Terrana im Interview

Mike Terrana: Künstler wollen ihren Drummer im Hintergrund haben

Neben seiner Klasse als tobender Performer gilt Mike Terrana als Designer außergewöhnlicher Drumkits von spektakulärer Ästhetik. Zudem hat er eine regelrechte Drummer-Figur geprägt, die das Charisma des biestigen Metallers und Stick-Trick-Players plakativ voranträgt.

Als angesagter Hardrock- und Metal-Drummer hat Mike zudem nie die Brücke zu artfremden Styles gescheut. So war er neben Rage, Yngwie Malmsteen und Axel Rudi Pell auch mit der finnischen Sopranistin Tarja Turunen unterwegs. Aus dieser Zusammenarbeit ging das Symphonic-Metal-Projekt „The Beauty And The Beat“ hervor.

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Mike, das letzte Mal trafen wir uns bei Tarja Turunen. Man hört, du bist nicht mehr dabei. Was ist passiert?

Mike Terrana: Keine Ahnung! Auf jeden Fall bin ich raus. Es ging wohl um unterschiedliche Wahrnehmungen der Situation, und anscheinend war ich ich auf der Bühne zu sehr der Eyecatcher …

… gib’s ruhig zu: Du hast ihr die Show geklaut!

Mike Terrana: (lacht) Ja, vielleicht war das ihr Problem. Ich hatte am Ende das Gefühl, dass sie es überhaupt nicht ertragen konnte, wenn ich da meine Drum – show abzog. In dem Moment stand sie nämlich nicht mehr im Mittelpunkt, und es gab quasi eine Akzentverlagerung. Der Fokus richtete sich auf den Drummer, der da an diesem Riesen-Kit das Chaos vollzog. Wenn das jemandem nicht passt, okay. Ich nehme es nicht persönlich.

Vermutlich gehört dein Projekt „The Beauty And The Beat“ nun auch der Vergangenheit an? Tarja Turunen war ja Teil dieser Symphonic-Metal Inszenierung.

Mike Terrana: Beauty & The Beat geht weiter, allerdings mit neuer Besetzung. Das Projekt ist ja meine Idee gewesen, obschon andere etwas anderes behaupten. (grinst) Auf jeden Fall schreibe ich fleißig Songs dafür, und insgesamt ist geht es jetzt mehr in Richtung Rock-Programm. Die Classic- und Opera-Facetten sind etwas in den Hintergrund getreten. So kann ich auch jüngere Generationen besser ansprechen und überhaupt die Fans von Rock-Musik.

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Du bist also nicht unbedingt der geborene Sideman, oder?

Künstler wollen ihren Drummer am liebsten im Hintergrund haben, da, wo es dunkel ist, wo man ihn nicht sieht. Und er soll am besten auch noch die Klappe halten und bloß nicht den Showman und Stick-Twirler machen. Diese Haltung nervt mich! Deswegen bin ich nicht Schlagzeuger geworden. Ich habe Musikmachen nie als Job verstanden. Aber reine Job-Erfüllung scheint heute von einem Drummer erwartet zu werden. Schau dir nur AC/DC an: they hire and fire people. Heute sind wir schon so weit, dass dich der Boss einer Rock-Band feuern kann. Das ist doch völlig grotesk! Ich meine, gerade eine RockBand ist eine Band, und da hält man doch zusammen! Die Moral in diesem Business verkommt allmählich. Das ist doch alles nicht mehr normal! Die letzten Jahre waren rein businessmäßig nicht leicht. Denn man hatte es immer wieder mit Typen zu tun, die nichts anderes konnten als klauen, lügen und leere Versprechungen machen.

Aber diese Leute sind größtenteils weg, denn es waren meist die Drahtzieher von Plattenfirmen. Aber Plattenfirmen gibt’s heute ja kaum noch. Die goldenen Zeiten, in denen man noch Millionen Platten verkaufte, sind definitiv vorbei. Und heute ist Musik zu einer kostenlosen Ware geworden. Geh mal in ein Restaurant und nimm dir ein Sandwich for free. Die schmeißen dich sofort raus und holen die Bullen! Aber in der Musik soll das erlaubt sein? In welcher crazy Welt leben wir eigentlich?! Ich bin vorsichtiger geworden, was Zukunftsperspektiven angeht. Wie hieß es doch so schön: Rock’n’Roll will never die? Ich denke, dieser Slogan hat sich längst überholt. Damals dachte man auch, dass die Ära der Swing-Big-Bands nie untergehen würde. Alles kommt und geht, und als Künstler muss man Entwicklungen im Blick haben. Vor allem muss man sich bewusst machen, wo man selber steht und für was man steht.

Das vollständige Interview gibt es hier zum Downloaden!

 

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