Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
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CLASSIC DRUMMERS

Norman Tiny Khan & andere Bebop-Drummer

Willkommen zu neuen Folgen unserer Workshop-Serie über die „Classic Drummers“ der Jazz-Geschichte. Hier möchte ich den Fokus auf einige etwas weniger bekannte Drummer der Bebop-Ära richten, welche damals allerdings nicht weniger angesehen waren als ihre bekannteren und heute noch verehrten Kollegen.

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Tiny Kahn – * 1924 in New York City † 19. 08. 1953 in New York City (Bild: Timo Ickenroth)

Beginnen möchte ich mit einem der wichtigsten „Nobodies“, welcher seine Zeitgenossen des Bebop nachhaltig beeinflusste, nämlich mit Norman „Tiny“ Kahn, über welchen unter anderem gesagt wurde:

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„Der musikalischste Schlagzeuger, dem ich jemals begegnet bin.“ (Red Rodney, US-amerikanischer Jazz-Trompeter)

„Sein Stil war eine Kombination aus Dave Tough und einem vereinfachten Max Roach.“ (Mel Lewis)

Tiny Kahn am Schlagzeug
Tiny Kahn am Schlagzeug (Bild: Timo Ickenroth)

Norman „Tiny“ Kahn, welcher alles andere als „tiny“ (winzig) war (er wog mehr als 150 kg), wurde 1924 in New York City geboren und wuchs in Brooklyn auf. Tinys Wesen war warmherzig, sensibel, er war stets gut gelaunt, hatte immer einen Witz auf Lager und war somit überall sehr beliebt und gern gesehen. Sein erstes Instrument, die Harmonika, begann er im Alter von sechs Jahren zu spielen, zum Schlagzeug kam er mit fünfzehn. Unterricht erhielt er in unregelmäßigen Abständen von Freddie Albright und Henry Adler, alles in allem nur ca. 16 Monate lang. Tiny hörte sich jegliche Art von Musik an und analysierte sie, nicht nur das Schlagzeugspiel, sondern auch die Komposition und das Arrangement.

Mit der Zeit und wachsender Erfahrung entwickelte Tiny Kahn seinen ganz eigenen, einzigartigen Schlagzeugstil. Allen voran spielte er damals schon ausnahmslos Matched Grip, nur mit Besen spielte er Traditional Grip. Außerdem verzichtete er auf die durchgehend in Viertelnoten gespielte Bassdrum, und er hob nicht zwingend die „2“ und „4“ mit der Hi-Hat hervor. Dennoch ermöglichte ihm diese (besonders für damalige Verhältnisse) ungewöhnliche Spielweise sowohl in kleinen Combos als auch in Big Bands problemlos zu bestehen, ohne sich beim Spielen auf die jeweilige Band spieltechnisch umstellen zu müssen.

„He did what was necessary and knocked everybody out.“ (Terry Gibbs)

„Er spielte grundsätzlich das Gleiche in Stan Getz’ kleiner Gruppe als auch in Chubby Jacksons Big Band“, so Mel Lewis über Kahn. „Tiny führte das improvisatorische Gefühl der kleinen Gruppen in Big Bands ein. Er hatte die Flexibilität, das passende Gegenstück zu demjenigen zu sein, mit wem auch immer er spielte“, so Lewis weiter. Tiny Kahn spielte während seiner kurzen Karriere außer mit Saxofonist Stan Getz und Bassist Chubby Jackson, in wessen Band er eine Schlüsselfigur darstellte, unter anderem auch mit den Saxofonisten Georgie Auld, Boyd Raeburn und Charlie Barnet, Trompeter Henry Jerome sowie Pianist Elliot Lawrence.

Neben seinen Fähigkeiten als Drummer war er zudem auch ein talentierter Vibrafonist und außerdem ein begnadeter Komponist, wenn auch kein guter Pianist. Er komponierte, wie er Schlagzeug spielte: simpel, aber umso mehr mit musikalischer Finesse. „Tiny’s Blues“ und „Father Knickerbopper“ stammen zum Beispiel aus seiner Feder. Arrangements von ihm schafften es unter anderem auch in das Repertoire der Bands von Chubby Jackson, Charlie Barnet und sogar Woody Herman.

„One of my favorite drummers of all time.“ (Stan Getz)

Warum aber ist der bei seinen damaligen Kollegen so beliebte und geschätzte Tiny Kahn heute den wenigsten Drummern bekannt? Zum einen liegt es bestimmt daran, dass er bereits im Alter von erst 29 oder 30 Jahren (die Quellen gehen hier etwas auseinander) an einem Herzinfarkt starb, vermutlich eine Folge seines hohen Gewichts. Eine andere Erklärung für seine geringe Wertschätzung heutzutage könnte auch sein, dass er nicht der größte Techniker war, eher unspektakulär spielte und überhaupt nicht auf „Showmanship“ aus war. Ihm ging es einzig allein um die Musik, und genau das machte ihm zu einem der geeignetsten Schlagzeuger der Bebop-Ära mit der besonderen Fähigkeit, seine Mitmusiker anzuspornen, in Sicherheit zu wiegen und jede Band besser klingen zu lassen als jemals zuvor. Auf Tiny Kahn war musikalisch Verlass, er rückte sich nicht in den Vordergrund und platzierte seine Fill-ins außerordentlich geschmackvoll und präzise.

„The man was an extremely musical player – a real listening drummer. His way of playing just worked.“ (Mel Lewis)

Mel Lewis: „Er spielte großartige Fill-ins und Einsätze, welche die Band kickten“. Seine Kollegen schätzen an ihm zudem sein perfektes Timing, sein melodisches Spiel und sein außer gewöhnliches Gespür für Dynamik. Das alles zusammengenommen machte ihn zu einem der unverwechselbarsten Drummer seiner Zeit, und er hätte bestimmt einer der ganz Großen werden können.

„The man was an extremely musical player – a real listening drummer. His way of playing just worked.“ (Mel Lewis)

Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
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