Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums
Aus dem STICKS-Archiv!

Papa Jo Jones: Der Jazz-Drummer

Jonathan David Samuel Jones, berühmt als „Papa“ Jo Jones, „der Mann, der spielte wie der Wind“, ist unumstritten einer der Revolutionäre des frühen Jazzschlagzeugs, einer der großen Mitbegründer des modernen Drumming und Vorbild, Vaterfigur und Ideengeber für viele nach ihm kommende Schlagzeuger-Generationen, bis in unsere Tage hinein. Er beeinflusste unmittelbar so populäre Schlagzeuger wie Buddy Rich, Kenny Clarke, Roy Haynes, Max Roach und Louis Bellson. Bei einem der führenden Swing-Gruppen der Vierziger Jahre, dem Count Basie Orchestra, war er einer der Vorreiter eines neuen Schlagzeugstils, wenn nicht sogar der ausschlaggebende Initiator.

papa-jo-jones-1
* 07. 10. 1911, Chicago, Illinois † 03. 09. 1985, New York, New York (Bild: Timo Ickenroth)

Als einer der Ersten reduzierte, akzentuierte und befreite er sein Spiel auf der bis dahin monotonen Bassdrum und verlegte das Timekeeping hauptsächlich auf die Hi-Hat. Damit löste er das Schlagzeug von seiner bis dahin mehr oder weniger starren Position zu einem zunehmend freier werdenden Instrument. Das Schlagzeug wurde erwachsen! „Papa“ Jo Jones war bestimmt nicht der einzige Schlagzeuger zu dieser Zeit, der sich an diesem neuen Stil probierte, aber mit welcher Finesse und Musikalität er dies tat war schon außergewöhnlich. Zudem kultivierte er ein neues, vorher so noch nicht dagewesenes Besenspiel und auch sein Spielwitz, sein musikalisches und dynamisches Einfühlungsvermögen, die hervorragende Technik und Präzision, seine ansteckende Lebendigkeit und Sympathie, seine Fingerfertigkeit und Innovation, die Hi Hat mehr legato-phrasiert zu spielen, indem er sie oft halb offen ließ und neu zu akzentuieren und zu rhythmisieren, sind bis heute legendär.

Anzeige

papa jo jones
(Bild: Timo Ickenroth)

Auch seine für damalige Verhältnisse eher kurzen Soli waren herausragend, immer eingebettet in eine sinnige Form, geprägt von Swing, melodischen Phrasen, gekonnten Cross-Sticking-Licks, viel Humor und einer optischen Lässigkeit, gleich die einem Stepptänzer, die bis heute seinesgleichen sucht – und das stets mit einem breiten, sympathischen Lächeln im Gesicht. Ein Gentleman und Entertainer wie aus dem Bilderbuch.

Geboren wurde der lebensfrohe „Papa“ Jo Jones in der zu dieser Zeit wachsenden Metropole des Nordens, in Chicago. Seine Familie zog später ins ca. 1270 km weit entfernte Alabama um, wo er den restlichen Teil seiner Kindheit und Jugend verbrachte. Hier erlernte er den Stepptanz und die unterschiedlichsten Instrumente wie Saxophon, Trompete, Klavier und eben Schlagzeug. Seine ersten Jobs, noch im Teenageralter, machte er als Sänger, Drummer und als Stepptänzer in diversen Shows bevor er gegen Ende der Zwanziger Jahre in Oklahoma zu den Blue Devils stieß, einer der führenden Jazzbands im Südwesten der USA, geleitet von Bassist und Multiinstrumentalist Walter Page. Nach Jo Jones eigenen Aussagen war es Page, der ihm die entscheidenden Impulse dazu gab, die Hi-Hat in einer vorher noch nicht so gehörten, mehr gebundenen Art und Weise zu spielen – ein Hinweis, mit dem Jo Jones Jazzgeschichte geschrieben hat. Es folgte noch eine Station in der Big Band von Trompeter Lloyd Hunter, bevor Jo Jones 1933 wahrscheinlich die größte Chance seines Lebens bekam, nämlich dem neu gegründeten Orchester von Pianist Count Basie beizutreten.

papa-jo-jones
(Bild: Timo Ickenroth)

Count Basies Klavierspiel entsprach ungefähr dem, was Jo Jones auf dem Drumset fabrizierte: nämlich einen leichthändigen, humorvollen und subtilen Stil zu pflegen. Zusammen mit Count Basie, seinem ehemaligen Bandleader Walter Page und dem Gitarristen Freddie Green bildete er eine der wichtigsten, und einflussreichsten Rhythmusgruppen im Jazz überhaupt und gab ihr mit seinem Spiel den letzten Schliff und ihren typischen Sound. Paul Whiteman, selbst ein bekannter Bigband-Leiter, nannte die vier einst ehrerbietig die „All American Rhythm Section“, und schnell wurde diese Wertschätzung von allen Jazzfans weltweit geteilt und in ihr Vokabular übernommen.

papa-jo-jones-3
(Bild: Timo Ickenroth)

„Papa“ Jo Jones musste allerdings eine zweijährige Zwangspause einlegen, da er vom Militär einberufen wurde, kehrte aber danach zu Count Basie zurück und blieb dieser Band bis 1948 treu um dann eigene Wege als Freiberufler zu gehen. Er spielte in dieser Zeit unter anderem mit der bedeutenden Sängerin Billie Holiday, mit Schlagzeuger, Vibraphonist und Bandleader Lionel Hampton, Saxophonist Sonny Stitt, Pianist Teddy Wilson, Saxophonist Lester Young, Klaviervirtuose Art Tatum und Jazzlegende Duke Ellington. Und immer wieder kam es zu Wiedervereinigungen mit Count Basie und ehemaligen Basie-Band-Mitgliedern, so unter anderem 1957 beim Newport Jazz Festival, sowohl mit Count Basie als auch mit dem Coleman Hawkins/Roy Eldridge Sextett.

papa-jo-jones-2
(Bild: Timo Ickenroth)

Im gleichen Jahr tourte Jo Jones mit Ella Fitzgerald und Oscar Peterson durch Europa und spielte Auftritte im Rahmen der „Jazz at the Philharmonic“-Konzerte. „Papa“ Jo Jones machte in den Fünfzigern viele Aufnahmen unter eigenem Namen für Vanguard Records und Everest und in den Siebzigern für Jazz Odyssey, Pablo und Denon. Seine letzte Aufnahme, zusammen mit Pianist Hank Jones, Saxophonist Jimmy Oliver und Bassist Major Holley stammt aus dem Jahr 1982 und wurde unter dem Titel „Our Man Papa Jo“ veröffentlicht. Neben all diesen zahlreichen Aktivitäten fand er die ganzen Jahrzehnte hindurch auch noch Zeit in Filmen mitzuwirken (wie zum Beispiel 1944 in „Jammin’ The Blues oder 1957 in „The Sound Of Jazz“), zu unterrichten und einen Musikladen zu betreiben.

 

Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums

Kommentar zu diesem Artikel

Pingbacks

  1. Papa Jo Jones: Drum Grooves › STICKS

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren