Produkt: Sticks 11-12/2019
Sticks 11-12/2019
MARK SCHULMAN – Stadion-Rock mit Pink! +++ Nicholas Collins +++ Richie Gajate-Garcia +++ REPORT: Dresdner Drum & Bass Festival 2019 +++ LUDWIG Heirloom Anniversary Snaredrum +++ UFIP Experience Balst Cymbals +++ MAPEX Design Lab Cherry Bomb Drums 2470
Iron Maiden Drummer ganz persönlich

Nicko McBrain im Interview

Wir trafen Nicko McBrain 2011 auf einer ausgiebigen Workshop-Tour durch deutsche Städte, um das brandneue „Spirit of Maiden“-Drumset von Premier zu präsentieren. Dabei gastierte Nicko auch auf der Hausmesse von Musik Produktiv in Ibbenbüren. Natürlich ließen wir uns die Gelegenheit nicht nehmen, ein exklusives Gespräch mit dem legendären Iron-Maiden-Drummer zu führen.

(Bild: Matthias Mineur)

Hallo Nicko, du siehst mich ehrlich gesagt ziemlich erstaunt, dass man dich bereits wenige Wochen nach dem Ende der großen Welttournee mit Iron Maiden schon wieder auf eigener Workshop-Tour antreffen kann. Schiebst du etwa bereits Langeweile?

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Oh nein! Hier geht es vor allem darum, das „Spirit of Maiden“-Drumset zu präsentieren. Die Idee des „Spirit Of Maiden“-Drumsets existiert ja bereits seit zweieinhalb Jahren, aber von der ursprünglichen Idee bis zur tatsächlichen Umsetzung bedarf es immer einiger geschäftlicher Vorbereitungen. Erste Überlegungen eines Replica-Sets kamen ja schon auf, kurz nachdem wir das „Iconic Eddie“-Kit entwickelt hatten, aber so etwas muss innerhalb einer Firma natürlich genau besprochen werden. Irgendwie wurde in all den Jahren an dieser Idee festgehalten, der Plan war bei uns sozusagen immer im Hinterkopf.

Als dann Anfang 2011 feststand, dass die Iron-Maiden-Tour im August endet und ich für den Rest des Jahres keine weiteren Verpflichtungen habe, wurde die Idee des „Spirit Of Maiden“-Kits gezielt forciert. Zusammen mit Colin Tennant, dem Produktmanager von Premier England, wurden die Details besprochen, beispielsweise wie das Kit optisch und technisch ausfallen soll. Eddie war eh immer schon auf meinem eigenen Drum-Kit aufgedruckt, er ist unser Maskottchen, eine Art lebendes Wahrzeichen der Band. Und nun ist das Set tatsächlich fertig. Es ist ein tolles Kit geworden, auf dem ich heute genau das spielen werde, was ich normalerweise auf meinem weitaus größeren Kit spiele. Für die anwesenden Zuschauer ist das eigentlich sogar noch viel besser, denn sie können sehen, dass man die Iron-Maiden-Songs auch mit diesem fünfteiligen „Spirit Of Maiden“-Kit spielen kann.

Ich nenne diese Performance zwar Workshop, aber im Grunde genommen überlasse ich das lieber Leuten wie Thomas Lang und Konsorten, die über ein unglaublich technisches Repertoire verfügen. Ich dagegen bin ein reiner BandTrommler. Ich spiele zwar auch ein kurzes Solo, aber ich gehöre nicht zu den Leuten, die so etwas bei ihren Workshops zelebrieren. Ich gehe einfach nur auf die Bühne, stelle den Leuten das neue Drum-Kit vor und spiele das, was ich sowieso immer spiele, und das sind nun einmal die Songs von Iron Maiden. Hinzu kommt, dass man in meinem Alter nicht faul werden, sondern immer etwas um die Ohren haben sollte! (lacht)

Um dich fit zu halten? Oder um Langeweile zu vertreiben?

Es ist ein großer Unterschied, ob ich zu Hause für eine Stunde in meinem Proberaum gehe oder ob ich auf dieser Tour jeden Tag eine Stunde vor Publikum spiele. Denn auch wenn die Band nicht persönlich anwesend ist, so ist sie über das Playback, zu dem ich spiele, dennoch allgegenwärtig. Ich finde das wundervoll, denn ich vermisse die Jungs unendlich. (lacht) Und wenn ich sie dann treffe, gehen sie mir schon gleich wieder auf die Nerven. (lacht noch lauter los) Nein, das war jetzt ein Scherz!

Was sind denn die signifikanten Unterschiede zwischen deinem eigenen großen Drum-Kit und dem „Spirit Of Maiden“-Set? Abgesehen davon dass es nur ein fünfteiliges anstatt ein elfteiliges Kit ist.

Natürlich spielt man völlig anders, außerdem sind Holz und Klang des preiswerten „Spirit Of Maiden“-Kits anders als bei meinem eigenen top-class „Iconic Eddie“ Drum-Set. Das „Spirit of Maiden“-Set gehört zur APK-Linie. Die Kessel sind aus Birke, eigentlich alles ganz normal. Der Unterschied ist, dass man als Drummer völlig anders denken muss, wenn man von einem elfauf ein fünfteiliges Kit wechselt. Mit einem fünfteiligen ist es viel einfacher zu trommeln als mit einem elfteiligen, weil das Kit übersichtlicher ist. Wenn ich eine Drum-Figur spiele, muss ich im Prinzip schon vorher genau wissen, auf welchem Tom ich beginne, um am Ende wie gewünscht auf dem Floor-Tom zu enden. Bei einem fünfteiligen Kit mache ich dagegen einfach mehr Schläge auf weniger Toms und kann das Ende deshalb leichter timen.

Nenn bitte mal ein Beispiel!

Bei der Iron-Maiden-Nummer „The Trooper“ gibt es beispielsweise ein sehr langes Drum-Fill, das auf dem obersten Tom startet und dann in regelmäßigen Schritten bis zum Floor-Tom nach unten läuft. Mit dem fünfteiligen Kit muss man einfach ganz anders denken und kann dennoch genau den gleichen Part spielen. Es kommt einfach nur darauf an, wo man das Fill auf dem Drum-Kit startet. Ich finde das sehr interessant und entdecke immer wieder etwas Neues: Gestern zum Beispiel startete ich das Drum-Fill zum ersten Mal in meinem Leben auf der Snaredrum. Sofort spürte ich: Wow, das gefällt mir! Sollte ich vielleicht öfters mal machen! Was ich damit sagen will: Diese Workshops sind auch für mich ein Lernfeld, weil ich Dinge spiele, über die ich mir zuvor noch nie Gedanken gemacht habe. Bei Iron Maiden würde das Meiste davon vermutlich nicht funktionieren, zumal es meine Band-Kollegen auch ganz anders von mir gewohnt sind.

Bei der gestrigen Show habe ich mitten im Set das obligatorische Drum-Solo gespielt und landete plötzlich in einem Jazz-Part, was ich normalerweise nie tue. Aber weil es nun einmal ein fünfteiliges Set ist und man anders an die Sache herangeht, entstehen plötzlich Dinge, die mich selbst überraschen.

Das bedeutet also, dass du kein festes Konzept hast, wenn das Solo beginnt, sondern dass du spontan entscheidest, was du spielen willst.

Ja, so ist es. Natürlich gibt es ein paar Eckpunkte, die ich bei jedem meiner Soli ansteuere, aber weil ich außer heute fast immer nur zwei Cymbals dabei habe – ein Crash und ein Ride –, ist eh alles sehr limitiert und fordert große Spontaneität von mir. Bei Maiden sind es zehn Cymbals, da gibt es allein drei Crash-Cymbals auf der linken Seite plus China plus, plus, plus. Ich habe mich daran gewöhnt und spiele dementsprechend. Heute wird es vermutlich so sein, dass ich ein oder zwei zusätzliche Cymbals auf der Bühne haben werde, weil ich unter anderem die Nummer „2 Minutes To Midnight“ spiele, bei der zwei Cymbals nicht ausreichen, da es einen ganz bestimmten Crash-Part auf einem China gibt, der für die Nummer signifikant ist. In diesem Workshop gibt es sehr viel Spontaneität, das meiste wird augenblicklich entschieden, und nur ein paar Eckpunkte sind festgelegt.

Diese Präsentationen meisterst du dennoch sehr souverän.

Ich bin immer schwer beeindruckt, wenn Thomas Lang und seine Kollegen loslegen. Ich stehe dann da und denke: Wie hat er denn das nun gerade gespielt? (lacht) Ich liebe es, diesen Leuten zuzuschauen und darüber zu staunen, was sie alles können. Ich mache das, was ich kann, und ich fühle mich gesegnet, dass die Leute das mögen. Ich freue mich über diese Anerkennung. Die Leute kommen sowieso deshalb zu diesen Workshops, weil sie das neue Drum-Set hören wollen, denn Weihnachten steht vor der Tür, es gibt viele junge Musiker, die sich für ein fünfteiliges Kit interessieren. Natürlich sind auch Iron-Maiden-Fans hier anwesend, doch die meisten Zuschauer sind Musiker und wollen hören, was das „Spirit Of Maiden“-Kit kann. Seit der „Piece Of Mind“-Tour habe ich den Eddie auf meinen Drums, als Gimmick haben wir beim „Spirit Of Maiden“-Kit den Iron-Maiden-Schriftzug auf die Snaredrum gedruckt.

Kannst du mal kurz beschreiben, wie das Playback-Tape aufgebaut ist, zu dem du bei diesen Präsentationen spielst?

Es sind einfach Aufnahmen aus einer Iron-Maiden-Show

Bei denen du im Studio die Schlagzeugspuren gelöscht hast?

Richtig. Vor ein paar Wochen rief ich unseren Produzenten Kevin Shirley an und bat ihn, dies zu machen. Er sagte: „Nick, wie stellst du dir das vor? Ich bin gerade in Schweden, in Stockholm, und arbeite mit Europe an ihrem neuen Album. Woher soll ich jetzt die Zeit nehmen?“ Ich antwortete: „Kevin, nimm einfach nur drei Songs der ‚Flight 666‘-DVD.“ Wir haben zwar eine brandneue Live-Scheibe in der Hinterhand, aber die wird wohl erst irgendwann später in 2012 veröffentlicht werden. So wie es aussieht, kommt dann eine neue Live-DVD mit noch mehr „Behind The Scene“-Zeugs auf den Markt.

Wo wurde sie aufgenommen?

In Südamerika. Kevin fragte, ob ich etwas von diesen Aufnahmen haben möchte, aber ich sagte: „Nein, gib mir etwas von den alten Aufnahmen, die wir vor vier Jahren gemacht haben.“ Also verwenden wir jetzt „The Trooper“, „2 Minutes To Midnight“ und „Moonchild“.

Du spielst also zu einem Clicktrack? Obwohl du dies früher immer abgelehnt hast? Nein, ich brauche keine Clicktracks, auch jetzt nicht, denn ich habe ja alles richtig gespielt. (lacht) Die Songs sind live, und so handhabe ich es auch bei den Workshops. Es gibt eine kleine Änderung zum Original, denn eines meiner Fills in „Moonchild“ war bei den Originalaufnahme nicht ganz genau an der richtigen Stelle. Das korrigiere ich jetzt bei diesen Performances, aber alles andere bleibt gleich.

Stimmt es denn, was mir vor drei Jahren Steve Harris erzählt hat, nämlich dass du mittlerweile die Nummern zumindest nach einem Clicktrack einzählst?

Ja, das stimmt. „The Trooper“ und auch „2 Minutes To Midnight“ werden nach Click eingezählt, doch ab dann laufen sie frei.

Diese Drumkit-Präsentation muss ziemlich schwierig für dich sein, denn bei einem richtigen Maiden-Konzert orientiert sich die Band an dir, während du dich jetzt bei den Workshops quasi nach dem Rest der Band richten musst.

Ja, das stimmt, aber ich spiele schon so lange bei Iron Maiden, dass mir die Songs in Fleisch und Blut übergegangen sind. Sehr wichtig dabei ist nur, dass ich sowohl mich als auch das Playback gut hören kann. Mit Monitorboxen funktionierte das nicht richtig, deshalb benutze ich jetzt Kopfhörer. Wenn ich reguläre Monitore verwenden würde, könnte ich schnell einen genau definierten Mix verlieren. Ansonsten ist alles so, als wenn ich mit meiner Band spielen würde. Bislang hatte ich noch nie Probleme, aber jetzt, da ich dies zu dir sage, werden bestimmt sofort die ersten Probleme auftauchen. (lacht)

Du hörst über die Kopfhörer also die Musik und auch einen Monitormix deines Drum-Kits?

Ja, genauso ist es. Das Schlagzeug rechts, die Band links. Zusätzlich habe ich einen kleinen Mischer, mit dem ich die Verhältnisse untereinander und auch den Mix des Drum-Kits verändern kann. Übrigens nicht nur hinsichtlich der Lautstärke, sondern auch bezüglich des Tons, also Höhen, Tiefen, Mitten, etc. Ich habe einen Mix gefunden, bei dem ich mich wohlfühle. Mein Drum-Techniker Charlie Charlesworth, der während des Workshops ein paar Anweisungen bekommt, hilft mir dabei.

Wie waren bislang die Reaktionen der Fans auf diese Workshops?

Sehr gut! Die Shows sind immer etwa 90 Minuten lang, anschließend gibt es noch eine Autogrammstunde, es herrscht ein sehr inniges Verhältnis zu den Besuchern, die zu den Workshops kommen. Jeder erhält sein gewünschtes Autogramm, ich bleibe solange, bis der letzte Besucher gegangen ist. Diese Workshop-Tour ist um einiges anstrengender als Welttourneen mit Iron Maiden. Das Hauptproblem ist: Wenn man einen Song spielt und dann erst einmal mit den Leuten spricht, geht die aufgebaute Energie verloren. 15 Minuten später spiele ich den zweiten Song, wieder baut sich die Körperspannung auf, ich spiele ein Schlagzeug-Solo und spreche dann erneut mit den Zuschauern, was bedeutet, dass die Körperspannung erneut nachlässt. Am Ende trommle ich den letzten Song, und speziell den erlebt mein Körper immer als brutale Herausforderung, denn er muss erneut von Null auf Hundert hochfahren.

Für meinen Körper ist es leichter, sich ans Drumkit zu setzen und eine zweistündige Show durchgehend zu trommeln. Denn dann bin ich durchgehend konzentriert, mein Körper ist warm, meine Muskeln sind geschmeidig, das alles macht die Sache für den Körper deutlich leichter.

Was genau erzählst du den Fans eigentlich? Und was wollen sie von dir wissen?

Nun, ich erzähle ein bisschen von mir, von Iron Maiden, ich mache ein paar Witze, alles ist bunt gewürfelt. Manchmal fragen die Fans: „Machst du dir Notizen für deinen Drumparts?“ Ich antworte: „Ja, mache ich! Und die Notizen sehen folgendermaßen aus: vier Takte Intro, erste Strophe, erster Refrain, zwei Takte Intro, zweite Strophe, Bridge, zweiter Refrain. Dazu mache ich mir Notizen, welche Breaks und Fills ich über welche Toms spielen will. Nach diesem Muster lerne ich die Songs und dann geht es los.“

Die Fans fragen beispielsweise auch: „Wie stimmst du die Snaredrum?“ Ich zeige es dann den Zuschauern, soweit ich das selbst überhaupt kann. (lacht) Bei mir ist das Resonanzfell der Snaredrum immer sehr stramm gespannt, wirklich sehr stramm. Und man muss beim Stimmen immer hundertprozentig konzentriert sein. Ich habe herausgefunden, dass die Spannung des Resonanzfells den Ton stark beeinflusst. Man muss da also wirklich sehr genau hinhören, um die richtige Spannung zu bekommen. Man sollte also ein wenig experimentieren und herausfinden, welchen Sound man haben möchte.

Entscheidend ist ja immer auch, wie der Sound deines Bassisten ist und wie schnell sich der in der Snaredrum fängt. Das ist immer eine Frage von bestimmten Frequenzen.

Die Kids hören immer ganz gespannt zu, auch wenn ich weiß, dass einige von ihnen gar keine Musik machen, sondern nur anwesend sind, weil sie Maiden-Fans sind. Aber ich freue mich darüber, ich weiß die Liebe der Fans zu dieser Band sehr zu schätzen. 90% der Fans wollen natürlich Geschichten von Iron Maiden hören.

Die jungen Drummer fragen: „Welche Sticks spielst du, hast du deine eigenen Anfertigungen, und kann ich davon ein Paar bekommen?“ Ich antworte dann: „Nein, kannst du leider nicht!“ (lacht)

Produkt: Sticks 11-12/2019
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MARK SCHULMAN – Stadion-Rock mit Pink! +++ Nicholas Collins +++ Richie Gajate-Garcia +++ REPORT: Dresdner Drum & Bass Festival 2019 +++ LUDWIG Heirloom Anniversary Snaredrum +++ UFIP Experience Balst Cymbals +++ MAPEX Design Lab Cherry Bomb Drums 2470

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