schritt über den großen Teich nach Europa?

Ich spielte 1994 mit Malmsteen in Deutschland, danach ein paar Mal mit Tony MacAlpine in Deutschland und Holland, und jedes Mal gefiel es mir hier. Ich mochte das Essen, das deutsche Bier, die ganze Mentalität der Leute. Dazu kam, dass ich mich als Schlagzeuger in Amerika nicht genügend beachtet fühlte. In den USA ist Heavy Metal tot, nur einige New Metal Bands bekommen dort ein Bein auf den Boden.

Das war auch der Grund für meine Zusammenarbeit mit Steve Lukather: Ich wollte zeigen, was ich alles drauf habe. Als die Band von MacAlpine auseinander brach, stand für mich fest, dass ich es in Europa versuchen werde. Also ging ich nach Holland, wo ich einige Leute kannte und sicher war, dass dort mein Schlagzeugspiel gewünscht ist.

In Deutschland kannte ich nur Roland Grapow, der mich für seine Soloscheibe haben wollte. Ich kannte weder Helloween noch die deutsche Metal-Szene, sondern nur ihn. Roland empfahl mich bei Axel Rudi Pell, der gerade für sein Album „Ballads I“ einen Drummer suchte. Ich ging mit Pell auf Tour, trommelte auf dem ersten Metalium-Album und spielte anschließend auf Rolands Soloscheibe „Kaleidoscope“.

Am Ende dieser Reihe stand dann Rage, mit denen ich sechs Jahre arbeitete. Insgesamt lebe ich jetzt zehn Jahre in Deutschland, in einem Land, in dem ich nur durch Zufall gelandet bin. Mittlerweile wohnst du in Dänemark. Ja, meine Freundin lebt dort, aber Steuern bezahle ich in Deutschland, weil ich hier auch arbeite.

Mike, kannst du dich als Schlagzeuger mal charakterisieren? Was sind deine Stärken und in welchem Bereich möchtest du dich noch weiterentwickeln?

Meine größte Stärke ist sicherlich die Kraft, die ich beim Drumming entwickle. Ich versuche so viel Energie und Dynamik wie möglich in den jeweiligen Song zu bringen. Das, glaube ich, ist der Grund, weshalb Bands und Künstler mich verpflichten. Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, diese Kraft mit Finesse zu verbinden und ganz unterschiedliche Stile zu trommeln. Früher habe ich nur die dicksten Sticks und die schwersten Cymbals verwendet.

Ich kümmerte mich nicht um die unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten eines Schlagzeugs. Jetzt dagegen kann ich Fusion ebenso trommeln wie Rock und Metal und mische Kraft und Finesse mit ungewöhnlichen, technisch komplizierten Fills. Das aber gerade ist bei deiner neuen Band Masterplan nicht gefordert, sondern vielmehr ein songorientierter Groove. Ja, das stimmt. Bei Masterplan muss ich sehr geschmackvoll vorgehen.

Hier ist es wichtig, mit dem Song zu spielen und ihm nicht den Fluss zu nehmen. Ich möchte meine Metal-Einflüsse zeigen, aber auch meine Weiterentwicklung und musikalische Reife. Je älter ich werde, umso mehr Stile interessieren mich.

Wie hältst du dich körperlich und technisch fit?

Wenn ich nicht auf Tournee bin, übe ich sechs Stunden jeden Tag. Das ist etwas, was viele Menschen nicht wissen. Sie denken, dass man als Metal-Drummer nur herumhängt und Bier trinkt. Ich übe jeden Tag sechs Stunden, gehe eine Stunde in den Fitnessraum beziehungsweise jogge abwechselnd jeden zweiten Tag sechs Kilometer. So halte ich mich fit. Inklusive meiner geschäftlichen Sachen, die ich am Computer und per Telefon zu regeln habe, arbeite ich täglich 16 Stunden. Drumming ist mein Lebensunterhalt, aber auch mein Lebensgefühl und meine Leidenschaft.

Ich freue mich jeden Morgen, aufzuwachen und all meine Energie in mein eigenes kleines Business zu stecken. Aber täusch dich nicht: Es ist harte Arbeit, wenn man als Profimusiker überleben will.

Dazu gehören auch deine Workshops und Drum-Clinics, nicht wahr?

Ich mag beides. Ich spiele gerne in einer Band, wenn sie gut ist und aus netten Menschen besteht. Manchmal ärgert man sich mit Leuten herum, die unterschiedliche Ansichten und unterschiedliche Mentalität haben. Das kann ganz schön nerven, vor allem dann, wenn man gemeinsam in einem Tourbus unterwegs ist.

Aber die Drum-Clinics sind etwas, das ich schon immer machen wollte. Es ist ein großer Spaß und eine riesige Ehre, für andere Trommler zu spielen. Ich mache das schon seit 1990 und es ist ein Privileg, gefragt zu werden.

Man muss darauf warten, dass man zu solchen Clinics eingeladen wird. Man kann sich nicht selbst ins Gespräch bringen. Es ist toll, allein da oben zu sitzen, zu seiner Lieblingsmusik zu spielen, ein Solo aufzubauen und die Performance so lange wie man will auszudehnen. Denn die Leute, die da zuschauen, sind selbst Schlagzeuger und sind gerade wegen dieser Performance gekommen. Das macht sehr viel Spaß. In einer normalen Rock- oder Pop-Show geht dies nur sehr begrenzt, denn die Zuschauer sind ja wegen der Songs und nicht wegen eines Schlagzeugsolos gekommen.

Gibt es eine bestimmte Lektion, die du deinem Workshop-Publikum vermitteln willst?

Wenn ich auf Clinics spiele, sind es ja nur etwa 30 Minuten, in denen ich dann bestimmte Fuß- und Arm-Techniken zeige. Wenn ich allein unterwegs bin und mehr Zeit zur Verfügung habe, beantworte ich auch die Fragen meiner Zuhörer. Die meisten sind junge Drummer, die noch vom Rockstar-Dasein träumen. Sie denken, dass man als Musiker, der auf diversen Alben getrommelt hat und cool aussieht, auch reich ist. Ihnen erzähle ich die Wahrheit, sage ihnen, dass die meisten Profimusiker beileibe nicht reich sind, sondern oftmals von ihren Freundinnen unterstützt werden müssen, um überhaupt Musik machen zu können.

Ich erzähle den Jungs die ganze Wahrheit, so dass sie selbst entscheiden können, ob dies ein Leben für sie wäre. Denn dieses Business ist alles andere als sicher und berechenbar. Und wenn man dann auch noch Familie und Kinder hat, ändert dies noch einmal alles von Grund auf. Es verändert dein Leben und es verändert sogar dein Schlagzeugspiel.

 Würdest du alles noch einmal genauso machen?

Ja, garantiert, auch wenn es Momente gab, die ich niemals wieder erleben möchte. Ich kann mich noch allzu gut daran erinnern, wie ich als 19-jähriger mit meiner Band in Kanada spielte und so abgebrannt war, dass ich nichts mehr zu essen kaufen konnte. Wir spielten damals in Stripper-Clubs, in denen oben nackte Mädchen vor Publikum tanzten und unten die Band spielten. Wenn man damals ein Mädchen kennen lernte, dachten die, man sei nur scharf auf Sex.

In Wirklichkeit hatten wir Hunger und suchten jemanden, der uns durchfüttert. Diese Mädchen haben für uns gekocht und dafür gesorgt, dass es überhaupt weiterging mit unserer Band. Manchmal denke ich, dass dies der Grund dafür ist, dass ich so viel arbeite. Ich habe wohl im Unterbewusstsein Angst davor, wieder Hunger zu haben und nehme deshalb jeden Job an, den ich bekommen kann. Dieses Schlüsselerlebnis hält mich wach.

Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
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