Produkt: Sticks 11-12/2019
Sticks 11-12/2019
MARK SCHULMAN – Stadion-Rock mit Pink! +++ Nicholas Collins +++ Richie Gajate-Garcia +++ REPORT: Dresdner Drum & Bass Festival 2019 +++ LUDWIG Heirloom Anniversary Snaredrum +++ UFIP Experience Balst Cymbals +++ MAPEX Design Lab Cherry Bomb Drums 2470
Beats für Popstars

Pat Fa im Interview

Pat Fa(Bild: Tom Schäfer)

Eigentlich ist er ein Phänomen. Denn Patrick Fa gilt als einer der meist beschäftigten Schlagzeuger Deutschlands, der seit Ewigkeiten die Position des Tour-Drummers kompromisslos besetzt. Und das in einer Zeit, die den angeblichen Untergang handgemachter Live-Musik lange schon propagiert hat. Doch dieses Szenario verpufft angesichts seiner Terminkalender-sprengenden Auftragslage augenblicklich.

Patrick Fa ist ein Schlagzeuger, der in der Popwelt zu seiner Ausdrucksstärke findet und Acts wie Rea Garvey und Stefanie Heinzmann sowie große Tour-Produktionen die „The Voice of Germany Live“ mit dem richtigen Puls anschiebt. Das alles ist für ihn kein Hexenwerk, allerdings so explizit ausgecheckt, dass gerade diese Künstler auf den cleveren Sound des erfahrenen Drummers bauen.

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Interview

Patrick, du bist weder ein Thomas Lang, noch ein Benny Greb, die in der Drummer-Szene im Fokus stehen, doch du spielst allerdings wahrscheinlich mehr Gigs als beide zusammen?

Pat Fa: (lacht) Der Working Drummer wird ja gebraucht! Die großen Namen stehen halt in der Schlagzeuger-Szene im Fokus und man nimmt sie eher wahr. Aber außerhalb dieses Lichtkegels gibt es die ständig aktiven Sidemen. Und genau dort bin ich zuhause.

In diesem Feld bist du seit geraumer Zeit omnipräsent. Du spielst zum Beispiel mit Rea Garvey die großen Arena-Gigs und da wundert es mich, dass ein Schlagzeuger deiner Erfahrung und mit all dem Wissen um die popmusikalische Groove-Welt nicht als Topact zu jeglichen Drum-Festivals geladen oder für Drum-Workshops gebucht wird.

Pat Fa: Ich bin damit verheiratet, das ganze Jahr über mit verschiedenen Bands zu touren. Das ist mein Ding. Ich fühle mich in meinem Tour- und Live-Umfeld wohl und habe da sehr viel zu tun. Ich muss meine Gigs spielen. Das ist mein Job. Drum-Festivals und Drum-Camps sind eine andere Welt, und da gibt es Schlagzeuger, die genau darin ihren Weg gefunden haben. Das kann äußerst befriedigend sein, weil man sich intensiv mit seinem Instrument beschäftigen und in den gesamten Kosmos des reinen Schlagzeugspiels eintauchen kann. Ich jedoch definiere mich nur über die Musik. Hinzu kommt, dass ich bei Rea Garvey, Stefanie Heinzmann und diversen anderen Projekten musikalischer Leiter bin. Da bekommt die Rolle des Trommlers genau das, was mir besonders liegt. Hier geht es mehr um die Musik als Gesamtes und nicht nur um das Schlagzeugspielen. Als Dirigent einer Band betrachte ich mich selber dann als Teil des Ganzen und kann mich über ein feines Tom-Fill genauso freuen wie über eine schön gespielte Gitarre.

Pat Fa Drumkit(Bild: Tom Schäfer)

Wie kommt man dazu, als Schlagzeuger MD – Musical Director – zu werden?

Pat Fa: Angefangen hat das damals bei DSDS. Irgendwer musste den Job ja machen … (lacht) … und dann übernahm ich das Zepter schließlich auch bei Stefanie Heinzmann …

… und bei Rea Garvey?

Pat Fa: Rea hat mich von Anfang an als Drummer und MD gebucht. Als wir uns vor Jahren kennenlernten, waren wir gleich auf derselben Wellenlänge. Wir spielten einen Gig zusammen und Rea meinte, wenn es mal soweit wäre mit seinem Soloprojekt, dann würde er mich anrufen. Das tat er dann auch! Rea selbst hat sehr viel Output und ebenso viel Input für die Band. Im Prinzip kann er den MD selber machen. Aber als es mit seinem Soloprojekt immer größer wurde, war es erforderlich, den MD-Posten jemandem zu übergeben, weil er tausend andere Medientermine einhalten muss, sei es für die eigene Promotion oder im Rahmen der Fernsehproduktion „Sing meinen Song“. Wenn es um die Planung der Tour geht, dann treffe ich mich mit ihm, mache ein paar Vorschläge und er sagt mir, wie er die Songs hören möchte. Danach erarbeite ich dann weitgehend alleine mit der Band die Arrangements und probe sie auch ein. Ich sehe mich als seine rechte Hand.

MD zu sein bedingt ja auch, dass du dich sehr gut mit den Song-Arrangements sowie auch Keyboards, Gitarren und Bass auskennen musst.

Pat Fa: Um den Aufbau von Stücken zu checken, habe ich es mir angewöhnt, alle Songs von Stefanie und Rea auf der Akustikgitarre zu spielen und die Harmonien und Arrangements zu verstehen. Auf diese Weise kann ich die Songs von einer ganz anderen Seite betrachten. Das war ein Türöffner. Und dann habe ich mich auch mehr von der reinen Trommlerwahrnehmung verabschiedet. Ich kann Musik inzwischen in ihrer Gesamtheit besser verstehen und nicht nur aus der Trommlerperspektive betrachten. Dieser Umstand hilft mir wiederum in meiner Ausdrucksweise als Schlagzeuger. Dadurch habe ich einen größeren Blick auf das Gesamte und bin nicht mehr so schlagzeugmäßig high end kanalisiert. Man darf sich selbst nicht zu wichtig nehmen, denn am Ende muss das gesamte Bild geil klingen.

Als Live-Drummer der Stars bist du wahrscheinlich mehr on the road als irgendwo anders?

Pat Fa: Zweihundert Gigs pro Jahr waren früher gesetzt. Und es gab Peaks, da habe ich auch an der 250er-Marke gekratzt. Und an einem Day-Off hab ich auch noch irgendwelche Einzel-Gigs mitgenommen. Da gab es dann auch mal einen schnellen Gig in Sardinien und du denkst dir: „Okay, da war ich noch nie – also annehmen!“ Und am Ende hast du nichts gesehen von Sardinien, weil du nur todmüde im Bus geschlafen hast. Aber Hauptsache gemacht! (lacht) Das waren die wilden Jahre. Da hatte ich ultra Bock drauf – egal wie Kopfschuss das war. Aber den Wahnsinn mache ich heute nicht mehr. Außerdem sind die Acts größer geworden und ich brauche mehr Zeit, um zum Beispiel eine Rea-Tour vorzubereiten. Anfang 2019 macht Stefanie Heinzmann zusammen mit James Blunt „Art on Ice“ und da fang ich Monate vorher schon an, mir Arrangements zu überlegen. So einen Job als MD muss man auch gewissenhaft und gut machen. Sonst bleibt man das nicht lange.

Pat Fa Drumkit(Bild: Tom Schäfer)

Wie ist es nun mit dem reinen Schlagzeugspiel bei Rea Garvey? Die popmusikalische Welt ist für einen Schlagzeuger ja kein Hexenwerk.

Pat Fa: Mit Rea bin ich sehr happy, zumal ich total auf seine Musik stehe, und natürlich auch auf die Musik von Stefanie Heinzmann. Das ist schon mal ein Riesenvorteil. Früher bei meinen DSDS-Sachen war das noch anders gewichtet und ich hätte mir nicht unbedingt jede Platte zuhause angehört. Damals fand ich es wichtig, dass es mit der Band Bock macht und dass es knackt. Heute sind mir die musikalischen Ansprüche sehr viel wichtiger. Umso besser ist es, dass der Sound von Rea und Stefanie meinem Geschmack entspricht.

Oft ist Popmusik auf den „Two and Four Backbeat“ reduziert. Wird das auf Dauer nicht langweilig?

Pat Fa: Ich werde keineswegs müde davon, jahrelang den Backbeat zu spielen. Denn durch die unterschiedlichen Acts – und das sind ja neben Rea und Stefanie einige andere auch – kommt immer wieder die Motivation auf.

Bei welchen weiteren Acts spielst du aktuell?

Pat Fa: Aktuell spiele ich zum Beispiel mit dem Comedian Luke Mockridge. So ein Comedy-Programm ist ein ganz anderes Feld. Mit der Band machen wir sowohl die Arena-Shows, als auch seine Fernsehshows – also im Prinzip das, was die Heavytones bei Stefan Raab gemacht haben. Sowas hält einen megafrisch! Dann habe ich immer wieder kleine Konzertreisen mit Cassandra Steen und spiele jetzt zum siebten Mal die „The Voice of Germany Tour“. All diese Projekte sind vom Anspruch und der Darbietung schon sehr gemischt. Für mich als Drummer beflügelt sich das auch gegenseitig, denn Dinge übertragen sich von einem Act zum nächsten, egal ob das spielerische Ideen sind, ein bestimmter Touch oder auch soundmäßige Ideen.

Bei der „The Voice…“-Tour hast du deinen Fuß seit Jahren in der Tür. Wie machst du das? Einmal eine gute Visitenkarte abgegeben und dann ist der Gig sicher wie eine Bank?

Pat Fa: Das ist ein heiß umkämpfter Posten! Ich bin happy, dass es immer wieder klappt. „The Voice“ ist eine Produktion und keine Band, mit der man sich wochenlang trifft und übt. Die Probezeit ist sehr begrenzt, man muss Dinge schnell raffen. Zudem ist „The Voice“ ein krasser Unterschied zu Stefanie Heinzmann oder Rea Garvey. Denn Stefanie macht den ganzen Abend Musik von Stefanie und Rea spielt den ganzen Abend Songs von Rea Garvey. Aber bei „The Voice“ spielst du Foo Fighters, gefolgt von Frank Sinatra, und im Anschluss begleitest du ein Mädchen mit einem Norah-Jones-Song. Man muss nicht nur die Rollen schnell verstehen, sondern auch das Schlagzeug nach „Frank Sinatra“ oder nach „Norah Jones“ klingen lassen. Da hilft die Zeit aus dem Musikstudium schon sehr, um recht flexibel mit Styles und Spieltechniken umgehen zu können. Wenn es plötzlich heißt „Swing – bitte Besen raus!“, da kann ich mich zurechtfinden. Ich bin ganz sicher kein Jeff Hamilton, muss aber auch nicht vor der Situation kapitulieren. (lacht) Man muss den Approach schnell ändern können, sonst bräuchte ich den „Voice“-Job nicht anzunehmen. Hier bin ich ausschließlich Schlagzeuger und genieße das auch voll. Besonders dann, wenn ich meinen eigenen Sound hin und wieder einbringen kann.

Pat Fa Drumkit(Bild: Tom Schäfer)

Inwiefern kannst du das, wo das doch fast alles Cover-Songs mit eigenem Style sind?

Pat Fa: Ab und zu gibt’s auch ein bisschen Drum-Feuerwerk, zum Beispiel beim Intro der Show. Da gibt’s dann etliche Kicks und das Licht ist darauf programmiert und man ist schnell in der Gospel-Chops-Welt. Was früher Fusion war, ist ja jetzt Gospel-Alarm. Da kommen einem Aaron Spears, Gerard Heyward und diese Kaliber in den Sinn. Seit einiger Zeit versuche ich dem aber einen neuen Ansatz zu geben und stelle mir den Touch eines Steve Jordan, Questlove oder Aaron Sterling vor. Und dann spielst du das mit deinem Style und kannst es auch ganz eigen interpretieren.

Damit kommen wir zum persönlichen Charakter eines Schlagzeugers. Alle großen Drummer haben ihr Alleinstellungsmerkmal, das sie unverwechselbar macht. Wie ist das bei dir? Wo siehst du deine Signatur?

Pat Fa: Ich habe diese Touring-Gigs, weil Bands mit mir gut funktionieren und gut klingen. Deswegen ruft man mich an. Ich gebe mir wirklich sehr viel Mühe mit den Drumsounds und damit, die Song-Arrangements richtig gut zu spielen.

Welcher ist der trickreichste Groove bei Rea Garvey?

Pat Fa: Trickreich im Allgemeinen sind die vielen Tribal-artigen Grooves auf der neuen Platte „Neon“. Da muss man sich überlegen, was von Ableton abgefeuert wird und welche Parts von mir kommen. Das Ganze muss man dann auch gut verzahnen. Das ist tricky! Einer meiner Lieblings-Grooves ist „Heart Of An Enemy“. Ein rollender Groove, der das ganze Set beinhaltet.

Ist es deine Gabe, die Idee eines Songs auf den Punkt zu bringen? Mit kompromisslosem Groove?

Pat Fa: Was ich schon mal gehört habe, ist, dass mein Backbeat anspricht. Das ist wahrscheinlich meine Stärke. Das finde ich abgefahren, weil meine linke Hand das schwächste Glied ist und trotzdem hauptverantwortlich für meinen Sound. Dazu fällt mir eine kuriose Geschichte ein, denn mir wurde mal die Live-Aufnahme eines Songs zugeschickt, den ich mir als Vorbereitung auf eine Show raushören sollte. Dieser Song kam mir zunächst nicht bekannt vor und beim Transkribieren der Drums dachte ich noch, wer hat das getrommelt? Es war so sehr mein Spielstil und auch den Snaresound mochte ich. Der Typ spielte genauso wie ich. Dann kam ich endlich drauf, dass ich es selber war auf dieser Aufnahme. Es war bemerkenswert, mich über diesen Umweg selber zu hören, ohne es zu wissen. Ich stellte fest, dass ich es mag, wie ich spiele. Aber mein Spiel selber zu mögen, dazu musste ich 40 Jahre alt werden! (lacht)

Pat Fa Drumkit(Bild: Tom Schäfer)

Ein Backbeat ist ja nur ein Teil im Kontext eines Grooves. Trotzdem liegt darin eine besondere Gewichtung. Was ist also die Faszination eines Backbeats? Der Sound? Die Intensität des Schlags? Das nicht wirklich messbare Mikrotiming?

Pat Fa: Es ist eine Kombination aus allem. Je länger man Schlagzeug spielt, desto größer wird auch die Detail-Erkenntnis. Man findet ungeahnte Dinge heraus. Ich hatte letztes Jahr eine Konzertreise mit Cassandra Steen durch Indien. Sie ist ja bekannt für ihren fast zerbrechlichen akustischen Sound. Zwar ist es keine Balladen-Besenmusik, sondern schon eher die starken Glashaus-HipHop-Beats mit Power. Aber alles musste in Flüsterlautstärke gespielt sein. Also habe ich nach einem Weg gesucht, damit meine Grooves nicht dünn, sondern stark und intensiv klingen, aber trotzdem nicht laut. Und beim Faktor Backbeat ist so etwas schwierig. Ich habe das dann umgesetzt über innere Energie und versucht so zu spielen, als wäre es laut, ohne dabei auf die Snare einzudreschen. Und plötzlich breitete sich innerhalb der Band ein Gänsehaut-Kraftfeld aus. Vielleicht war auch ein bisschen Voodoo dabei. Aber auch ein bisschen Willenskraft, wenn man im Kopf etwas hört und man das unbedingt will und der Körper muss das umsetzen. Die innere Kraft des Tuns ist ein nicht zu unterschätzendes Wesensmerkmal des Schlagzeugspielens.

Ich glaube, das ganze Schlagzeug hat etwas mit Voodoo zu tun, weil es so einige Drummer gibt, denen man gerne zuhört und die einfach fantastisch klingen, ohne es genau begründen oder an bestimmten Details festmachen zu können.

Pat Fa: Das stimmt! Manche Drummer haben diesen „fairy dust“. Da ist etwas, das es unwiderstehlich macht. Und solche Drummer geben mir ein gutes Gefühl. Es sind die Vision und auch die Willenskraft, die einen Sound entstehen lassen. Solche Dinge sind technisch nicht messbar, es ist wirklich ein bisschen Voodoo. Manche haben einfach dieses Unerklärbare „on top“.

Kommen wir mal zu den irdischen Dingen zurück. Wie gehst du eigentlich rein Business-mäßig vor? Hast du einen festen Satz für deine Arbeiten als MD und Tour-Trummer? Man muss ja die künstlerische Arbeit durch einen messbaren Geldwert definieren, oder?

Pat Fa: Ich habe keinen Agenten und muss mich durch die Finanzwelt immer wieder durchkämpfen. Das ist auch von Situation zu Situation sehr unterschiedlich. Es gibt kleine Projekte die nicht viel Geld abwerfen. Zum Beispiel spiele ich mit der jungen Künstlerin Ment, die ich großartig finde. Da gibt’s kaum Budget, aber ich spiele trotzdem. Würde ich ein großes Honorar verlangen, müsste sie sich das Geld leihen. Das macht ja keinen Sinn. Da gehe ich nicht hin und sage: Ein Patrick Fa macht das nicht. Die Musik ist wichtig, ihr Projekt ist wichtig und auch, dass wir den Zauber auf die Bühne bekommen. Denn gerade die kleinen Projekte machen oft mega Bock, weil man mit neuen Künstlern und jungen Ideen zu tun hat. Das wiederum gibt mir viel zurück und bedeutet mir in dem Moment mehr als der Gedanke einer materiellen Vergütung.

Welche war die wichtigste Entscheidung in deinem Schlagzeugerleben?

Pat Fa: Damals nach dem Studium habe ich jeden Gig angenommen, der mir über den Weg lief: Latin, Fusion, Jazz – alles! Ich hatte meine antrainierten Skills, aber nicht unbedingt das Gefühl, dass ich all die Styles von Grund auf wirklich gut spielte. Das hat mich auf Dauer nicht befriedigt. Irgendwann war ich in der Popwelt und kannte mich besser aus. Da hatte ich eine Meinung und entwickelte auch einen Geschmack für Grooves und Sounds. Mir fiel es plötzlich leicht, Songs gut zu spielen. Seit diesem Moment habe ich radikal Schluss damit gemacht, Gigs anzunehmen, die ich nicht gut bedienen kann. Das war die wichtigste Entscheidung, sonst wäre ich auf der Strecke geblieben in diesem Halbfeld. Heute mache ich das, was ich wirklich kann. Und man macht ja gerne das, was man am liebsten gut macht!

Ein Drumsound bestimmt in großem Maße auch den Sound der Band. Welche Kriterien setzt du im Beispiel Rea Garvey an?

Pat Fa: Es geht mir in erster Linie um den perfekten Sound für das Live-Konzert. Hier probiere ich Trommeln und Becken aus und sehr viele Fellkombinationen. Die Fragen des Sound-Designs möchte ich natürlich auch mit unserem FOH Sven Bonse absprechen. Das gleiche mit Hannes Meiser bei Stefanie Heinzmann. Die bestimmten Signature-Elemente, Sounds oder Loops machen wir über Ableton. Meine Aufgabe sehe ich darin, eine zusätzliche Ebene zu schaffen, um es live noch geiler als auf der Platte klingen zu lassen. Bei Rea Garvey sind das ganz klar Big Drums, Big Cymbals und ein massiver Drumsound. Hier kommt mir mein Job als MD natürlich zugute – ich darf den Sound mitbestimmen.

Pat Fa Drumkit(Bild: Tom Schäfer)

Wir sollten über dein neues Schlagzeug reden. Aktuell und seit kurzem spielst du Ludwig Drums sowie Paiste Cymbals? Warum dieser Wechsel?

Pat Fa: Ich bin gar nicht so der Endorsement-Wechsler. Ich habe 25 Jahre Sonor gespielt. Aber irgendwann kam die Vorstellung eines Ami-Sounds auf und ich dachte mir Gretsch, DW oder Ludwig wären der richtige Weg. Mit Gretsch hat es dann lange Zeit über 10 Jahre fantastisch funktioniert. Gretsch baut genauso super hochwertige Schlagzeuge wie Sonor. Das ist absolut High Class. Letztendlich wollte ich klanglich noch einen Schritt weitergehen in diese Voodoo-Richtung und suchte diesen typischen „Vintage-Ami-Drumsound“. So ist es Ludwig geworden.

Was verstehst du unter „Vintage-Ami-Drumsound“?

Pat Fa: Einen fetten, runden Sound, warm, groß, sahnig! Bei Ludwig Drums höre ich dieses Organische und die haben einfach dieses Voodoo-Ding … die wollen einfach gut klingen! Das sind Rockstars! Ich musste mich natürlich auch etwas drauf einstellen, weil die Toms auf Fellkombinationen anders reagieren als ich es gewohnt war. Trotzdem sind die Drums flexibler als erwartet und man kann auch unterschiedliche Klangrichtungen ansteuern. Bei „The Voice“ klinge ich mit einem Ludwig Maple Set druckvoll aufgeräumt, bei Rea habe ich diesen Ludwig Classic Rock-Sound mit großer Kick, und bei Stefanie bediene ich den warmen Questlove/Steve-Jordan Soul-Sound mit einem Ludwig Legacy Mahogany Kit. Ich war immer super happy mit allen meinen Sonor und Gretsch Schlagzeugen. Aber jetzt ist Ludwig mein Sound. Der zweite große Sound-Charakter, der mich beschäftigt, ist der britische Drumsound! Wild, ungestüm, schepperig, crashig oder auch mal dumpf und muffig … alles andere als perfekt, aber mit einer Menge Charakter.

Pat Fa Drumkit(Bild: Tom Schäfer)

Und wie war das mit Paiste?

Pat Fa: Paiste ist meine Kindheitsliebe. Ich habe schon als Kind Schlagzeuge mit Paiste-Becken gemalt. Dann bin ich für Aufnahmen zur Rea-Platte „Pride“ nach Island geflogen und der Producer im „Sundlaugin Studio“ wollte, dass ich die Tracks ohne Becken spiele, damit er die Raummikros aufreißen kann. Alle Cymbals habe ich dann als Overdubs eingespielt …

… Zwischenfrage: Auch die Hi-Hat? Das ist ja nicht einfach, ohne Hi-Hat in den Groove-Flow zu kommen?

Pat Fa: Da haben wir uns auch gewundert, aber es war tatsächlich einfacher als gedacht. Mein Spiel ist ja sehr strukturiert und das Groove-Design war auch durchdacht. Deshalb wusste ich immer genau, wo noch eine Hi-Hat-Öffnung hin muss oder ein Becken. Bei den Overdubs benutzten wir zum Vergleich Paiste sowie auch Cymbals verschiedener anderer Hersteller und konnten in der Regie die Becken-Sounds parallel checken. In diesem Studio klangen die Paiste Cymbals einfach am geilsten. Das fand ich sehr interessant, denn sie klangen nicht am geilsten im Studioraum am Set. Dabei fand ich die Auffassungsgabe des Producers inspirierend, als er sagte: „Mics hear!“ Bei uns in Deutschland sagt man ja immer, Mikrofone zeichnen auf. Aber die Amis gehen da von der Hörcharakteristik eines Mikrofons aus. Grundsätzlich hören Mikros ja viel schlechter als das menschliche Ohr. Aber die Overheads hörten genau diese Klanganteile der Paiste-Becken, die für einen guten Cymbalsound nötig sind. Wahrscheinlich funktionieren Paiste-Becken deswegen auch so gut im Studio. Da ist auch wieder Voodoo drin! (lacht) Und so war Paiste in meinem Bewusstsein plötzlich wieder präsent. Weil wir mit Stefanie Heinzmann in der Schweiz sehr bekannt sind und Paiste ja eine Schweizer Firma ist, klappte die Verbindung auf Anhieb. Ludwig/Paiste – das ist eine sexy Kombi.

Pat Fa Drumkit(Bild: Tom Schäfer)

Interessant ist deine megagroße 17″ Hi-Hat. Was hat es damit auf sich?

Pat Fa: Das ist einfach erklärt: Steve Jordan spielt dieses Modell! Er ist einer meiner ganz großen Heroes, so wie Questlove auch, halt diese Drummer, die auch MDs, Multiinstrumentalisten, Producer und Musician Dudes sind. Ich hatte vor, diese Hat bei Stefanie Heinzmann einzusetzen, also wegen Steve Jordan und Soul und so. Aber sie war in diesem Kontext zu mächtig und dadurch zu träge. Also hab ich sie bei Rea ausprobiert und dort passt sie perfekt. Mittlerweile spiele ich sie auch bei Luke in der TV-Show! (lacht) 17″ Hi-Hat in der TV-Band – fett!

Deine Pedale scheinen auch ein bisschen vom Voodoo-Zauber gekostet zu haben. Du hast sie mit Sandpapier überzogen! Was ist denn da los?

Pat Fa: Ich spiele die Bassdrum relativ laut und für mich ist es gut, wenn ich Grip habe. Da rutsche ich nicht ab und alle Power geht ins Pedal. Das mit dem Sandpapier ist wohl recht unique. Zumindest kenne ich niemanden, der sein Pedal willentlich mit solch einer Antirutschbeschichtung überklebt. (lacht).

Pat Fa(Bild: Tom Schäfer)

Retro-Drumsets mit einem Tom und zwei Floors sind heute ziemlich angesagt. Zudem hast du noch ein Gong-Tom. Was hat dich zu diesem Setaufbau inspiriert?

Pat Fa: Die Gong-Drum macht tatsächlich total Sinn und ist keine Spielerei. Ich spiele die nicht als drittes Floor-Tom, sondern setze sie dann ein, wenn ein Floor-Tom nicht den nötigen „Thud“ hat, um so flappig zu klingen und eine Bassdrum viel zu kurz ist. Die Gong-Drum kommt also ausgesucht zum Einsatz, wenn Tribal-Groove-artige Sounds angesagt sind, zum Beispiel bei den Rea-Songs „God Ugly World“ und „Colour Me In“.

Dein Schlagzeug-Sound ist authentisch, echt und akustisch? Da wird nichts getriggert?

Pat Fa: Es ist eine Frage des Groove-Designs, denn den Sound der Gong-Drum hätte ich ja auch gut vom SPD-SX abfeuern können. Doch dann fehlt der Voodoo! So einen mächtigen Sound hören und nur auf einem kleinen Gummi-Quadrat spielen – das wollte ich nicht! Mein Schlagzeug ist rein akustisch.

Pat Fa Drumkit(Bild: Tom Schäfer)

Rea Garvey Neon Tour 2018

Drums: Ludwig Classic Maple (Aged Onyx)

  • 24″ x 14″ Bassdrum
  • 13″ x 9″ Tom
  • 16″ x 16″ Floor Tom
  • 18″ x 16″ Floor Tom
  • 20″ x 14″ Gong Drum

Snaredrums: Ludwig

  • 14″ x 6,5″ Black Beauty
  • 14″ x 6,5″ Raw Brass
  • 14″ x 6,5″ Copperphonic

Cymbals: Paiste

  • 17″ Steve Jordan Hi-Hat Combo
  • 22″ Masters Crash Ride
  • 20″ Formula 602 Thin Crash
  • 20″ F602 Modern Essentials Crash
  • 22″ Masters Thin

Felle: Remo

Snaredrum: CS Snare/Ambassador Snare

Bassdrum: PS3 Black Dot

Toms: Vintage Emperor clear (top)/Diplomat coated (bottom)

Drumsticks: Vic Firth AJ 1/2 Custom Stick

Elektronik:

  • RME Audio Interfaces UFX/UCX/UC
  • Ableton live 10

Extras:

  • Snare Weight Dämpfer
  • Big Fat Snare Drum Muffler

Percussion: Meinl

Equipment Stefanie Heinzmann

Drums: Ludwig Legacy Mahogany (Vintage Blue Oyster)

  • 22″ x 14″ Bassdrum
  • 13″ x 9″ Tom
  • 16″ x 16″ Floor-Tom

Snaredrums: Ludwig

  • 14″ x 6,5″ Acrolite Hammered
  • 14″ x 5″ Black Beauty

Cymbals: Paiste

  • 16″ Masters Thin Hi-Hat
  • 22″ Masters Dark Ride
  • 20″ Masters Thin

The Voice of Germany Tour-Kit

Drums: Ludwig Classic Maple (Black Sparkle)

  • 22″ x 16″ Bassdrum
  • 10″ x 8″ Tom
  • 12″ x 9″ Tom
  • 16″ x 16″ Floor-Tom
  • 20″ x 16″ Gong Drum

Snaredrums: Luwig

  • 14″ x 6,5″ Supraphonic LM402
  • 14″ x 5″ Supraphonic LM400

Cymbals: Paiste

  • 15″ Formula 602 Medium Hat
  • 22″ Masters Dark Dry Ride
  • 18″ Signature Full Crash
  • 19″ Signature Full Crash
  • 20″ Signature Full Crash
  • 18″ PST-X Swiss Thin Crash
  • 10″ PST-X Swiss Splash

Felle: Remo

Snare: CS Snare/Ambassador Snare

Bassdrum: PS3 clear

Toms: PS4 clear (top)/Diplomat clear (bottom)

Pat Fa Drumkit(Bild: Tom Schäfer)

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Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
STEWART COPELAND - Orchester-Rausch! +++ LUIS RIBEIRO (The World of Hans Zimmer) +++ YAMAHA Live Custom Hybrid Oak Drums +++ LP PRO Tambourines +++ K ZILDJIAN Cluster Crash Cymbals

Kommentar zu diesem Artikel

  1. ZU DEN BESTEN STEFANIE UND REA GEHOERT DER BESTE! PAT IST EIN WAHRER KOENNER SEINES FACHS!
    SENSIBEL UND STARK ZUGLEICH! EIN MACHER UND KÜNSTLER IM WAHRSTEN SINN DES WORTES! ES IST EINE FREUDE IHN ZU HOEREN UND SEINE MUSIKALISCHE HAND ZU SPUEREN! ER IST HALT SO WIE ER IST! EIN MEISTER SEINES FACHS!

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