STICKS Cajon Special (3)

Musiker und Dozent Matthias Philipzen im Interview

In Sachen Percussion-Workshops zählt Matthias Philipzen zu den bekanntesten Namen der Szene. Europaweit leitet er Seminare, Clinics und Team-Drumming- Events, um Menschen aller Altersgruppierungen, Laien und Profis die Spielweisen der verschiedensten Percussion- Instrumente zu vermitteln.

MATTHIAS PHILIPZEN
(Bild: Tom Schäfer)

Zudem ist er immer wieder Gast-Dozent an europäischen Hochschulen und tourt als Percussion-Drummer mit den unterschiedlichsten Projekten rund um die Welt.

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Ist die Cajon für dich DIE Entdeckung des Jahrhunderts gewesen?

Matthias Philipzen: Ja, absolut! Ich verknüpfe meinen musikalischen Lebensweg sehr eng mit diesem wunderbaren Instrument. Die klangliche Vielfalt der Cajon ist unübertroffen; ihr musikalischer Einsatzbereich schier grenzenlos.

Wie setzt du die Cajon hauptsächlich ein? Als eigenständiges Instrument oder als Drumset-Alternative?

Matthias Philipzen: Es gibt für mich keine Unterscheidung von Percussion und Drumset. Heute spricht man häufig von Hybrid- Sets, aber für viele von uns Trommlern war es schon vor langer Zeit sehr reizvoll, Percussion in das Drumset zu integrieren. In welcher Form ich meine Cajon einsetze, ist immer sehr vom Projekt und der Musik abhängig. Dabei spiele ich selten die Cajon als einziges Instrument. Eine Ausnahme bildet allerdings das Duo mit meinem Gitarristen. Oft nutze ich die Cajon als bespielbaren Drum- Hocker in Verbindung mit Becken und Shakern.

Die Cajon ist in Deutschland ein relativ junges Instrument. Folglich gibt es einen unüberschaubaren Wildwuchs an Spieltechniken. Kann man da von richtig oder falsch reden? Oder ist es gerade der intuitive Kern der Cajon, der alle Freiheiten zulässt und so zum Erfolg dieses Instruments geführt hat?

Matthias Philipzen: Für mich gibt es keinen Wildwuchs der Techniken. Schaut man den Spielern auf die Hände, die sich intensiv mit der Cajon auseinandergesetzt haben, wird man immer auf eine laute und der Conga-Technik artverwandte sowie auf eine leise, den Peruanern traditionell zugeschriebene Spieltechnik stoßen. Diese beiden Schlagtechniken sind für mich Gesetz, um die Cajon zum Klingen zu bringen. Zudem sind einige von anderen Percussion-Instrumenten adaptierte Techniken wie die Split-Hand sehr reizvoll und haben das Cajon-Spiel in den letzten Jahren immens bereichert.

Was fasziniert dich persönlich am Sound der Cajon?

Matthias Philipzen: Es ist ihr warmer Ton, der sich unaufdringlich mit anderen und insbesondere Holzinstrumenten mischt. Zudem ist die Assoziation zum Drumset greifbar. Dies war der Grund, mich als Schlagzeuger einer Handtrommel zuzuwenden. Die Cajon war mein Einstieg in die Welt der Percussion.

Was ist denn der größte Fehler, den man als Cajon-Spieler machen kann?

Matthias Philipzen: Die Cajon ist ein relativ leises Percussion- Instrument. Der größte Fehler ist es, fehlende Lautstärke durch Kraft auszugleichen, wenn die Band laut ist und die Cajon nicht durch ein Mikrofon verstärkt wird. Die Hände leiden dann immens, und die Muskeln verkrampfen.

Was sind deine musikalischen Schwerpunkte: Workshops oder Konzerte spielen?

Matthias Philipzen: Konzerte sind für uns Musiker das Größte! Doch leider hat sich die Szene dramatisch verändert, und gut bezahlte Gigs sind selten geworden. Also habe ich mir ein weiteres Standbein und damit eine kreative Alternative durch regelmäßige Workshops aufgebaut. Es ist die Kunst, beide Aspekte – Lehrtätigkeit und das Live-Spiel – mit guten Projekten auszubalancieren. Dann ist unser Beruf ein Privileg!


Website

matthias-philipzen.de

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